  {"id":24887,"date":"2023-09-30T10:32:21","date_gmt":"2023-09-30T08:32:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25424-02\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:23","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:23","slug":"25424-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25424-02\/","title":{"rendered":"Entwicklung von kosteneffizienten Strategien zum Erhalt und zur Entwicklung von FFH-Offenlandlebensr\u00e4umen auf gro\u00dfen Fl\u00e4chen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Mit Einstellung der vorherigen milit\u00e4rischen Nutzung stellt sich h\u00e4ufig die Frage, wie f\u00fcr Lebensr\u00e4ume der (Halb)Offenlandschaften langfristig ein g\u00fcnstiger Erhaltungszustandes durch eine naturschutzkonforme und zugleich kosteneffiziente Pflege oder sogar wirtschaftlich tragf\u00e4hige Nutzung gew\u00e4hrleistet werden kann. Auch die bis 1992 als Truppen\u00fcbungsplatz genutzte Oranienbaumer Heide weist im zentralen, ca. 1.200 ha gro\u00dfen Bereich ein Mosaik aus den FFH-Offenlandlebensraumtypen Trockene europ\u00e4ische Heiden, Basenreiche Sandrasen, Silbergras-Pionierfluren bzw. Heiden auf Binnend\u00fcnen auf. 15 Jahre nach Beendigung des milit\u00e4rischen \u00dcbungsbetriebes waren jedoch u. a. eine rasch voranschreitende Geh\u00f6lzsukzession, eine \u00dcberalterung der Besenheide-Best\u00e4nde sowie starke Vergrasungs- und Verbrachungstendenzen zu erkennen. Mit dem F\u00f6rderprojekt waren deshalb die folgenden Zielstellungen verbunden:<br \/>\n \tEntwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen und \u00f6konomisch tragf\u00e4higen Managementkonzeptes f\u00fcr sandgepr\u00e4gte Offenlandlebensraumtypen unter Ber\u00fccksichtigung von Munitionsbelastung, Natur-schutz-, Forst- und Veterin\u00e4rrecht sowie Agrarf\u00f6rderbestimmungen und Tiergesundheit<br \/>\n \tKonzeption ma\u00dfnahmebegleitender naturschutzfachlicher Erfolgskontrollen f\u00fcr gro\u00dfe Projektgebiete und deren Erprobung und Umsetzung im Modellgebiet Oranienbaumer Heide<br \/>\n \tBetriebswirtschaftliche Evaluation der extensiven Beweidung<br \/>\n \tVorausschauende und kontinuierliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit zur F\u00f6rderung der Akzeptanz<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIdentifizierung und Einbeziehung aller relevanten Akteure<br \/>\n \tRecherche von naturr\u00e4umlichen Grundlagen, einschlie\u00dflich Munitionsbelastung und weiteren Altlasten sowie Durchf\u00fchrung erg\u00e4nzender Kartierungen und Untersuchungen<br \/>\n \tCharakterisierung relevanter \u00f6kologischer Prozesse, Formulierung eines abgestimmten Leitbildes sowie Ermittlung und Konkretisierung von bestehenden Defiziten<br \/>\n \tAbleitung von eindeutigen und quantifizierbaren Zielen f\u00fcr ein gro\u00dffl\u00e4chiges Offenlandmanagement in sandgepr\u00e4gten Natura 2000-Gebieten im subkontinentalen Raum<br \/>\n \tAbsch\u00e4tzung der Erfolgsaussichten einer extensiven Ganzjahresstandweide mit Robustrindern und -pferden als Basismanagement und anschlie\u00dfende Einrichtung und Etablierung der Weide<br \/>\n \tDurchf\u00fchrung von weiteren ersteinrichtenden bzw. erg\u00e4nzenden Ma\u00dfnahmen<br \/>\n \tKonzeption, Umsetzung und Optimierung einer naturschutzfachlichen Erfolgskontrolle mittels Vorher\/Nachher-Analyse, Soll\/Ist- und Mit-\/Ohne-Vergleichen auf verschiedenen r\u00e4umlichen Ebenen.<br \/>\n \tInformation und Einbeziehung der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der angrenzenden Kommunen sowie weiterer regionaler Akteure durch kontinuierliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Projektverlauf wurde sukzessive eine 770 ha gro\u00dfe Weidefl\u00e4che eingerichtet und mit Heckrindern und Konikpferden besetzt. Infolge der Einstufung als Munitionsverdachtsfl\u00e4che mussten im Vorfeld die Standorte f\u00fcr Zaunpf\u00e4hle, Tr\u00e4nken und Fangstand sondiert und ber\u00e4umt werden. In Abstimmung mit dem Veterin\u00e4ramt und dem betreuenden Tierarzt wurde der ortsfeste Fangstand in massiver Holzbauweise errichtet, um die f\u00fcr Rinder verpflichtenden j\u00e4hrlichen Blutkontrollen durchzuf\u00fchren. F\u00fcr das Schlachten der Tiere ist der Kugelschuss auf der Weide m\u00f6glich, der Transport zum Schlachthof erfolgt mit einer Ent-blutebox. Um die kritische Winterzeit bei den Mutterk\u00fchen zu umgehen, werden, zumindest in der Anfangsphase Bullen nur von Juli bis September zugesetzt. Das Verh\u00e4ltnis von Rindern zu Pferden liegt bei ca. 1:1, die Besatzst\u00e4rke bei ca. 0,15 GVE\/ha.<br \/>\nUm eine m\u00f6glichst kompakte und gro\u00dfe Weidefl\u00e4che zu realisieren, konnten auf Vor-Ort-Terminen unter Beteiligung der Forst- und Naturschutzbeh\u00f6rden f\u00fcr das Modellgebiet einvernehmliche Regelungen zur Einbeziehung von Pionierw\u00e4ldern gefunden werden. Infolge des langj\u00e4hrigen Pflegedefizits wurden au-\u00dferdem auf Teilfl\u00e4chen Entbuschungen sowie eine Mahd der \u00fcberalterten Besenheide durchgef\u00fchrt.<br \/>\nEine finanzielle Absicherung des Projektes konnte mittelfristig \u00fcber die Inanspruchnahme von Agrarumweltma\u00dfnahmen (Freiwillige Naturschutzleistungen) erreicht werden. Die betriebswirtschaftliche Eva-luation zeigt, dass mit der extensiven Standweide zum Erreichen der naturschutzfachlichen Ziele ein kosteng\u00fcnstiges Verfahren entwickelt wurde, wobei insbesondere die Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfe zu Kostendegressionseffekten f\u00fchrt. Allerdings sind auch zuk\u00fcnftig F\u00f6rderpr\u00e4mien aus Agrarumweltma\u00dfnahmen zwin-gend erforderlich, um das Verfahren verlustfrei durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIm Ergebnis der umfassenden naturschutzfachlichen Erfolgskontrolle zeigt sich, dass mithilfe von Luftbildern v. a. Geh\u00f6lze, Heidebest\u00e4nde und offene Bodenstellen sicher klassifiziert werden k\u00f6nnen. Eine gute Gel\u00e4ndekontrolle, eindeutige Testfl\u00e4chen und eine durchg\u00e4ngig gleiche Qualit\u00e4t der Luftbilder sind jedoch eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr eine belastbare Ver\u00e4nderungsanalyse.<br \/>\nBereits nach zwei Jahren extensiver Beweidung zeigen Vorher\/Nachher- sowie Mit-\/Ohne-Vergleiche, dass das gew\u00e4hlte Management grunds\u00e4tzlich geeignet ist, lebensraumtypische Habitatstrukturen in den stark degradierten sandgepr\u00e4gten FFH-Lebensr\u00e4umen wiederherzustellen und den Grad der Beeintr\u00e4chtigungen deutlich zu reduzieren. Durch den Tritt der Weidetiere konnte der Anteil offener Bodenstellen deutlich erh\u00f6ht werden. Die charakteristisch l\u00fcckigen Strukturen der Silbergrasfluren auf den D\u00fcnen-standorten konnten durch das W\u00e4lzen der Pferde, aber auch durch den Tritt beider Weidetierarten wie-derhergestellt werden. Ebenso wurde die durch Land-Reitgras verursachte massive Vergrasung sowie die damit einhergehenden m\u00e4chtigen Streuauflagen der sonst typischerweise eher l\u00fcckigen Offenlandlebensr\u00e4ume deutlich reduziert. Eine Reduzierung der Ruderalzeiger war insbesondere f\u00fcr die Landreitgrasfluren, die Sandrasen der Zustandsstufe B sowie f\u00fcr die Sandrasen-Heide-Mosaike festzustellen. Ein Erhalt der Silbergraspionierfluren \u00fcber extensive Beweidung ohne erg\u00e4nzende Ma\u00dfnahmen erscheint bereits jetzt langfristig realistisch.<br \/>\nIn den stark \u00fcberalterten Heiden vollziehen sich die Ver\u00e4nderungen der Habitatstrukturen langsamer. Es konnte jedoch durch Erh\u00f6hung der offenen Bodenstellen eine Verj\u00fcngung des Heidekrauts initiiert werden. Auf den Mahdfl\u00e4chen ist eine nachhaltige vegetative Verj\u00fcngung zu verzeichnen. Infolge der Wiederherstellung l\u00fcckiger Vegetationsstrukturen ist zudem eine starke Ausbreitung lichtbed\u00fcrftiger, konkurrenzschwacher und zugleich naturschutzfachlich wertgebender Arten zu beobachten. Da die Heckrinder die Stockausschl\u00e4ge der entkusselten Sp\u00e4tbl\u00fchenden Traubenkirsche effektiv verbei\u00dfen, kann eine weitere Ausbreitung dieser Art in den FFH-Offenland-Lebensraumtypen erfolgreich verhindert werden. Die Interpretation der durch die Weidetiere ausgel\u00f6sten Prozesse wird durch die Analyse der Raumnutzung und Habitatwahl der Weidetiere auf Grundlage von GPS-Halsbanddaten, direkten Tierbeobachtungen und Futterwertanalysen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Eine positive Verankerung des Projektes in der Region wurde durch eine fr\u00fchzeitige Information der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und kontinuierliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit, u. a. \u00fcber Vortr\u00e4ge in Ortsversammlungen, gef\u00fchrten Exkursionen, regelm\u00e4\u00dfigen Pressemitteilungen und einer Internetseite erreicht. Zudem konnten nach Munitionsber\u00e4umung zwischen allen Akteuren abgestimmte Wegeverbindungen als Wanderwege freigegeben werden. Durch die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter wurden die Ergebnisse auf verschiedenen Tagungen und Workshops vorgestellt. Wesentliche Projektergebnisse sind in wissenschaftlichen Zeitschriften (Naturschutz und Landschaftsplanung, Jahrbuch NLP Unteres Odertal, Mittei-lungen zur floristischen Kartierung Sachsen-Anhalt) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Modellgebiet der Oranienbaumer Heide konnte mittels einer extensiven Ganzjahresstandweide mit Robustrindern und -pferden in Kombination mit gezielten ersteinrichtenden Ma\u00dfnahmen ein effektives und kosteneffizientes Verfahren zum Erreichen der naturschutzfachlichen Ziele in sandgepr\u00e4gten FFH-Offenlandlebensraumtypen initiiert werden. Eine \u00dcbertragbarkeit auf vergleichbare Standorte im subkon-tinentalen Raum ist grunds\u00e4tzlich gegeben. Zur Absicherung der Ergebnisse ist jedoch eine langfristige naturschutzfachliche Erfolgskontrolle erforderlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Mit Einstellung der vorherigen milit\u00e4rischen Nutzung stellt sich h\u00e4ufig die Frage, wie f\u00fcr Lebensr\u00e4ume der (Halb)Offenlandschaften langfristig ein g\u00fcnstiger Erhaltungszustandes durch eine naturschutzkonforme und zugleich kosteneffiziente Pflege oder sogar wirtschaftlich tragf\u00e4hige Nutzung gew\u00e4hrleistet werden kann. 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