  {"id":24315,"date":"2024-11-27T10:38:15","date_gmt":"2024-11-27T09:38:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/24496-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:38:17","modified_gmt":"2024-11-27T09:38:17","slug":"24496-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/24496-01\/","title":{"rendered":"Integriertes Sedimentmanagement in Einzugsgebieten von Flie\u00dfgew\u00e4ssern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Hintergrund. Gerade die landwirtschaftliche Forschung selbst hat intensiv nach M\u00f6glichkeiten zur Reduktion des Bodenabtrages gesucht (z. B. LfL Bayern, 2006 sowie der LfL in Sachsen, z. B.: Schmidt et al., 2002; Schmidt, 2006; Stahl et al., 2003). Das technische und theoretische Ma\u00dfnahmenpotenzial zur Verminderung der Bodenerosion von landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen, ist daher recht gut erforscht und ausgereift. Da der Ausgangspunkt der Verlust von Boden als landwirtschaftliches Kapital war, enden all die-se Studien jedoch am Feldrand. Zwischen dem Bodenabtrag aus landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen bis zum Feldrand und dem Eintrag ins Gew\u00e4sser stehen jedoch zahlreiche Faktoren, die \u00fcber Quantit\u00e4t, Qualit\u00e4t und Zeitdimension des Sedimenteintrages entscheiden. Bedeutsam f\u00fcr die Gef\u00e4hrdung der Flie\u00dfgew\u00e4sser sind die Transportwege und -geschwindigkeiten f\u00fcr Bodenmaterial vom Feld bis ins Gew\u00e4sser. So k\u00f6nnen auch Gebiete mit hoher Bodenerosion nur geringe Auswirkungen auf die Verschlammung von Gew\u00e4ssern haben und umgekehrt Erosionsschwache Areale massiv zur Belastung beitragen, wenn geeignete Bahnungen gegeben sind (Strohmeier et al., 2005). Solche Bahnungen sind bislang nicht Gegenstand der Aufmerksamkeit gewesen.<br \/>\nZiel des Projektes. Ziele des Vorhabens sind die Verbesserung der Lebensraumbedingungen f\u00fcr gef\u00e4hrdete kieslaichende Fischarten und gef\u00e4hrdeter Makrozoobenthosarten sowie Erh\u00f6hung der Populationsdichte und -stabilit\u00e4t von Kieslaichern. Zudem soll ein Beitrag zum Schutz eines bedeutenden Perlmuschelvorkommens in Mitteleuropa geleistet werden. Dies geschieht \u00fcber eine Reduktion der bestehenden Verschlammung und eine nachhaltige Reduzierung der Eintr\u00e4ge aus den Einzugsgebieten zweier bedeutender Modellgew\u00e4sser in Deutschland. Ziel ist auch, die Erstellung von Kosteneffizienzvergleichen unterschiedlicher Ma\u00dfnahmen(-kombinationen) als Checkliste f\u00fcr Ma\u00dfnahmen auch an anderen Gew\u00e4ssern \/ Erstellung eines Leitfadens f\u00fcr ein Sedimentmanagement in Gew\u00e4ssern und ihren Einzugsgebieten f\u00fcr Initiatoren und Beh\u00f6rden f\u00fcr eine \u00fcbertragbare Strategie auch im Hinblick auf die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie sowie f\u00fcr die Managementplanung von FFH-Gebieten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenErmittlung des Referenzzustandes \/ Ermittlung von Hot Spots der Sedimentquellen und Eintragspfade \/ Entwicklung von Ma\u00dfnahmen und Managementpl\u00e4nen \/ Umsetzung der Ma\u00dfnahmen und Erfolgskontrolle \/ Durchf\u00fchrung von Kosten-Nutzen-Analysen \/ \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Ausarbeitung von Informationen f\u00fcr Beh\u00f6rden als Leitfaden f\u00fcr vergleichbare Probleme in anderen Gew\u00e4ssern.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Kartierung der Verschlammung hat f\u00fcr den Zinnbach und die S\u00fcdliche Regnitz \u00e4u\u00dferst geringe ober-fl\u00e4chliche Sedimentablagerungen ergeben. Ursache hierf\u00fcr war m\u00f6glicherweise ein kurz zuvor erfolgtes gr\u00f6\u00dferes Hochwasser. Die Kolmation der Sohle war jedoch sehr deutlich, was zu Verfestigung und mangelnder Umlagerung f\u00fchrt. Die Messung der Sedimentationsraten zeigte als ein wichtiges Ergebnis, dass eine betr\u00e4chtliche Sedimentfracht zu verzeichnen ist, die sich nicht in den oberfl\u00e4chlichen Ablagerungen widerspiegelte. In den Boxen konnten Ablagerungen bis zu einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 20 bis sogar 60 kg Sediment pro Monat und m\u00b2 nachgewiesen werden. Dies sind f\u00fcr ein so kleines und oberfl\u00e4chlich sauberes Gew\u00e4sser erhebliche Ablagerungen. Diese f\u00fchrten auch dazu, dass im Jahresverlauf die Sauer-stoffversorgung unter einen f\u00fcr Perlmuscheln kritischen Wert absank. Ein klarer Nachweis daf\u00fcr, dass die Sedimentation und Verf\u00fcllung des L\u00fcckensystems eine zumindest mit entscheidende Ursache f\u00fcr den R\u00fcckgang der Perlmuschel darstellt. Die Methodik der Sedimentfallenanalyse stellte eine gute M\u00f6glichkeit dar, die tats\u00e4chliche Belastung mit Sedimenten nachzuweisen und quantitativ zu erfassen. Sie war jedoch kaum geeignet, die Quellen der Eintr\u00e4ge zu identifizieren. Trotz der strategischen Positionie-rung der Fallen jeweils vor und nach Seitenzufl\u00fcssen war kein Muster erkennbar, welches bestimmte Seitenb\u00e4che eindeutig als Haupteintragsquellen identifizierte. Diese Identifizierung der Hot Spots war nur durch die Analyse des Einzugsgebietes der beiden Gew\u00e4sser m\u00f6glich. Hier\u00fcber konnten verschiedene Einzelfl\u00e4chen mit insgesamt 2.124 ha als Hot Spots der Sedimentherk\u00fcnfte ermittelt werden. Bezogen auf die erfassten Hot Spots l\u00e4sst sich anhand der Abtragsdaten des Erosionskatasters eine grobe Absch\u00e4tzung der Sedimentmengen treffen, die voraussichtlich in das Gew\u00e4ssersystem des Zinnbach eingetragen werden. Aus den Mittelwerten der Abtragswerte der jeweiligen Kategorien ergeben sich f\u00fcr das Einzugsgebiet des Zinnbach ein mittleres Eintragspotenzial von etwa 193 Tonnen\/ Jahr. Die Methode der Gebietskartierung wurde auch mit Methoden der Modellierung verglichen. Hierzu wurden Daten des amtlichen Erosionskatasters wie auch die des exakteren Erosionsatlas Bayern herangezogen. Diese wurden von der Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt. Im Projekt wurde untersucht, wie die erfassten Hot Spots jeweils durch das Erosionskataster wie auch den Erosionsatlas eingestuft w\u00fcrden. Dabei hat sich gezeigt, dass in aller Regel die spezifischen Hot Spots weder mit dem Erosionskataster noch mit dem Erosionsatlas h\u00e4tten identifiziert werden k\u00f6nnen, da sie hier je-weils in eine der niedrigsten Kategorien der Erosionsgef\u00e4hrdung fielen. So entsprachen z. B. nur 22% (Zinnbach) bzw. 13% (S\u00fcdliche Regnitz) der Hot Spots zumindest der Kategorie 3 auf einer Skala von 1 (keine Erosionsgef\u00e4hrdung) &#8211; 5 (stark erosionsgef\u00e4hrdet) des Erosionsatlas. Basierend auf den erfassten Hot Spots wurden spezifische Ma\u00dfnahmen konzipiert. Diese umfassten unterschiedliche Elemente, von Sedimentr\u00fcckhalt auf der Fl\u00e4che \u00fcber Entsch\u00e4rfung von Bahnungen bis hin zu Verhinderung des Eintrags am Gew\u00e4sser selbst. Die spezifische Ermittlung von konkreten Fl\u00e4chen und darauf angepasste Ma\u00dfnahmenkonzeption stellte erstmals eine wichtige Handhabe auch f\u00fcr Verwaltung und Beh\u00f6rden im Hinblick auf eine Umsetzung amtlicher Pl\u00e4ne dar. So konnte z. B. bei dem Plangenehmigungsverfahren f\u00fcr eine Biogasanlage im Einzugsgebiet, bei der Planung der Auflagen und Kompensationsma\u00dfnahmen auf die spezifischen Ma\u00dfnahmenempfehlungen zur\u00fcckgegriffen werden und Teile hiervon im Rahmen des Verfahrens umgesetzt werden. Aber die Ergebnisse flie\u00dfen auch in die Planungen der Grenzgew\u00e4sserkommission ein und k\u00f6nnen so langfristig wirken.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Eine Vorstellung der Projektergebnisse erfolgte z. B. im Rahmen der Tagung der Grenzgew\u00e4sserkommission, eines grenz\u00fcberschreitend zusammen gesetzten Gremiums aus Entscheidungstr\u00e4gern und Akteuren im Zusammenhang mit Flie\u00dfgew\u00e4ssern im Dreil\u00e4ndereck aus Bayern, Sachsen und Tschechien. Hier finden sich die wichtigsten Akteure zusammen, die einen Einfluss auf den Zustand der Perlmuschel-b\u00e4che im Dreil\u00e4ndereck haben. \u00dcber das Vorhaben wurde zudem in der \u00f6rtlichen Presse berichtet. Die Themen wurden dar\u00fcber hinaus auch bei der Bekanntmachung der Ergebnisses des Co-Projektes des Bezirk Oberfranken an die \u00d6ffentlichkeit transportiert. Hier waren Entscheidungstr\u00e4ger aus ganz Bayern aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Fischerei und anderen Gruppen anwesend.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt lieferte einen wichtigen Methodenvergleich zur Analyse und Bek\u00e4mpfung des Problems der Verschlammung und Kolmation von Flie\u00dfgew\u00e4ssern. Im Projekt konnten erstmals konkrete Handlungsoptionen mit Aussicht auf erfolgreiche Umsetzung erarbeitet werden, die eine wichtige Grundlage f\u00fcr Planungen in dem Gebiet darstellen. Die Ergebnisse geben aber auch wichtige Hinweise auf ein bundesweites Vorgehen. Das Projekt deckt damit Schwachpunkte existierender amtlicher und fl\u00e4chendeckender Handlungsstrategien wie z. B. das Erosionskataster auf und zeigt Wege f\u00fcr eine effizientes Vorgehen bei \u00e4hnlicher Problematik in anderen Gew\u00e4ssereinzugsgebieten auf. Das Projekt lieferte zudem einen wichtigen Hinweis auf Ursachen f\u00fcr das Sterben der Perlmuscheln im Untersuchungsgebiet, der bislang kaum ber\u00fccksichtigt worden ist. Auch wenn manche der konzipierten Ma\u00dfnahmen im Projektverlauf nicht umgesetzt werden konnten, da dies im Zust\u00e4ndigkeitsbereich Dritter, seien es Beh\u00f6rden oder Private, liegt, hat das Vorhaben doch wichtige Impulse gesetzt, die von verschiedenen Seiten dankbar aufgegriffen und sukzessive umgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Hintergrund. Gerade die landwirtschaftliche Forschung selbst hat intensiv nach M\u00f6glichkeiten zur Reduktion des Bodenabtrages gesucht (z. B. 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