  {"id":24079,"date":"2024-11-27T10:38:02","date_gmt":"2024-11-27T09:38:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/23725-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:38:03","modified_gmt":"2024-11-27T09:38:03","slug":"23725-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/23725-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines naturschutz- und gew\u00e4sserschutzfachlichen \u00dcbersichtsverfahrens zur hydromorphologischen Zustandserfassung von Seen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Ufer vieler mitteleurop\u00e4ischer Seen geh\u00f6ren zu den intensiv genutzten und hydrologisch wie morphologisch stark ver\u00e4nderten Lebensr\u00e4umen. Gleichzeitig bilden diese \u00dcbergangslebensr\u00e4ume eine wichtige Schnittstelle zwischen den Umsetzungsverpflichtungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. In dem Projekt sollte ein effizientes \u00dcbersichtsverfahren zur Erfassung und Klassifikation der strukturellen Beeintr\u00e4chtigungen der Ufer von nat\u00fcrlichen, erheblich ver\u00e4nderten und k\u00fcnstlichen Stillgew\u00e4ssern entwickelt werden. Das Verfahren sollte Desktop-orientiert sein und soweit wie m\u00f6glich Informationen aus Luftbildern, Planunterlagen u. a. bereits vorhandenen Quellen nutzen. Das Verfahren sollte an drei Seen (Gr. Pl\u00f6ner See, M\u00fcggelsee, westl. Bodensee) erprobt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem ersten Schritt wurden die rechtlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der FFH-RL und der WRRL sowie des Bundesnaturschutzgesetzes und des Wasserhaushaltsgesetzes im Hinblick auf Bewertung und das Monitoring sowie k\u00fcnftige Ma\u00dfnahmenprogramme in der Seeuferzone untersucht, wobei die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet wurden. Besonderes Augenmerk galt dabei den anthropogenen hydromorphologischen Ver\u00e4nderungen, nachdem die stofflichen Beeintr\u00e4chtigungen (z. B. N\u00e4hrstoffe, Eutrophierung) bereits an anderen Stellen thematisiert worden waren.<br \/>\nIn einem zweiten Schritt wurden die drei bereits bestehenden Verfahren zur hydromorphologischen Erfassung, Klassifikation und Bewertung von Seeufer (LHS-Verfahren, England; je ein Verfahren aus Mecklenburg-Vorpommern und vom Bodensee) einer kritischen Analyse der Verfahrensmerkmale unterzogen. Darauf aufbauend wurde ein Kriterienkatalog formuliert, an dem sich die Entwicklung eines \u00dcbersichtsverfahrens (im Folgenden kurz HMS-Verfahren genannt) orientierte.<br \/>\nDie Hauptarbeit bestand in der konzeptionellen Entwicklung des HMS-Verfahrens, der technischen Umsetzung mit GIS und mit einer eigens entwickelten Datenbank bis zur Praxisreife.<br \/>\nDer vierte Schritt bestand darin, das HMS-Verfahren an den drei Testgew\u00e4ssern (s. o.) zu testen, wobei die Luftbilder und viele weitere Daten von den Kooperationspartnern vor Ort eingebracht wurden. Anl\u00e4sslich von Ortsbegehungen wurden die Luftbild-Objekte im Gel\u00e4nde verifiziert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1.\tDa bisher nur in zwei Bundesl\u00e4ndern der Versuch unternommen worden ist, das Ausma\u00df der hydromorphologischen Beeintr\u00e4chtigungen der Seeufer zur erfassen und zu bewerten, fehlt es an Erkenntnissen, in welchem Umfang die lebensraumbezogenen Ziele der FFH-RL und die Ziele der WRRL gef\u00e4hrdet sind. Um diese Frage fl\u00e4chendeckend, effizient und zielorientiert f\u00fcr die deutschen Seeufer zu beantworten, wurde das HMS\u00dcbersichtsverfahren entwickelt. Dabei wurden auch die Erfahrungen mit zwei Detailverfahren (IGKBVerfahren, Bodensee, LHS-Verfahren, England) und einem \u00dcbersichtsverfahren (aus Mecklenburg-Vorpommern) ausgewertet.<br \/>\n2.\tDie wichtigsten Merkmale des voll umf\u00e4nglich GIS-tauglichen HMS-Verfahrens sind Folgende:<br \/>\no \tklare Trennung von Erfassungs-, Klassifikations- und Bewertungsschritten,<br \/>\no \tvorrangige Nutzung von bereits vorhandenen Informationen (v. a. datierten digitalen Orthophotos [DOPs], daneben auch von Fachpl\u00e4nen, ALK-Folien der realen Landnutzung u. a. digitale Geoinformationen) bei gleichzeitiger Vermeidung von aufw\u00e4ndigen Gel\u00e4ndeerkundungen,<br \/>\no \tBeschr\u00e4nkung auf die hydromorphologischen Kernvariablen, soweit sie grunds\u00e4tzlich anthropogenen Ver\u00e4nderungen unterliegen k\u00f6nnen,<br \/>\no \ttransparente Datenaggregation und Klassifikation mit ausgewiesenen Schnittstellen f\u00fcr die Einf\u00fcgung von Fachwissen bei gleichzeitiger Flexibilit\u00e4t und Revisionsfreundlichkeit.<br \/>\nDie luftbildgest\u00fctzte Erfassung von Strukturen in den drei Uferzonen st\u00fctzt sich auf einen vorgegebenen hierarchischen Objekttypenkatalog. Jedem Objekttyp wird ein Index (SI) zugeordnet, der den Grad der Beeintr\u00e4chtigung naturnaher Bioz\u00f6nosen durch diesen Objekttyp bezeichnet. Das Verfahren kommt ohne eine Seentypologie und eine Ufertypologie aus. Der Referenzzustand wird beschrieben durch das Fehlen anthropogener Strukturen, Landnutzungen, Substrat-, Relief- und Uferlinienver\u00e4nderungen.<br \/>\n3. \tDie praktische Durchf\u00fchrung des Verfahrens erfolgt in 10 Schritten:<br \/>\n(a)\tVorbereitungsarbeiten (f\u00fcr den gesamten See)<br \/>\nSchritt 1: Beschaffung der Datenquellen<br \/>\nSchritt 2: Digitalisierung einer Referenzuferlinie<br \/>\nSchritt 3: Digitalisierung der Subzonen<br \/>\nSchritt 4: Uferparallele Unterteilung in Erfassungssegmente<br \/>\n(b)\tDurchf\u00fchrung der Erfassung (je Ufersegment)<br \/>\nSchritt 5: Identifizierung der Objekte anhand eines vorgegebenen Objekttypenkatalogs<br \/>\nSchritt 6: Fl\u00e4chen- und L\u00e4ngensch\u00e4tzung der Objekte<br \/>\n(c)\tAuswertung (zun\u00e4chst je Ufersegment)<br \/>\nSchritt 7: Spezifischer Beeintr\u00e4chtigungsindex (SI &#8211; specific impact index)<br \/>\nSchritt 8: Ermittlung des Beeintr\u00e4chtigungsgrades in einem Subsegment<br \/>\nSchritt 9: Aggregation der Daten der Segmente und Klassifikation<br \/>\nSchritt 10: Bewertung (nicht innerhalb des Verfahrens, von den Fachbeh\u00f6rden vorzunehmen)<br \/>\nNeben den Vorbereitungsarbeiten bestehen die wesentlichen T\u00e4tigkeiten in der korrekten Identifizierung der auf dem Luftbild sichtbaren Objekte (Schritt 5) und deren Fl\u00e4chen- bzw. L\u00e4ngensch\u00e4tzung (Schritt 6). Die nachfolgenden Auswertungsschritte 7 bis 9 werden automatisch mit Hilfe einer kleinen Datenbank durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Verfahren sowie die wichtigsten praktischen Erfahrungen und Ergebnisse der Erprobung an den drei Testgew\u00e4ssern wurden in einem Referat auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Limnologie vom 25.-29. September 2006 in Dresden vorgestellt. Wenige Tage sp\u00e4ter fand vom 5.-7.Oktober 2006 in Konstanz der Projektabschlussworkshop mit rd. 40 Teilnehmenden aus Deutschland, den Niederlanden, \u00d6sterreichs und der Schweiz statt. Hier wurden u.a. in drei Vortr\u00e4gen das HMS-Verfahren und die wichtigsten Resultate dargestellt. Weiterhin sind zwei Publikationen in Fachorganen des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Angesichts der betr\u00e4chtlichen Uferl\u00e4nge an deutschen Stillgew\u00e4ssern (> 0,5 km2) kommt nur ein GIS-orientiertes, luftbildgest\u00fctztes \u00dcbersichtsverfahren in Frage, um die anthropogenen strukturellen Beeintr\u00e4chtigungen der Lebensr\u00e4ume beiderseits der Wasserlinie effizient und kosteng\u00fcnstig zu erfassen und zu klassifizieren. Freilandorientierte Kartierungsverfahren k\u00f6nnen dies nicht leisten.<br \/>\nMit dem HMS-\u00dcbersichtsverfahren wird ein Konzept vorgestellt, das sich an der Fl\u00e4chen- bzw. L\u00e4ngenerstreckung von (Schad-)Objekten sowie an einem objektspezifischen Index orientiert, der als Ergebnis eines fachlichen Konsenses den Schweregrad der Beeintr\u00e4chtigung naturnaher Bioz\u00f6nosen kennzeichnet. Die Praxistauglichkeit konnte anhand der Kartierung von drei Testseen nachgewiesen werden.<br \/>\nErhebliche Kenntnisl\u00fccken bestehen allerdings nach wie vor bei der Beurteilung der Beeintr\u00e4chtigung von naturschutzfachlich relevanten Arten und Lebensr\u00e4umen durch konkrete hydromorphologische Eingriffe. Diese Kenntnisl\u00fccken k\u00f6nnen zuk\u00fcnftig mit Habitateignungsmodellen ausgeglichen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Ufer vieler mitteleurop\u00e4ischer Seen geh\u00f6ren zu den intensiv genutzten und hydrologisch wie morphologisch stark ver\u00e4nderten Lebensr\u00e4umen. Gleichzeitig bilden diese \u00dcbergangslebensr\u00e4ume eine wichtige Schnittstelle zwischen den Umsetzungsverpflichtungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. 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