  {"id":26602,"date":"2024-11-27T10:42:12","date_gmt":"2024-11-27T09:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/32652-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:42:17","modified_gmt":"2024-11-27T09:42:17","slug":"32652-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/32652-01\/","title":{"rendered":"Marktchancen f\u00fcr &#8220;nachhaltige Chemie&#8221; durch die REACh-Verordnung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Vorhaben widmet sich der Frage, wie sich ein Chemikalienmanagement in der Textilbranche gestalten l\u00e4sst, das Prozesse in Richtung einer nachhaltigeren Chemie in der globalen Lieferkette initiiert; also insbesondere dazu beitr\u00e4gt, dass problematische Stoffe in der Produktion m\u00f6glichst nicht zum Einsatz kommen und im Produkt nicht enthalten sind. Rund 7000 chemische Produkte unterst\u00fctzen die Herstellung von Bekleidung, vom F\u00e4rben bis zur Impr\u00e4gnierung. Manche Chemikalien sind unproblematisch einsetzbar, andere k\u00f6nnen Sch\u00e4den an Mensch und Umwelt verursachen. Es gibt globale, europ\u00e4-ische und nationale Bestrebungen, Gef\u00e4hrdungen von Mensch und Umwelt durch Chemikalien zu reduzieren. Stichworte sind hier das 2020-Ziel aus Johannesburg und dessen Integration in die Sustainable Development Goals der UN (SDG 12\/12.4), der Strategic Approach to International Chemical Management (SAICM), das SAICM\/UNEP Chemicals in Products-Programm (CiP), die POP-Konvention und REACH. Nicht zuletzt durch den Druck der Detox-Kampagne von Greenpeace hat die Bekleidungsbranche reagiert und die ZDHC-Initiative ins Leben gerufen. Diese umfasst eine Selbstverpflichtung, bis 2020 weltweit eine Reihe von Chemikalien aus den Produktionsprozessen zu entfernen. Wenn die beteiligten Unternehmen dieses selbst gesetzte Handlungsziel erreichen wollen, m\u00fcssen sie die Hemmnisse \u00fcberwinden, die dem momentan noch entgegenstehen; was zugleich voraussetzt, dass es hinreichend deutliche Anreize in Form von Marktchancen gibt, sich auf die Ver\u00e4nderungsprozesse einzulassen.<br \/>\nRelevante Akteure im Rahmen des Projektes sind dabei im Wesentlichen Hersteller von Textilchemikalien (in Deutschland organisiert im Verband TEGEWA) sowie Unternehmen, die Textil-Erzeugnisse, also etwa Bekleidung und Sportartikel, herstellen (lassen) und vermarkten (f\u00fcr Sportartikel in Deutschland organisiert im BSI). Da es jedoch um Ver\u00e4nderungsprozesse in der globalen textilen Lieferkette geht, sind auch alle weiteren Akteure, die an den Produktionsprozessen beteiligt sind, zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Hinblick auf das Ziel, Marktchancen f\u00fcr eine \u0084nachhaltigere Chemie\u0093 zu erschlie\u00dfen, sind zwei Leitfragen nachzugehen: (1.) Welcher Ver\u00e4nderungsbedarf besteht f\u00fcr welche Akteure der textilen Lieferkette und (2) welche organisatorischen bzw. institutionellen Ver\u00e4nderungen sind dazu akteur\u00fcbergreifend in der Lieferkette in Angriff zu nehmen. Methodisch setzt das Vorhaben auf den transdisziplin\u00e4ren Forschungsansatz der Forschungsgruppe sofia (Delta-Analyse), verkn\u00fcpft mit einem Szenario-Prozess in Kombination mit einem Strategie Workshop. Dieses Vorgehen erm\u00f6glicht es, eine systemische Perspektive auf die Probleme zu gewinnen und gemeinsame Fragen zu formulieren, um auf dieser Basis mit den Praxiskateuren strategische und operative Ma\u00dfnahmen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ziel des Projektes war es, eine \u0084nachhaltigere Chemie\u0093 in der textilen Lieferkette zu unterst\u00fctzen und dabei den Blick von der \u0084reaktiven\u0093 Compliance Position auf eine \u0084proaktive\u0093 Beyond Compliance Perspektive zu erweitern. Strategisch st\u00fctzt sich dieser Ansatz auf folgende \u00dcberlegung: Wer morgen noch Compliant sein will, muss heute bereits Beyond Compliance agieren. Zentrale Hypothese war dabei, dass aus der letztgenannten Perspektive Marktchancen f\u00fcr alle Akteure der textilen Lieferkette entstehen k\u00f6nnen und somit Innovationen f\u00fcr eine nachhaltigere Chemie.<\/p>\n<p>Im Rahmen der normativen und gesellschaftlichen Anforderungen (s. o.) formulierten die am Projekt beteiligten BSI- und TEGEWA-Akteure das Ziel, ein Chemikalienmanagement zu entwickeln, das Prozesse zu einer nachhaltigeren Produktion in der globalen Lieferkette unterst\u00fctzt und problematische Substanzen in den Herstellungsprozessen so weit wie m\u00f6glich von Anfang an vermeidet.<\/p>\n<p>In Workshops und Interviews gaben die am Projekt beteiligten Akteure einen Input zu ihren jeweiligen Perspektiven auf den Status Quo. Auf dieser Grundlage war es jedoch nicht m\u00f6glich, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und diese in Angriff zu nehmen. Stattdessen blockierten u. a. professionelle Denk- und Wahrnehmungsmuster diesen Prozess. Infolgedessen blieben Marktchancen im Zusammenhang mit nachhaltiger Produktion unerschlossen. Ein Szenario-Prozess er\u00f6ffnete einen gr\u00f6\u00dferen Systemblick auf die textile Kette. Gemeinsam entwickelten die Akteure dabei Szenarien f\u00fcr die Textilindustrie im Jahr 2030 und formulierten in sich konsistente Szenario-Geschichten: Das Szenario \u0084muddling through\u0093 erz\u00e4hlt, wie bestimmte Einfl\u00fcsse dazu f\u00fchren, dass sich die Textilbranche \u00e4hnlich weiter entwickelt, wie bisher (also nur mit graduellen Verbesserungen im Hinblick auf den Umgang mit Chemikalien). Dagegen erz\u00e4hlt das Szenario \u0084boldly ahead\u0093 die Geschichte, durch welche Faktoren sich das Chemikalienmanagement der textilen Lieferkette grundlegend \u00e4ndert und eine Wertsch\u00f6pfungskette entsteht, die (weitgehend) frei von problematischen Stoffen ist. In dem Prozess der Szenario-Entwicklung und der daran ankn\u00fcpfenden Entwicklung von strategischen Ma\u00dfnahmen, die die Textilbranche in einen Verlauf Richtung \u0084boldly ahead unterst\u00fctzen, gewannen die Akteure eine neue Sicht auf das &#8220;System&#8221; der globalen Textilwirtschaft und entwickelten ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis \u00fcber die er-forderlichen Ver\u00e4nderungen, die f\u00fcr eine nachhaltigere Chemie in der textilen Lieferkette notwendig sind: Dies ist der Aufbau einer einheitlichen Branchenl\u00f6sung, die Traceability und Wissen \u00fcber die in der Lieferkette eingesetzten chemischen Stoffe unterst\u00fctzt und \u00fcber einen Branchenstandard die globale Compliance erm\u00f6glicht. Einig war man sich auch, dass es hierf\u00fcr eines digitalen Austauschformates bedarf, um das Wissen \u00fcber die in der Lieferkette eingesetzten Stoffe \u00fcber alle Lieferantenstufen zu kommunizieren und dass das bisherige Vorgehen im Rahmen des Textilb\u00fcndnisses und der ZDHC nicht ausreichen, um ein auf \u0084boldly ahead\u0093 ausgerichtetes Chemikalienmanagement zu erm\u00f6glichen. Deutlich wurde auch, dass es weiterer normativer Impulse bedarf, die die Informationsrechte und -pflichten verst\u00e4rken.<br \/>\nZugleich er\u00f6ffnen digitale L\u00f6sungen im Rahmen von \u0084Industrie 4.0\u0093-Prozessen neue M\u00f6glichkeiten der Kommunikation und Kooperation in den Lieferketten, die sich f\u00fcr eine Transformation in Richtung einer nachhaltigeren Chemie im Sinne von SDG 12.4 nutzen lassen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Informationen zum Vorhaben sind auf der sofia Webseite verf\u00fcgbar, einschlie\u00dflich des Links zu einem animierten Video, das die wesentlichen Informationen in etwa 3 Minuten zusammenfasst. Zudem sind das methodische Vorgehen und die Ergebnisse Thema von Fachtagungen, u. a.: 2nd Summer School on Sustainable Chemistry, veranstaltet von der giz, dem \u0084B\u00fcndnis f\u00fcr nachhaltige Textilien\u0093 und der Universit\u00e4t L\u00fcneburg (Sept. 2016), SustEcon Conference \u0096 The contribution of a sustainable economy to achieving the SDGs (Sept. 2017), Nordic Chemical Summit, Kopenhagen (Okt. 2017), Technische Jahrestagung TEGEWA (Okt. 2017), IHK\u00b4s Rhein Main: \u0084Gute Chemie \u0096 gibt es die? Mit Nachhaltigkeit Vertrauen gewinnen\u0093 (Nov. 2017), iPoint-Fachtagung &#8220;Conflict Minerals &#038; Sustainable Supply Chain&#8221; (Nov. 2017) sowie einem Arbeitstreffen mit der Generaldirektion Umwelt der Europ\u00e4ischen Kommission Anfang Dez. 2017<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt hat die wesentlichen Faktoren, die zu einem nachhaltigeren Chemikalienmanagement in der globalen textilen Lieferkette f\u00fchren, in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet. Die anschauliche Szenario-Geschichte eignet sich sehr gut, das ver\u00e4nderte Verst\u00e4ndnis auch au\u00dferhalb des Projektes zu vermitteln. Im n\u00e4chsten Schritt geht es darum, die als wichtig angesehenen Faktoren in die Tat umzusetzen und hierf\u00fcr \u0084Frontrunner\u0093 zu gewinnen, die die \u0084muddling through\u0093 Kultur \u00fcberwinden m\u00f6chten.<br \/>\nWichtig ist dabei au\u00dferdem, einen Diskussionsprozess auf der EU-Ebene und im Rahmen von SAICM zu initiieren, um \u00fcber die normative Ebene Unterst\u00fctzung aufzubauen. Es ist zu kl\u00e4ren, inwieweit UBA und Textilb\u00fcndnis hierbei auf der europ\u00e4ischen Ebene eine Rolle spielen k\u00f6nnen, Unterst\u00fctzung k\u00f6nnte es hier aus Schweden, wo die Regierung entsprechende Programme entwickelt (KEMI, 2016), geben. Es ist au\u00dferdem zu kl\u00e4ren, inwieweit das Chemical in Product Project (CIP) im Rahmen von SAICM die ver\u00e4nderte Systemperspektive in ihre Aktivit\u00e4ten einbeziehen kann und inwieweit eine Anpassung der ZDHC Aktivit\u00e4ten an die erarbeiteten strategischen Ma\u00dfnahmen m\u00f6glich ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Vorhaben widmet sich der Frage, wie sich ein Chemikalienmanagement in der Textilbranche gestalten l\u00e4sst, das Prozesse in Richtung einer nachhaltigeren Chemie in der globalen Lieferkette initiiert; also insbesondere dazu beitr\u00e4gt, dass problematische Stoffe in der Produktion m\u00f6glichst nicht zum Einsatz kommen und im Produkt nicht enthalten sind. 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