  {"id":27774,"date":"2026-04-19T10:32:15","date_gmt":"2026-04-19T08:32:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37106-01\/"},"modified":"2026-04-19T10:32:15","modified_gmt":"2026-04-19T08:32:15","slug":"37106-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37106-01\/","title":{"rendered":"Pilotprojekt Wasserr\u00fcckhaltemanagement in der Region Celle \u2013 Erprobung kooperativer Ans\u00e4tze der Wasserr\u00fcckhaltung zur St\u00e4rkung des Landschaftswasserhaushalts im Klimawandel am Beispiel der Region Celle"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Seit dem Jahr 2018 sind in der Region Celle zunehmend deutliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Grundwasserneubildung sowie auf die Entwicklung der Grundwasserst\u00e4nde zu beobachten. L\u00e4ngere Trockenperioden, steigende Temperaturen und ver\u00e4nderte Niederschlagsmuster haben dazu gef\u00fchrt, dass sich der Landschaftswasserhaushalt nachhaltig ver\u00e4ndert hat. Insbesondere grundwasserabh\u00e4ngige Biotope wie Flie\u00dfgew\u00e4sser, Feuchtgebiete und angrenzende Land\u00f6kosysteme geraten dadurch in eine erhebliche Stresssituation.<br \/>\nParallel dazu hat sich die Konkurrenz um die Ressource Wasser versch\u00e4rft. Neben \u00f6kologischen Anforderungen stehen insbesondere landwirtschaftliche Nutzungen \u2013 allen voran die Feldberegnung \u2013 in einem zunehmenden Spannungsverh\u00e4ltnis zu den Bed\u00fcrfnissen des Naturhaushalts. Vor diesem Hintergrund verfolgt das vorliegende Projekt das Ziel, diese Nutzungskonflikte zu entsch\u00e4rfen und gleichzeitig einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser zu f\u00f6rdern.<br \/>\nDie beteiligten Fl\u00e4chennutzer und Bewirtschafter beabsichtigen daher, im Rahmen eines vorsorgenden und nachhaltigen Wasserressourcenmanagements behutsam gestaltend einzugreifen. Zentrales Anliegen ist es, anfallendes Oberfl\u00e4chenwasser m\u00f6glichst vor Ort zur\u00fcckzuhalten und verst\u00e4rkt dem Grundwasser zuzuf\u00fchren \u2013 selbstverst\u00e4ndlich nur dort, wo dies konfliktfrei m\u00f6glich ist und keine nachteiligen Auswirkungen auf angrenzende Nutzungen entstehen.<br \/>\nDurch die gezielte R\u00fcckhaltung von Wasser in sommertrockenen Gr\u00e4ben soll der Oberfl\u00e4chenabfluss reduziert werden. Gleichzeitig wird eine erh\u00f6hte Grundwasserneubildung angestrebt, um langfristig ausgeglichenere Grundwasserst\u00e4nde zu erreichen. Insbesondere sollen Phasen extremer Grundwasser-Tiefstst\u00e4nde verk\u00fcrzt werden. Daraus ergeben sich positive Effekte f\u00fcr Feuchtbiotope, den Basisabfluss von Flie\u00dfgew\u00e4ssern sowie f\u00fcr weitere Grundwassernutzer. Insgesamt tr\u00e4gt das Vorhaben dazu bei, den Landschaftswasserhaushalt zu stabilisieren und zugleich den f\u00fcr Wasserentnahmen verf\u00fcgbaren Vorrat zu sichern.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt des Pilotprojektes liegt darauf, die lokalen Zusammenh\u00e4nge zwischen den einzelnen Komponenten des Wasserhaushalts \u2013 insbesondere Oberfl\u00e4chenabfluss, Grundwasserneubildung und Verdunstung \u2013 transparent darzustellen. Es soll aufgezeigt werden, wie sich mit vergleichsweise einfachen technischen Ma\u00dfnahmen wirksam auf die durch den Klimawandel bedingten Ver\u00e4nderungen reagieren l\u00e4sst.<br \/>\nHierf\u00fcr ist die Umsetzung einer Vielzahl kleiner und kleinster Ma\u00dfnahmen innerhalb der \u00f6rtlichen Grabensysteme vorgesehen. Diese Ma\u00dfnahmen werden durch ein umfassendes Monitoring begleitet, das hydrogeologische, hydrologische, bodenkundliche sowie naturschutzfachliche Aspekte ber\u00fccksichtigt. Die Wirksamkeit jeder einzelnen Ma\u00dfnahme wird regelm\u00e4\u00dfig und standortbezogen qualitativ \u00fcberpr\u00fcft. Erg\u00e4nzend erfolgen an ausgew\u00e4hlten Standorten Messungen der Grundwasser- und Oberfl\u00e4chenwasserst\u00e4nde, um belastbare quantitative Aussagen zu den erzielten Effekten treffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Projekt folgt dabei dem Leitgedanken: \u201eAus Betroffenen Beteiligte machen!\u201c Landwirte werden nicht nur als Nutzer der Ressource Wasser betrachtet, sondern aktiv in die L\u00f6sungsstrategie zur Anpassung an den Klimawandel eingebunden. Das Pilotprojekt er\u00f6ffnet ihnen die M\u00f6glichkeit, sich unmittelbar an der Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Ma\u00dfnahmen zu beteiligen.<\/p>\n<p>Konkret ist vorgesehen, an landwirtschaftlichen Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben dritter Ordnung \u2013 insbesondere an solchen, die in den vergangenen Jahren regelm\u00e4\u00dfig trocken gefallen sind \u2013 Staustufen zu installieren. Dadurch soll Wasser gezielt zur\u00fcckgehalten und die Versickerung von Niederschlagswasser in das Grundwasser gef\u00f6rdert werden.<br \/>\nZu den geplanten technischen Ma\u00dfnahmen z\u00e4hlen insbesondere:<br \/>\n\u2022 das tempor\u00e4re Errichten und Betreiben kleiner Stauanlagen (z. B. einfache Holzbohlenwehre), in der Regel w\u00e4hrend der Wintermonate und \u2013 abh\u00e4ngig von der Fl\u00e4chenbewirtschaftung \u2013 gegebenenfalls auch dar\u00fcber hinaus bis hin zu einem ganzj\u00e4hrigen Betrieb, einschlie\u00dflich einer m\u00f6glichen Anpassung der Stauh\u00f6hen,<br \/>\n\u2022 die vollst\u00e4ndige oder teilweise Reduzierung der Grabenunterhaltung,<br \/>\n\u2022 das Anheben von Grabensohlen zur Verbesserung der Wasserr\u00fcckhaltung sowie<br \/>\n\u2022 der vollst\u00e4ndige oder partielle R\u00fcckbau von Gr\u00e4ben, sofern dies fachlich sinnvoll und genehmigungsf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt befindet sich derzeit im planm\u00e4\u00dfigen Fortschritt. Die im F\u00f6rderantrag definierten Arbeitsschritte konnten im Berichtszeitraum weitgehend umgesetzt werden.<br \/>\nStandortidentifikation und fachliche Pr\u00fcfung<br \/>\nZu Beginn des Projektes im Jahr 2023 wurden innerhalb der Beregnungsverb\u00e4nde potenziell geeignete Standorte identifiziert. Mithilfe einer eigens entwickelten Bewertungsmatrix erfolgte eine systematische Pr\u00fcfung hinsichtlich hydrogeologischer Eignung sowie eines m\u00f6glichen R\u00fcckstaupotenzials.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurden Kriterien wie eine m\u00f6glichst geringe Konfliktwahrscheinlichkeit mit angrenzenden Nutzern, naturschutzfachliche Belange sowie die technische Umsetzbarkeit ber\u00fccksichtigt.<br \/>\nIm Ergebnis konnten mehrere Standorte mit fachlicher guter Eignung ermittelt werden. Diese wurden der zust\u00e4ndigen Genehmigungsbeh\u00f6rde zur Pr\u00fcfung vorgelegt und im Rahmen eines gemeinsamen Termins er\u00f6rtert. Standorte, die seitens der Beh\u00f6rde als kritisch eingestuft wurden, wurden im weiteren Verfahren konsequent ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Genehmigungsverfahren und Abstimmungen<br \/>\nIn enger Zusammenarbeit mit den Genehmigungsbeh\u00f6rden wurden f\u00fcr die verbleibenden Standorte s\u00e4mtliche erforderlichen Antragsunterlagen erstellt. Dabei fanden wasserrechtliche, naturschutzfachliche sowie eigentumsrechtliche Anforderungen umfassende Ber\u00fccksichtigung.<br \/>\nEin zentraler Abstimmungspunkt betraf das Staumedium. Nach fachlicher Pr\u00fcfung und beh\u00f6rdlicher Abstimmung wurde entschieden, Holzbohlenwehre zu errichten, da diese sowohl funktional als auch \u00f6kologisch geeignet sind.<br \/>\nNach Abschluss des Abstimmungsprozesses konnten im vierten Quartal 2024 f\u00fcr insgesamt sechs Standorte im Landkreis Celle die entsprechenden Antr\u00e4ge eingereicht werden. Im ersten Quartal 2025 wurden die erforderlichen Erlaubnisse erteilt, sodass die rechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr die Umsetzung der baulichen Ma\u00dfnahmen vorlagen.<br \/>\nInstallation der Stauanlagen<br \/>\nNach Vorliegen aller Genehmigungen erfolgte die Umsetzung der Ma\u00dfnahmen gem\u00e4\u00df den genehmigten Unterlagen sowie unter Einhaltung der beh\u00f6rdlichen Auflagen. Die Installationen fanden an folgenden Terminen statt:<br \/>\n\u2022 05.03.2025 \u2013 Gro\u00dfmoor<br \/>\n\u2022 21.03.2025 \u2013 S\u00fclze (Twie\u00dfelhop)<br \/>\n\u2022 15.04.2025 \u2013 Eldingen und Starkshorn<br \/>\n\u2022 23.05.2026 \u2013 Langlingen<\/p>\n<p>Der Einbau s\u00e4mtlicher Anlagen wurde dokumentiert, um sowohl die fachgerechte Umsetzung als auch eine sp\u00e4tere Evaluation sicherzustellen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit der Errichtung der Staue soll ein m\u00f6glichst einfacher, aber auch gleichzeitig wirkungsvoller Wasserr\u00fcckhalt in der Fl\u00e4che realisiert werden. Ziel war es, durch viele kleine Ma\u00dfnahmen eine gro\u00dfe Fl\u00e4che abzudecken. Ebenfalls sollen die verschiedene Standortbedingungen sowie ein niederschwelliges und einfache zu realisierendes Verfahren erprobt werden.<br \/>\nIn Bezug auf die verschiedenen Standortbedingungen l\u00e4sst sich f\u00fcr den bisherigen Projektverlauf festhalten, dass dies gut gelungen ist. Die gew\u00e4hlten Standorte bieten in dieser Hinsicht einen guten Querschnitt der verschiedenen im Landkreis Celle vorherrschenden B\u00f6den wieder. Dadurch sollten sich die abschlie\u00dfenden Ergebnisse auch in andere Regionen mit \u00e4hnlichen Bodenverh\u00e4ltnissen \u00fcbertragen lassen. Es l\u00e4sst sich ebenfalls feststellen, dass auch die unterschiedlichen Akteure an den jeweiligen Standorten einen guten Querschnitt der m\u00f6glichen Beteiligten bilden, da sie sich aus Einzelanliegern bis hin zu gr\u00f6\u00dferen Gruppen inklusive Kommunen zusammensetzen.<br \/>\nDie gew\u00e4hlte Form der Umsetzung mit einfachen Holzbohlenwehren bietet eine gute M\u00f6glichkeit sowohl in der Umsetzung als auch im Hinblick auf entstehende Kosten bei der Errichtung, der Unterhaltung und der Steuerung der Staue.<br \/>\nDas f\u00fcr die Errichtung der Staue notwendige Antragsverfahren sollte nach M\u00f6glichkeit vereinfacht werden, um die Niederschwelligkeit zu erh\u00f6hen. Aussagen \u00fcber die erzielten Auswirkungen an den jeweiligen Standorten lassen sich erst im noch zu erstellenden Abschlussbericht zum Ende der Projektlaufzeit treffen. Vorab l\u00e4sst sich aber schon feststellen, dass sich der Betrieb der Staue, entgegen der urspr\u00fcnglichen Zielsetzung, nicht nur auf das Winterhalbjahr beschr\u00e4nken muss. Aufgrund der im Jahr 2025 vorherrschenden Witterung war es unproblematisch m\u00f6glich, die Staue \u00fcber das gesamte Jahr zu betreiben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die begleitende \u00d6ffentlichkeitsarbeit stellt einen wichtigen Bestandteil des Projektes dar. Am 12.03.2025 wurde der aktuelle Projektstand im Umweltausschuss des Landkreises Celle vorgestellt.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus boten mehrere Fachveranstaltungen Gelegenheit zum Wissenstransfer und zur Vernetzung, darunter:<br \/>\n\u2022 die KTBL-Tage vom 26.\u201327.03.2025 unter dem Titel \u201eLandbewirtschaftung \u2013 mit Wasser haushalten\u201c,<br \/>\n\u2022 der Projekttag Wasser der Ostfalia Hochschule f\u00fcr angewandte Wissenschaften am 22.05.2025,<br \/>\n\u2022 ein Vernetzungstreffen am 24.10.2025 in Uetze mit Verantwortlichen regionaler Projekte aus den Landkreisen Gifhorn und Celle sowie der Region Hannover so-wie<br \/>\n\u2022 die Tagung des Netzwerkes Ackerbau Niedersachsen e. V. am 07.11.2025 zum Thema \u201eWasser im Ackerbau nutzen und sch\u00fctzen\u201c.<\/p>\n<p>Diese Veranstaltungen wurden gezielt genutzt, um Erkenntnisse aus vergleichbaren Projekten zu gewinnen und Erfahrungen auszutauschen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Projektlaufzeit<br \/>\nZur Erreichung der Projektziele ist eine ausreichend lange Phase der Datenerhebung und Beobachtung erforderlich. Die hydrologischen Wirkungen der umgesetzten Ma\u00dfnahmen werden ma\u00dfgeblich von saisonalen sowie witterungsbedingten Einfl\u00fcssen bestimmt und lassen sich daher erst \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum belastbar bewerten.<\/p>\n<p>Da sich die Errichtung der Stauanlagen insbesondere aufgrund genehmigungsrechtlicher Verfahren verz\u00f6gerte, wurde festgestellt, dass die urspr\u00fcnglich bewilligte Projektlaufzeit nicht ausreicht.<br \/>\nAus diesem Grund wurde Anfang 2025 bei den zust\u00e4ndigen F\u00f6rdermittelgebern ein Antrag auf kostenneutrale Verl\u00e4ngerung der Projektlaufzeit bis zum 31.12.2026 gestellt. Sowohl die Âé¶¹´«Ã½ als auch der Landkreis Celle stimmten dieser Verl\u00e4ngerung zu.<\/p>\n<p>Ausblick<br \/>\nIm weiteren Projektverlauf des Jahres 2026 liegt der Schwerpunkt auf der kontinuierlichen Datenerhebung sowie auf der fachlichen Auswertung der Auswirkungen des Grabenmanagements. Die gewonnenen Erkenntnisse werden systematisch dokumentiert und im Abschlussbericht umfassend dargestellt.<br \/>\nMit Blick auf das geplante Projektende ist derzeit weder die Beantragung noch die Errichtung weiterer Stauanlagen vorgesehen. Stattdessen konzentrieren sich die Arbeiten auf die Bewertung der bisherigen Ma\u00dfnahmen und die Ableitung \u00fcbertragbarer Handlungsempfehlungen f\u00fcr ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Seit dem Jahr 2018 sind in der Region Celle zunehmend deutliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Grundwasserneubildung sowie auf die Entwicklung der Grundwasserst\u00e4nde zu beobachten. L\u00e4ngere Trockenperioden, steigende Temperaturen und ver\u00e4nderte Niederschlagsmuster haben dazu gef\u00fchrt, dass sich der Landschaftswasserhaushalt nachhaltig ver\u00e4ndert hat. 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