  {"id":25623,"date":"2025-06-25T10:32:33","date_gmt":"2025-06-25T08:32:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/28983-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:34","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:34","slug":"28983-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/28983-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Konservierung der anthropogen umweltgesch\u00e4digten Felsenkapellen von St. Salvator (Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd) in Verbindung mit der Ermittlung eines neuen Steinkonservierungsmittels zur Anwendung in nassem Umfeld"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Problemstellung<br \/>\nSt. Salvator wurde 1617 \u0096 1621 durch Kaspar Vogt als nat\u00fcrliche Felsenkirche oberhalb von Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd in eine obere und untere Kapelle ausgebaut. Die Wandoberfl\u00e4chen in der oberen Felsenkapelle zeigen eine bildliche Reliefdarstellung aus dem Leben Christi (\u00d6lbergdarstellung, entstanden 1620). Diese in Deutschland einzigartige Darstellung ist direkt aus dem Felshang herausgearbeitet. Verwitterungs-vorg\u00e4nge, die \u00fcberwiegend durch das nat\u00fcrliche, dauerfeuchte Milieu des Felsen \u00fcberwiegend bestimmt werden, haben zu einem starken Kornbindungsverlust gef\u00fchrt. In Teilbereichen haben sich schwarze Krustenbildungen mit dahinter liegenden Auflockerungszonen sowie mikrobieller Befall entwickelt. Ein fortschreitender Verlust der originalen Oberfl\u00e4chen war festzustellen und eine baldige konservierende Behandlung daher unumg\u00e4nglich. Aufgrund der nat\u00fcrlichen, hohen Bergfeuchte, die jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt, gab es bisher keine geeigneten Gesteinsfestigungsmittel bzw. Konservie-rungsverfahren, die gefahrlos f\u00fcr das Objekt eingesetzt werden konnten. Ein Austrocknen des Reliefs barg die Gefahr, dass es, aufgrund des fragilen Zustands, zu verst\u00e4rkten und schnellen Materialverlusten kommt. Dies ist auch unm\u00f6glich, da aus dem Felsuntergrund st\u00e4ndig Feuchte nachgeliefert wird.<br \/>\nGegenstand und Ziele des Projekts<br \/>\nZiel des Projekts war eine Musterkonservierung der beiden Felsenkapellen als exemplarische Restaurierung von dauerfeuchten Natursteinobjekten, dies beinhaltete die Entwicklung eines Festigungsmittels f\u00fcr dauerfeuchte Untergr\u00fcnde, und die Erarbeitung eines \u00dcberwachungs- und Ma\u00dfnahmenkonzepts f\u00fcr die weitere Nutzung. Besonderes Augenmerk wurde auf die Problematik Salzbelastung und mikrobieller Befall gelegt. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenArbeitspaket 1: Grundvoraussetzung f\u00fcr das Projekt ist die Erfassung aller Schadenspotentiale aus klimatischen, hydrogeologischen, mikrobiellen und nutzungsbedingten Belastungen des Objekts.<br \/>\nArbeitspaket 2: Um die Steinoberfl\u00e4chen behandelbar zu machen, soll ein feuchtetolerantes Festigungsmittel entwickelt werden, das weitere konservatorische Ma\u00dfnahmen erlaubt.<br \/>\nArbeitspaket 3: Aufbauend auf den Ergebnissen der Vorfestigung an Musterfeldern erfolgt die Konservierung des Objekts.<br \/>\nArbeitspaket 4: Nach erfolgter Konservierung wird aus den \u00dcberwachungsdaten ein Klimakonzept er-stellt, das die Nutzung der Kapellen und den konservierten Zustand ber\u00fccksichtigt.<br \/>\nArbeitspaket 5: Dieses Arbeitspaket diente der Projektsteuerung und der Verbreitung der Ergebnisse des Projekts.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das urspr\u00fcnglich auf zwei Jahre angelegte Projekt wurde zweimal um ein Jahr verl\u00e4ngert, so dass die offizielle Projektlaufzeit vom 15.12.2010 bis 14.12.2014 war. Die erste Verl\u00e4ngerung erfolgte aufgrund von Verz\u00f6gerungen bei der Entwicklung des feuchtetoleranten Festigungsmittels. Die Klimasituation mit der maximalen Durchfeuchtung im Mai\/Juni 2013 war urs\u00e4chlich f\u00fcr die zweite Verl\u00e4ngerung. Im ganzen Sommer und Herbst war die Durchfeuchtung des Sandsteins so hoch, so dass das Festigungsmittel nicht angewendet werden konnte. Erst im Jahr 2014, am Ende der Trockenperiode im Herbst waren die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr eine Festigung wieder g\u00fcnstig.<br \/>\nMit der Entwicklung eines Festigungsmittels auf Basis von modifizierten Kiesels\u00e4ureestern gelang es, zuerst im Laborma\u00dfstab, Steine im Feuchtebereich von 20 bis 50 % Porens\u00e4ttigung zu festigen. Es wurden Eindringtiefen von 20 mm erreicht. Umfangreiche Probefestigungen im Labor und an Musterfl\u00e4chen vor Ort, die von detaillierten Untersuchungen begleitet wurden, best\u00e4tigten die Ergebnisse. F\u00fcr die ei-gentliche Konservierung wurde dann die Fertigung auf eine Pilotproduktion in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab umgestellt. Damit steht eine neue Produktklasse f\u00fcr dauerfeuchte Untergr\u00fcnde zur Verf\u00fcgung, die allerdings auf den jeweiligen Anwendungsfall angepasst werden muss. Ein weiterer Schwerpunkt waren die Frage-stellungen im Hinblick auf mikrobiellen Befall, Salzbelastung und begleitenden Materialuntersuchungen. Hinzu kam die Stabilisierung des Klimas zur Reduktion der Feuchtewechsel, um die Umkristallisation von Salzen mit sch\u00e4digender Volumenver\u00e4nderung zu vermeiden.<br \/>\nDie skulpturalen Bereiche der beiden Kapellen wurden zum Projektabschluss gesichert. Der Eigent\u00fcmer wird zusammen mit den Projektpartnern in den folgenden Jahren die weiteren Bereiche konservieren und das Wartungs- und \u00dcberpr\u00fcfungskonzept umsetzen.<br \/>\nDas urspr\u00fcnglich auf zwei Jahre angelegte Projekt wurde zweimal um ein Jahr verl\u00e4ngert, so dass die offizielle Projektlaufzeit vom 15.12.2010 bis 14.12.2014 war. Die erste Verl\u00e4ngerung erfolgte aufgrund von Verz\u00f6gerungen bei der Entwicklung des feuchtetoleranten Festigungsmittels. Die Klimasituation mit der maximalen Durchfeuchtung im Mai\/Juni 2013 war urs\u00e4chlich f\u00fcr die zweite Verl\u00e4ngerung. Im ganzen Sommer und Herbst war die Durchfeuchtung des Sandsteins so hoch, so dass das Festigungsmittel nicht angewendet werden konnte. Erst im Jahr 2014, am Ende der Trockenperiode im Herbst waren die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr eine Festigung wieder g\u00fcnstig.<br \/>\nMit der Entwicklung eines Festigungsmittels auf Basis von modifizierten Kiesels\u00e4ureestern gelang es, zuerst im Laborma\u00dfstab, Steine im Feuchtebereich von 20 bis 50 % Porens\u00e4ttigung zu festigen. Es wurden Eindringtiefen von 20 mm erreicht. Umfangreiche Probefestigungen im Labor und an Musterfl\u00e4chen vor Ort, die von detaillierten Untersuchungen begleitet wurden, best\u00e4tigten die Ergebnisse. F\u00fcr die ei-gentliche Konservierung wurde dann die Fertigung auf eine Pilotproduktion in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab umgestellt. Damit steht eine neue Produktklasse f\u00fcr dauerfeuchte Untergr\u00fcnde zur Verf\u00fcgung, die allerdings auf den jeweiligen Anwendungsfall angepasst werden muss. Ein weiterer Schwerpunkt waren die Frage-stellungen im Hinblick auf mikrobiellen Befall, Salzbelastung und begleitenden Materialuntersuchungen. Hinzu kam die Stabilisierung des Klimas zur Reduktion der Feuchtewechsel, um die Umkristallisation von Salzen mit sch\u00e4digender Volumenver\u00e4nderung zu vermeiden.<br \/>\nDie skulpturalen Bereiche der beiden Kapellen wurden zum Projektabschluss gesichert. Der Eigent\u00fcmer wird zusammen mit den Projektpartnern in den folgenden Jahren die weiteren Bereiche konservieren und das Wartungs- und \u00dcberpr\u00fcfungskonzept umsetzen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Verbreitung der Projektergebnisse umfasste die folgenden Ma\u00dfnahmen:<\/p>\n<p>Projekthomepage: www.shm.uni-stuttgart.de\/j16\/index.php\/projects\/st-salvator-schwaebisch-gmuend<\/p>\n<p>Informationen vor Ort: \u00d6ffentliche Auftaktveranstaltung am 26.01.2011, Vortrag im Rahmen eines Treffens des Salvator Freundeskreises am 16.11.2011, Projektposter f\u00fcr Besucher der Landesgartenschau in der oberen Kapelle, Pressetermin am 04.02.2015 und Abschlusskolloquium am 04. und 05. Mai 2015.<\/p>\n<p>Vortr\u00e4ge, Poster und Tagungsbeitr\u00e4ge: Sitzungen der Focus Area Cultural Heritage der German Construction Technology am 23.03.2011 in Oberhausen und am 16.\/17.2.2012 in Osnabr\u00fcck, Poster und Handout auf der Konferenz des EU-Projekts Net-Heritage im Rahmen der Ausstellung \u0084NetHeri-tageTouch\u0093 am 24.03.2011. Tagungsbeitr\u00e4ge: \u0084Arch\u00e4ometrie und Denkmalpflege 2012\u0093, 28-31. M\u00e4rz 2012, T\u00fcbingen [Z\u00f6ldf\u00f6ldi, 2012a], EWCHP, September 2012 in Kjeller, Norwegen [Z\u00f6ldf\u00f6ldi, 2012b], Tagung &#8220;Naturstein als Element der Kulturlandschaft&#8221;, Juni 2013 in Osnabr\u00fcck [Frick 2013], &#8220;Arch\u00e4ometrie und Denkmalpflege 2013&#8221;, September 2013 in Weimar [Z\u00f6ldf\u00f6ldi 2013]. (Die Literaturzitate beziehen sich auf den Beitrag: \u0084Einf\u00fchrung in Problemstellung und Zielsetzung des Forschungsprojekts St. Salvator\u0093 von J\u00fcrgen Frick im Tagungsband zum Abschlusskolloquium, Seite 9 \u0096 13). <\/p>\n<p>Der \u00f6ffentliche Endbericht erschien als Tagungsband zum Abschlusskolloquium am 4.\/5.5.2015 in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd und ist beim Fraunhofer IRB Verlag erh\u00e4ltlich. Link zum Bericht:<br \/>\nhttps:\/\/www.baufachinformation.de\/forschungsbericht\/Modellhafte-Konservierung-der-anthropogen-umweltgesch\u00e4digten-Felsenkapellen-von-St\/243484 <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Dem Konsortium aus universit\u00e4rer Forschungseinrichtung, dem Eigent\u00fcmer, f\u00fcnf kleinen und mittleren Unternehmen, das vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege im Regierungspr\u00e4sidium Stuttgart fachlich begleitet wurde, gelang die Sicherung der wertvollen Substanz von St. Salvator. Das entwickelte Wartungs- und \u00dcberpr\u00fcfungskonzept bietet die Gew\u00e4hr, dass die Kapellen auf Dauer gesichert sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Problemstellung St. Salvator wurde 1617 \u0096 1621 durch Kaspar Vogt als nat\u00fcrliche Felsenkirche oberhalb von Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd in eine obere und untere Kapelle ausgebaut. Die Wandoberfl\u00e4chen in der oberen Felsenkapelle zeigen eine bildliche Reliefdarstellung aus dem Leben Christi (\u00d6lbergdarstellung, entstanden 1620). 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