  {"id":24151,"date":"2023-09-24T10:32:12","date_gmt":"2023-09-24T08:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23931-01\/"},"modified":"2023-09-24T10:32:13","modified_gmt":"2023-09-24T08:32:13","slug":"23931-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23931-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung und praktische Umsetzung naturschutzfachlicher Mindestanforderungen an einen Herkunftsnachweis f\u00fcr gebietseigenes Wildpflanzensaatgut krautiger Pflanzen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Zuge von Begr\u00fcnungs- und Pflanzma\u00dfnahmen in der freien Landschaft werden \u00fcberwiegend Geh\u00f6lze, Gr\u00e4ser und Kr\u00e4uter fremder bzw. unbekannter Herkunft verwendet. Dies hat erhebliche negative Konsequenzen f\u00fcr die genetische Variabilit\u00e4t und Vielfalt unserer einheimischen Flora. Die Ausbringung solchen Saat- und Pflanzguts (au\u00dfer z. B. im Futterbau) in die freie Landschaft widerspricht zudem den Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes. Die Anbieter von Wildpflanzensaatgut pr\u00e4sentieren sich &#8211; trotz einiger Fortschritte, gerade im Bereich der einheimischen Geh\u00f6lze (z. B. Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und Brandenburg) &#8211; bundesweit \u00e4u\u00dferst uneinheitlich in ihren Herkunftsdefinitionen und  nachweisen, der Auswahl geeigneter Arten, der Entwicklung von Ernte- und Anbauregelungen und der praktischen Qualit\u00e4tssicherung eines Herkunftsnachweises nach naturschutzfachlichen bzw. reproduktionsbiologischen Mindesterfordernissen.<br \/>\nDies f\u00fchrt zu einer f\u00fcr die Abnehmer des Pflanzenmaterials unsicheren Situation, welche die Marktchancen der Wildpflanzenanbieter stark beeintr\u00e4chtigt.<br \/>\nGesamtziel des Projekts war es, die bisherigen Bestrebungen zur Entwicklung eines naturschutzvertr\u00e4glichen Mindeststandards zum Herkunftsnachweis f\u00fcr gebietsheimisches Saat- und Pflanzgut wissenschaftlich zu unterst\u00fctzen, umsetzungsorientierte L\u00f6sungen bzw. Empfehlungen zu erarbeiten, die weitere Arbeit professionell zu koordinieren und f\u00fcr alle Beteiligten akzeptabel zu vollenden. Im Mittelpunkt des Vorhabens stand dabei die Erarbeitung der theoretischen und praktischen Grundlagen zur Entwicklung, Definition und Absicherung einer naturschutzvertr\u00e4glichen Produktion von Wildpflanzen f\u00fcr den Einsatz in der freien Landschaft.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAbstimmung der Herkunftsregionen und Entwicklung eines GIS basierten Map Viewers<br \/>\nIn einem ersten Arbeitsschritt wurden im Rahmen von Workshops mit regionalen Fachexperten und Landesfachbeh\u00f6rdenvertretern sowie den Vertretern des Forstbereichs des Bundessortenamts 22 Herkunftsregionen erarbeitet. Die entstandene Karte wurde in ArcGIS aufgearbeitet und in einen \u00fcber das WWW zug\u00e4nglichen Kartendienst \u00fcbernommen. <\/p>\n<p>Erzeugung von Listen der als Regiosaat- oder Pflanzgut geeigneten Arten<br \/>\nAuf Basis der Herkunftsregionen wurden regionalisierte Positiv- und Negativartenlisten f\u00fcr das gesamte Bundesgebiet erarbeitet und mit Experten der Bundesl\u00e4nder bzw. f\u00fcr einzelne Artengruppen abgestimmt. Als Ergebnis liegt eine benutzerfreundliche EDV-Oberfl\u00e4che (formularbasiert) vor (www.regionalisierte-pflanzenproduktion.de).<\/p>\n<p>Erarbeitung von nachhaltigen Sammelstrategien, Ernteprotokollen und Bestandsbewertungskriterien<br \/>\nBasierend auf einer kritischen Auswertung der Literatur und dem Austausch mit Experten auf dem Gebiet des Pflanzenabbaus und der Genetik wurde ein Regelwerk erarbeitet, welches f\u00fcr die krautigen einheimischen Farn- und Gef\u00e4\u00dfpflanzen Strategien aufzeigt, welche die Erhaltung einer m\u00f6glichst hohen genetischen Variation im Rahmen der Beerntung gebietsheimischer Pflanzenbest\u00e4nde unter gleichzeitiger Sicherung der Ausgangspopulationen (z. B. Minimum- und Maximum-Erntemengen und Mindestanzahl der zu beerntenden Individuen unter Ber\u00fccksichtigung der Ernterhythmen) erm\u00f6glicht. F\u00fcr Massensaat- und  pflanzgut wurden plausible Bewertungskriterien festgelegt, die das Risiko einer Beerntung von Best\u00e4nden unbekannter Herkunft zumindest minimieren. <\/p>\n<p>Strategien zum Nachbau unter Ber\u00fccksichtigung des Erhalts der genetischen Variabilit\u00e4t<br \/>\nDies erfolgte \u00fcber<br \/>\n1. Literaturrecherchen &#8211; Zusammenstellung bereits bekannter Informationen zur genetischen Variabilit\u00e4t von krautigen Wildpflanzen und zum Einfluss des Anbaus auf diese Variabilit\u00e4t.<br \/>\n2. Beschreibung der genetischen Variabilit\u00e4t von Gef\u00e4\u00dfpflanzenarten und Klassifizierung<br \/>\n3. Beschreibung der genetischen Erosion unter Selektionsdruck<br \/>\n4. Entwicklung von Ma\u00dfzahlen (Richtwerten)unter Einbeziehung von Literaturdaten und Expertenwissen<br \/>\nBasierend auf diesen Daten wurde die Anzahl der Generationen bestimmt, die im Nachbau akzeptabel produzierbar sind, ohne dass es zu einem drastischen Verlust der genetischen Variabilit\u00e4t kommt. Die abgeleiteten Richtwerte wurden Bestandteil der Anbaurichtlinien zur Produktion von gebietsheimischen Wildpflanzen.<\/p>\n<p>Expertise zur Eignung von Isotopenanalyse und genetischen Untersuchungen f\u00fcr einen Herkunftsnachweis<br \/>\nEine Zertifizierung der Herkunft von Pflanzenmaterial ist nur sinnvoll, wenn es m\u00f6glich ist, die Herkunft im Zweifelsfalle auch zu \u00fcberpr\u00fcfen. Hier wurden die Eignung und der finanzielle Aufwand f\u00fcr genetische Analysen und die Isopenanalyse untersucht. Im Detail wurden hierzu betrachtet:<br \/>\n1. Genetische Markersysteme zur Kontrolle lokaler Herk\u00fcnfte<br \/>\nDie zur Verf\u00fcgung stehenden Methoden wurden kurz dargestellt und auf ihre F\u00e4higkeit Arten, Variet\u00e4ten, Herk\u00fcnfte oder Individuen zu identifizieren charakterisiert. F\u00fcr spezifische Methoden, die f\u00fcr einzelne Arten entwickelt werden m\u00fcssen (z. B. Mikrosatelliten) wurde eine Liste von Pflanzenarten erstellt, f\u00fcr die solche Markersysteme bereits vorliegen.<br \/>\n2. Notwendige Rahmenbedingungen eines Zertifizierungssystems unter Einbeziehung genetischer Analysen und sich daraus ergebende Kosten<br \/>\nHier werden Struktur und Inhalte einer Referenzdatenbank, die georeferenzierte Proben und deren genetische Ausstattung enth\u00e4lt (genetische Karte), vorgestellt sowie Verfahren der Herkunftskontrolle einschlie\u00dflich m\u00f6glicher Probleme und n\u00f6tiger Ma\u00dfnahmen in Anbau-\/Vermehrungsbetrieben erarbeitet und geeignete genetische Markersysteme benannt.<br \/>\nF\u00fcr geeignete Markersysteme (z. B. genetischer Fingerprint mit Mikrosatelliten-Analyse) wurde ermittelt, welche Kosten in einem solchen Kontrollsystem auftreten.<br \/>\n3. M\u00f6glichkeiten des Nachweises des Vermehrungs-\/Anbauorts \u00fcber die Isotopenanalyse<br \/>\nWie im Falle der genetischen Herkunftszuordnung kann ein solcher Nachweis nur auf Grundlage einer Referenzdatenbank gef\u00fchrt werden. In dieser m\u00fcssten die Element\/Isotopen-Gehalte fl\u00e4chenhaft oder punktgenau und Pflanzenarten-spezifisch erfasst sein.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>&#8211; Es ist im Rahmen dieses Projekts gelungen, eine mit den Fachabteilungen der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden der Bundesl\u00e4nder abgestimmte und bundeseinheitliche Gliederung Deutschland in 22 Herkunftsregionen zu erarbeiten. Diese Gliederung ist f\u00fcr Produzenten und Anwender im Internet \u00fcber einen eigens entwickelten GIS-basierten Map Viewer zug\u00e4nglich gemacht worden.<br \/>\n&#8211;\tF\u00fcr jede der 22 Herkunftsregionen wurde eine nachvollziehbare Liste der als Regiosaat- und Regiopflanzgut geeigneten Arten erarbeitet. Die Listen wurden der \u00d6ffentlichkeit ebenfalls \u00fcber das Internet zur Verf\u00fcgung gestellt.<br \/>\n&#8211; Es wurden nachhaltige Sammelstrategien entwickelt, die es erm\u00f6glichen, geeignete Erntebest\u00e4nde zu identifizieren und die Beerntung so durchzuf\u00fchren, dass die Ausgangsbest\u00e4nde erhalten bleiben.<br \/>\n&#8211; Strategien zum Nachbau unter Ber\u00fccksichtigung des Erhalts der genetischen Variabilit\u00e4t wurden entwickelt.<br \/>\n&#8211;\tDie Expertise zur Eignung der Isotopenanalyse und genetischer Untersuchungen f\u00fcr einen Herkunftsnachweis hat gezeigt, dass diese derzeit nur bedingt und unter gro\u00dfem finanziellem Aufwand geeignet sind.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt und seine Ergebnisse wurden anl\u00e4sslich zahlreicher Veranstaltung mit Produzenten, Beh\u00f6rdenvertretern und Natursch\u00fctzern pr\u00e4sentiert (eine detaillierte Aufstellung enth\u00e4lt der Abschlu\u00dfbericht).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Es steht nunmehr eine bundeseinheitliche Grundlage zur Ber\u00fccksichtigung der Herkunft als Qualit\u00e4tskriterium f\u00fcr Saat- und Pflanzgut zur Verf\u00fcgung. Die notwendigen Informationen stehen den Produzenten und den Anwendern im Internet frei zur Verf\u00fcgung. Mit diesem Internetauftritt gibt es derzeit noch leichte technische Probleme, die wir nach und nach mit studentischen Hilfskr\u00e4ften beheben, da keine Finanzmittel mehr zur Verf\u00fcgung stehen. Auch noch vorhandene inhaltliche Unrichtigkeiten (insbesondere \u00dcbertragungsprobleme bei der Korrektur der Listen geeigneter Arten) werden ebenfalls im Laufe der Zeit korrigiert. Hierzu sind Hinweise auf noch vorhandene Fehler von Seiten der Nutzer notwendig und erw\u00fcnscht. Ob das nunmehr implementierte Regiosaatgut- und Regiopflanzgutkonzept sich durchsetzt, h\u00e4ngt jetzt vor allem von der Nachfrage der Anwender (insbesondere der Naturschutz- und Stra\u00dfenbaubeh\u00f6rden) ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Zuge von Begr\u00fcnungs- und Pflanzma\u00dfnahmen in der freien Landschaft werden \u00fcberwiegend Geh\u00f6lze, Gr\u00e4ser und Kr\u00e4uter fremder bzw. unbekannter Herkunft verwendet. Dies hat erhebliche negative Konsequenzen f\u00fcr die genetische Variabilit\u00e4t und Vielfalt unserer einheimischen Flora. Die Ausbringung solchen Saat- und Pflanzguts (au\u00dfer z. 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