  {"id":23395,"date":"2023-07-13T15:23:14","date_gmt":"2023-07-13T13:23:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/21348-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:23:15","modified_gmt":"2023-07-13T13:23:15","slug":"21348-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/21348-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung von Reinigungs- und Konservierungsverfahren zur Sanierung zweier bedeutender, umweltgesch\u00e4digter Terrakotta-Figuren in der wettinischen Grablege im Dom zu Mei\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei der Einr\u00fcstung der F\u00fcrstenkapelle 1998 musste man den erschreckenden Zustand der beiden lebensgro\u00dfen Terrakotta-Figuren Viktor und Mauritius feststellen. Sie geh\u00f6ren zu den \u00e4ltesten s\u00e4chsi-schen Terrakotta-Plastiken. Nicht zu \u00fcbersehen ist ein krakeleartiges Netz von Rissen und Spr\u00fcngen in der Oberfl\u00e4che, Abplatzungen und Abschalungen bis hin zu kraterartigen Vertiefungen. Die Figuren wurden seinerzeit durch massive, hinterl\u00fcftete Einhausungen gesch\u00fctzt und nach Abschluss der Restaurierungsma\u00dfnahme der Kapelle behutsam trocken entstaubt. Ihr derzeitiger Zustand gibt jedoch Anla\u00df zu gr\u00f6\u00dfter Besorgnis, da das Schadensbild sich offenbar ver\u00e4ndert. Diese wird noch erh\u00e4rtet durch Berichte zur Ver\u00e4nderung von Terrakotta und Glasuroberfl\u00e4chen bei der Verwitterung an Baudenkmalen von G. Grassegger, Stuttgart, in Bern. Die Restaurierung der Mei\u00dfner Figuren nun in den Verbund mit den dort gemachten Erfahrungen zu stellen und sie gleichzeitig in ein Pilotprojekt einzubetten, dessen Forschungsergebnisse wiederum anderen Interessierten zur Verf\u00fcgung zu stellen, ist die grundlegende Idee des Projektantrages. Schwerpunkt bilden dabei Fragen der Reinigung und Konservierung von Terrakotta.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\twissenschaftliche Grundlagen:<br \/>\nPlanung, Schadensaufnahme, Literaturrecherche, Forschung zur Bau- und Kunstgeschichte der Objekte<br \/>\nRestauratorische Untersuchungen, Reinigung, mikroskopische Durchmusterung<br \/>\nGef\u00fcgeerkundungen, Feststellen materialtechnischer Parameter<br \/>\n2.\tpraktische Durchf\u00fchrung:<br \/>\nGer\u00fcstarbeiten, erg\u00e4nzende Gef\u00fcge- und Farbuntersuchungen<br \/>\nRestaurierung und Konservierung<br \/>\n3.\tProjektdokumentation:<br \/>\nWerkpl\u00e4ne, Kolloquium, Workshop, Publikation<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Zuge der Restaurierung der beiden Terrakottafiguren Viktor und Mauritius konnte die dendro-chronologische Datierung der beiden Brettst\u00fccke, die unmittelbar vor der Aufstellung der Figuren auf den Dienstkonsolen unter die Plinthen geklebt wurden, datiert werden. Dadurch wurde deren bisherige Datierung um 1440 pr\u00e4zisiert. Dabei ergab sich auch der Beweis, dass die Figuren sehr wohl f\u00fcr den Aufstellungsort in Mei\u00dfen geschaffen wurden. Wenn auch die Form ihrer Plinthen nicht mit der der Konsolen kongruent ist, so folgen sie doch im Wesentlichen deren Geometrie, denn die Brettst\u00fccke waren urspr\u00fcnglich die Plinthen- Schablonen f\u00fcr den Modelleur. Die festgestellten Abweichungen sind offenbar die Folge des Schrumpfens beim Brand der Terrakotta. Dieser Betrachtung schloss sich der Versuch der Datierung des Terrakotta-Materials durch modernste Methoden der Thermo-Lumineszens an. Besonders interessant war es aber, durch diese Verfahren das Alter des Scherbens bestimmen und damit eine weitere Datierungshilfe geben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nStilkritische Vergleiche der R\u00fcstungsteile untersetzten fachlich die neu gefundene Zeitstellung. Die intensiven gef\u00fcgekundlichen Untersuchungen erkannten ein differenziertes Ri\u00dfbild durch Bruch der Figuren genau dort, wo man bisher eine technologisch bedingte Zweiteiligkeit vermutet hatte. Die Frage der unter den Fassungen gefundenen Glasuren konnte genauso gel\u00f6st werden, wie die Technologie ihrer Herstellung und ihre Restaurierungsgeschichte. Das Pilotprojekt musste sich in einem weiteren Teil mit notwendigen Voruntersuchungen befassen: Dazu geh\u00f6rten Pigmentanalysen, die bei den vertiefenden restauratorischen Untersuchungen gewonnen wurden, um eine Interpretation der Malschichtstratigrafie zu erm\u00f6glichen. Gef\u00fcgekundliche Untersuchungen schlossen sich an. Durch Ultraschalluntersuchungen und eine vor Ort auszuf\u00fchrende R\u00f6ntgentomografie erfuhren wir mehr \u00fcber die Metalleinschl\u00fcsse, Massivit\u00e4t und Hohlstellen als statische Schwachpunkte. Materialtechnische Untersuchungen brachten Ausk\u00fcnfte \u00fcber den Fugenm\u00f6rtel, die Porosit\u00e4t des Scherbens und weitere wichtige physikalisch-technische Eigenschaften.<br \/>\nErst nach Vorliegen aller Ergebnisse war es m\u00f6glich, einen abgestimmten Ma\u00dfnahmeplan zu erarbeiten. Die Figuren wurden durch ein der Geometrie des Hohlraumes im Inneren folgendes St\u00fctzger\u00fcst aus Edelstahl stabilisiert. Dadurch, dass k\u00fcnftig alle Last- und Kraftaufnahmen von diesem Skelett aufgenommen werden, brauchte ihre Terrakottah\u00fclle nur ausrepariert werden. F\u00fcr die Restaurierung wurden Kittmassen und M\u00f6rtel entwickelt, die in ihren physikalischen Eigenschaften denen der Terrakotta sehr nahe kamen und -was besonders wegweisend war -auch reversibel sind. Damit unterscheidet sich das innovative Mei\u00dfner Konzept zur Restaurierung von gro\u00dfen Terrakotta-Objekten deutlich von den bislang \u00fcblichen Restaurierungsgewohnheiten, bei denen bisher nicht reversible Kleber wie Epoxidharze verwendet wurden. Selbstverst\u00e4ndlich wurde auch auf die Erfahrungen des DBU- Projektes Modellhafte Forschungen und Erhaltungsma\u00dfnahmen an der umweltgesch\u00e4digten glasierten Ziegelfassade des L\u00fc-becker Rathauses zur\u00fcckgegriffen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde durch ein Kolloquium mit allen beteiligten Kooperationspartnern der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<br \/>\nEs wurde ein Buch Aus Ton gebrannt -den Terrakottafiguren im Dom zu Mei\u00dfen gewidmet &#8211; ver\u00f6ffentlicht. In diesem Buch wurden geschichtliche, kunsthistorische, naturwissenschaftliche, materialkundliche sowie restauratorische Aspekte behandelt und die Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gef\u00f6rderten Forschungsprojektes vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Ziel des Projektes wurde erreicht.<br \/>\nDie beiden Figuren konnten durch ihre Restaurierung und die Wiederherstellung ihrer Wirkm\u00e4chtigkeit f\u00fcr den Betrachter wieder besser erlebbar und verst\u00e4ndlich gemacht werden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei der Einr\u00fcstung der F\u00fcrstenkapelle 1998 musste man den erschreckenden Zustand der beiden lebensgro\u00dfen Terrakotta-Figuren Viktor und Mauritius feststellen. Sie geh\u00f6ren zu den \u00e4ltesten s\u00e4chsi-schen Terrakotta-Plastiken. 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