  {"id":24836,"date":"2023-09-30T10:32:32","date_gmt":"2023-09-30T08:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/26267-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:34","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:34","slug":"26267-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/26267-01\/","title":{"rendered":"Erfassung und Klassifizierung der durch anthropogene Eingriffe entstandenen Holzkorrosion an wertvollen Denkmalen in Sachsen-Anhalt als Grundlage einer modellhaften Behandlung (inklusive Entwicklung eines Schnelltests)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Viele h\u00f6lzerne Dachkonstruktionen wurden im 20. Jh. intensiven  Flammschutz- und Holzschutzmittelbehandlungen unterzogen. In Folge dieser h\u00e4ufig \u00fcberdosierten und kombinierten chemischen Applikationen treten sog. Mazerationserscheinungen auf, die in schweren F\u00e4llen in der wollartigen Aufl\u00f6sung der Holzoberfl\u00e4chen sichtbar werden, h\u00e4ufig aber mit dem blo\u00dfen Auge kaum erkennbar sind. Die betroffenen Konstruktionen sind z.T. g\u00e4nzlich im Bestand gef\u00e4hrdet. Insbesondere im Falle sehr gro\u00dfer D\u00e4cher (Kirchen) f\u00fchrt dies zu erheblichen Sanierungskosten oder\/und zum Verlust wertvoller Baudenkmale.<br \/>\nAndererseits k\u00f6nnen die oft hoch- oder auch \u00fcberdosierten Chemikalien Gefahren f\u00fcr Handwerker und Nutzer derartiger Bauten darstellen.<br \/>\nIm Forschungsprojekt MATE sollten repr\u00e4sentativ f\u00fcr die neuen Bundesl\u00e4nder die in Sachsen-Anhalt ermittelten Verdachtsf\u00e4lle einer Ersteinsch\u00e4tzung der Sch\u00e4digung durch Mazeration unterzogen werden, wobei der Grad der Sch\u00e4digung grob kategorisiert werden sollte. Der optische Eindruck des Holzes war zu beschreiben, Holzproben f\u00fcr chemische Analysen zu entnehmen und auszuwerten, Klima- und Holzfeuchtewerte zu ermitteln. Ein einfach zu handhabendes Schnelltestverfahren sollte entwickelt und an den Objekten erprobt werden.<br \/>\nF\u00fcr ausgew\u00e4hlte Beispiele sollte anhand der Objektakten untersucht werden, wann und weshalb nach 1945 weitere chemische Applikationen vorgenommen wurden. M\u00f6glicherweise bestehende statische Gef\u00e4hrdungen waren zu beschreiben. Die Schadensbilder sollten den unterschiedlichen Wirkstoffkombinationen zugeordnet werden.<br \/>\nDie Ergebnisse wurden in einer Datenbank erfasst und nach Abschluss des Projektes den betroffenen Verwaltungen und Eigent\u00fcmern pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenBegehung von 43 Objekten &#8211; Holzfeuchte- und Klimamessungen &#8211; Entnahme von Holzproben &#8211; chemische Analysen &#8211; Einsch\u00e4tzung der Gef\u00e4hrdung &#8211; Ans\u00e4tze f\u00fcr Schnelltest &#8211; vertiefende Archivrecherchen zu Behandlungen nach 1945 &#8211; Abschlusskolloquium und Publikation einer Informationsbrosch\u00fcre.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projekts MATE wurden 43 Verdachtsf\u00e4lle in Sachsen-Anhalt auf Sch\u00e4den durch Mazeration, Bestandteile von Flammschutz- und Holzschutzmitteln und hinsichtlich des Klimas im Dachraum untersucht. Au\u00dferdem wurden Holzfeuchtemessungen und Archivrecherchen vorgenommen. Fast alle F\u00e4lle waren mit Flammschutz- und\/oder Holzschutzmitteln behandelt worden, gut ein Drittel der untersuchten Objekte weist starke oder deutliche Sch\u00e4den durch Mazeration auf, ein weiteres Drittel ist wegen hoher Salzgehalte im Holz latent gef\u00e4hrdet. Nur ein Drittel zeigt keine Sch\u00e4den und kann als nicht gef\u00e4hrdet angesehen werden. Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Klimabedingungen im Dachraum und dem Sch\u00e4digungsgrad. Die Laboranalysen und die Ergebnisse der Archivforschung belegen, dass Mehrfachbehandlungen in z.T. sehr hohen Dosierungen stattfanden.<br \/>\nZur Bewertung der nachgewiesenen DDT-, Lindan und PCP-Konzentrationen im Holz und in der Raumluft wurde ein toxikologisches Gutachten eingeholt. Au\u00dferdem wurden Hinweise zum Arbeits- und Gesundheitsschutz erarbeitet.<br \/>\nDie Forschungsgruppe empfiehlt anstelle eines klassischen Schnelltestverfahrens die Entnahme einer Holzmischprobe, evtl. auch einer Staubprobe, und deren Laboruntersuchung auf Phosphat, Sulfat, Fluorid, PCP, DDT, ?-HCH, deren Isomere und relevante Verunreinigungen gem\u00e4\u00df einer im Projekt erarbeiteten Standardarbeitsanleitung.<br \/>\nDa bislang keine Langzeiterfahrungen bzgl. chemischer Nachbehandlungen von durch die Mazeration gesch\u00e4digten Konstruktionen vorliegen &#8211; hier besteht weiterhin Forschungsbedarf -, wird f\u00fcr akut betroffene Konstruktionen zun\u00e4chst nur deren mechanische Reinigung von Staub und losen Holzfasern und die langfristige Klimabeobachtung empfohlen. Auch latent gef\u00e4hrdete Konstruktionen sollten hinsichtlich des Klimas im Dachraum beobachtet werden, bevor weitere Schritte unternommen werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projekts MATE wurde neben den Handlungsanweisungen zur Entnahme von Holz- und Staubproben eine Handlungsempfehlung f\u00fcr betroffene Eigent\u00fcmer und Verwaltungen erarbeitet. Die Projektergebnisse wurden im Rahmen des Abschlusskolloquiums in Wittenberg am 8.6.2010 Fachleuten aus Berlin, Th\u00fcringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Au\u00dferdem wird im Februar 2010 eine Weiterbildungsveranstaltung f\u00fcr  Kirchenpfleger und Denkmalpfleger aus Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen stattfinden (Ausrichtung: EKM). Der Abschlussbericht wird durch das Fraunhofer IRB publiziert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Mazeration in Folge von Flammschutz- und Holzschutzmittelanwendungen ist in Deutschland und den bis 1945 zum Deutschen Reich geh\u00f6renden Gebieten ein fl\u00e4chendeckendes Problem. \u00dcber 60 % der untersuchten Dachkonstruktionen weisen Sch\u00e4den auf oder sind als latent bedroht anzusehen. Auch im Blick auf den Gesundheits- und Arbeitsschutz wird generell die Entnahme einer Holzprobe und deren Analyse auf Phosphat, Sulfat, Fluorid, PCP, DDT, ?-HCH, deren Isomere und relevante Verunreinigungen gem\u00e4\u00df einer im Projekt erarbeiteten Standardarbeitsanleitung empfohlen.<br \/>\nDer teilweise hohen Gehalte an DDT und Lindan wurden durch einen Toxikologen bewertet, der auch wegen der im Verh\u00e4ltnis zu Wohnnutzungen geringen Expositionszeiten keine akuten Gesundheitsgef\u00e4hrdungen f\u00fcr Nutzer betroffener Kirchen usw. sieht. Die gesetzlich festgelegten Regelungen f\u00fcr den Arbeitsschutz sind selbstverst\u00e4ndlich einzuhalten. Individuell zu erstellende Arbeits- und Sicherheitspl\u00e4ne sollten die \u00f6rtlichen Gegebenheiten und die im Einzelfall vorgesehenen Arbeiten ber\u00fccksichtigen und die Spielr\u00e4ume der Vorschriften im Sinne eines vern\u00fcnftigen Umgangs mit der Problematik aussch\u00f6pfen.<br \/>\nBevor Ma\u00dfnahmen gegen den weiteren Holzzerfall durch Mazeration ergriffen werden, m\u00fcssen die klimatischen Bedingungen im betroffenen Dachraum n\u00e4her untersucht werden, da eine Abh\u00e4ngigkeit zwischen den Feuchtewerten in der Umgebung von mit Flammschutzmitteln behandelten H\u00f6lzern und deren Sch\u00e4digung durch Mazeration besteht. Langzeiterfahrungen mit chemischen Sanierungsmethoden fehlen. Hier besteht weiterhin Forschungsbedarf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Viele h\u00f6lzerne Dachkonstruktionen wurden im 20. Jh. intensiven Flammschutz- und Holzschutzmittelbehandlungen unterzogen. In Folge dieser h\u00e4ufig \u00fcberdosierten und kombinierten chemischen Applikationen treten sog. Mazerationserscheinungen auf, die in schweren F\u00e4llen in der wollartigen Aufl\u00f6sung der Holzoberfl\u00e4chen sichtbar werden, h\u00e4ufig aber mit dem blo\u00dfen Auge kaum erkennbar sind. Die betroffenen Konstruktionen sind [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[51,69],"class_list":["post-24836","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-ressourcenschonung","tag-sachsen-anhalt"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"26267\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"100.000,00","dbu_projektdatenbank_firma":"F\u00f6deration Evangelischer Kirchen in MitteldeutschlandDas KirchenamtReferat Bau","dbu_projektdatenbank_strasse":"Am Dom 2","dbu_projektdatenbank_plz_str":"39104","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Magdeburg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2008-09-24 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2010-06-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr und 9 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0391\/5346-0","dbu_projektdatenbank_inet":"www.ekmd-online.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Sachsen-Anhalt","dbu_projektdatenbank_foerderber":"137","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24836\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37839,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24836\/revisions\/37839"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}