  {"id":26550,"date":"2024-11-27T10:42:12","date_gmt":"2024-11-27T09:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/32413-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:42:13","modified_gmt":"2024-11-27T09:42:13","slug":"32413-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/32413-01\/","title":{"rendered":"Erprobung von Reinigungsverfahren f\u00fcr biozidfreie Unterwasserbeschichtungen an Sportbooten in Modellregionen: Unterweser, D\u00fcmmer, Ratzeburger See"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Auf Grund der Gew\u00e4sserbelastung durch Antifoulingbiozide sind biozidfreie Techniken und Verfahren zum Bewuchsschutz an Bootsr\u00fcmpfen von besonderer Bedeutung. Eine Variante besteht in dem Einsatz von abriebfesten Hartbeschichtungen, welche in notwendigen Intervallen im Wasser am Liegeplatz durch die Eigner selbst gereinigt werden k\u00f6nnen. Da rund zwei Drittel aller Sportboote in Deutschland im S\u00fc\u00dfwasser liegen, erscheint es ratsam, sich zun\u00e4chst auf dieses Einsatzgebiet f\u00fcr Reinigungsverfahren zu konzentrieren. In einem 2013 beendeten Forschungsprojekt konnten verschiedene Reinigungsverfahren und Beschichtungen auf ihre Eignung untersucht werden. In diesem Projekt kommen zwei handgef\u00fchrte Reinigungsger\u00e4te in vier verschiedenen S\u00fc\u00dfgew\u00e4ssern an mehreren Bootstypen zum Einsatz. Ziel ist es, die Praxistauglichkeit der Ger\u00e4te, den Reinigungserfolg und den Grad der Gew\u00e4sserbelastung festzustellen. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenTeilnehmer waren u. a. Bootseigner des Seglervereins Wakenitz am Ratzeburger See, Bootseigner der Seglervereinigung H\u00fcde am D\u00fcmmer, die Jugendabteilung der Vereinigung Hanseaten aus Hasenb\u00fcren sowie eine Bootseignerin vom Zeuthener See. Die Versuchsboote wurden komplett entschichtet und mit einer reinigungsf\u00e4higen Beschichtung versehen. Dabei handelt es sich zum einen um das Produkt CleanTec, eine von der Lackfabrik Wohlert in Bremen Ritterhude entwickelte und f\u00fcr das Projekt zur Verf\u00fcgung gestellte Epoxidbeschichtung, zum anderen um eine Epoxidbeschichtung der Firma Epifanes. Die Boote wurden w\u00e4hrend der Saison 2015 in selbst gew\u00e4hlten Abst\u00e4nden abh\u00e4ngig vom Grad des Bewuchses mehrfach gereinigt. Als Reinigungsger\u00e4te kamen das Tausendbein (Tau mit Reinigungsborsten) und der Big Easy Cleaner (Reinigungspad am Stiel) zum Einsatz. Am Ende der Segelsaison wurden qualitative und quantitative Bewuchsanalysen durchgef\u00fchrt. Um eine m\u00f6gliche Gew\u00e4sserbelastung durch den abgereinigten Bewuchs gegen\u00fcber dem Verzicht auf den Biozideinsatz zu bewerten, wurde das LLUR-SH als beratende Beh\u00f6rde f\u00fcr die gesetzlichen Aspekte einbezogen. Daher wurde zu Beginn des Projekts eine Veranstaltung \u00fcber die rechtlichen Aspekte einer Rumpfreinigung im Wasser durchgef\u00fchrt mit Beteiligung von Unteren Wasserbeh\u00f6rden und Bundesbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die angewendeten Reinigungsintervalle lagen zwischen zwei und zw\u00f6lf Wochen. Es wurde deutlich, dass sich Bewuchsentwicklung und Bewuchsdruck an den Standorten unterschieden. Am D\u00fcmmer und am Ratzeburger See hatte sich bis zum Ende der Saison nur ein d\u00fcnner Biofilm auf den Versuchsbooten entwickelt, obwohl z. T. nur einmal w\u00e4hrend der ganzen Saison gereinigt wurde. An der Unterweser wurden die beiden Segelboote zwei bzw. drei Reinigungen unterzogen, bei denen der Biofilm nicht vollst\u00e4ndig abgereinigt werden konnte. Nach 148 Tagen im Wasser bestand dort der Bewuchs aus einem dichten Biofilm und Gr\u00fcnalgen. Hier erwiesen sich Reinigungsintervalle von vier Wochen geeignet, um eine Bewuchsentwicklung nicht \u00fcber das Stadium eines Biofilms hinaus entstehen zu lassen. Die Versuche haben damit gezeigt, dass der Einsatz von biozidfreien Beschichtungen plus Reinigung im S\u00fc\u00dfwasser anstatt des Einsatzes von biozidhaltigen Antifoulingbeschichtungen gut m\u00f6glich ist. Die neu entwickelten, reinigungsf\u00e4higen Hartbeschichtungen haben sich w\u00e4hrend der Versuche bew\u00e4hrt und erleichterten durch Additive eine Reinigung. Eine optimale Reinigung ist immer im Biofilmstadium zu empfehlen, da sie dann noch am einfachsten und problemlos im Wasser vorzunehmen ist. Ab der Bildung einer Makrofoulinggemeinschaft mit hartschaligem Bewuchs wie den Zebramuscheln, wie sie am Versuchsboot im Zeuthener See entstanden ist, war das Reinigen erschwert und der Bewuchs konnte nicht ausreichnd entfernt werden. Der Makrobewuchs konnte entstehen, weil das Reinigungsintervall krankheitsbedingt auf vier Monate anstieg. <\/p>\n<p>Von den eingesetzten Reinigungsger\u00e4ten eignete sich das Tausendbein sehr gut f\u00fcr Jollen mit Rundspant und aufholbarem Schwert. Bei anderen Rumpfformen wurden nicht alle Fl\u00e4chen erreicht. Deshalb bietet sich das Tausendbein dann nur bei geringem Bewuchsdruck an. Beim Einsatz des Big Easy Cleaners (BEC) zeigten sich teilweise M\u00e4ngel in der Handhabung, die Form des Pads wurde als zu schmal und lang eingestuft, um bestimmte Passagen reinigen zu k\u00f6nnen. Idealerweise funktioniert er auch nur auf Rundspantern. Bei geringem Bewuchsdruck zeigte er bei anderen Rumpfformen aber auch ausreichende Reinigungsergebnisse.<\/p>\n<p>Die Gew\u00e4sserbelastung durch Reinigung im Wasser lag zwischen 6,2 und 83 g pro 10 m\u00b2-Boot, solange die Reinigung im Biofilm-Stadium durchgef\u00fchrt wurde. Am D\u00fcmmer und am Ratzeburger See ist der Bewuchs allgemein so gering, dass die Gew\u00e4sserbelastung durch den abgereinigten Bewuchs zu vernachl\u00e4ssigen ist. Deshalb bietet sich dort die Reinigung auf biozidfreien Beschichtungen als Alternative zu biozidhaltigen Antifoulingbeschichtungen besonders an. Am Ratzeburger See gilt ja bereits ein Einsatzverbot f\u00fcr biozidhaltige Beschichtungen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse wurden auf Veranstaltungen des Deutschen Motor Yachtverbands, Anh\u00f6rungen des Umweltbundesamts, auf der Bootsmesse \u0084Hanseboot 2015\u0093 und in Segelvereinen am D\u00fcmmer vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Eine Rumpfreinigung auf reinigungsf\u00e4higen, biozidfreien Hartbeschichtungen mit Antihaft-Eigenschaften ist im S\u00fc\u00dfwasser als eine aussichtsreiche Bewuchsschutzalternative anzusehen. Die getesteten Reinigungsger\u00e4te sind teils nur f\u00fcr bestimmte Boote geeignet, teils noch verbesserungsbed\u00fcrftig. Hier liegt noch gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr Neuentwicklungen, die den verschiedenen Rumpftypen und den \u00f6rtlichen Bedingungen angepasst sein sollten. Zudem ist aus den bisherigen Erfahrungen auch eine Reinigung an Land eine denkbare Alternative, soweit ein kosteng\u00fcnstiger Kran zur Verf\u00fcgung steht. Eine Reinigung mit normalem Wasserdruck und einem Schwamm wird h\u00e4ufig ausreichend sein. Da keine Biozide abgewaschen werden, kann auf die Errichtung eines Waschplatzes mit Auffangsystem f\u00fcr die Biozide verzichtet werden. Das Auffangen des Waschwassers in einer Plane mit Ablauf und eine Grobfiltration wird als ausreichend erachtet, um den entfernten Bewuchs anschlie\u00dfend als Haus- oder Biom\u00fcll zu entsorgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Auf Grund der Gew\u00e4sserbelastung durch Antifoulingbiozide sind biozidfreie Techniken und Verfahren zum Bewuchsschutz an Bootsr\u00fcmpfen von besonderer Bedeutung. Eine Variante besteht in dem Einsatz von abriebfesten Hartbeschichtungen, welche in notwendigen Intervallen im Wasser am Liegeplatz durch die Eigner selbst gereinigt werden k\u00f6nnen. 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