Museum für Naturkunde Berlin
Leibniz-Institut für Evolutions- und
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Invalidenstr. 43
10115 Berlin
Der Klimawandel und die damit verbundenen, verstärkt auftretenden Extremwetterlagen und Folgeerscheinungen, wie Schädlingskalamitäten, haben einen stark negativen Einfluss auf das historische Natur- und Kulturerbe. Durch die zumeist fragilen natürlichen Materialien sind naturwissenschaftliche Sammlungen unmittelbar davon betroffen. Ohne geeignete Maßnahmen zur präventiven Konservierung droht eine fortschreitende und beschleunigte Materialzerstörung einer großen Menge unikaler und unwiederbringlicher Objekte. Das geplante Vorhaben setzt am Objekt selbst an. Mit dem Ziel, die Umwelt-Resilienz der wertvollen und sensiblen Sammlungsobjekte gegenüber den herausfordernden klimatischen Bedingungen zu stärken, sollen modellhaft drei innovative Lösungsansätze durch Weiterentwicklung und Gewährleistung einer sicheren Praxisanwendung an historischen Objekten in die konservatorische Praxis überführt werden:
- Methoden für eine vorübergehende schonende Flexibilisierung starrer organischer Objekte, um diese in eine dauerhaft günstige Lagerungs- und Nutzungsform zu überführen
- pH-Justierung der Objekte zur Verlangsamung des fortschreitenden Materialabbaus durch alterungs- und umweltbedingte Prozesse
- eine vom Umgebungsklima unabhängige und materialspezifisch anpassbare Objektverpackung
Im Ergebnis stehen praxisnahe, erprobte Prozesse und Produkte, Entscheidungshilfen zur Risikoabschätzung, Workflows und konkrete Arbeitsanweisungen für konservatorische Maßnahmen bereit. Die genannten Methoden und Technologien werden modellhaft anhand der besonders anspruchsvollen und komplexen Objektklasse der Säugetierfelle weiterentwickelt und erstmals an historischen Sammlungsobjekten erprobt. Die Ergebnisse fließen direkt in den Erhalt der Sammlung ein, sind aber auch auf andere Objektklassen und Sammlungstypen übertragbar. Die Erkenntnisse aus dem Projekt werden über Publikationen und Workshops mit vielfältigen Nutzergruppen mit ähnlichen Herausforderungen (empfindliche wertvolle °³Ü±ô³Ù³Ü°ù²µÃ¼³Ù±ð°ù, Umlagerung, Umzüge) als auch der breiten Öffentlichkeit geteilt und diskutiert. Ziel ist weiterhin die Verbreitung der entwickelten Technologien und Produkte innerhalb der Museums-Community und darüber hinaus – sowohl als Dienstleistung als auch als auch im Vertrieb. Das Vorhaben verfolgt dafür einen interdisziplinären Ansatz und eine unmittelbar anwendungsorientierte Forschung in Kooperation mit einem mittelständischen Unternehmen (ZFB ZENTRUM FÜR BUCHERHALTUNG GmbH).
Das Vorhaben fokussiert auf drei konkrete Lösungsansätze und wird ergänzt durch den Wissenstransfer. Dadurch ergeben sich vier Arbeitspakete (AP). Die Bearbeitung der AP erfolgt überwiegend parallel, iterativ und miteinander verzahnt. Alle Lösungsansätze arbeiten dem übergeordneten Ziel zu - einer Stärkung der Umwelt-Resilienz wertvoller °³Ü±ô³Ù³Ü°ù²µÃ¼³Ù±ð°ù.
Zunächst erfolgt in Rahmen von AP1 (Flexibilisierung) eine Objektkategorisierung u.a. nach Tierart, Hautstärke, Erhaltungszustand und Konservierungsmethoden um eine belastbare Grundlage für alle folgenden Behandlungsschritte zu schaffen. Auf dieser Datengrundlage erfolgt die Zuordnung zur zukünftigen Lagerungsform sowie in AP2 (pH-Justierung) und AP3 (Klimaverpackung) eine Einordnung zu den spezifischen Behandlungsverfahren und die Abschätzung des Ressourceneinsatzes (Zeit und Mittel). Darauf aufbauend wird sowohl ein Workflow für die vorübergehende Flexibilisierung mittels Befeuchtung/Trocknung als auch eine passende Verpackung entwickelt. Letztere soll innerhalb der Projektlaufzeit (und darüber hinaus) auf die Qualität und Stabilität des Mikroklimas innerhalb der Verpackung hin untersucht werden. Die erfolgte Flexibilisierung ermöglicht eine weitere Bearbeitung und damit auch die vollflächige Behandlung zur pH-Justierung. Auch bei der Auswertung der Ergebnisse, der Ableitung einer Risikoabschätzung und der Erstellung von Handlungsempfehlungen wird auf die Kategorisierung zurückgegriffen, um allgemeingültige Kriterien zur Einschätzung abzuleiten. Erkenntnisse aus allen Teilschritten fließen über den gesamten Zeitraum in den Wissenstransfer ein – zur Reflexion, Weitergabe und Publikation.
Das Vorhaben setzt bei den zwei 'inneren Ebenen' an, am Objekt selbst sowie seiner Verpackung. Die Verbesserung der Resilienz auf diesen Ebene erhöht die Unabhängig der Objekte gegenüber Umwelteinflüssen und suboptimalen Bedingungen auf den nächsten Ebenen (Raum, Gebäude). Das ist der erste, direkte Schritt zu einer Umweltentlastung bei dauerhaften Schutz und Sicherung von einmaligem Kulturgut.
Der innovative Charakter liegt in der Realisierung und Etablierung von drei Methoden und Technologien:
- einer neuartigen pH-Justierung zur Behandlung stark übersäuerter organischer Materialien
- einer schonenden und zielwertgenauen Trocknung befeuchteter Objekte unter Vakuum
- einer nachhaltigen Verpackung in luftdichten und aktiv das Mikroklima beeinflussenden und stabilisierenden Beuteln