  {"id":24966,"date":"2023-10-01T10:32:02","date_gmt":"2023-10-01T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26639-01\/"},"modified":"2023-10-01T10:32:04","modified_gmt":"2023-10-01T08:32:04","slug":"26639-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26639-01\/","title":{"rendered":"Revitalisierung des historischen K\u00fcchengartens als Ma\u00dfnahme der Umweltbildung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der von Peter Friedrich Ludwig auf der Grundstruktur eines barocken Vorg\u00e4ngers im 18. Jh. angelegte Schlossgarten Eutin ist eines der bedeutendsten Gartenkunstwerke Schleswig-Holsteins. Im Zentrum des Gartens liegt der ab 1790 nach englischen Vorbildern gestaltete, etwa zwei Hektar gro\u00dfe K\u00fcchengarten.<br \/>\n\u00dcber Jahrhunderte diente er der Produktion von g\u00e4rtnerischen Erzeugnissen. Die Industrialisierung im 20. Jh. und die damit verbundenen wachsenden anthropogenen Einfl\u00fcsse verursachten gravierende Sch\u00e4den. Es kam zur Versiegelung ehemaliger Gartenfl\u00e4che, zum Verlust an kulturhistorisch wertvoller Bausubstanz sowie zu nachhaltigen St\u00f6rungen des Wasserregimes, was letztendlich zu einer vollst\u00e4ndigen Aufgabe der g\u00e4rtnerischen Nutzung f\u00fchrte.<br \/>\nIn einem Vorprojekt waren zun\u00e4chst wichtige Grundlagen zur \u00f6kologischen Verbesserung des hist. Wassersystems des gesamten Schlossgartens geschaffen worden. Durch ein VOF-Verfahren wurden L\u00f6sungsans\u00e4tze zur Revitalisierung des K\u00fcchengartens gefunden. Erste Instandsetzungsarbeiten am Orangeriegeb\u00e4ude und der K\u00fcchengartenmauer sind bereits erfolgt. Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurde damit begonnen, den K\u00fcchengarten in modellhafter Weise wieder seinem urspr\u00fcnglichen Zweck zuzuf\u00fchren. Langfristiges Ziel ist es, den Garten nach \u00f6kologischen Gesichtspunkten zu bewirt-schaften und vergessene traditionelle g\u00e4rtnerische Techniken einer breiten \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt beinhaltet die folgenden Vorhaben:<br \/>\n1.\tMa\u00dfnahmen zur Wiederherstellung des historischen Wassersystems<br \/>\n2.\tRevitalisierung des \u00f6stlichen Gartenbereiches, Anlage eines lebenden Zaunes sowie Wiederherstellung von Obstbaumpflanzungen nach historischem Vorbild<br \/>\nIn enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der Norddeutschen Fach-schule f\u00fcr Gartenbau sowie mittelst\u00e4ndischen Baumschulen wurde damit begonnen, im K\u00fcchengarten wieder traditionelle regionale Obstsorten in hist. Anbauweise zu kultivieren. Erstmals in Deutschland wird dabei versucht, die die G\u00e4rten des 17. bis 19. Jh. pr\u00e4genden Zwergobstgeh\u00f6lze wieder anzuziehen.<br \/>\nMit der Anlage eines lebenden Zaunes sollen Erkenntnisse f\u00fcr eine aktuelle Nutzung dieser vergesseen ressourcensparenden Technik erzielt werden. Im Rahmen des Projektes wurden Sch\u00fcler mit historischen g\u00e4rtnerischen Bewirtschaftungsformen und Kultivierungstechniken sowie der Geschichte des K\u00fcchengartens vertraut gemacht. Eine intensive Begleitung der Ma\u00dfnahmen durch das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Schleswig-Holstein sicherte einen hohen fachlichen Standard.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Winter\/Fr\u00fchjahr 2008\/2009 konnte der \u00f6stliche Gartenbereich von Bauschutt, Steinen, Abf\u00e4llen und lagernden Aushubmassen ber\u00e4umt und die mit den Ablagerungen verbundenen Umweltbelastungen des Bodens und der Vegetation beseitigt werden. Dabei wurde auch ein gro\u00dfer Teil des massenhaft auftretenden Japanischen Kn\u00f6terichs (= invasiver Neophyt) fachgerecht entsorgt. F\u00fcr eine nachhaltige Beseitigung m\u00fcssen diese Arbeiten regelm\u00e4\u00dfig fortgef\u00fchrt werden.<br \/>\nIn Zusammenarbeit mit dem Arch\u00e4ologischen Landesamt Schleswig-Holstein wurden im Herbst 2009 weitere gartenarch\u00e4ologische Untersuchungen im K\u00fcchengarten durchgef\u00fchrt, die u. a. \u00fcber den ehemaligen Be- und Entw\u00e4sserungsgraben und dessen Verlauf Aufkl\u00e4rung verschafften. Im Ergebnis der Grabungen und der umfassenden hydrologischen und hydrogeologischen Untersuchungen sowie vertiefender historischer Recherchen im Rahmen des DBU-Projektes konnten wertvolle Erkenntnisse f\u00fcr die geplanten Ma\u00dfnahmen zur Wiederherstellung des historischen Wassersystems gewonnen werden. Da kein historisches Dr\u00e4nagesystem nachgewiesen wurde, konnte auf die zun\u00e4chst geplante kostenintensive Fl\u00e4chendr\u00e4nage des gesamten K\u00fcchengartenareals verzichtet werden. Ausgef\u00fchrt wurde lediglich eine lokal begrenzte Dr\u00e4nierung im Einflussbereich des Kleinen Piependieks und im Nahbereich des Orangeriegeb\u00e4udes. Dadurch konnten nicht nur Kosten gespart sondern auch das Gel\u00e4nde und die im Boden befindlichen arch\u00e4ologischen Strukturen vor gro\u00dffl\u00e4chigen St\u00f6rungen bewahrt werden. Der historische Be- und Entw\u00e4sserungsgraben zwischen Kleinem Piependiek und Duvendiek wurde aktiviert und tr\u00e4gt ebenfalls wieder zur Abf\u00fchrung \u00fcbersch\u00fcssigen Wassers bei. Die in den 1960er Jahren verlegten Betonrohre und die Einlaufsch\u00e4chte sind entfernt und der Graben in der urspr\u00fcnglichen Gestaltung wiederhergestellt worden. In seinem Umfeld und im Bereich der verlegten Dr\u00e4nagen am Orangeriegeb\u00e4ude wurden Wege- und Vegetationsfl\u00e4chen nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert. Mit der Revitalisierung des \u00f6stlichen Geh\u00f6lzsaumes konnte ein weiterer Beitrag zur Reaktivierung des besonderen Binnenklimas im K\u00fcchengarten geleistet werden. Durch die Pflanzung eines Lebenden Gartenzauns, einer Gruppe Lebender Gartenm\u00f6bel aus verschiedenen heimischen Geh\u00f6lzarten sowie eines Obsthains in historischer Quincunx-Formation sind erste Schritte unternommen worden, um die ehemals artenreiche Bepflanzung des K\u00fcchengartens zuk\u00fcnftig wieder pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Derzeit stellt der Freundeskreis Schloss Eutin durch ehrenamtliche Arbeitseins\u00e4tze die Bew\u00e4sserung und die Pflege der Pflanzungen sicher. Eine Besonderheit des Projekts ist die Anzucht von niedrigst\u00e4mmigen Formobstgeh\u00f6lzen, so genanntem Zwergobst oder Franzobst. In Zusammenarbeit mit der Norddeutschen Fachschule f\u00fcr Gartenbau und der Baumschule Cordes sind bisher 35 Zwergapfel- und Zwergbirnb\u00e4ume veredelt und auf eine Versuchsfl\u00e4che im Gartenbauzentrum Ellerhoop verpflanzt worden. Die spezielle Formierung der Geh\u00f6lzkrone wird etwa vier Jahre in Anspruch nehmen, danach k\u00f6nnen die Obstb\u00e4ume in den K\u00fcchengarten Eutin umgesetzt werden. Durch die Wiederbelebung der traditionellen g\u00e4rtnerischen Techniken entstehen auch Impulse f\u00fcr den modernen Wirtschaftsbetrieb der Baumschulen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit nimmt einen sehr hohen Stellenwert innerhalb des Projektes ein. Zusammen mit der Eutiner Bev\u00f6lkerung und Mitgliedern des Freundeskreises Schloss Eutin e. V. beteiligten sich Sch\u00fcler der Wilhelm-Wisser-Schule mit sehr viel Engagement an den jeweils im Fr\u00fchjahr 2009 und 2010 durchgef\u00fchrten \u00f6ffentlichen Parkpflegeseminaren. Ebenfalls mit gro\u00dfem Erfolg fand im April 2010 das 2. Internationale Eutiner K\u00fcchengartenkolloquium statt. Die Tagung mit etwa 30 Teilnehmern aus Deutschland, England und Frankreich kn\u00fcpfte an das 2007 durchgef\u00fchrte 1. Internationale Eutiner K\u00fcchengartenkolloquium an und trug dazu bei, die Vernetzung von Fachleuten im Bereich historischer K\u00fccheng\u00e4rten und Bewahrung und Kultivierung historischer Obst- und Gem\u00fcsesorten weiter zu vertiefen und ausweiten. Die Projektergebnisse werden auch auf der Internetseite der nicht zuletzt im Ergebnis der Eutiner Tagung gegr\u00fcndeten neuen Arbeitsgemeinschaft K\u00dcCHENGARTENnetzwerk pr\u00e4sentiert. Die Internetseite wurde im Rahmen des DBU-Projektes erstellt. [www.kuechengarten.net]<br \/>\nAlle Veranstaltungen fanden vielfach positiven Niederschlag in der Presse.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Historische K\u00fccheng\u00e4rten sind klassische Orte der Bewahrung kultureller Werte, gro\u00dfer Nutzpflanzenvielfalt, traditioneller Techniken sowie \u00f6kologischer Bewirtschaftungsformen. W\u00e4hrend in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern einzelne K\u00fccheng\u00e4rten erhalten geblieben bzw. wieder entstanden sind und einer breiten \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung stehen, existieren in Deutschland nur noch wenige Beispiele. Der K\u00fcchengarten Eutin, der in seiner Grundstruktur bis heute erhalten geblieben und ein bedeutender Vertreter seiner Art ist, bietet die M\u00f6glichkeit einer modellhaften Revitalisierung und nachhaltigen Bewirtschaftung. Mit den im Rahmen des DBU-Projektes durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen zur Beseitigung der anthropogenen Sch\u00e4den und Beeintr\u00e4chtigungen des Kulturdenkmals sowie zur Wiederherstellung des historischen Wasserregimes sind wichtige Voraussetzungen daf\u00fcr geschaffen worden. Au\u00dferdem konnten die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber das Thema Nutz- und K\u00fccheng\u00e4rten informiert und ein Netzwerk f\u00fcr Fachleute auf diesem Gebiet aufgebaut werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der von Peter Friedrich Ludwig auf der Grundstruktur eines barocken Vorg\u00e4ngers im 18. Jh. angelegte Schlossgarten Eutin ist eines der bedeutendsten Gartenkunstwerke Schleswig-Holsteins. Im Zentrum des Gartens liegt der ab 1790 nach englischen Vorbildern gestaltete, etwa zwei Hektar gro\u00dfe K\u00fcchengarten. \u00dcber Jahrhunderte diente er der Produktion von g\u00e4rtnerischen Erzeugnissen. 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