Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien
Gotenstr. 14
20097 Hamburg
Die immer stärker zunehmende Nutzung und Verbreitung von Lithium-Ionen- Batterien (LiB) führt dazu, dass die Frage nach einer nachhaltigen Entsorgung und Wiederverwendung selbstverständlich an Bedeutung gewinnt. Aktuell bestehen erhebliche Defizite in der Schaffung effizienter Stoffkreisläufe und im Zugang zu praktikablen Recyclingstrategien, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).
Das übergeordnete Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines umfassenden Entscheidungshilfesystems, das KMU`s dabei unterstützt, die geeignetsten Recyclingstrategien für LiB zu identifizieren. Dabei werden zwei zentrale Fragestellungen betrachtet: Zunächst geht es um die Auswahl des optimalen Systems für die Stoffkreisläufe. Hierbei stellt sich die Frage, ob „Hersteller- bzw. Branchen-individuelle Stoffkreisläufe“ bevorzugt werden sollten oder ob auch „alternative Konzepte“ zur Verfügung stehen, die möglicherweise besser geeignet sind. Im zweiten Schritt soll die beste Recycling-Route ermittelt werden, wobei verschiedene Optionen zur Verfügung stehen, wie etwa die Wiederverwendung (ReUse oder Second Life Anwendungen), die stoffliche Verwertung von Kathodenmaterial oder die Nutzung der Batterien als Sekundärrohstoffe.
Durch die gezielte Analyse und Bewertung dieser Optionen wird ein praxisnahes Entscheidungssystem entwickelt, das nicht nur ökologische Vorteile bietet, sondern auch ökonomisch tragfähige Lösungen aufzeigt. Somit leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft und zur Ressourcenschonung im Bereich der Batterietechnologie, die im Einklang mit den Vorgaben der Europäischen Union sowie der Bundesrepublik Deutschland stehen.
Zusammen mit den Projektpartnern GRS Service GmbH, die ERLOS Produktion und Montagen GmbH, die Battery Damage Service GmbH, ECOLOGICON sowie die Robert Bosch Power Tools GmbH werden für die Entwicklung eines Entscheidungshilfesystems für Lithiumbatterien (LiB) bestehende Erkenntnisse gebündelt und aktualisiert. Dazu zählen im ersten Arbeitspaket eine Marktanalyse der Supply Chain, der Marktteilnehmer und -größen sowie die Bewertung aktueller Technologien zur Verwertung und Wiederverwendung von Batterien. Darüber hinaus werden Strategien für die Zukunft erarbeitet, die sowohl hersteller- und branchenspezifische Ansätze als auch alternative Konzepte berücksichtigen. EU-Vorgaben, Anforderungen an den Batteriepass und Aspekte der Produktverantwortung fließen dabei ein.
Im zweiten Arbeitspaket wird der Zustand von End-of-Life (EoL) LiB untersucht. Dazu werden Batterien aus Rücknahmestellen gesammelt, bei einem Recyclingunternehmen vorbehandelt und hinsichtlich Nutzungsdauer, Zustand (defekt/nicht defekt), Rückgabestellen und Endverbleib analysiert.
Das dritte Arbeitspaket befasst sich mit den Potenzialen für Wiederverwendung und Recycling. Hierbei wird die Eignung von EoL-Batterien für ReUse- und 2nd-Life-Anwendungen geprüft. Kennwerte wie State of Health (SoH) und State of Capacity (SoC) werden ermittelt und die Leistungsfähigkeit in Beispielanwendungen getestet. Parallel erfolgt die mechanische und chemische Aufbereitung, um Rohstoffe für die Kathodenproduktion oder Sekundärmaterialien durch thermische Verfahren zu gewinnen. Recyclingeffizienz und Recyclatqualität werden systematisch bewertet.
Im vierten Arbeitspaket entsteht eine Bewertungsmatrix mit Kriterien wie Kosten, Effizienz, Materialreinheit sowie ökologischen und sozialen Faktoren. Daraus werden Strategien zur Verwertung von LiB abgeleitet, die Akteuren entlang der Batterieprozesskette fundierte Entscheidungsgrundlagen liefern.
Das fünfte Arbeitspaket umfasst die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen, die KMU und andere Akteure bei der Implementierung des Entscheidungshilfesystems unterstützen. Diese beinhalten auch die Übertragbarkeit des Systems auf andere Zellchemien und Batteriearten.
Die Arbeitspakete sind eng miteinander verknüpft, wobei jedes auf den Ergebnissen des vorherigen aufbaut. Dank der Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern kann eine effiziente Arbeitsteilung und Durchführung gewährleistet werden.
Im Projekt EASLi wurde das Ziel erreicht, ein praxisnahes Entscheidungshilfesystem zur optimierten Verwertung von Lithium-Ionen-Batterien aus Elektrowerkzeugen zu entwickeln. Der Arbeits und Zeitplan (AP1–AP5, Meilensteine M1–M7) wurde vollständig eingehalten. Die geplanten Analysen, Sortierkampagnen und Praxisversuche konnten umgesetzt werden; Abweichungen im Kostenrahmen ergaben sich nicht wesentlich.
Die Ergebnisse zeigen, dass mehr als 50 % der untersuchten End-of-Life-Batterien Lithium-Ionen-Batterien sind und eine durchschnittliche Lebensdauer von ca. 10 Jahren aufweisen. Rund 50 % der LIB waren nicht tiefentladen und damit grundsätzlich für höherwertige Verwertungsstrategien geeignet. Technisch besteht ein erhebliches Potenzial zur Wiederinstandsetzung (bis zu ca. 30 % bei herstellernahen Stichproben), jedoch ist die wirtschaftliche Umsetzung aktuell aufgrund hoher Prüfkosten, rechtlicher Unsicherheiten und fehlender Geschäftsmodelle nicht gegeben.
Mit den entwickelten Entscheidungsbäumen wurde ein praxistaugliches Instrument geschaffen, das eine systematische Zuordnung zu drei Verwertungsloops (Wiederinstandsetzung, hochwertiges Recycling, robustes Recycling) ermöglicht und damit die Stoffstromqualität erhöht. Dies stellt gegenüber dem Status quo – einer überwiegend auf stoffliche Verwertung fokussierten Entsorgungskette – eine deutliche Verbesserung dar.
Die potenzielle Umweltentlastung ergibt sich insbesondere aus der optimierten Rückführung kritischer Rohstoffe (Ni, Co, Li) und der Vermeidung von Fehlströmen. Durch gezielte Sortierung und Vorbehandlung können Recyclingeffizienzen von bis zu 90–98 % besser genutzt werden. Gleichzeitig werden Sicherheitsrisiken reduziert und Transportaufwände minimiert.
Insgesamt zeigt sich, dass die Projektziele erreicht wurden und teilweise über gesetzliche Anforderungen hinausgehen, insbesondere durch die Integration höherwertiger Kreislaufstrategien. Ökologisch führt das System zu einer verbesserten Ressourcenschonung, ökonomisch zu höherer Planungssicherheit für KMU – bei gleichzeitigem Bedarf weiterer Automatisierung und Standardisierung.
Die Verbreitung der Projektergebnisse erfolgte durch die Aufbereitung im veröffentlichten Abschlussbericht sowie durch die Einbindung der Ergebnisse in bestehende Branchenstrukturen der beteiligten Partner (u. a. Stiftung GRS Batterien, Industriepartner). Die Ergebnisse wurden praxisnah aufbereitet (z. B. Entscheidungsbäume, Handlungsempfehlungen), um eine direkte Anwendbarkeit insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sicherzustellen.
Darüber hinaus wurden Ansätze für weiterführende Ö´Ú´Ú±ð²Ô³Ù±ô¾±³¦³ó°ì±ð¾±³Ù²õ²¹°ù²ú±ð¾±³Ù entwickelt, z. B. digitale Plattformlösungen, Informationskampagnen sowie mögliche Anwendungen in webbasierten Tools (inkl. perspektivischer KI gestützter Bilderkennung).
Zukünftig ist vorgesehen, die Ergebnisse über Branchenveranstaltungen, Fachvorträge und Kooperationen weiter zu verbreiten. Insbesondere KMU sollen durch einfach nutzbare Entscheidungslogiken, Leitfäden und potenzielle digitale Anwendungen (z. B. App-basierte Systeme oder Produktpasslösungen) profitieren.
Flankierend werden Maßnahmen wie Rücknahme und Informationskampagnen, digitale Produktpässe (QR Codes) sowie praxisorientierte Leitfäden diskutiert, um die Zugänglichkeit und Umsetzung der Ergebnisse im Markt weiter zu erhöhen.
Das Projekt EASLi hat gezeigt, dass eine systematische, datenbasierte Entscheidungsunterstützung entlang der Entsorgungskette einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft für Lithium Ionen Batterien leisten kann. Die gewählte Vorgehensweise – Kombination aus Markt-, Technik- und Praxisanalysen – hat sich als zielführend erwiesen und eine belastbare Grundlage für Handlungsempfehlungen geschaffen.
Die Ergebnisse verdeutlichen jedoch auch Grenzen: Höherwertige Strategien wie Wiederverwendung oder Wiederinstandsetzung sind technisch möglich, scheitern aktuell jedoch an wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Kurz- bis mittelfristig wird daher die stoffliche Verwertung (insbesondere hochwertige Recyclingpfade) die dominierende Lösung bleiben.
Alternativ bzw. ergänzend sollten zukünftig stärker standardisierte Batteriedesigns, digitale Produktpässe sowie automatisierte Sortier- und Diagnoseverfahren verfolgt werden. Auch ökonomische Anreizsysteme (z. B. Pfandsysteme) könnten die Rücknahmemengen und Qualität verbessern.
Insgesamt liefert das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Transformation hin zu einer ressourcenschonenden Batteriekreislaufwirtschaft. Es zeigt klar, dass neben technologischen Innovationen insbesondere regulatorische Klarheit und wirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend sind, um die identifizierten Potenziale vollständig zu realisieren.