  {"id":44810,"date":"2023-07-31T10:32:01","date_gmt":"2023-07-31T08:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17357-01\/"},"modified":"2023-07-31T10:32:01","modified_gmt":"2023-07-31T08:32:01","slug":"17357-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17357-01\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tssicherung und -standardisierung von N\u00fctzlingen (Nematoden) in der biologischen Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Einsatz von Nutzarthropoden und Nematoden im Pflanzenschutz hat sich dank des Verzichts auf Registrierungsverfahren in den letzten 20 Jahren gut entfaltet. Die fehlende Registrierungspflicht verlangt vom Anwender jedoch viel Vertrauen in die Qualit\u00e4t der Produkte. Es hat sich mehrfach gezeigt, wie empfindlich der Markt auf N\u00fctzlinge schlechter Qualit\u00e4t reagiert. Die N\u00fctzlingsanbieter Deutschlands haben sich daher entschlossen, Konzepte zur Sicherung der Qualit\u00e4t der N\u00fctzlinge zu erarbeiten. Insektenpathogene Nematoden geh\u00f6ren zu den meist verkauften N\u00fctzlingen im Gartenbau und sollen in diesem Projekt als Modell f\u00fcr ein Qualit\u00e4tssicherungssystem dienen. Als lebende Organismen stellen sie hohe Anforderungen an die Versandbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit), deren Einfluss auf die Qualit\u00e4t in diesem Projekt untersucht werden soll. Am Ende des Projekts sollen verbindliche Richtlinien f\u00fcr die Versandformen und die Qualit\u00e4t von Nematoden stehen. Auf diese Weise soll der chemische Pflanzenschutz im Unter-Glas Anbau und in Freilandkulturen in gr\u00f6\u00dferem Umfang ersetzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliedert sich in 3 Arbeitsbl\u00f6cke:Im ersten Block sollen brauchbare Qualit\u00e4tstests erarbeitet werden. Kriterien sind dabei eine gute Aufl\u00f6sung der Qualit\u00e4t unterschiedlicher Chargen, eine gute Reproduzierbarkeit und einfache Durchf\u00fchrbarkeit. Ausgangspunkt ist der bislang bei der e-nema GmbH angewandte Qualit\u00e4tstest.<br \/>\nIm 2. Block sollen die Transportbedingungen mit Datenschreibern aufgezeichnet und in Klimaschr\u00e4nken simuliert werden. Die derzeit verwendeten Transportverpackungen k\u00f6nnen dann auf ihre Eignung untersucht und optimiert werden. Die Untersuchungen sollen an allen derzeit in Deutschland angebotenen Nematoden durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nIm 3. Block sollen die Ergebnisse ausgewertet und verbreitet werden. Verbindliche Richtlinien f\u00fcr den Transport zu verschiedenen Jahreszeiten sowie verbindliche Qualit\u00e4tskriterien sollen aufgestellt werden. In einer Pilotphase wird die regelm\u00e4\u00dfige Untersuchung der Qualit\u00e4t von unabh\u00e4ngiger Stelle (Partner GAB) praktiziert. Schlie\u00dflich sollen H\u00e4ndler, Berater und interessierte Anwender geschult werden, um ihrerseits die Qualit\u00e4t von Nematoden beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1. Block: Erarbeitung des Qualit\u00e4tstests: Mit der Methode zur Ermittlung der Nematodenzahlen k\u00f6nnen Abweichungen von mehr als 11,7% mit einer Sicherheit von 95% erkannt werden.  Diese Genauigkeit reicht f\u00fcr die Praxis aus. Die Reproduzierbarkeit diese Tests zwischen den teilnehmenden Laboren war gut. Als Indiz f\u00fcr die Infektivit\u00e4t der Nematoden wurde die F\u00e4higkeit, Mehlw\u00fcrmer zu infizieren, ermittelt. Die Reproduzierbarkeit dieses Infektivit\u00e4tstests war nicht zufriedenstellend. Im Gegensatz zu den Z\u00e4hldaten sind beim Infektivit\u00e4tstest deutliche Unterschiede zwischen den Laboren festzustellen. Allerdings zeigte sich, da\u00df beim Vergleich verschiedener Nematodenchargen die Labore \u00fcberwiegend die gleiche Rangfolge in der Beurteilung der Chargen erhielten. Zur Beurteilung der Infektivit\u00e4t sollte also stets ein Standard -Nematode mit guter Infektivit\u00e4t hinzugezogen werden. Ein solcher Standard, der sich \u00fcber die Zeit nicht ver\u00e4ndert, ist nicht herstellbar. Statt dessen k\u00f6nnen auf umfassende Eigenschaften (Populationsentwicklung, Einlagerung symbiotischer Bakterien, intensive Infektivit\u00e4tstests) gepr\u00fcfte Nematodenchargen als Quasi-Standard zu Versuchszwecken herausgegeben werden. Trotz bestehender Unzul\u00e4nglichkeiten wurde eine Bewertungsschema f\u00fcr den Infektivit\u00e4tstest entworfen, das die Infektivit\u00e4t in 3 Klassen einteilt.<br \/>\n2. Block Transportbedingungen und Einfluss der Umverpackungen: Die Temperaturermittlung w\u00e4hrend des Transportes zeigen, dass im Winter durchaus Temperaturen unter 0\u00b0C in den Versandfahrzeugen auftreten. Im Sommer wiederum werden Temperaturen von 39.5\u00b0C erreicht. Unter simulierten Temperaturverl\u00e4ufen zeigte sich, dass sich die Temperatur in Luftpolsterumschl\u00e4gen innerhalb von einer Stunde an die Umgebungstemperatur anpasst. In Kartons, die zur Isolierung mit Zeitungspapier ausgekleidet waren und 400 g Eis enthielten, wurde die Umgebungstemperatur erst nach ca. 25 Stunden erreicht. Noch besser isolierten Kartons, die mit einer 2,8cm-Schicht Styropor ausgekleidet waren und in im gan-zen gegossene Styroporboxen (Wandst\u00e4rke ebenfalls 2,8cm). In einem Fall wurde im inneren der Styroporbox h\u00f6here Temperaturen gemessen als im \u00e4u\u00dferen Bereich. Es wird vermutet, dass die W\u00e4rmeentwicklung durch die Stoffwechselaktivit\u00e4t der Nematoden zu einem W\u00e4rmestau im inneren Bereich gef\u00fchrt hat. Bei Heterorhabditis bacteriophora und Steinernema carpocapsae wurde dieser Effekt nicht beobachtet. Der Einfluss der simulierten Transportbedingungen auf Anzahl und Infektivit\u00e4t der Nematoden war im allgemeinen gering. Selbst in den Luftpolsterumschl\u00e4gen \u00fcberdauerten H. bacteriophora einen Versand \u00fcber einen Tag ohne Schaden. Sichtbare Effekte auf die Infektivit\u00e4t und die Anzahl der Nema-toden traten erst bei einer Inkubation von 2 Tagen auf. Ausgehend von den Erfahrungen und von Literaturdaten wurden Richtlinien f\u00fcr den Versand der Nematodenarten H. bacteriophora, S. carpocapsae und S. feltiae erarbeitet. Die in diesem Projekt ermittelte Sterberate von S. feltiae und H. bacteriophora bei unterschiedlichen Temperaturen erlaubt die Vorhersage der Anzahl Nematoden, falls die Inkubationstemperatur bekannt ist. Das Verfahren zur Beurteilung der Anzahl und der Infektivit\u00e4t wurde in einem Lehrgang den Beratern im N\u00fctzlingseinsatz vermittelt. Die Teilnehmer kamen im wesentlichen zu \u00fcbereinstimmenden Ergebnisse in der Beurteilung einer Nematodencharge. Allerdings wurde bei der Z\u00e4hlung ein 95%-Konfidenzintervall von 20% des Mittelwerts, also deutlich mehr als bei den Teilnehmern dieses Projekts (11,7%), ermittelt. In dem Lehrgang wurden wesentliche Fehlerquellen beim Z\u00e4hlen von Nematoden erkannt und ausger\u00e4umt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt und die Ergebnisse wurden auf nationalen und internationalen Fachtagungen dargestellt. Die Ergebnisse sollen in ein Buch zur Qualit\u00e4tskontrolle bei entomopathogenen Nematoden als Aktivit\u00e4t der COST Action 819 einflie\u00dfen, welches als von der Europ\u00e4ischen Kommission herausgegeben wird, aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Hauptziele des Projektes konnten in dem zur Verf\u00fcgung stehenden Zeitraum weitgehend erreicht werden. Die Vereinheitlichung der Z\u00e4hlmethode und der Infektivit\u00e4tsermittlung optimiert die Vergleichbarkeit der Ergebnisse in unterschiedlichen Laboren und sollte Diskussionen \u00fcber unterschiedliche Ergebnisse vermeiden helfen. Das Datenmaterial zu den Transportbedingungen und zum Temperaturverhalten in den verschiedenen Umverpackungen ist f\u00fcr den Versand von anderen N\u00fctzlingen verwendbar und steht dem Verein der N\u00fctzlingsanbieter Deutschlands im Detail zur Verf\u00fcgung. In dem Projekt konnte gezeigt werden, dass die derzeit verwendeten Umverpackungen geeignet sind, transportbedingte Qualit\u00e4tseinbu\u00dfen zu vermeiden. Mit Ende des Projekt stehen nun erstmals Richtlinien f\u00fcr die Dauer und die Art des Transportes bei verschiedenen Temperaturen zur Verf\u00fcgung. Die Schulung von N\u00fctzlingsberatern stie\u00df auf viel Resonanz. Praktische \u00dcbungen zu verwandten Themen sollen in Zukunft regelm\u00e4\u00dfig angeboten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Einsatz von Nutzarthropoden und Nematoden im Pflanzenschutz hat sich dank des Verzichts auf Registrierungsverfahren in den letzten 20 Jahren gut entfaltet. Die fehlende Registrierungspflicht verlangt vom Anwender jedoch viel Vertrauen in die Qualit\u00e4t der Produkte. Es hat sich mehrfach gezeigt, wie empfindlich der Markt auf N\u00fctzlinge schlechter Qualit\u00e4t reagiert. 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