Die Energiewende stellt die Stromnetze in Deutschland vor enorme Herausforderungen. Während früher elektrische Energie überwiegend zentral in großen Kraftwerken erzeugt und über klar definierte Strukturen verteilt wurde, speisen heute Millionen dezentraler Anlagen – von Photovoltaik-Dachanlagen über Windparks bis hin zu Batteriespeichern – Strom in die Verteilnetze ein. Gleichzeitig wächst zunehmend die Zahl neuer Verbraucher wie Wärmepumpen und Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge. Damit verändern sich Lastflüsse und Netzzustände deutlich dynamischer als in der Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund entwickelt das DBU geförderte Start-up digitale Lösungen, die Netzbetreiber bei der Überwachung und Steuerung ihrer Verteilnetze unterstützen und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.
Ein zentrales Problem der Energiewende liegt in den mehr als 800 regionalen Stromverteilnetzen Deutschlands. Dort entstehen durch die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien sowie durch neue elektrische Verbraucher komplexe und schwer vorhersehbare Netzsituationen. Für einen sicheren und effizienten Netzbetrieb müssen Netzbetreiber jederzeit wissen, welche Spannungen, Ströme und Leistungen an den einzelnen Netzpunkten auftreten. Diese sogenannte Netzzustandsschätzung bildet die Grundlage für die Überwachung, Regelung und langfristige Planung von Stromnetzen.
In der Praxis fehlt jedoch häufig die notwendige Datengrundlage. Eine flächendeckende Ausstattung aller Netzpunkte mit Messtechnik wäre technisch möglich, aber wirtschaftlich kaum realisierbar. Viele Verteilnetze verfügen daher nur über wenige Messstellen, wodurch kritische Netzsituationen oft erst spät erkannt werden können. Die Folge sind Unsicherheiten bei der Integration erneuerbarer Energien und ein erhöhter Bedarf an kostenintensivem Netzausbau.
Genau an diesem Punkt setzt gridhound an. Das Unternehmen ist als Deep-Tech-Spin-off aus dem E.ON Energy Research Center der RWTH Aachen hervorgegangen und hat sich auf KI-basierte Softwarelösungen für Stromverteilnetze spezialisiert. Kern der Technologie ist die Plattform „Graice“ (Grid Artificial Intelligence Computing Engine), die mithilfe von Verfahren der Künstlichen Intelligenz das Verhalten eines Stromnetzes erlernt. Auf Basis weniger vorhandener Messdaten kann das System anschließend die elektrischen Zustände an vielen weiteren Netzpunkten zuverlässig schätzen.
Im Gegensatz zu klassischen Verfahren der Netzzustandsermittlung benötigt die Lösung deutlich weniger Sensorik. Die KI analysiert historische und aktuelle Netzdaten, erkennt Zusammenhänge und erstellt daraus ein digitales Abbild des Verteilnetzes. Netzbetreiber erhalten dadurch nahezu in Echtzeit Informationen über Spannungen, Stromstärken, Leistungen und potenzielle Engpässe. Dies verbessert die Transparenz im Netz erheblich und schafft die Grundlage für datengetriebene Entscheidungen im Netzbetrieb.
Mit seiner entwickelten Technologie trägt das Start-Up einen wertvollen Beitrag zur Energiewende bei. Durch eine präzisere Kenntnis der tatsächlichen Netzsituation können vorhandene Kapazitäten besser ausgeschöpft werden. Netzbetreiber erhalten die Möglichkeit, Engpässe frühzeitig zu erkennen, Lasten gezielt zu steuern und den Bedarf für kostspielige Netzausbaumaßnahmen zu reduzieren.
Gleichzeitig erleichtert die verbesserte Transparenz die Integration erneuerbarer Energien. Wenn Netzbetreiber genauer wissen, welche Reserven im Netz vorhanden sind, können zusätzliche Photovoltaik- oder Windenergieanlagen schneller und sicherer eingebunden werden. Auch Batteriespeicher, Ladeinfrastrukturen und Wärmepumpen lassen sich besser in den Netzbetrieb integrieren. Dies trägt dazu bei, fossile Energieträger zu ersetzen und Treibhausgasemissionen langfristig zu senken.
Im Rahmen der DBU-Förderinitiative Speicher und Netze führte das Unternehmen zudem das Projekt „K±õ-µþ²¹³Ù³Ù±ð°ù²â“ durch. Hier wurde untersucht, wie stationäre Batteriespeicher in die KI-gestützte Netzzustandsermittlung integriert werden können. Batteriespeicher gewinnen für die Energiewende zunehmend an Bedeutung, da sie überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen und zeitversetzt wieder bereitstellen können. Durch ihre Einbindung in digitale Netzmodelle sollen Netzbetreiber künftig noch präzisere Informationen über den Zustand ihrer Netze erhalten und Speichersysteme gezielter für netzdienliche Aufgaben einsetzen können.
Das Beispiel gridhound zeigt anschaulich, wie Digitalisierung die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energie ermöglichen kann. Die intelligente Nutzung von Daten ermöglicht nicht nur effizientere Prozesse, sondern schafft auch die Voraussetzungen für ein resilientes und klimafreundliches Energiesystem.
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