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Projekt 38017/01

Innovative lasergebohrte Filtersiebe für das Kunststoffrecycling

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Wiremesh Protec GmbH
Boos-Fremery-Str. 62 // Veolia Ind
52525 Heinsberg

Zielsetzung

Durch die globale Klimaerwärmung und die verschärften Klimaschutzziele gewinnt eine nachhaltige und ressourcenschonende Produktion zunehmend an Bedeutung. Ein zentraler Bestandteil hierfür ist das Recycling im Sinne der Kreislaufwirtschaft, um Rohstoffe möglichst effizient und lange zu nutzen. Dadurch können Umweltbelastungen durch Rohstoffabbau und Abfall deutlich reduziert werden.
Von den jährlich in Deutschland anfallenden 107 Mio. Tonnen Abfällen bestehen rund 7 Mio. Tonnen aus Kunststoff. Davon werden aktuell nur etwa 2 Mio. Tonnen recycelt. Hauptursache für diese geringe Recyclingquote sind die im Vergleich zu Neuware etwa 20–30 % höheren Recyclingkosten.
Beim werkstofflichen Kunststoffrecycling wird das Material zerkleinert, eingeschmolzen und von Fremdstoffen gereinigt, bevor mittels Extruder neues Kunststoffgranulat erzeugt wird. Durch die steigenden Recyclingmengen nehmen jedoch auch die Störstoffanteile zu. Während bisher eingesetzte Drahtgewebefilter wirtschaftlich nur bis etwa 5 % Störstoffe filtern können, weisen heutige Recyclingmaterialien häufig Verunreinigungen bis 15 % auf. Dafür werden zunehmend lasergebohrte Filterscheiben eingesetzt.
Diese Laserfilter besitzen jedoch erhebliche Nachteile. Über einen Schaber werden die Störstoffe von dem Filter abgeführt, dabei wird aber auch die Filterscheibe mit abgeschabt. Dies führt zu einer unkontrollierten Vergrößerung der Bohrungsdurchmesser und damit Änderung der Qualität der gefilterten Kunststoffschmelze. Zusätzlich treten häufig Verstopfungen auf, die zu starken Schwankungen der Standzeit führen.
Ziel des Vorhabens ist daher die Entwicklung einer Filtereinheit mit erhöhter Standzeit und gleichzeitig gesteigerter Filterqualität. Dadurch sollen sowohl die Qualität der Kunststoffschmelze verbessert als auch die Betriebs- und Energiekosten von Kunststoffrecyclingmaschinen reduziert werden. Dies erhöht die Wettbewerbsfähigkeit recycelter Kunststoffe gegenüber Neuware und trägt zur Kompensation der wirtschaftlichen Nachteile des Recyclingprozesses bei.

Arbeitsschritte

Das Projekt ist in 7 Arbeitspakete, die teilweise parallel bearbeitet werden, unterteilt.
Im AP 1 werden Lastenheft, Randbedingungen und Testverfahren definiert.
Auf dieser Grundlage wird dann im AP2 eine neue Filtereinheit entwickelt und verschiedene Prozessketten zur Vor- und Nachbehandlung der Filterscheiben getestet. Dieses Arbeitspaket liefert sowohl den Input/die Startbedingungen für die nachfolgenden Arbeitspakete zu den Materialuntersuchungen (AP3) und dem Laserbohrprozess (AP4), ist aber gleichzeitig auch auf die Ergebnisse/Erkenntnissen aus diesen Arbeitspaketen angewiesen.
AP3 untersucht die Materialkombination von Filtersieb und Schaber, inklusive möglicher Härtemethoden.
Ziel der Weiterentwicklung des Bohrprozesses in AP4 ist die Herstellung einer optimierten Lochgeometrie, bei der sich auch nach Materialabtrag die Filterfeinheit nicht ändert. Eine Modulation des zeitlichen Verlaufs eines Laserpulses oder die Nutzung eines Pulsbursts aus zwei oder mehreren unterschiedlichen Laserpulsen sind vielversprechende Ansätze.
Im AP5 werden anhand erzeugter Bohrfelder aus AP4 Nachbearbeitungsschritte zur Entfernung der Oberflächenablagerungen und zur Reinigung der Filterscheibe untersucht.
AP6 beinhaltet die Herstellung von Prototypen auf Grundlage der neu entwickelten Filtereinheit im Rahmen von AP2 und den Zuarbeiten aus AP3 und AP4 mit anschließender Durchführung von Tests.
Abschließend werden in AP7 die Prozessketten mit den einzelnen Bearbeitungsschritten wirtschaftlich betrachtet und mit dem Stand der Technik verglichen.

Ergebnisse

Im Projekt wurden zunächst die Anforderungen an die Filtereinheit definiert und geeignete Werkstoffkombinationen untersucht. Auf Basis einer Literaturrecherche, der Analyse der im Recyclingprozess auftretenden Störstoffe sowie tribologischer Untersuchungen erwies sich insbesondere Schnellarbeitsstahl (HSS) in Kombination mit einem Schaber aus 1.2379 als vielversprechende Werkstoffpaarung. Die Ergebnisse zeigen gegenüber dem bislang eingesetzten Werkstoff 1.2344 deutlich geringere Verschleißtiefen und damit das Potenzial einer bis zu doppelt so hohen Standzeit der Filterscheiben.

Parallel dazu wurde der Laserbohrprozess zur Erzeugung verschleißgünstiger Bohrungsgeometrien untersucht. Neben einem Einzelpulsprozess wurde insbesondere ein Zweipulsprozess untersucht, der ein hohes Potenzial zur weiteren Verbesserung der Bohrungsgeometrie zeigte. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Konizität der Bohrungen gegenüber dem aktuellen Stand der Technik deutlich reduzieren lässt. Die angestrebte Zielgeometrie auf der Lasereintrittsseite konnte im Rahmen des Projekts noch nicht vollständig erreicht werden. Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch die Möglichkeit einer verschleißbeständigeren Geometrie gegenüber dem aktuellen Stand der Technik auf.

Darüber hinaus wurden geeignete Wärmebehandlungs- und Nachbearbeitungsprozesse in Zusammenarbeit mit Fachunternehmen und Spezialisten für Wärmebehandlungstechnik ausgelegt und in die Prozesskette integriert. Die Umstellung von einer Gasnitrierung vor dem Laserbohren auf ein Plasmanitrieren nach dem Laserbohren ermöglichte die Herstellung rissfreier Nitrierschichten bei gleichzeitig guter Planlage der Filterscheiben.

Auf Basis der entwickelten Prozesskette wurden Prototypenscheiben hergestellt. Eine Erprobung im industriellen Recyclingprozess konnte aufgrund fehlender Anlagenverfügbarkeiten während der Projektlaufzeit nicht durchgeführt werden. Die Bewertung des Standzeitpotenzials erfolgte daher auf Grundlage tribologischer Untersuchungen sowie eines Vergleichs mit dem Stand der Technik.

Die wirtschaftliche Bewertung zeigt, dass der Einsatz von HSS trotz zusätzlicher Materialkosten von lediglich rund 4 % ein hohes wirtschaftliches und ökologisches Potenzial besitzt. Bei einer erwarteten Verdopplung der Standzeit reduziert sich der scheibenbezogene Kostenanteil pro Einsatzzyklus um rund 48%. Gleichzeitig sinkt der Energiebedarf pro Einsatzzyklus um rund 85 kWh, da statt zwei nur eine Scheibe benötigt wird.

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Das Projekt LaFiKus wurde in der Fachzeitschrift F&S(Filtrieren & Separieren) Ausgabe 04/2023 vorgestellt.

Fazit

Im Rahmen des Projekts konnte die bestehende Prozesskette zur Herstellung lasergebohrter Filterscheiben für das Kunststoffrecycling hinsichtlich Werkstoffsystem, Wärmebehandlung und Laserbohrprozess untersucht und weitgehend optimiert werden.
Dabei wurden geeignete Werkstoffkombinationen, Wärmebehandlungsverfahren sowie Nachbearbeitungsprozesse identifiziert und untersucht. Besonders hervorzuheben ist das hohe Potenzial des Werkstoffs HSS hinsichtlich der Verschleißbeständigkeit und der daraus resultierenden signifikanten Erhöhung der Standzeit der Filterscheiben im industriellen Einsatz.
Insgesamt zeigen die Projektergebnisse technisches und wirtschaftliches Potenzial der Filterscheiben hinsichtlich Standzeit, Ressourceneffizienz und Energieeinsparung im Kunststoffrecyclingprozess.
Die angestrebte Zielgeometrie der Bohrungen konnte im Rahmen des Projekts noch nicht vollständig erreicht werden. Die Ergebnisse aus AP4 zeigen jedoch, dass insbesondere der untersuchte Zweipulsprozess ein hohes Potenzial zur weiteren Optimierung der Bohrungsgeometrie besitzt. Nach Abschluss des Projekts wird angestrebt, die Weiterentwicklung des Laserprozesses fortzuführen, um die angestrebte Lochgeometrie unter seriennahen Prozessbedingungen vollständig zu erreichen.

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278.968,00 €

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01.01.2023 - 28.02.2026

Bundesland

Nordrhein-Westfalen