  {"id":24482,"date":"2025-06-25T10:32:25","date_gmt":"2025-06-25T08:32:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/25073-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:26","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:26","slug":"25073-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/25073-01\/","title":{"rendered":"Regulierung der Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale L.) in extensiv genutztem Gr\u00fcnland"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In extensiv genutzten, naturschutzfachlich wertvollen Gr\u00fcnlandbest\u00e4nden ist in den letzten Jahren eine verst\u00e4rkte Wiederausbreitung der sehr giftigen Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale) zu verzeichnen. Probleme bereitet dies im Falle von Gr\u00fcnlandbest\u00e4nden, deren Erhaltung z. Zt. \u00fcber die Integration der Best\u00e4nde in lokale landwirtschaftliche Nutzungssysteme sichergestellt wird. Aktuell wird diese erfolgreiche Vermarktung in vielen Gebieten durch die Ausbreitung der Herbst-Zeitlose zunehmend in Frage gestellt. Positiv auf die Entwicklung der Herbst-Zeitlose-Populationen wirkt dabei insbesondere eine verl\u00e4ngerte Wachstumsphase, die aus den r\u00fcckversetzten Mahdterminen, wie im Rahmen von Naturschutzgebietsausweisungen oder Vertragsnaturschutz \u00fcblich, resultiert.<br \/>\nBei Anteilen von C. autumnale im Futter ist die Heuvermarktung stark eingeschr\u00e4nkt.<br \/>\nDie bestehenden Empfehlungen zur Bek\u00e4mpfung der Herbst-Zeitlosen stammen vorwiegend aus der Zeit der fl\u00e4chigen Gr\u00fcnlandintensivierung (1950 &#8211; 1975; z. B. Nutzungsintensivierung, Einsatz von Herbiziden) oder sind heute f\u00fcr eine Umsetzung in der Praxis zu arbeitsaufw\u00e4ndig f\u00fcr einen gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz.<br \/>\nDaher ergaben sich f\u00fcr das Projekt folgende Hauptziele:<br \/>\n\tEntwicklung naturschutzkonformer Managementstrategien zur Regulierung der Herbst-Zeitlose (C. autumnale L.) in Wiesen unter Ber\u00fccksichtigung der Auswirkungen dieser Ma\u00dfnahmen auf die na-turschutzfachlich wertvollen Pflanzenarten.<br \/>\n\tErfassung der Ver\u00e4nderungen des N\u00e4hrstoffgehalte in den verschiedenen Pflanzenteilen der<br \/>\n\tErfassung des Toxingehaltes der Herbst-Zeitlose im Jahresverlauf, zur Bestimmung von Zeit-fenstern in denen das Risiko einer Vergiftung gering ist.<br \/>\n\tErstellung einer Informationsbrosch\u00fcre f\u00fcr Landwirte und Heunutzer, in der die Problematik und die geeigneten Regulierungsma\u00dfnahmen beschrieben werden.<br \/>\nWeitere Ziele: Untersuchungen zur Biologie der Herbst-Zeitlose, zur Beurteilung der Bek\u00e4mpfungs-strategien:<br \/>\n\tLanglebigkeit von Herbst-Zeitlose Samen im Boden &#8211; Anlage einer Samenbank?<br \/>\n\tBestimmung der bevorzugten Keimungsbedingungen der Art.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenPopulationsbiologische Untersuchungen an C. autumnale: Vier Schnittregime wurden auf ihre Wirkung auf populationsbiologische Parameter (z. B. Populationswachstumsrate, \u00dcberlebensf\u00e4higkeit, generative Reproduktion) untersucht, sowie ihre Wirkung auf verschiedenen Vegetationsparameter (z .B. Artenzahl, Vegetationsstruktur) der naturschutzfachlich wertvollen Begleitvegetation.<br \/>\n\tDie stand\u00f6rtliche und zeitliche Variabilit\u00e4t der N\u00e4hrstoffgehalte in den verschiedenen Pflanzenteilen der Herbst-Zeitlose wurde mittels CNS-Elementaranalysator, Kolorimetrische Phosphors\u00e4urebestimmung, Atomabsorptionsspektrometrie erfasst.<br \/>\n\tDie stand\u00f6rtliche und zeitliche Variabilit\u00e4t des Toxingehaltes in den oberirdischen Pflanzenteilen wurde mittels HPLC (High Pressure Liquid Chromatography) analysiert.<br \/>\n\tDie Samenbankuntersuchung erfolgte in einem Vergrabungsexperiment.<br \/>\n\tUntersuchungen zur Keimungsbiologie fanden in Klimaschr\u00e4nken bei unterschiedlichen Temperaturregimen statt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>St\u00e4rkste Schw\u00e4chung der Herbst-Zeitlose durch fr\u00fche erste Mahd Ende April\/Anfang Mai. Hierbei erfolgte st\u00e4rkste Verringerung der Populationswachstumsrate, Wachstum und Pflanzengr\u00f6\u00dfe, reduzierte \u00dcberlebensf\u00e4higkeit, vegetative und generative Reproduktion.<br \/>\n\tNach 3j\u00e4hriger Mahdumstellung bei gleichzeitigem Verzicht auf D\u00fcngung keine Ver\u00e4nderung der Vegetationszusammensetzung feststellbar, wenn mind. 6 Wochen Zeit bis zum n\u00e4chsten Schnitt gelassen werden.<br \/>\n\tErgebnis der N\u00e4hrstoffanalyse unterst\u00fctzt Ergebnis der Mahdexperimente: H\u00f6chster Res-sourcenentzug durch Blattentfernung erfolgt Ende April bzw. Anfang Mai, abh\u00e4ngig vom Klima der jeweiligen Region, bei einer Pflanzengr\u00f6\u00dfe von 26 cm.<br \/>\n\tToxizit\u00e4tsanalyse zeigt verglichen mit Mitte Juni signifikant verringerten Giftgehalt f\u00fcr An-fang\/Ende Juli, wenn Herbst-Zeitlose Bl\u00e4tter braun und vertrocknet. Durch Verschiebung der Mahd wird Gift-gehalt im Heu mit Herbst-Zeitlose signifikant reduziert.<br \/>\n\tSamenbank ist short-term persistent; nach 21\/4 Jahren 0,3-30% lebendige Samen im Boden.<br \/>\n\tKeimungsexperimente: achtw\u00f6chige Warmstratifikation und anschlie\u00dfend geringere warme Temperaturen und Dunkelheit zur Keimung n\u00f6tig; belegt morpho(physiologische) Dormanz.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zusammenarbeit mit Landwirten, Kreisbeh\u00f6rden, Regierungspr\u00e4sidium und Forstamt Gerau verlief reibungslos<br \/>\n\tZusammenarbeit mit Silvia Winter und Arbeitsgruppe der BOKU (Prof. Dr. Monika Kriech-baum) in Wien sowie Martin Els\u00e4\u00dfer (LAZBW Aulendorf), die an der Regulierung der Herbst-Zeitlose arbeiten, gemeinsame Ver\u00f6ffentlichung zweier Artikel in internationalen Zeitschriften<br \/>\n\tVorstellung der Ergebnisse in Form von Postern und Vortr\u00e4gen auf mehreren Fachtagungen<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Empfehlung: fr\u00fcher Mulchschnitt Ende April\/Anfang Mai bei Pflanzengr\u00f6\u00dfe von 26 cm reduziert Herbst-Zeitlose Dichte am erfolgreichsten und erm\u00f6glicht den Erhalt der Pflanzenartenvielfalt. Einschr\u00e4nkung: einige naturschutzfachlich wertvolle Pflanzenarten vertragen keinen fr\u00fchen Schnitt, und bei Teilnahme am Agrarumweltprogramm oder Lage der Gr\u00fcnlandfl\u00e4che im Schutzgebiet bedarf eine Vorverlegung des Mahdtermins der Genehmigung. Die Einf\u00fchrung eines fr\u00fchen Mulchschnitts muss daher abh\u00e4ngig vom Standort und in enger Kooperation mit Natur- und Landwirtschaftsbeh\u00f6rde erfolgen. F\u00fcr den Ertragsausfall und zus\u00e4tzlichen Arbeitsaufwand sollte der Landwirt finanziell entsch\u00e4digt werden, um die Erhaltung der Artenvielfalt durch angepasste Gr\u00fcnlandnutzung langfristig auf Fl\u00e4chen sichern, wo hohe Herbst-Zeitlose Vorkommen Qualit\u00e4t und Vermarktungsf\u00e4higkeit des Futters einschr\u00e4nken.<br \/>\n\tAlternativ: Mahd Anfang\/Ende Juli, wenn Bl\u00e4tter der Herbst-Zeitlose braun und vertrocknet sind, dann ist Giftgehalt im Heu signifikant reduziert. Konkrete H\u00f6he des Intoxikationsrisikos aber nicht benennbar.<br \/>\n\tDa Keimung des Gro\u00dfteils der Samen in ersten 2 Jahre, kein\/geringer Einfluss der Samenbank auf Herbst-Zeitlose Dichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In extensiv genutzten, naturschutzfachlich wertvollen Gr\u00fcnlandbest\u00e4nden ist in den letzten Jahren eine verst\u00e4rkte Wiederausbreitung der sehr giftigen Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale) zu verzeichnen. Probleme bereitet dies im Falle von Gr\u00fcnlandbest\u00e4nden, deren Erhaltung z. Zt. \u00fcber die Integration der Best\u00e4nde in lokale landwirtschaftliche Nutzungssysteme sichergestellt wird. Aktuell wird diese erfolgreiche Vermarktung in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[62,2422,50,2423],"class_list":["post-24482","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-hessen","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-umweltkommunikation"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"25073\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-25073.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"202.892,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen (JLU)\nProfessur f\u00fcr Landschafts\u00f6kologie und\nLandschaftsplanung","dbu_projektdatenbank_strasse":"Heinrich-Buff-Ring 26 - 32","dbu_projektdatenbank_plz_str":"35392","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Gie\u00dfen","dbu_projektdatenbank_p_von":"2007-12-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2012-04-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"4 Jahre und 5 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0641-99-37160","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Hessen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"126","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"DBU-Abschlussbericht-AZ-25073.pdf","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24482","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24482\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37485,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/24482\/revisions\/37485"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}