  {"id":26854,"date":"2025-06-25T10:32:53","date_gmt":"2025-06-25T08:32:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/33867-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:54","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:54","slug":"33867-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/33867-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines kombinierten Mess-\/Modelliersystems zur Planung, Bewertung und Optimierung von Fischabstiegseinrichtungen an Wasserkraftwerken"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Wasserhaushaltsgesetz ist die Erzielung des guten \u00f6kologischen Zustands f\u00fcr Flie\u00dfgew\u00e4sser gesetzlich<br \/>\nverankert. Einen entscheidenden Baustein stellt dabei die Durchg\u00e4ngigkeit f\u00fcr die Fischfauna dar (\u00a734<br \/>\nWHG), die an Staubauwerken allgemein und an Wasserkraftanlagen im Speziellen behindert bzw. nicht<br \/>\ngegeben ist. Hauptziele sind eine bessere Vernetzung der Flie\u00dfgew\u00e4sser und eine Verringerung der Fischmortalit\u00e4t,<br \/>\ndie besonders bei der Abw\u00e4rtswanderung oftmals hoch ist. Es ist bislang noch weitgehend unklar,<br \/>\nwelche Faktoren das Fischverhalten bei der Abw\u00e4rtswanderung beeinflussen, wie diese Faktoren ggf.<br \/>\ngemessen und berechnet werden k\u00f6nnen und wie sie f\u00fcr die Leitung von Fischen zu Byp\u00e4ssen hin genutzt<br \/>\nwerden k\u00f6nnen. Ein Stand der Technik ist bisher nicht definiert. Hier setzt das aktuelle Forschungsvorhaben<br \/>\nan: Es soll zum einen das Wissen \u00fcber ma\u00dfgebende Str\u00f6mungssignaturen und das hydraulisch-reaktive<br \/>\nVerhalten abwanderungswilliger Fische erweitern. Zum anderen soll ein praxistaugliches Instrument<br \/>\nf\u00fcr die Messung verhaltensrelevanter Str\u00f6mungssignaturen sowie ein numerisches Prognosemodell (als<br \/>\nModul des Habitatmodells CASiMiR) zur Abgrenzung m\u00f6glicher Reaktionszonen entwickelt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie wesentlichen Arbeitsschritte des Projektes setzen sich aus den Lebendtierversuchen, der hydraulischen<br \/>\nAnalyse der Str\u00f6mung und der Kombination beider Aspekte f\u00fcr das ethohydraulische Vorhersagemodell<br \/>\nzusammen. Des Weiteren wurde in einem Arbeitspaket f\u00fcr die hydraulische Analyse eine fischf\u00f6rmige<br \/>\nMesssonde (Fischsinnessonde \u0096 FSS) an der Technischen Universit\u00e4t Tallinn (TalTech) entwickelt,<br \/>\nwelche verschiedene Sinnesorgane eines Fisches imitieren soll. Aufgrund der Fokussierung des Projektes<br \/>\nauf den Fischschutz und -abstieg, wurden f\u00fcr die Versuche zwei Schr\u00e4grechensetups (30\u00b0 und 55\u00b0 zur<br \/>\nAnstr\u00f6mung) gew\u00e4hlt. Die Tierversuche fanden mit verschiedenen Fischarten statt und wurden anschlie\u00dfend<br \/>\nunter anderem mittels einer Videoanalyse ausgewertet. F\u00fcr die Aufnahme der vorliegenden Str\u00f6mungssignaturen<br \/>\nund die Verifizierung der durchgef\u00fchrten 2D- und 3D-hydrodynamisch-numerischen Simulationen<br \/>\nwurden Geschwindigkeitsmessungen mit einem Acoustic Doppler Velocimeter (ADV) sowie<br \/>\numfangreiche Tests mit der FSS durchgef\u00fchrt. Im Anschluss wurden die ethologischen und hydraulischen<br \/>\nBefunde verkn\u00fcpft und in das Prognosemodell implementiert. Zus\u00e4tzlich fand eine erste Erprobung der<br \/>\nFSS im Feld statt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zur Weiterentwicklung eines Mess- und Modelliersystems, mit dem sich m\u00f6gliche Faktoren f\u00fcr die Fischbewegung<br \/>\nund Verhaltenszonen an Abstiegsbarrieren erfassen bzw. Reaktionsr\u00e4ume prognostizieren lassen,<br \/>\nwurden umfangreiche Untersuchungen durchgef\u00fchrt. In beiden Systemen sind Gradienten die Hauptparameter.<br \/>\nBei der Fischsinnessonde (FSS) stellte sich der Druckgradient quer zum Fischk\u00f6rper (Differenz<br \/>\nzwischen linkem und rechtem Drucksensor) bzw. die daraus definierte Asymmetrie des Str\u00f6mungsangriffs<br \/>\nals vielversprechender Parameter heraus. Im Prognosemodell fanden der r\u00e4umliche Geschwindigkeitsgradient<br \/>\nim Kopfbereich (Spatial velocity gradient, SVG) und dessen Winkel zur Flie\u00dfrichtung Beachtung.<br \/>\nEs zeigte sich, dass Bereiche mit stark asymmetrischer Belastung auf den K\u00f6rper eher gemieden werden.<br \/>\nDie genannte Asymmetrie kann dabei sowohl durch den mit der FSS gemessenen Druckgradienten als<br \/>\nauch durch den Winkel zwischen Flie\u00dfrichtung und SVG im Modell beschrieben werden.<br \/>\nAufbauend auf den Erkenntnissen wurde f\u00fcr das Prognosemodell ein Passage Hamper Index (PHI; Passage-<br \/>\nBehinderungs Index) entwickelt, der sich aus den beiden genannten Parametern (SVG und dessen<br \/>\nWinkel zur Flie\u00dfrichtung) ermitteln l\u00e4sst. Er stellt ein Ma\u00df f\u00fcr die Bevorzugung bzw. Meidung bestimmter<br \/>\nStr\u00f6mungsbereiche dar (0 = Bevorzugung bis 1 = Meidung).<br \/>\nDie entwickelte Fischsinnessonde erm\u00f6glicht weiterhin eine neuartige Erfassung verhaltensrelevanter<br \/>\nGr\u00f6\u00dfen unter Ber\u00fccksichtigung der Interaktion von Fischk\u00f6rper und Str\u00f6mung, die bei konventionellen<br \/>\nStr\u00f6mungsmessungen nicht m\u00f6glich ist. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einfluss hydraulisch wirksamer<br \/>\nStrukturen (z.B. vertikale St\u00fctzen des Rechens) auf die Str\u00f6mungssignaturen bzw. die genannten Parameter<br \/>\nmessbar ist.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Einzelne Aspekte des Projektes wurden bereits ver\u00f6ffentlicht und sind hier frei zug\u00e4nglich:<br \/>\nBensing, K.; Tuhtan, J. A.; Toming, G.; Khan, A. H.; Lehmann, B. (2022): Fish body geometry reduces the<br \/>\nupstream velocity profile in subcritical flowing waters. In: Aquatic Sciences 84(32):1-14.<br \/>\nhttps:\/\/doi.org\/10.1007\/s00027-022-00863-6<br \/>\nBensing, K.; Tuhtan, J.A.; Lehmann, B. (2022): Fischverhalten besser verstehen mithilfe von Multiparameterdaten;<br \/>\n45. Dresdner Wasserbaukolloquium am 14. und 15. Juni 2022; online verf\u00fcgbar:<br \/>\nhttps:\/\/henry.baw.de\/bitstream\/handle\/20.500.11970\/108930\/10_Fischverhalten_Multiparameterdaten_<br \/>\nBensing_.pdf?sequence=1&#038;isAllowed=y<br \/>\nDes Weiteren werden beim 14. International Symposium on Ecohydraulics (ISE, 10.-14. Oktober in Nanjing,<br \/>\nChina) zwei Vortr\u00e4ge zu Teilaspekten des Projekts gehalten:<br \/>\nBensing et al.: Application of a Fish-Shaped Probe at an Angled Rack: Introducing the Fish Sensory Sonde<br \/>\n(FSS) (inkl. Tagungsbeitrag);<br \/>\nKopecki et al.: Towards Understanding Fish Behavior Near an Angled Rack: An Approach for Fish Tracing<br \/>\nUsing Open-Source Software;<br \/>\nWeitere Vortr\u00e4ge sowie Beitr\u00e4ge in deutschen und internationalen Fachjournalen, die sich z.B. mit den<br \/>\nM\u00f6glichkeiten beim Einsatz der neuen Messtechnik oder auch dem Modellierungsansatz in CASiMiR besch\u00e4ftigen,<br \/>\nsind in Planung. Durch verschiedene Social Media Posts (v.a. in LinkedIn und ResearchGate)<br \/>\nwurde zus\u00e4tzlich versucht \u00f6ffentliches Interesse f\u00fcr das Projekt zu wecken. Au\u00dferdem sind Informationen<br \/>\nzum Projekt auf den Internetseiten des Fachgebiets Wasserbau und Hydraulik (www.wasserbau.tu-darmstadt.<br \/>\nde) sowie des Ingenieurb\u00fcros SJE (www.sjeweb.de) zu finden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Mess- und Modelliersystem liefert in den neuen Ans\u00e4tzen bez\u00fcglich der Betrachtung von Str\u00f6mungsgradienten<br \/>\ngute Ans\u00e4tze. Diese sollten zuk\u00fcnftig durch weitere Grundlagenuntersuchungen mit st\u00e4rker<br \/>\nausgepr\u00e4gten hydraulischen Variationen, welche wiederum deutlichere Verhaltensunterschiede bei den<br \/>\nFischen hervorrufen, weiterverfolgt werden. Dies hat zum Ziel genaue Toleranzwerte extrahieren und f\u00fcr<br \/>\ndie Planung und Optimierung von Anlagen nutzen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie FSS zeigte au\u00dferdem in ihrem Einsatz als \u0084bewegte\u0093 Sonde gro\u00dfes Potential, um kleinste Str\u00f6mungsschwankungen<br \/>\nr\u00e4umlich hochaufgel\u00f6st erfassen zu k\u00f6nnen. Hier bedarf es zuk\u00fcnftig noch weiterer Optimierungen<br \/>\nsowie Tests im Freiland.<br \/>\nDas vorgestellte Projekt geht im Bereich der Ethohydraulik innovative Wege. Der Wissensstand bez\u00fcglich<br \/>\ndes Verhaltens sowie der Wahrnehmung von Fischen bei der Abw\u00e4rtswanderung wurde erweitert. Die<br \/>\nKorrelation der Fischbewegungsmuster mit den gefundenen Str\u00f6mungsfaktoren sind in weiteren Untersuchungen<br \/>\nzu best\u00e4tigen und lassen eine zuk\u00fcnftige Bewertung und Optimierung von Fischabstiegsanlagen<br \/>\nmit dem Mess- und Modelliersystem realistisch erscheinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Wasserhaushaltsgesetz ist die Erzielung des guten \u00f6kologischen Zustands f\u00fcr Flie\u00dfgew\u00e4sser gesetzlich verankert. 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