  {"id":25062,"date":"2025-10-21T10:32:06","date_gmt":"2025-10-21T08:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26899-01\/"},"modified":"2025-10-21T10:32:09","modified_gmt":"2025-10-21T08:32:09","slug":"26899-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26899-01\/","title":{"rendered":"Praxisnahes Konzept zur F\u00f6rderung seltener Baumarten"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projekt soll beispielhaft f\u00fcr eine Region Deutschlands (S\u00fcdniedersachsen) die Gef\u00e4hrdungssituation seltener Baumarten (hier Elsbeere, Vogelbeere, Wildapfel, Wildbirne, Wildkirsche, Eibe, Feldahorn, Stieleiche, Bergulme und Feldulme) darstellen und praktikable, d. h. vor allem kosteng\u00fcnstige und umweltschonende Strategien zu ihrem Schutz und zur Beteiligung dieser Arten in k\u00fcnftigen Be-st\u00e4nden erarbeiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst wurden Untersuchungsfl\u00e4chen ausgesucht und eingerichtet (Phase A). Die Gesamtgr\u00f6\u00dfe der Untersuchungsfl\u00e4chen betr\u00e4gt 9 ha (300 x 300 m). Auf diesen Untersuchungsfl\u00e4chen wurden geeignete Teilfl\u00e4chen zur Pflanzung von seltenen, einheimischen und standortgerechten Baumarten (s. o.) verwendet. Insgesamt sollten in Phase A 100 Probefl\u00e4chen von 20 x 20 m mit jeweils 100 B\u00e4umen bepflanzt und dauerhaft markiert werden. Das Wachstum dieser Pflanzen sowie Wild- und andere Sch\u00e4den wurden zwei Jahre lang (Phase B) ein- bis zweimal im Jahr, in den drei Folgejahren (Phase C) einmal im Jahr kontrolliert. Dies soll k\u00fcnftig alle f\u00fcnf Jahre erfolgen. Zur zus\u00e4tzlichen Erfassung der vor der Pflanzung vorhandenen Populationsdichten seltener Baumarten wurden diese in den insgesamt 9 ha gro\u00dfen Untersuchungsfl\u00e4chen nach Gr\u00f6\u00dfen- bzw. Altersklassen kartiert (Phase B). Die Kartierung erfolgte einmalig entlang von jeweils 30 je 300 m langen Transekten, die einen Abstand von 10 m aufwiesen. Neben dem Parameter Brusth\u00f6hendurchmesser (bei den Altb\u00e4umen und bei der Verj\u00fcngung sofern >130 cm) wurden bei den Verj\u00fcngungspflanzen auch die H\u00f6he und Sch\u00e4den (z. B. Leit- und Seitentriebverbiss, Hasen-, M\u00e4use-, Insekten-, Pilz-, Fege-, R\u00fccke-, F\u00e4ll- und Kronensch\u00e4den) an den B\u00e4umen festgehalten. Das f\u00fcr die forstliche Praxis relevante Ziel der Untersuchung bestand darin, auf der Basis des vorhandenen Wissens zur \u00d6kologie und waldbaulichen Behandlung der seltenen Baumarten sowie der Projektergebnisse \u00fcber die Entwicklung der nat\u00fcrlicherweise vorhandenen Populationen und die Erfolge von Neuanpflanzungen baumarten- und standortsspezifisch Handlungsvorschl\u00e4ge zur dauerhaften F\u00f6rderung dieser Baumarten zu formulieren (Phase C). Darauf aufbauend wurde ein Konzept entwickelt, das zusammen mit den kooperierenden Forstleuten und J\u00e4gern diskutiert wird. Besondere Bedeutung kommt dabei der N\u00e4he zur Praxis zu, d. h., die Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen umsetzbar und f\u00fcr die Waldbesitzer finanziell zumutbar sein.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Auf unterschiedlichen Standorten in S\u00fcdniedersachsen und Nordhessen wurden sowohl in \u00f6ffentlichen, als auch in privaten W\u00e4ldern seltene Baumarten kartiert und neu gepflanzt. Einige der untersuchten 10 Baumarten (Wildapfel, Wildbirne, Vogelkirsche, Vogelbeere, Elsbeere, Feldahorn, Spitzahorn, Bergulme, Stieleiche und Eibe) waren nicht in fruktifikationsf\u00e4higem Alter vertreten (z. B. Eibe, Wildapfel und Wildbirne). Andere hatten teilweise relativ hohe Anteile (z. B. Stiel- bzw. Traubeneiche, Feldahorn, Vogelkir-sche und Vogelbeere) an den Altbest\u00e4nden. Trotzdem ist die vorhandene Naturverj\u00fcngung all dieser Baumarten \u00e4u\u00dferst sp\u00e4rlich. In den vorhandenen Jungw\u00fcchsen dominiert deutlich die Buche, ein Hinweis auf ung\u00fcnstige Lichtverh\u00e4ltnisse und\/oder hohen Verbissdruck durch Schalenwild. Die Pflanzungen derselben zehn Baumarten fanden unter verschiedenen Lichtverh\u00e4ltnissen (z. B. auch auf Windwurffl\u00e4chen) auf insgesamt 96 Kleinfl\u00e4chen statt. In den ersten beiden Projektjahren wurden Mortalit\u00e4t, Sommer- und Winterverbiss sowie H\u00f6hen- und Durchmesserzuwachs von insgesamt 9.600 gepflanzten B\u00e4umchen aufgenommen und ausgewertet. Au\u00dferdem wurden dort Lichtbedingungen, konkurrierende Begleitvegetation und Bejagungsformen ermittelt. Es zeigte sich, dass Mortalit\u00e4t und Zuw\u00e4chse sowohl zwischen den Baumarten als auch zwischen den einzelnen Pflanzfl\u00e4chen sehr stark variierten. Die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung hat dabei der unterschiedlich hohe Verbissdruck durch Wildtiere, was durch das unter-schiedliche Wachstum gesch\u00fctzter (Einzelschutz) und ungesch\u00fctzter B\u00e4umchen eindeutig dokumentiert werden konnte.<br \/>\nBesonders der Rehwildverbiss ist \u00f6rtlich sehr hoch und betrifft teilweise 100 % der gepflanzten B\u00e4umchen. Da von den Pflanzfl\u00e4chen eine hohe Attraktivit\u00e4t auf Wildtiere ausgeht, empfiehlt es sich, diese intensiv und vorrangig zu bejagen. Positive Beispiele auf den untersuchten Fl\u00e4chen zeigen, dass dadurch der Verbleib lebensf\u00e4higer B\u00e4umchen auf der Fl\u00e4che erreicht werden kann.<br \/>\nDie Entwicklung der gepflanzten B\u00e4ume soll auch nach Ablauf des Projekts weiter dokumentiert werden, um ein langfristig abgesichertes und noch detaillierteres Konzept zur F\u00f6rderung seltener Baumarten vorlegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verbreitung der Ergebnisse ist neben der Ver\u00f6ffentlichung in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und im Rahmen von Vortragsveranstaltungen die Publikation des praxisnahen Konzepts zur F\u00f6rderung seltener Baumarten in Form eines Handbuchs und im Internet in sp\u00e4testens f\u00fcnf Jahren vorgesehen. Nach der erfolgreichen Etablierung der erarbeiteten Methoden im Untersuchungsgebiet wird erwartet, dass das Konzept auch in anderen Regionen Deutschlands Beachtung findet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die aus \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Gr\u00fcnden w\u00fcnschenswerte F\u00f6rderung seltener Baumarten in W\u00e4ldern ist m\u00f6glich und lohnenswert! Pflanzfl\u00e4chen sollten nah an Hauptfahrwegen angelegt und intensiv bejagt werden. Grunds\u00e4tzlich ist dadurch eine Etablierung ohne weitere Schutzma\u00dfnahmen m\u00f6glich, was zur Kostenminimierung und zur Vermeidung von Umweltlasten durch Kunststoffm\u00fcll beitr\u00e4gt. Ein Einzelschutz, wie das verwendete Freiwuchsgitter HQ 500, erh\u00f6ht jedoch die \u00dcberlebensrate und erleichtert das Wiederauffinden der Pflanzen. Zur Bepflanzung geeignet sind auch kleine offene Fl\u00e4chen, die sonst nicht k\u00fcnstlich verj\u00fcngt werden w\u00fcrden. Eine Pflanzenzahl von 100 ist auf solchen Fl\u00e4chen ausreichend. F\u00fcr die Praxis w\u00e4re ein besserer Markt mit herkunftssicherer Pflanzenware seltener Baumarten w\u00fcnschenswert. Eine Kontrolle konkurrierender Geh\u00f6lze und Kr\u00e4uter ist besonders nach dem zweiten Jahr ratsam. Da die meisten seltenen Baumarten mit h\u00f6herem Alter zunehmend lichtbed\u00fcrftig werden, ist ein Herauspflegen dieser B\u00e4ume von elementarer Bedeutung. Das gleiche gilt f\u00fcr Naturverj\u00fcngung dieser Baumarten, die, wie sich zeigte, trotz teilweise ausreichend vielen Mutterb\u00e4umen ohne gezielte Pflege (Jungwuchspflege, L\u00e4uterung, Durchforstung) kaum Chancen hat, sich zu etablieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projekt soll beispielhaft f\u00fcr eine Region Deutschlands (S\u00fcdniedersachsen) die Gef\u00e4hrdungssituation seltener Baumarten (hier Elsbeere, Vogelbeere, Wildapfel, Wildbirne, Wildkirsche, Eibe, Feldahorn, Stieleiche, Bergulme und Feldulme) darstellen und praktikable, d. h. vor allem kosteng\u00fcnstige und umweltschonende Strategien zu ihrem Schutz und zur Beteiligung dieser Arten in k\u00fcnftigen Be-st\u00e4nden erarbeiten. 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