  {"id":73019,"date":"2026-02-26T10:34:33","date_gmt":"2026-02-26T09:34:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/39442-01\/"},"modified":"2026-02-26T10:34:34","modified_gmt":"2026-02-26T09:34:34","slug":"39442-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/39442-01\/","title":{"rendered":"Pullover f\u00fcr schwerbehinderte und stark bewegungseingeschr\u00e4nkte Menschen im Rollstuhl"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Sinne der Inklusion ist es wichtig, dass auch Menschen mit starker k\u00f6rperlicher Beeintr\u00e4chtigung oder kognitiver Einschr\u00e4nkung (z.B. Altersdemenz) Kleidungsst\u00fccke erhalten, die zum einen stilvoll und zum anderen auf die besonderen Bed\u00fcrfnisse der Personen abgestimmt sind. Dabei sind besonders Nahtstellen, herk\u00f6mmlich konfektionierter Kleidung f\u00fcr Menschen im Rollstuhl, ein Problem. Diese verursachen durch ihren mehrlagigen Aufbau und ihrer Festigkeit Druckstellen, die zum Dekubitus f\u00fchren k\u00f6nnen, was besonders f\u00fcr Menschen mit starken kognitiven oder motorischen Einschr\u00e4nkungen ein gesundheitliches Risiko darstellt, da sie diese Druckstellen nicht bemerken, bzw. nicht auf solche hinweisen k\u00f6nnen.<br \/>\nZus\u00e4tzlich ist es bei diesen Personen der beschriebenen Zielgruppe sehr wichtig insbesondere den Schulterbereich und den Bereich Schritt\/Oberschenkel gegen Ausk\u00fchlung zu sch\u00fctzen. Dies wird durch die Entwicklung eines auf die Zielgruppe ausgerichteten \u201ebody-mappings\u201c sichergestellt. Hierbei werden bestimmten K\u00f6rperbereichen definierte Gestrickeigenschaften (Maschenstrukturen) zugeordnet (z. B. w\u00e4rmende Bereiche an den Schultern, eher k\u00fchlere Zonen am Bauch etc.).<br \/>\nDie Entwicklung eines passgenauen (falls notwendig individualisierten) Spezialpullovers mit einem sehr kurzen R\u00fcckenteil sowie kurzen (enganliegenden) \u00c4rmeln sowie einem sehr langen ggf. breiter werdenden Vorderteil bringt folgende Vorteile f\u00fcr die Nutzer:<br \/>\n\u2022\tDer obere Teil des Pullovers sichert das W\u00e4rmen der Schulterpartie durch die Passform und die \u00c4rmel<br \/>\n\u2022\tDer vordere l\u00e4ngere Bereich sichert das W\u00e4rmen des Schritt- und Oberschenkelbereichs<br \/>\n\u2022\tDer kurze R\u00fccken vermeidet Faltenbildung am R\u00fccken und Ges\u00e4\u00df<br \/>\n\u2022\tDie ggf. individualisierbare Passform vermeidet zus\u00e4tzliche Materialanh\u00e4ufungen durch \u00fcberlappende Stofflagen und N\u00e4hte<br \/>\n\u2022\tWaschbarkeit aus Hygienegr\u00fcnden bei mindestens 60, ideal 90 Grad, trocknergeeignet<br \/>\nEin weiterer wesentlicher Aspekt bei der Produktentwicklung ist das m\u00f6glichst einfache Handling des Kleidungsst\u00fccks beim Anziehen und Ausziehen. Durch die Bewegungseinschr\u00e4nkung werden aktuell beim Anziehen bis zu mehrere Minuten und oftmals sogar die Hilfe von zwei Alltagsbetreuern oder Pfle-<br \/>\ngekr\u00e4ften ben\u00f6tigt.<br \/>\nEine Kraft kleidet faltenfrei an, w\u00e4hrend die zweite den Patienten st\u00fctzt, um ein Herausfallen aus dem<br \/>\nRollstuhl zu verhindern. Die neue Entwicklung erlaubt ein &#8220;\u00fcber Kopf&#8221; Anziehen von vorne durch nur eine Pflegekraft. Dabei ist gleichzeitig das Absichern nach vorne gegen das Herausfallen gegeben. Dies erh\u00f6ht die Sicherheit, entlastet die Pflegekraft und reduziert den Pflegeaufwand erheblich.<br \/>\nVervollst\u00e4ndigt wird die Entwicklung des Pullovers durch die Materialauswahl. Dabei ist besonders die Waschbest\u00e4ndigkeit wichtig, da aus hygienischen Gr\u00fcnden das Waschen bei hohen Temperaturen gew\u00e4hrleistet werden muss. Zeitgleich muss auch der Tragekomfort ber\u00fccksichtigt werden und die M\u00f6glichkeit des Recyclings Beachtung finden.<br \/>\nDurch den Einsatz von &#8211; idealerweise deutschem &#8211; Hanf in Verbindung mit anderen abbaubaren Fasern wie Lyocell oder Baumwolle bietet sich zum einen die Grundlage f\u00fcr eine biologische Abbaubarkeit des Artikels am Ende der Nutzung bzw. der Produktlebenszeit und zum anderen wird die Scheuerfestigkeit sowie die Nassfestigkeit erh\u00f6ht. Zus\u00e4tzlich verbessern sich dadurch die Trageeigenschaften (Weichheit und Anschmiegbarkeit) insbesondere bei Mischungen mit anderen biologisch abbaubaren Fasern wie z. B. Wolle, Baumwolle oder Lyocell.<br \/>\nDirekt und indirekt ergibt sich die maximale die Nachhaltigkeit in den Bereichen Produktion, Entwicklung und der Logistik aufgrund von:<br \/>\n\u2022\tKurzen Wege von Produktion zu den Kunden<br \/>\n\u2022\tKeine Produktions\u00fcberh\u00e4nge<br \/>\n\u2022\tSozial gerechte Arbeitsbedingungen<br \/>\n\u2022\tIndividualisierbarkeit in kleinen Mengen<br \/>\n\u2022\tVerpackung kann, in einem sp\u00e4teren Zeitpunkt nach Markteinf\u00fchrung, r\u00fcckgef\u00fchrt werden<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst erfolgte die Entwicklung und Ausarbeitung des Anforderungsprofils gemeinsam mit Pflegern und ggf. Nutzern, wenn es der Behinderungsgrad zul\u00e4sst.<br \/>\nDie Technik der W\u00e4scherei und der Einsatz an Wasch- und Zusatzmitteln wurde dokumentiert und in das entsprechende Anforderungsprofil der Pullover \u00fcbernommen. Es wurden Mustergestricke mit verschiedenen Garnen und verschiedenen Strickgrundbindungen gefertigt, in der W\u00e4scherei des M. Pullem Hauses in K\u00f6ln gewaschen und ausgewertet Dabei wurde der Verzug und der Schrumpf der Gestricke erfasst. Es wurden dabei die folgenden Festlegungen getroffen:<br \/>\n\u2022\tDer Pullover wurde auf einer Maschine mit der Feinheit E4 gefertigt.<br \/>\n\u2022\tDie Kennzeichnung erfolgt im Versuchsstadium \u00fcber B\u00fcgeletiketten<br \/>\n\u2022\tDie Pullover wurden sowohl bei 30 Grad als auch bei 60 Grad in Waschs\u00e4cken gewaschen.<br \/>\nEine Marktrecherche nach Hanf- und Hanfmischgarnen wurde durchgef\u00fchrt und Mustermengen wurden bestellt. Spinntests wurden in der Pilotspinnerei der HSNR auf einer Rieter Rotorspinnmaschinedurchgef\u00fchrt. Es wurde eine Serie von Garnen mit einem Mischungsverh\u00e4ltnis 80% Hanf und 20% Tencel und eine zweite mit je 50% Hanf und Tencel gesponnen.<br \/>\nDie Programmierung zur Herstellung der ersten Bemusterungen wurde erstellt, verschiedene Mustervarianten z.B. mit Raglan\u00e4rmeln oder direkt angesetzten \u00c4rmeln wurden erstellt und Waschtests auf der Basis erster Kleinserienteile sind abgeschlossen. Das erste Fitting im Mathias Pullem Haus mit Pflegepersonal durchgef\u00fchrt.<br \/>\nProgrammanpassungen und stricktechnische Optimierungen folgten nach. Textiltechnische Untersuchungen der Garne und der gestrickten Erstmuster sowie eine Bemusterung aus verschiedenen Garnen f\u00fcr erste Anwendungsversuche in der Pflege, Erstellen eines Gr\u00f6\u00dfensatzes sowie weitere Wasch- und Trockenversuche folgten. Die weitere Optimierung des Gr\u00f6\u00dfensatzes f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner. Festlegung der Parameter f\u00fcr Waschung, Trocknung und D\u00e4mpfen schlie\u00dfen sich iterativ an.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Um eine Verspinnbarkeit der Hanffaser zu erreichen ist eine Beimischung z.B. von Regenerat- oder Naturfasern wie Tencel oder Baumwolle notwendig. Dies unterst\u00fctzt ebenfalls die Verstrickbarkeit und reduziert die Trocknungszeiten erheblich.<br \/>\nEs unterst\u00fctzt auch nach den ersten Wasch- und Trockenergebnissen die Erreichbarkeit eines notwendigen Tragekomforts beim tragenden Menschen.<br \/>\nDas angedachte Ziel einen Pullover auf der Basis von 100% Hanf ist &#8211; es sei denn es ergeben sich im weiteren Projektverlauf neue Erkenntnisse- nicht wirtschaftlich sinnvoll. Das Ziel bleibt weiterhin den Hanfanteil so hoch wie m\u00f6glich zu halten und eine Garngrundlage auf 100 % biologisch abbaubarer Basis zu erhalten.<br \/>\nAls maximale gut verarbeitbare und bekleidungsphysiologisch sinnvolle Fasermischung zeigte sich dabei ein Hanfanteil von ca. 30%.<br \/>\nEin weiterer relevanter Aspekt ist die vorgesehene individuelle Anpassung des Bekleidungsst\u00fcckes an den jeweiligen Tr\u00e4ger. Es zeigt sich im Projektverlauf des Projektes RolliPulli das sich mit einem vorab definierten Gr\u00f6\u00dfenbaukasten eine deutlich wirtschaftlichere Herstellung des Bekleidungsst\u00fcckes realisieren l\u00e4sst. Es sind jedoch aktuell keine entsprechenden Gr\u00f6\u00dfendaten f\u00fcr dauerhaft im Rollstuhl sitzenden Personen verf\u00fcgbar. Zum notwendigen Vermessen k\u00f6nnen die Personen nicht aufstehen und lassen sich bei altersbedingten Folgeerkrankungen h\u00e4ufig nur ungern ber\u00fchren. Daher ist ein Folgeprojekt beantragt worden um ein System zu entwickeln, welches mit einem optischen 3D-Messsystem K\u00f6rperdaten KI-basiert erfasst, um daraus dann die erforderlichen Daten f\u00fcr die Schnittgeometrie des Bekleidungsst\u00fcckes abzuleiten. Die automatisierte Produktion setzt die entsprechenden Gr\u00f6\u00dfendaten direkt im Strickprozess um. Eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit ist zus\u00e4tzlich erreichbar, wenn in einem weiteren Schritt Gr\u00f6\u00dfenstandards abgeleitet werden, die den sehr hohen Individualisierungsgrad, d.h. Produktion von 100% individualisierter St\u00fcckzahl eins, derart senken, dass eine, zumindest teilweise, Produktion auf Lager m\u00f6glich wird.<br \/>\nDirekt und indirekt steigert sich durch dieses Projekt die Nachhaltigkeit in den Bereichen Produktion, Entwicklung und der Logistik aufgrund von:<br \/>\n\u2022\tkurzen Wege von der Produktion zu den Kunden,<br \/>\n\u2022\tkeine Produktions\u00fcberh\u00e4nge,<br \/>\n\u2022\tsozial gerechten Arbeitsbedingungen,<br \/>\n\u2022\tideale Rohmaterialplanung, keine \u00dcbermengen<br \/>\n\u2022\tminimaler Produktionsabfall<br \/>\n\u2022\tIndividualisierbarkeit in kleinen Mengen und<br \/>\n\u2022\tdie R\u00fcckf\u00fchrbarkeit von Verpackung in einem sp\u00e4teren Zeitpunkt nach Markteinf\u00fchrung.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u2022\tVer\u00f6ffentlichungen der einzelnen Projektabschnitte auf einem eingerichteten Instagrammkanal https:\/\/www.instagram.com\/rollipulli<br \/>\n\u2022\tVer\u00f6ffentlichungen der einzelnen Projektabschnitte auf einem eingerichteten Instagrammkanal https:\/\/www.linkedin.com\/company\/106841840<br \/>\n\u2022\tEingereichte Ver\u00f6ffentlich in den Melliand Textilberichten \u2013 Zeitpunkt der Publikation ist aktuell noch nicht entschieden<br \/>\n\u2022\tPr\u00e4sentation des Projektes RolliPulli als Poster und Kurzpr\u00e4sentation auf der ADD-ITC in Aachen am 27.-30.11. 2025<br \/>\n\u2022\tVer\u00f6ffentlichung der Projekthomepage RolliPulli unter www.rollipulli.de<\/p>\n<p>Auf dieser zweisprachigen Homepage (englisch und deutsch) steht neben der Produktbeschreibung, einem Shop auch ein zweisprachiger Flyer als Download zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Rollipulli als Ergebnis der durchgef\u00fchrten Projektarbeiten erf\u00fcllt die an ihn gestellten Anforderungen in Bezug auf:<br \/>\n\u2022\tHerstellbarkeit<br \/>\n\u2022\tTragekomfort<br \/>\n\u2022\tNachhaltigkeit<br \/>\n\u2022\tPflegerischen Nutzen und Unterst\u00fctzung<br \/>\n\u2022\tPositiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden der Zielgruppe<\/p>\n<p>Die Kooperation und der Austausch zwischen den drei Projektpartnern war optimal. Die verschiedenen Sichtweisen zum Projektstart waren sehr nutzbringend und haben geholfen ein optimales Ergebnis zu entwickeln.<br \/>\nDie kommende Herausforderung ist aus kommerzieller Sicht der Aufbau eines Vertriebsystems und aus technischer Sicht die Bestimmung und die Erfassung von K\u00f6rpereckma\u00dfen von im Rollstuhl sitzenden bewegungslosen Personen. Dies soll durch ein bereits bei der DBU eingereichtes Folgeprojekt realisiert werden.<br \/>\nDer im Projekt erreichte Vorhabenstand entspricht dem vorgesehenen Arbeits-, Zeit- und Kostenplan sowie dem Finanzierungsplan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Sinne der Inklusion ist es wichtig, dass auch Menschen mit starker k\u00f6rperlicher Beeintr\u00e4chtigung oder kognitiver Einschr\u00e4nkung (z.B. Altersdemenz) Kleidungsst\u00fccke erhalten, die zum einen stilvoll und zum anderen auf die besonderen Bed\u00fcrfnisse der Personen abgestimmt sind. 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