  {"id":24381,"date":"2023-09-30T10:32:13","date_gmt":"2023-09-30T08:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24703-01\/"},"modified":"2023-09-30T10:32:14","modified_gmt":"2023-09-30T08:32:14","slug":"24703-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24703-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte und innovative Instandsetzung der anthropogen umweltgesch\u00e4digten Johannesglocke am Dom zu Mei\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass war die Notwendigkeit der Reparatur der etwa 8 t schweren, anthropogen umweltgesch\u00e4digten Johannesglocke im NW-Turm des Mei\u00dfner Doms, die nach dem Glockenunfall von 1977 nur noch eingeschr\u00e4nkt und unter erheblichen Klangeinbu\u00dfen gel\u00e4utet werden konnte. Wegen der eingeschr\u00e4nkten Platz- und Zufahrtsituation auf dem Burgberg sollte ein Verfahren entwickelt werden, welches das kostenintensive Herausnehmen der Glocke aus dem Turm und deren weitere Transporte in ein Schwei\u00dfwerk \u00fcberfl\u00fcssig macht. Die hier gemeinsam mit den Projektpartnern gew\u00e4hlte Technologie tr\u00e4gt Pilotprojektcharakter; es ist innovativ, die durchzuf\u00fchrenden Ma\u00dfnahmen waren alle reversibel und in situ durchf\u00fchrbar. Alle Arbeitsschritte wurden jeweils fachspezifisch durch Partner an verschiedenen Universit\u00e4ten begleitet. Ein Gelingen des Mei\u00dfner Pilotprojektes hilft k\u00fcnftig, bei notwendig werdenden Glockenreparaturen Varianten der in-situ-Reparatur der Glocken pr\u00fcfen zu k\u00f6nnen und somit die Gesamtkosten in erheblichen Umfang zu minimieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tDie 14 Tr\u00fcmmer der Glockenkrone mussten wieder zusammengesetzt und Fehlstellen bildhauerisch erg\u00e4nzt werden. Danach bildete ein 1:1-Wachsmodell die Vorlage f\u00fcr den Guss der neuen Krone in der Glockengie\u00dferei.<br \/>\n2.\tDie Glocke wurde im Turm aus dem IV. TG in das III.TG abgelassen. Dort wurde eine Werkstatt eingerichtet, an der die Glockenhaube f\u00fcr die Montag der Krone vorbereitet wird.<br \/>\n3.\tDurch Wasserstrahlschneiden wurde aus der Haube eine Aussparung herausgeschnitten, in die die neue Krone eingef\u00fcgt werden sollte. Die so hergestellte Aussparung wurde durch Laserscan vermessen und danach die Gussform f\u00fcr das Unterteil der neuen Krone angefertigt.<br \/>\n4.\tNach Guss und Anlieferung der etwa 1 t schweren Krone sowie Transport in das III. Turmgeschoss wurde dort die neue Krone aufmontiert und mit statisch berechneten Schraubenbolzen verschraubt. Die Fuge wurde durch Laserstrahl erw\u00e4rmt und mit Wolfram verf\u00fcllt. Dadurch ist ein homogener Klangk\u00f6rper entstanden.<br \/>\n5.\tDie reparierte Glocke wurde nun wieder in den zimmermannsm\u00e4\u00dfig instandgesetzten Holzglocken-stuhl in das IV.TG heraufgezogen und dort mit einem neuen Joch (Nachbau des alten, 1979 zerst\u00f6rten Joches) aufgeh\u00e4ngt. K\u00fcnftig bewegen 2 neue Antriebsmotoren die Glocke.<br \/>\n6.\tNach Klangpr\u00fcfung, technischer Pr\u00fcfung, Vermessung und Abnahme ist das Vorhaben beendet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das hier angewendete Verfahren l\u00f6st die bisherigen konventionellen Methoden des umst\u00e4ndlichen Herausnehmens von Glocken aus dem Turm, dem teuren Transport in ein Schwei\u00dfwerk, das zeitintensive Erw\u00e4rmen und Abk\u00fchlen und das nicht unproblematische Schwei\u00dfen der Glocke, R\u00fccktransport s.w.v. usw. ab. Bisher war das Erw\u00e4rmen reich figurierter Glocken, so wie es bei der Mei\u00dfner Johannesglocke der fall ist, riskant. Durch ungleichm\u00e4\u00dfige Erw\u00e4rmung kommt es zu partiellen \u00dcbererhitzungen und dort zum Verbrennen der Patina (leider so an der Erfurter Gloriosa zu sehen!). Das bisher angewendete Verfahren ist nicht reversibel; misslingt das Schwei\u00dfen, so ist die Glocke verdorben. Mit dem neuen Verfahren wird eine bislang bei einer einzigen Firma liegende Monopolstellung gebrochen. Damit wird sicher auch das Preisgef\u00fcge bei \u00e4hnlichen Projekten k\u00fcnftig moderater. Durch die Reversibilit\u00e4t der Reparaturmethode k\u00f6nnte beim Misslingen ein erneuter Versuch gewagt werden. Da ein erw\u00e4rmen der Glocke nicht n\u00f6tig ist, kann auch keine Gef\u00e4hrdung oder Beeintr\u00e4chtigung des Bildes der Glocke eintreten.<br \/>\nDurch den bisherigen Monopolisten und Anh\u00e4nger konservativer Reparaturmethoden wird das neue Verfahren sicher kritisch beargw\u00f6hnt und in Frage gestellt werden. Durch die intensive universit\u00e4re Begleitung der Arbeiten war aber ein Misslingen ausgeschlossen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Vorhaben ist Bestandteil des Forschungsprojektes pro Bell des deutschen Kompetenzzentrums f\u00fcr das Glockenwesen an der TH Kempten. Die Ergebnisse sollen publiziert werden.<br \/>\nVon Beginn an wurde das Vorhaben von der Presse begleitet. \u00dcber Presseinformationen und  konferenzen erfahren die weiteren an der Finanzierung beteiligten Partner den aktuellen Stand der Arbeiten.<br \/>\nIm Festgottesdienst zum Weihnachtsfest 2010 wurde die Glocke wieder ihrer Bestimmung \u00fcbergeben und das Mei\u00dfner Domgel\u00e4ut konnte erstmals nach mehr als 30 Jahren wieder komplett erklingen. Am 12.2.2011 wurde zum o. g. Thema ein wissenschaftliches Kolloquium mit gro\u00dfer fachlicher Resonanz durchgef\u00fchrt. Am 13.2.2011 schloss ein Fest- und Dankgottesdienst das Werk ab. Im Oktober 2011 erschien die wissenschaftliche Publikation als Abschlussdokumentation.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Nicht nur die eingespannte Glockenkrone, sondern alle dynamisch relevanten Punkte der Johannesglocke sind mit Dehn-Mess-Streifen versehen und werden messtechnisch mindestens noch ein Jahr lang \u00fcberwacht. Ein Datenlogger \u00fcbertr\u00e4gt die digital erfassten Messwerte an das Europ\u00e4ische Kompetenzzentrum f\u00fcr Glocken nach Kempten. Trotzdem kann man jetzt schon sagen, dass in Mei\u00dfen mit dem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt der In-situ-Reparatur der Johannes neue Wege bei der Reparatur von Glocken beschritten wurden.<br \/>\nEs ist nach den hier gewonnenen Erkenntnissen nun nicht mehr in jedem Fall erforderlich, Glocken, denen lediglich die Krone abgebrochen ist, aus den Glockent\u00fcrmen herauszunehmen und in ein Schwei\u00dfwerk zu transportieren. Sie lassen sich unter erheblicher Kosteneinsparung genauso vor Ort reparieren. Das ist insofern von gro\u00dfer wirtschaftlicher Bedeutung, da eine Untersuchung der Leibnitz-Universit\u00e4t Hannover ergeben hat, dass es in Deutschland mehrere hundert Glocken mit gebrochenen Kronenhenkeln gibt. Die Kleinteiligkeit der f\u00fcr eine Reparatur ben\u00f6tigten Komponenten macht es m\u00f6glich, diese in die T\u00fcrme zu transportieren und die Reparatur vor Ort durchzuf\u00fchren. Dabei ist es unerheblich, ob die Glocke eine Etage tiefer abgelassen werden muss oder nur &#8211; von einem Joch gel\u00f6st &#8211; in den Glockenstuhl abgesetzt wird. F\u00fcr das Wasserstrahl-Abrasiv-Schneiden zum Heraustrennen des Deckels der Glocke spielt die H\u00f6he \u00fcber Gel\u00e4nde praktisch keine Rolle. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen neben den klanganalytischen vor allem die dynamischen und statischen Bedingungen an der Glockenhaube ber\u00fccksichtigt werden. Sie haben Einfluss auf den Schneidwinkel und die Einspannung der Platten. Durch mobile Ultraschall-Messger\u00e4te k\u00f6nnen vor Ort nicht nur der Zustand der Glockenschulter, sondern der anderen im Turm befindlichen Glockenkronen einer \u00dcberpr\u00fcfung unterzogen sein. Da es bei den klassischen Glockengussverfahren offenbar immer zu gr\u00f6\u00dferen oder kleineren Materialst\u00f6rungen kommt &#8211; die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu Glockenbr\u00fcchen f\u00fchren k\u00f6nnen -, kann hier mittels messtechnischer Begleitung \u00fcberwacht und einem Absturz vorgebeugt werden oder die Undenklichkeit der St\u00f6rung attestiert werden. Das Verfahren ist v\u00f6llig reversibel; es wurde inzwischen patentrechtlich gesch\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass war die Notwendigkeit der Reparatur der etwa 8 t schweren, anthropogen umweltgesch\u00e4digten Johannesglocke im NW-Turm des Mei\u00dfner Doms, die nach dem Glockenunfall von 1977 nur noch eingeschr\u00e4nkt und unter erheblichen Klangeinbu\u00dfen gel\u00e4utet werden konnte. 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