  {"id":25074,"date":"2023-10-01T10:32:14","date_gmt":"2023-10-01T08:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/27316-01\/"},"modified":"2023-10-01T10:32:16","modified_gmt":"2023-10-01T08:32:16","slug":"27316-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/27316-01\/","title":{"rendered":"Planung eines Hallenbads in Passivhaustechnologie"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Betrieb von Hallenb\u00e4dern ist mit erheblichen laufenden Kosten verbunden. Bedeutenden Anteil daran haben die Energiekosten, welche f\u00fcr Beheizung, Entfeuchtung und Warmwasserbereitstellung aufgewendet werden m\u00fcssen. Mit Blick auf Lebenszykluskosten, die Absicherung neuen Wissens und praktische Handhabbarkeit ist das Thema Passivhallenbad intensiv zu  bearbeiten, denn bestehende Regelwerke und \u00fcbliche Konzeptionen sind als nicht ausreichend einzusch\u00e4tzen, um die heute bereits m\u00f6glichen Einsparpotenziale zu erschlie\u00dfen. \u00dcber die vorbereitende Grundlagenuntersuchung der bauphysikalischen und technischen Bedingungen zur Umsetzung des Passivhauskonzepts im \u00f6ffentlichen Hallenbad (DBU, AZ 26261) konnte zusammenfassend festgestellt werden, dass durch weitgehende Effizienzma\u00dfnahmen (Passivansatz f\u00fcr Geb\u00e4udeh\u00fclle und Geb\u00e4udetechnik) eine Prim\u00e4renergieeinsparung (Hallenheizw\u00e4rme, Wassererw\u00e4rmung, Ventilatorstrom L\u00fcftung) von 60 % gegen\u00fcber einem EnEV-Hallenbad erreichbar ist. Eine weiter erg\u00e4nzende Energieeinsparung wird \u00fcber die technologische Nutzung der spezifisch hohen Fortluftenthalpie m\u00f6glich. Das Hallenbad in Passivbauweise ist als besondere Effizienzstrategie identifiziert, wobei aber die Einsparpotenziale nicht durch eine Aneinanderreihung mehrerer Einzelma\u00dfnahmen erschlossen werden, sondern dies ergibt sich erst in der aufeinander aufbauenden Kombination derselben. In einem innovativen Pilotprojekt soll das Passivhallenbad L\u00fcnen (Lippe Bad) als gebautes Beispiel entstehen. Hierf\u00fcr sind integrierte Planungen notwendig, um zu einer optimierten Gesamtl\u00f6sung f\u00fcr die Geb\u00e4udeh\u00fclle und die Anlagentechnik zu kommen. Zur Reduzierung der zu erwartenden laufenden Kosten des Hallenbadneubaus in L\u00fcnen soll ein Konzept erarbeitet werden, welches sowohl die Energiekosten f\u00fcr Beheizung und Bel\u00fcftung als auch die f\u00fcr Badewasser- und Warmwasserbereitung reduziert. Hinsichtlich Prim\u00e4renergieeinsatz und Investitionskosten wird eine optimierte Gesamtl\u00f6sung angestrebt. Zur Projektierung des Passivhaus-Standards und zur energetischen Optimierung des Hallenbades soll ein Energiebilanz-Modell erstellt werden, welches das Gesamtkonzept aus Geb\u00e4udeh\u00fclle und Haustechnik abbildet. Die Aufgaben bestehen vor allem darin, die Erkenntnisse aus der Grundlagenuntersuchung auf das konkrete Projekt hin umzusetzen und dem Anforderungsprofil entsprechende Systemvarianten hinsichtlich der Einsetzbarkeit gegen\u00fcberzustellen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDiese Zielstellung bedarf der intensiven Zusammenarbeit eines Planungsteams, in dem das umfassende Wissen aus Wissenschaft, Theorie, Praxis und Betrieb vertreten sein muss. Die Bearbeitung der stets \u00fcber viele Gewerke verbundenen Aufgabenstellungen ist eine Teamaufgabe, die zu verbesserten L\u00f6sungen f\u00fchren wird und zus\u00e4tzlich den Kenntnisstand aller Teammitglieder nachhaltig erweitert. Zur L\u00f6sung der vielf\u00e4ltigen Aufgabenstellungen im Rahmen des F\u00f6rderantrags wird ein integriert arbeitendes Planungsteam aus allen ben\u00f6tigten Fachbereichen eingesetzt. Integriert erarbeitete L\u00f6sungen sollen auch beispielhaft aus dem Gesamtzusammenhang abgeleitet und dargestellt werden. Die Verbreitung wird \u00fcber schriftliche Unterlagen und fachlich ausgepr\u00e4gte Pr\u00e4sentationen f\u00fcr Fachveranstaltungen verfolgt. Weiterhin soll das Projekt Lippe Bad \u00fcber \u00d6ffentlichkeitsarbeit transparent gemacht werden. Mit dem Endbericht und dem vorbereitenden Grundlagenbericht (DBU, AZ 26261, beides kostenlos verf\u00fcgbar) stehen Unterlagen zur Verf\u00fcgung, welche die Zielstellungen und L\u00f6sungsans\u00e4tze verdeutlichen und die f\u00fcr Entwicklungen von Nachfolgeprojekten grundlegend sind.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die einzelnen Fragestellungen und Ergebnisse wurden in einem Bericht dargestellt. Im integrierten Planungsprozess konnten \u00fcber die jeweiligen Gewerkegrenzen hinweg vielf\u00e4ltige Ans\u00e4tze zur Energie und Wassereinsparung formuliert werden. Die Planung entwickelte sich ideenreich. Durch die angestrebte Kooperation von Wissenschaft und Praxis im Team wurden innovative L\u00f6sungsans\u00e4tze detailliert entwickelt. Jedes Mitglied im integrierten Planungsteam hat dadurch gelernt und an neuem Wissen gewonnen. Mit der integralen Planung des Lippe Bades L\u00fcnen ist es gelungen, ein Hallenbad mit Konzepten der Passivhaus Technologie umzusetzen. Durch die thermisch sehr hochwertige Geb\u00e4udeh\u00fclle konnte der Transmissionsw\u00e4rmebedarf relativ zu Standard-Neubauten und noch deutlicher zu bestehenden B\u00e4dern signifikant gesenkt werden. Aus der entscheidenden thermischen Verbesserung der Geb\u00e4udeh\u00fclle, hier insbesondere der transparenten Bauteile, resultieren h\u00f6here minimale Oberfl\u00e4chentemperaturen, durch welche die M\u00f6glichkeit gegeben ist, im Bad h\u00f6here relative Luftfeuchten zu fahren. Diese Ma\u00dfnahme senkt die Verluste durch Verdunstung von Beckenwasser erheblich. Durch die Projektierung hochwertiger L\u00fcftungsw\u00e4rmetauscher, sowie einer intelligente L\u00fcftungssteuerung werden die Luftvolumenstr\u00f6me und die L\u00fcftungsw\u00e4rmeverluste deutlich reduziert. Heizung und Warmwasserbereitung arbeiten konsequent mit Niedertemperaturw\u00e4rme und es werden durchgehend h\u00f6chst energieeffiziente elektrische Anlagen eingesetzt (Beleuchtung, Pumpen, Motoren). Laut dem aktuellen Stand der Energiebilanzierung mittels eines modifizierten Passivhaus Projektierung Paketes (PHPP) konnte der Endenergiebedarf durch diese Ma\u00dfnahmen auf 549 kWh\/(m\u00b2a) reduziert werden. In Verbindung mit zwei Blockheizkraftwerken am Standort Lippe Bad (Biogas und mit Erdgas) lassen sich durch die Nutzung von Ab- und Brennwertw\u00e4rme auf Niedertemperaturniveau ausgesprochen g\u00fcnstige Prim\u00e4renergiefaktoren f\u00fcr die Beheizung und die Warmwasserbereitung erzielen. Der Einsatz einer Ultrafiltrationsanlage erwies sich als eine wirtschaftliche Variante. Durch die bei der Ultrafiltration quasi kontinuierlich anfallenden Absp\u00fclw\u00e4sser wird ein Wasserrecycling m\u00f6glich. Ein gro\u00dfer Teil des Absp\u00fclwassers wird aufbereitet und als Beckenwasser wieder verwendet. Ein weiterer Teil substituiert Frischwasser f\u00fcr die Urinal- und Toilettensp\u00fclung. Sparsame Entnahmearmaturen, Duschen und WC-\/Urinalsp\u00fclungen sorgen f\u00fcr weitere Einsparungen, sodass eine Reduktion des Trinkwasserbedarfes von ca. 67% erwartet wird. Es konnte festgestellt werden, dass die Verwendung von Passivhaus Technologien keine Mehraufwendungen im Bereich des Brandschutzes nach sich ziehen. Durch ein durchdachtes und innovatives Reinigungskonzept, welches auch auf Erfahrungen des Betreibers beruht und tief in die Gestaltung des Geb\u00e4udes und die Anlagentechnik eingreift, werden erheblich Betriebskosteneinsparungen, sowie Einsparungen von Wasser und Reinigungschemikalien erwartet. Durch das Konzept wird es m\u00f6glich, Reinigungsarbeiten in gr\u00f6\u00dferem Umfang teils auch in die Schwachlast-\u00d6ffnungszeiten des Bades zu verlegen. Ein sehr detailliertes und transparentes Monitoring im zuk\u00fcnftigen Betrieb des Lippe Bades ist unverzichtbar. Erst dadurch k\u00f6nnen weitere Optimierungen vorgenommen und die gew\u00e4hlten L\u00f6sungsans\u00e4tze qualifiziert werden. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die ma\u00dfgeblichen Bedingungen zu richten, wo der aktuell geltende Stand der Technik nicht dem im Passivhauskonzept Lippe Bad zu erprobenden Betriebsregime entspricht.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zwischenergebnisse wurden w\u00e4hrend der letzten Internationalen Passivhaustagungen vorgestellt. Viele weitere Veranstaltungen zur Pr\u00e4sentation wurden wahrgenommen (3. Osnabr\u00fccker B\u00e4dertag, Jahrestagung des Bundesverband Deutscher Schwimmmeister e. V., Firmenseminare Evers und H\u00fcbers, Veranstaltung Pro Bad, Kongress f\u00fcr das Badewesen 2010, Sitzung des Arbeitskreises HLSE der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr das Badewesen, Arbeitsgruppensitzung Bauen und Wohnen der Energieagentur NRW, EnOB Fachgespr\u00e4ch Niedrigstenergieschwimmb\u00e4der, Seminare des Bundesverbandes f\u00fcr Wohnen und Stadtentwicklung vhw, \u0085). W\u00e4hrend der Woche der Umwelt 2012 in Berlin wird das Projekt Lippe Bad L\u00fcnen auch vorgestellt werden. In der fortgeschrittenen Bauphase und insbesondere seit Aufnahme des Probebetriebes (9. September 2011) besuchten bzw. besuchen viele Gruppen das Projekt in L\u00fcnen (andere Kommunen aus Deutschland, \u00d6sterreich und Schweden, Fachfirmen). In F\u00fchrungen werden die Zusammenh\u00e4nge des Passivhauskonzepts und die der baulichen Gestaltung vermittelt. Ebenso werden die vielen laufenden Anfragen zum Projekt (Kommunen, Architekten, Planungsgesellschaften, Investoren) durch die B\u00e4dergesellschaft L\u00fcnen mbH engagiert beantwortet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Planung entwickelte sich stets ideenreich und das Projekt wurde mit Erfolg abgeschlossen. Aufbauend auf die systematisch erarbeiteten Grundlagen konnten praktische L\u00f6sungen f\u00fcr das gebaute Beispiel erarbeitet werden, um das bedeutende Einsparpotenzial eines Hallenbades mit Passivhauskonzepten erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Im Rahmen der Bearbeitung zeigten sich viele weiterf\u00fchrende Fragestellungen, die zum Teil nur \u00fcber ein sehr detailliertes, mehrj\u00e4hriges Monitoring im Betrieb eines Pilotprojektes beantwortet werden k\u00f6nnen (Behaglichkeitsfragen, Zusammenhang zwischen Au\u00dfenluftwechsel und Luftschadstoffen in der Hallenatmosph\u00e4re, Notwendigkeit eines erg\u00e4nzenden Umluftanteils zur effektiven Durchstr\u00f6mung des Innenraumes und vieles mehr). In der parallel laufenden Bauausf\u00fchrung zeigt sich, dass Ma\u00dfnahmen der Qualit\u00e4tssicherung konsequent und permanent angewendet werden m\u00fcssen. Viele routinierte Arbeitsabl\u00e4ufe der g\u00e4ngigen Baupraxis, \u00fcber nahezu alle ausf\u00fchrenden Gewerke, entsprechen nicht der mit der Passivbauweise zwangsweise verbundenen Forderung nach Ausf\u00fchrungsqualit\u00e4t und Detailtreue. Mit Aufnahme des Probebetriebes wurden einzelne Ausf\u00fchrungsm\u00e4ngel und Schwachstellen erkannt, wo Nacharbeiten angezeigt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Betrieb von Hallenb\u00e4dern ist mit erheblichen laufenden Kosten verbunden. Bedeutenden Anteil daran haben die Energiekosten, welche f\u00fcr Beheizung, Entfeuchtung und Warmwasserbereitstellung aufgewendet werden m\u00fcssen. 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