  {"id":23283,"date":"2023-07-13T15:21:56","date_gmt":"2023-07-13T13:21:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19486-02\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:59","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:59","slug":"19486-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19486-02\/","title":{"rendered":"Pflege und Entwicklung von naturnahen Waldb\u00e4chen und lichten Waldlebensr\u00e4umen am Beispiel Feuersalamander und Reptilien im Ilm-Kreis, Th\u00fcringen (Hauptphase)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Populationen des Feuersalamanders und der Reptilienarten Kreuzotter, Schling- und Ringelnatter im Ilm-Kreis\/Th\u00fcringen sind in den letzten 100 Jahren deutlich zur\u00fcckgegangen. Dieser R\u00fcckgang h\u00e4ngt mit dem Verlust an Lebensr\u00e4umen zusammen, der vor allem durch den Anbau gro\u00dffl\u00e4chiger, nadelbaumdominierter Altersklassenw\u00e4lder und durch den R\u00fcckgang der nat\u00fcrlichen Strukturdiversit\u00e4t in Quellb\u00e4chen verursacht wurde. Im Projekt werden verschiedene waldbauliche Ma\u00dfnahmen in ausgesuchten Lebensr\u00e4umen und die strukturf\u00f6rdernde Einbringung von Starktotholz in Quellb\u00e4che untersucht. Durch exemplarische Entwicklung und Erhaltung naturnaher Waldquellbacht\u00e4ler und lichter Waldstrukturen sollen Erkenntnisse gesammelt werden, welche Ma\u00dfnahmen in das naturnahe Waldbaukonzept der Th\u00fcringer Forstverwaltung eingebunden werden k\u00f6nnen, um Grundlagen f\u00fcr Programme mit \u00fcber\u00f6rtlicher Bedeutung zu schaffen. Die Tierarten dienen dabei als Leitarten f\u00fcr die entsprechenden Lebensgemeinschaften.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einer einj\u00e4hrigen Voruntersuchung (05.2002 bis 05.2003; Az. 19486\/01) wurden Leitbilder f\u00fcr die verschiedenen waldbaulichen Ma\u00dfnahmen in unterschiedlichen Lebensr\u00e4umen (Felshalde, -bereich, Felsen, skelettreicher Hang, Quellbachtal, Waldrand, Waldwegrand, Jagdschneise, aufgelassener Steinbruch, Zwergstrauchheide) entwickelt und die entsprechenden Hiebsma\u00dfnahmen teilweise umgesetzt. In der Hauptphase werden die Hiebsma\u00dfnahmen abgeschlossen, ihre Auswirkungen auf die Arten durch die Untersuchung populations\u00f6kologischer Parameter, chemischer und mikroklimatischer Faktoren dokumentiert und die Lebensraumanspr\u00fcche der Arten analysiert. Aus den Ergebnissen werden Empfehlungen f\u00fcr den Waldbau in ausgesuchten Lebensr\u00e4umen abgeleitet sowie in Fortbildungen und Vortr\u00e4gen Forst- und Naturschutzmitarbeiter geschult und informiert. Durch ein dreij\u00e4hriges Schulprojekt und umfangreiche popul\u00e4rwissenschaftliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit \u00fcber die regionale und \u00fcberregionale Tagespresse, \u00fcber Vortr\u00e4ge, Exkursionen, Stelltafeln in ausgesuchten Schlangenlebensr\u00e4umen und Poster \u00fc-ber die Biologie und \u00d6kologie der Arten soll die Bev\u00f6lkerung in das Projekt eingebunden werden. F\u00fcr die Verbreitung der wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse sind Ver\u00f6ffentlichungen und eine nationale Abschlusstagung mit Tagungsband geplant. Die Entwicklung und Erprobung eines Monitoringkonzepts soll die Beobachtung der Arten \u00fcber den dreij\u00e4hrigen Untersuchungszeitraum hinaus sicherstellen. J\u00e4hr-liche Zwischenberichte werden \u00fcber die Fortschritte des Projekts informieren.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>F\u00fcr den Umbau von Fichten-Reinbest\u00e4nden in Quellbacht\u00e4lern in naturn\u00e4here Best\u00e4nde hat sich die Auflichtung eines 20 bis 30 m breiten Quellbachsaumes auf einen mittleren \u00dcberschirmungsgrad von 30 bis 40 % als ideal erwiesen. Es wird die Entwicklung von Best\u00e4nden mit ungleichm\u00e4\u00dfigem, also l\u00fcckigem Kronenschluss empfohlen. Erreicht der mittlere \u00dcberschirmungsgrad nach einigen Jahren wieder 50 &#8211; 55 %, ist eine erneute Hiebsma\u00dfnahme durchzuf\u00fchren. Die F\u00f6rderung von Laubb\u00e4umen durch Freistellung und Unterst\u00fctzung der nat\u00fcrlichen Verj\u00fcngung durch eine konsequente Jagdaus\u00fcbung verbessern nicht nur die Ern\u00e4hrungsbedingungen der Quellbach-Lebensgemeinschaft. Das eingebrachte Totholz erh\u00f6hte die Strukturvielfalt der Bachmorphologie in kurzer Zeit. Die Durchg\u00e4ngigkeit der Quellb\u00e4che wurde dabei nicht gef\u00e4hrdet. Infolge von Hochwasser wurden lediglich Totholzst\u00fccke unter 1 m L\u00e4nge und 15 cm Durchmesser \u00fcber maximal 15 m verdriftet. Das Totholz verl\u00e4ngerte den Zeitraum, in dem die Quellb\u00e4che Wasser f\u00fchrten.<br \/>\nF\u00fcr den Waldumbau der Fichten-Reinbest\u00e4nde in allen Teillebensr\u00e4umen des Feuersalamanders im gesamten Wassereinzugsgebiet der B\u00e4che der submontanen Buchenwaldregion wird ein abgestuftes Vorgehen empfohlen. Der erste Schritt besteht in einer bachbegleitenden Auflichtung und einer Freistellung von Fels-, Blockschutthalden und Felsen. In einem zweiten Schritt werden Laubholzinseln im Wassereinzugsgebiet der Quellb\u00e4che entwickelt.<br \/>\nF\u00fcr die Entwicklung lichter Waldstrukturen in den unterschiedlichen Waldbiotopen hat sich folgendes Vorgehen bew\u00e4hrt. Urspr\u00fcnglich unbewaldete Lebensr\u00e4ume im Wald wie Fels-, Blockschutthalden, Moore, sonnenexponierte Felsbereiche sollten freigestellt werden. Auf den S\u00e4umen dieser Biotope k\u00f6nnen Best\u00e4nde mit l\u00fcckigem Kronenschluss entwickelt werden bei einer mittleren \u00dcberschirmung von 30 %. Auf 8 &#8211; 10 m breiten R\u00e4ndern sonnenexponierter Waldwege wird ein \u00dcberschirmungsgrad von maximal 30 % empfohlen. Aufgelassene Steinbr\u00fcche und Sandgruben k\u00f6nnen in das Wegrand-Konzept einbezogen werden. Weiterhin hat sich die Anlegung 15 m breiter Jagdschneisen in sonnenexponierten Lagen bew\u00e4hrt. R\u00fcckeschneisen in s\u00fcdlicher Ausrichtung k\u00f6nnen kleinfl\u00e4chig auf 10 m Breite erweitert und freigestellt werden. Ausbreitungslinien mit Sonneninseln k\u00f6nnen mit 15  bis 50 m breiten Saumschl\u00e4gen unter Schirm bei l\u00fcckigem Kronenschluss (variabler \u00dcberschirmungsgrad zwischen 15 und 50 %) entwickelt werden.<br \/>\nF\u00fcr eine Einbeziehung der Entwicklung lichter Waldlebensr\u00e4ume in den naturnahen Waldbau der Th\u00fcringer Forstverwaltung wird folgendes Konzept empfohlen. Neben der Freistellung urspr\u00fcnglich waldfreier Biotope im Wald sollte ein Schwerpunkt der Umsetzung in nat\u00fcrlicherweise lichteren W\u00e4ldern auf n\u00e4hrstoffarmen und trockenen, wechselfeuchten und n\u00e4hrstoffarmen sowie mineralischen Nassstandorten liegen. Zu diesen extremen Standorten z\u00e4hlen auch die kammnahen und an den Hangschultern liegenden Bereiche. Diese Schwerpunktgebiete werden durch Wanderkorridore und Trittsteinbiotope auf n\u00e4hrstoffreicheren und feuchteren Standorten verbunden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00dcber ein Schulprojekt sowie zahlreiche popul\u00e4rwissenschaftliche Veranstaltungen (Exkursionen, Diavortr\u00e4ge, Ausstellung) und Presseartikel wurden die Projektinhalte und -ziele in die Region eingebunden.<br \/>\nIm Rahmen von Fortbildungsma\u00dfnahmen wurden in den Jahren 2004 &#8211; 2006 zwischen 80 und 120 Mitarbeiter der Forst-, Naturschutz- und Wasserwirtschaftsverwaltung durch die Parcours naturnahe Bacht\u00e4ler und lichte Waldlebensr\u00e4ume gef\u00fchrt. Artenschutzfachliche Waldbauempfehlungen und Quellmappen, die den Verwaltungsmitarbeitern \u00fcbergeben wurden, informieren \u00fcber die Bewirtschaftung, \u00d6kologie und Bedeutung der Lebensr\u00e4ume. Eine Ausstellung im Naturkundemuseum Erfurt, eine nationale Abschlusstagung in Erfurt und die Ver\u00f6ffentlichung der Vortr\u00e4ge im Naturschutzreport unterst\u00fctzen die \u00fcberregionale Verbreitung der Projektergebnisse. Vortr\u00e4ge auf Workshops und Tagungen sowie bis-her 7 Fachver\u00f6ffentlichungen komplettieren diese Bem\u00fchungen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Ma\u00dfnahmen bedeuten nur leichte Ver\u00e4nderungen in der bisherigen Nutzung und k\u00f6nnen deshalb in die allt\u00e4gliche Waldbewirtschaftung einflie\u00dfen. Im Zusammenhang mit einer Umstellung auf einen naturnahen Waldbau bringen sie teilweise \u00f6konomische Vorteile, teilweise sind sie aufkommensneutral. \u00dcber die konzeptionellen Empfehlungen wurden sie in das naturnahe Waldbaukonzept der Th\u00fcringer Forstverwaltung eingebunden. Die Fortbildungsma\u00dfnahmen und andere Veranstaltungen zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit erm\u00f6glichten die \u00fcberregionale Verbreitung der Projektziele und -ergebnisse.<br \/>\nEine landesweite Umsetzung dieser Konzepte w\u00fcrde durch die Entwicklung weiterer Schwerpunktgebiete in Th\u00fcringen, au\u00dferhalb des Ilm-Kreises, erheblich gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Populationen des Feuersalamanders und der Reptilienarten Kreuzotter, Schling- und Ringelnatter im Ilm-Kreis\/Th\u00fcringen sind in den letzten 100 Jahren deutlich zur\u00fcckgegangen. Dieser R\u00fcckgang h\u00e4ngt mit dem Verlust an Lebensr\u00e4umen zusammen, der vor allem durch den Anbau gro\u00dffl\u00e4chiger, nadelbaumdominierter Altersklassenw\u00e4lder und durch den R\u00fcckgang der nat\u00fcrlichen Strukturdiversit\u00e4t in Quellb\u00e4chen verursacht wurde. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2422,50,51,71,53],"class_list":["post-23283","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-ressourcenschonung","tag-thueringen","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"19486\/02","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"19486-02.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"328.711,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Landratsamt Ilm-Kreis","dbu_projektdatenbank_strasse":"Ritterstr. 14","dbu_projektdatenbank_plz_str":"99310","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Arnstadt","dbu_projektdatenbank_p_von":"2004-01-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2007-06-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"03628\/738-352","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Th\u00fcringen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"103","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23283","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23283\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36286,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/23283\/revisions\/36286"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}