  {"id":27662,"date":"2024-11-27T10:44:27","date_gmt":"2024-11-27T09:44:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/34639-02\/"},"modified":"2024-11-27T10:44:28","modified_gmt":"2024-11-27T09:44:28","slug":"34639-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/34639-02\/","title":{"rendered":"Entwicklung nachhaltiger Schutzkonzepte f\u00fcr die Gelbbauchunke (Bombina variegata) in Wirtschaftsw\u00e4ldern &#8211; NACHBEWILLIGUNG"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Gelbbauchunke ist eine Art der Anh\u00e4nge II und IV der EU FFH-Richtlinie. Sie ist eine von nur 40 Arten f\u00fcr deren globale Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung zukommt (Verantwortungsart) und in den Roten Listen des Bundes und des Landes Baden-W\u00fcrttemberg als stark gef\u00e4hrdet (Kategorie 2) gef\u00fchrt. Die Best\u00e4nde der Art sind deutschlandweit r\u00fcckl\u00e4ufig. Eines der Haupthabitate der auf Gew\u00e4sserdynamik zwingend angewiesenen Art sind heute Wirtschaftsw\u00e4lder und dort insbesondere Fahrspurpf\u00fctzen auf R\u00fcckegassen. Diese spiegeln die St\u00f6rungsdynamik der gro\u00dfteils und irreversibel zerst\u00f6rten Prim\u00e4rhabitate wider (nat\u00fcrliche Flussauen).<\/p>\n<p>Es fehlt an nachhaltigen im Sinne von langfristig wirksamen, auf Daten basierenden Schutzkonzepten f\u00fcr st\u00e4ndig neu entstehende und wieder verschwindende Kleinstgew\u00e4sser auf R\u00fcckegassen bzw. in bewirtschafteten W\u00e4ldern. Bisherige bekannte Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr die Gelbbauchunke und andere Pionierarten wie Kreuzkr\u00f6te und Wechselkr\u00f6te werden mehrheitlich durch Anlage von permanenten Gew\u00e4ssern umgesetzt. Entsprechende Gew\u00e4sser sind langfristig f\u00fcr diese Arten ungeeignet. Daten zu tats\u00e4chlichen Reproduktionserfolgen in Verbindung mit integrierbaren praktischen Ma\u00dfnahmenans\u00e4tzen f\u00fcr die Anlage solcher Kleinstgew\u00e4sser fehlen f\u00fcr die Gelbbauchunke. Hier setzt das Projekt \u0084Entwicklung nachhaltiger Schutzkonzepte f\u00fcr die Gelbbauchunke in Wirtschaftsw\u00e4ldern\u0093 an.<\/p>\n<p>Ziel war die Entwicklung und Erprobung von umsetzungsorientierten, in den regul\u00e4ren Forstbetrieb integrierbaren Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Gelbbauchunke in enger Kooperation mit der forstlichen Praxis (Forstreviere). Der Ma\u00dfnahmenerfolg definiert sich \u00fcber erfolgreiche Reproduktion; die Nachhaltigkeit durch die langfristige Verf\u00fcgbarkeit entsprechender  Pioniergew\u00e4sser im Raum, bei einer insgesamt eng begrenzten Anzahl geeigneter und verf\u00fcgbarer Standorte.<\/p>\n<p>Die Kontinuit\u00e4t der Bereitstellung von Gew\u00e4ssern vor dem Hintergrund der begrenzten Verf\u00fcgbarkeit geeigneter Standorte bleibt die zentrale Herausforderung f\u00fcr das Management einer auf Dynamik angewiesenen, zwingend an fr\u00fche Sukzessionsstadien gebundenen, Pionierart. Entsprechende Ans\u00e4tze wurden im Laufe des Projektes in die Praxis umgesetzt, bei Bedarf im Sinne von Effizienzgewinn angepasst und weiter erprobt. F\u00fcr die Umsetzung der als wirksam ermittelten Ma\u00dfnahmen wird auch \u00fcber das Projektende hinaus aktiv geworben. Die Teilnahme an Fortbildungen w\u00e4hrend des Projektes und nach Projektende erg\u00e4nzt die Aktivit\u00e4ten zur unmittelbaren und gezielten Verbreitung der Projektergebnisse. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Aspekt des Projektes und wurde aktiv im Zuge der Umsetzung betrieben (Beschilderung an Waldstandorten, Presseartikel, Vortr\u00e4ge etc.). Unterst\u00fctzung bei der Werbung um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr einen an eher unansehnliche Fahrspuren gebundenen Artenschutz wird regelm\u00e4\u00dfig auch vom Forst eingefordert und konnte durch die Erstellung eines Faltblattes, die Bereitstellung mobiler Infotafeln und Zeitungsinterviews erreicht werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn 6 teilnehmenden Forstrevieren in Baden-W\u00fcrttemberg wurden von 2019 \u0096 2021 Ma\u00dfnahmen zur Herstellung von Gew\u00e4ssern geplant und umgesetzt. Zusammen mit den Revierleitern und Waldarbeitern wurde ein Paket verschiedener Ma\u00dfnahmentypen spezifisch f\u00fcr jedes Revier zugeschnitten. Dies richtete sich haupts\u00e4chlich nach den vorhandenen Standorten, dem verf\u00fcgbaren Maschinenpark und der ohnehin stattfindenden Forstbewirtschaftung. Die Umsetzung erfolgte dann Gro\u00dfteils eigenst\u00e4ndig durch die Revierleiter und Waldarbeiter haupts\u00e4chlich w\u00e4hrend der Winter- und Fr\u00fchjahrsmonate. Dabei wurden alle Ma\u00dfnahmen mit den im Forstbetrieb vorhandenen Maschinen umgesetzt, um die erw\u00fcnschte Praxisn\u00e4he zu ew\u00e4hrleisten. Sofern m\u00f6glich haben wir die Umsetzung unmittelbar begleitet, um Einblick in die Abl\u00e4ufe, Machbarkeit und evtl. Probleme zu bekommen. Als Grundlage f\u00fcr Vergleiche zur Eignung von Gew\u00e4ssertypen wurde alle entstandenen Gew\u00e4sser im April erfasst, vermessen, kartiert und den entsprechenden Gew\u00e4ssertypen zugeordnet.<\/p>\n<p>Die Datenerfassung erstreckte sich w\u00e4hrend der Aktivit\u00e4tsperiode der Gelbbauchunke von Mai bis Oktober (Haupterfassungen und Nebenerfassungen). Im Rahmen der monatlichen Haupterfassungen wurde jedes Tier in jedem Altersstadium (Adulte, Juvenile &#038; Metamorphlinge) gefangen, vermessen und fotografiert. Zus\u00e4tzlich wurde jedes Gew\u00e4sser 5x gekeschert und alle Reproduktionsstadien der Gelbbauchunke erfasst. Kaulquappen im Endstadium (4-Beine) wurden quantitativ und zusammen mit der qualitativen Aufnahme der<br \/>\nbiologischen Ausstattung der Gew\u00e4sser (andere Amphibienarten, Libellenlarven, sonstige Pr\u00e4datoren) erfasst. Um ein genaueres Bild des Reproduktionserfolgs der einzelnen Gew\u00e4sser zu bekommen, wurden angepasst an den Reproduktionsfortschritt alle Gew\u00e4sser von Juni\/Juli bis Oktober im Rahmen w\u00f6chentlicher Nebenerfassungen begutachtet. Hierbei wurden alle Reproduktionsstadien der Gelbbauchunke erfasst. Metamorphlinge wurden gefangen, vermessen, fotografiert und der Standort notiert. Kaulquappen im 4-Bein-Stadium wurden gez\u00e4hlt und andere Stadien, Laich und andere Amphibienarten und Antagonisten erfasst. Bei allen Erfassungen wurde zudem der Zustand der Einzelgew\u00e4sser in Bezug auf Bespannung dokumentiert.<\/p>\n<p>Alle erfassten Daten wurden am Ende eines jeden Jahres ausgewertet. Alle Bauchmuster von Adulten und Juvenilen wurden mit der Software \u0084AmphIdent\u0093 abgeglichen und f\u00fcr jedes Revier eine Individuendatenbank erstellt. Metamorphlinge wurden, aufgrund des unvollst\u00e4ndig ausgebil- deten Musters in den ersten Wochen, visuell miteinander abgeglichen. Anschlie\u00dfend wurde jeder Metamorphling nach seinem Erstfundort einem Ursprungsgew\u00e4sser zugeordnet. Zus\u00e4tzlich wurde das Repro- duktionspotential (Wasserhalteverm\u00f6gen) eines jeden Gew\u00e4ssers ermittelt. War ein Gew\u00e4sser dauerhaft trocken oder hielt das Wasser nicht f\u00fcr mindestens 8 zusammenh\u00e4ngende Wochen Mindestent- wicklungszeit einer Gelbbauchunkenkaulquappe) wurde das Potential f\u00fcr Reproduktion als \u0084nicht m\u00f6glich\u0093 gesetzt und das Gew\u00e4sser nicht in die weitere Auswertung einbezogen, um Verf\u00e4lschungen der Daten zu vermeiden (Erstfunde von Metamorphlingen (Erfolg) an zuvor trockenen, nur kurzzeitig wasserf\u00fchrenden Kleinstgew\u00e4ssern ohne Reproduktion). Am Ende eines jeden Jahres wurde der absolute Reproduktionserfolg eines Einzelgew\u00e4ssers als Summe aller Metamorphling-Erstfunde ermittelt und die Gew\u00e4sser dann aufgrund von Entstehungsart und physikalischen Eigenschaften bestimmten Typen zugeordnet. Es wurde ein Durchschnitt f\u00fcr den Reproduktionserfolg f\u00fcr jeden Gew\u00e4ssertyp gebildet. Dieser Ansatz des tats\u00e4chlichen Reproduk tionserfolgs durch die w\u00f6chentlichen Erfassungen der Metamorphlinge auf Individuenbasis f\u00fcr jedes einzelne Gew\u00e4sser ist die datenbasierte Grundlage f\u00fcr sp\u00e4tere Ma\u00dfnahmenempfehlungen.<\/p>\n<p>Zur Ermittlung der Ursachen f\u00fcr einen verringerten Reproduktionserfolg wurden alle Gew\u00e4sser nach Anwesenheit von adulten Molchen und\/ oder Libellenlarven aus dem Vorjahr gruppiert und der durchschnittliche Reproduktionserfolg jeder durch die entsprechenden biologischen Parameter definierten Gew\u00e4ssergruppe dargestellt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Alle urspr\u00fcnglichen Ziele des Projektes wurden erreicht. Alle Ma\u00dfnahmen und Datenerfassungen wurden in der urspr\u00fcnglich geplanten Projektlaufzeit von 3 Jahren abgearbeitet. Allerdings war im Hinblick auf die finale Datenauswertung, die Ver\u00f6ffentlichungen der Ergebnisse als Praxis-Leitfaden und Erstellung eines Faltblatts sowie die Umsetzung der coronabedingt verz\u00f6gerten Abschlusstagung eine Projektverl\u00e4ngerung um 9 Monate erforderlich. In diesem Zeitraum konnten die geplanten Aufgaben vollst\u00e4ndig abgeschlossen werden. Erfreulich ist zu betonen, dass alle Ma\u00dfnahmen ohne Zuwendungen aus Projektmitteln mit Mitteln von Forstbetrieb und beteiligten Kommunen umgesetzt werden konnten. Dies tr\u00e4gt ma\u00dfgeblich zur Umsetzbarkeit der Ma\u00dfnahmen in der Praxis \u00fcber das Projektende hinaus bei.<\/p>\n<p>Der beste Reproduktionserfolg wurde f\u00fcr neue Baggert\u00fcmpel im Erstjahr, Wild\u00e4cker\/ Dynamisierungsfl\u00e4chen mit Fahrspuranlagen und neue (seit mind. 5-10 Jahren nicht vorhandene) Fahrspurpf\u00fctzen auf R\u00fcckegassen ermittelt. Dies reflektiert beste Erfolge unter den Rahmenbedingungen einer r\u00e4umlichen und zeitlichen Dynamik. Dieser Gruppe folgten Kleinstgew\u00e4sser auf R\u00fcckegassen mit einer Trockenpause welche entweder aktiv durch egradigungen\/Sanierungen und sp\u00e4tere Wiederbefahrung oder passiv durch selbstst\u00e4ndige zwischenzeitliche Austrocknung und ggf. sp\u00e4tere Wiederbefahrung zumindest die zeitliche Dynamik gew\u00e4hrleisteten. F\u00fcr permanente Altgew\u00e4sser wie alte Fahrspuren, sanierte Altt\u00fcmpel oder nat\u00fcrliche Altgew\u00e4sser (inkl. Baggert\u00fcmpel im zweiten Jahr nach ihrer Entstehung) wurde nur geringe oder keine Reproduktion gemessen.<br \/>\nEine Sanierung durch Zur\u00fcckstellen der Sukzession von Altgew\u00e4ssern hebt den Erfolg lediglich auf das Niveau von alten permanenten und wiederdurchfahrenen Fahrspuren. Pr\u00e4datoren von Laich und Kaulquappen werden durch Sanierungen nicht beseitigt. Kleinstgew\u00e4sser in Grabenbereichen waren ebenfalls nur im Erstjahr erfolgreich, insofern diese das Wasser hielten. Kleinere T\u00fcmpel an Dolen und von selbst entstehende Wurzeltellert\u00fcmpel waren \u00fcberm\u00e4\u00dfig von Austrocknung betroffen, sodass es hier regelm\u00e4\u00dfig zum vollst\u00e4ndigen Verlust der Kaulquappen kam und in den entsprechenden Gew\u00e4ssertypen kein Reproduktionserfolg gemessen werden konnte.<\/p>\n<p>Ausschlaggebend f\u00fcr eine ausreichende Wasserf\u00fchrung ist die Verdichtung bei Kleinstgew\u00e4ssern. Diese ist in Fahrspuren durch die bewirtschaftungsbedingte Befahrung in der Regel gegeben. Kleinere Baggert\u00fcmpel trockneten mangels Verdichtung oftmals aus. Fahrspuranlagen auf R\u00fcckegassen und Wild\u00e4ckern streuen zudem das Austrocknungsrisiko auf mehrere Gew\u00e4sser, sodass es hier an einem Standort zumindest in einigen Pf\u00fctzen oftmals zu einem Erfolg kam. Zudem werden auf den R\u00fcckegassen nur zeitweise bespannte, w\u00e4hrend der Bespannung aber gerade von Jungtieren gerne als Aufenthaltsgew\u00e4sser genutzte Pf\u00fctzen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Reproduktionsgew\u00e4ssern bereitgestellt.<\/p>\n<p>Innovativ ist unser Ansatz der Wildackeranlagen\/Dynamisierungsfl\u00e4chen, wo auf kleiner Fl\u00e4che nach Bodenbearbeitung mehrere Fahrspuren angelegt werden und als Laichgew\u00e4sser fungieren. Diese werden dann im Folgeherbst wieder eingeebnet und sind in der Zukunft jederzeit wieder aktivierbar. Dieses Vorgehen ist aus unserer Sicht der einzige langfristig erfolgreiche Ansatz eines dynamischen Gelbbauchunkenschutzes au\u00dferhalb von R\u00fcckegassensystemen. Wir konnten hier durch eine jeweils einj\u00e4hrige Staffelung von Neuanlage, gefolgt von Einebnung (Deaktivierung) und erneuter Anlage (Aktivierung), gleichbleibend hohe Reproduktionserfolge am gleichen Standort in 2019 und 2021 verzeichnen. Dem stehen Neuanlagen von Baggert\u00fcmpeln mit hohen Erfolgen im Erstjahr und dann dramatische R\u00fcckg\u00e4nge des Erfolgs im Folgejahr bis hin zu Totalausf\u00e4llen bei permanenten Altgew\u00e4ssern gegen\u00fcber. Somit sind aus unserer Sicht die st\u00e4ndigen Neuanlagen von dann permanenten Baggert\u00fcmpeln weder nachhaltig noch von langfristigem Nutzen f\u00fcr die Erhaltung von Gelbbauchunkenpopulationen.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr die Gelbbauchunke erforderliche Dynamik findet sich in Wirtschaftsw\u00e4ldern in erster Linie automatisch auf R\u00fcckegassen, weshalb sich die Gelbbauchunke an Waldstandorten angesiedelt hat. Hier gilt es Pf\u00fctzen auf R\u00fcckegassen im Erstjahr ihrer Entstehung zu belassen und auch zur Erhaltung der langfristigen technischen Befahrbarkeit zeitverz\u00f6gert im Folgewinter zu sanieren. Durch die Sanierung sind eine regelm\u00e4\u00dfige Neuentstehung von frischen Kleinstgew\u00e4ssern und damit die f\u00fcr die Unke unverzichtbare Dynamik gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p>Permanente Altfahrspuren haben ebenso wenig wie Altt\u00fcmpel ab dem 2. Jahr keinen populationserhaltenden Nutzen f\u00fcr die Unke. Somit ist aus unserer Sicht ein Schutz der Gelbbauchunke mit den Bewirtschaftungsvorgaben und -zielen in Wirtschaftsw\u00e4ldern kompatibel, sofern die Bildung von Pf\u00fctzen nicht durch Reisigauflage \u0084vorbeugend\u0093 unterbunden wird.  <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der gesamten Laufzeit war eine effektive \u00d6ffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Pro-jektbestandteil. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit diente zum einen dazu Wissen zur Gelbbauchunke und die wichtige Funktion von Fahrspuren zu vermitteln und zum anderen um \u00fcber das Projekt, dessen Ergebnisse und m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmenans\u00e4tze f\u00fcr die Praxis zu informieren.<\/p>\n<p>So wurden Exkursionen in vielen Testrevieren durchgef\u00fchrt, Vortr\u00e4ge auf Tagungen, Konferenzen und Bildungsevents gehalten, Interviews f\u00fcr Zeitungen und Radio gegeben, eine Projekt-Webseite gestaltet, mobile Infotafeln f\u00fcr die teilnehmenden Reviere gestellt, eine Abschlusstagung zum Projekt inkl. Exkursion an der Universit\u00e4t Hohenheim veranstaltet, Ver\u00f6ffentlichungen als Faltblatt f\u00fcr Waldbesucher und eine Brosch\u00fcre als Leitfaden f\u00fcr die Praxis erstellt, Vernetzungen mit anderen Projekten gekn\u00fcpft und unz\u00e4hlige sonstige Gespr\u00e4che mit Akteuren und Waldbesuchern gef\u00fchrt. Durch die Teilnahme an Fortbildungen (mit Vortr\u00e4gen &#038; Exkursionen) f\u00fcr Revierleiter sowie viele weitere Treffen mit Akteuren im Forst konnten unsere Ma\u00dfnahmenvorschl\u00e4ge direkt in die Praxis kommuniziert werden. W\u00e4hrend der gesamten Projektlaufzeit war das Feedback aus der \u00d6ffentlichkeit (Waldbesucher) sehr positiv zum Thema Gelbbauchunke und Fahrspuren. Die Kommunikation der Bedeutung von Fahr-spuren ist eine zentrale Herausforderung der effektiven \u00d6ffentlichkeitsarbeit an Waldstand-orten. Gerade die Fahrspuren erscheinen als Eingriff in den Wald als wahrgenommenes Modell von Naturlandschaft. Die Vermittlung von Verst\u00e4ndnis f\u00fcr solche Spuren und die daran gebundenen Leitarten ist eine wichtige Unterst\u00fctzung f\u00fcr die im Rahmen von nachhaltiger Entwicklung unverzichtbare Bewirtschaftung und damit auch Nutzung der erneuerbaren Ressource \u0084Holz\u0093. In unseren Projektrevieren gab es keine Beschwerden aus der \u00d6ffentlichkeit, vielmehr kamen Waldbesucher aktiv auf die Projektbearbeiter zu und informierten sich zum Zustand der Gelbbauchunkenpopulation und -reproduktion. Diese Informationskomponente zum Artenschutz als Folge von Nutzung sollte Teil der aktiven Waldbewirtschaftung sein. <\/p>\n<p>\u00dcber das Projektende hinaus sind wir in vielen weiteren Projekten zum Thema Amphibienschutz aber auch Dynamik in unserer Kulturlandschaft eingebunden. So sind auch weiterhin Vortr\u00e4ge \u00fcber die Landesgrenzen hinaus geplant. Viele der Ma\u00dfnahmen konnten erfolgreich auch an anderen Standorten in Baden-W\u00fcrttemberg umgesetzt werden. Die mobilen Infotafeln finden weiterhin in den Forstrevieren Anwendung. Unsere Projektwebseite bleibt auch \u00fcber das Projektende hinaus bestehen und schafft Zug\u00e4nge zu Informationen zum Projekt, Fachbeitr\u00e4gen der Abschlusstagung, das Faltblatt, die Praxis-Leitfaden Brosch\u00fcre und letztlich auch weitere Entwicklungen zum Thema Gelbbauchunkenschutz.<\/p>\n<p>Unsere mehrseitige Praxis-Leitfaden Brosch\u00fcre vereint Informationen zur Gelbbauchunke, die Projekt-Ergebnisse, praktische Ma\u00dfnahmenempfehlungen f\u00fcr die Zielart sowie mit dem Thema weitere verkn\u00fcpfte Themen wie Artenschutzrecht, Konfliktl\u00f6sungen, Bodenschutz und Zertifizierung. Die Brosch\u00fcre wurde allen Teilnehmern (Planungsb\u00fcros, Verwaltungen, Forst, ehrenamtliche Natursch\u00fctzer, Wissenschaftler, etc.) der Abschlusstagung kostenfrei zur Verf\u00fcgung gestellt. Damit steht die Brosch\u00fcre beispielhaft f\u00fcr die multifunktionale Einbindung aller Belange und Akteure in einem funktionierenden Artenschutz.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Unsere Ergebnisse best\u00e4tigen die bekannte Bindung der Gelbbauchunke an Pioniergew\u00e4sser im fr\u00fchen Sukzessionsstadium und damit an eine funktionierende Gew\u00e4sserdynamik. Die Herausforderung unkentaugliche Pioniergew\u00e4sser dauerhaft an einem Standort zu gew\u00e4hrleisten, ist nach unseren Erkenntnissen mit einem gezielten Management ohne hohe Kosten und mit geringem Arbeitsaufwand m\u00f6glich. Gleichzeitig ist dies in die allt\u00e4gliche Waldbewirtschaftung integrierbar. Wir schlagen f\u00fcr die Gelbbauchunke konkrete Ma\u00dfnahmen vor, deren Wirksamkeit im Projekt empirisch getestet wurde. Hauptaugenmerk ist hierbei auch die f\u00fcr einen funktionierenden Langzeitschutz dieser Pionierart zwingend erforderliche Beseitigung von Kleinstgew\u00e4ssern.<\/p>\n<p>Der Natur- und Artenschutz nicht nur in Deutschland muss sich zunehmend dem Thema \u0084Dynamik\u0093 stellen. Bisherige Anlagen von permanenten Strukturen ohne fr\u00fche Sukzessionsstadien sind f\u00fcr St\u00f6rungsspezialisten nicht f\u00f6rderlich. F\u00fcr nutzungsgepr\u00e4gte Kulturlandschaften sind gerade auch fr\u00fche und oftmals eher unscheinbare bzw. unansehnliche Sukzessionsstadien ein zwingendes Requisit. Es gilt in der Kulturlandschaft die Vorteile einer Bewirtschaftung f\u00fcr den Artenschutz zu nutzen und aktiv einzubinden, da St\u00f6rungsarten auf die fortlaufende Bewirtschaftung angewiesen sind. Dies gilt f\u00fcr bewirtschaftete W\u00e4lder wie auch f\u00fcr Abbaugebiete.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang bedarf es weiterhin der Diskussion und Kl\u00e4rung des Umgangs mit EU FFH-Anhang IV Arten f\u00fcr welche auf der einen Seite ein individuelles T\u00f6tungsverbot greift und auf der anderen Seite ein g\u00fcnstiger Populationszustand erreicht werden soll. Dynamikarten ben\u00f6tigen St\u00f6rungen f\u00fcr einen langfristigen Erhalt. Sofern das individuelle T\u00f6tungsverbot zu starken Einschr\u00e4nkung in der Bewirtschaftung f\u00fchrt hat dies negative Konsequenzen f\u00fcr diese Arten, da bspw. eine Kleinstgew\u00e4sserentstehung unterbunden wird.<br \/>\nEine aktive Bewirtschaftung schafft die Lebensgrundlage f\u00fcr diese Arten und sollte somit als integraler Bestandteil im Rahmen von Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den Schutz speziell dieser Arten<br \/>\nverstanden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Gelbbauchunke ist eine Art der Anh\u00e4nge II und IV der EU FFH-Richtlinie. Sie ist eine von nur 40 Arten f\u00fcr deren globale Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung zukommt (Verantwortungsart) und in den Roten Listen des Bundes und des Landes Baden-W\u00fcrttemberg als stark gef\u00e4hrdet (Kategorie 2) gef\u00fchrt. 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