  {"id":23161,"date":"2023-07-13T15:22:38","date_gmt":"2023-07-13T13:22:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20587-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:39","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:39","slug":"20587-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20587-01\/","title":{"rendered":"Erprobung und Optimierung des neuartigen CAPTURA-Filterverfahrens zur Aufbereitung von Schwimmbadw\u00e4ssern am Beispiel eines Sport- und Freizeitbades mit \u00f6kologischer und \u00f6konomischer Bilanzierung der Filteranlage"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Unterschied zu kleinen B\u00e4dern mit nur ein oder zwei Becken bei reiner Nutzung zu sportlichen Zwecken ergeben sich in einem Freizeitbad mit einer Vielzahl von Becken unterschiedlichen Charakters erh\u00f6hte Anforderungen. Bezogen auf die verschiedenen Kreisl\u00e4ufe sind das insbesondere:<br \/>\n\u00a2\tUnterschiedliche Belastung des Wassers mit Schadstoffen<br \/>\n\u00a2\tErh\u00f6hte Anforderungen an die Desinfektion bei hohem Anteil an Attraktionen<br \/>\n\u00a2\tUnterschiedliche Temperaturen (Sportbecken, Lehrschwimmbecken, Whirlpool)<br \/>\n\u00a2\tGro\u00dfe Unterschiede in der Besucherfrequenz<br \/>\n\u00a2\tVerschiedenartige Nutzung der Becken (Normal- u. Warmbadetage).<br \/>\nMit der modellhaften Installation des Captura-Aufbereitungsverfahren im Rahmen eines Schwimmbadneubaus wurden folgende umwelt- und kostenrelevante Ziele verfolgt:<br \/>\nReduzierung des Bauvolumens bei Neubauten durch die geringere Bauh\u00f6he der Filtertechnik um bis zu 60 %.<br \/>\n\u00a2\tReduzierung des Energiebedarfs um rund 40 % durch optimierte Verfahrenstechnik des Captura.<br \/>\n\u00a2\tReduzierung der Frischwasserzufuhr um rund 20 % durch optimierte Betriebsweise hinsichtlich Absenkwasser und Erstfiltrat.<br \/>\n\u00a2\tReduzierung des Energiebedarfs f\u00fcr die Aufheizung des Badewassers durch verringerten Frisch-Wasserbedarf.<br \/>\n\u00a2\tReduzierung der Schadstoffemissionen durch geringeren Strom- und W\u00e4rmebedarf um rund 50 %.<br \/>\nDie beschriebenen Vorteile sollten im Realbetrieb eines gro\u00dfen Freizeitbades best\u00e4tigt werden. Die angegebenen Einsparungen insbesondere beim Energiebedarf sollten im Wesentlichen aus dem dezentralen Einbau der einzelnen Filterkreisl\u00e4ufe resultieren. Bei Einsatz von druckbetriebenen Sandfilter wurden h\u00e4ufig zur Umw\u00e4lzung mehrerer Becken gro\u00dfe Filter eingesetzt. Um jedes Becken mit der erforderlichen Umw\u00e4lzmenge betreiben zu k\u00f6nnen, mussten die Teilstr\u00f6me angedrosselt werden. Durch diese Drosselung entstand permanent ein erh\u00f6hter Energieverbrauch. Der Captura hingegen war modular aufgebaut, d. h. es konnten jeweils nur die f\u00fcr einen Beckenkreislauf erforderlichen Filtermodule zusammengestellt werden. Sie wurden mit genau der f\u00fcr diesen Kreislauf erforderlichen Pumpleistung ausgestattet, eine Drosselung war deshalb nicht erforderlich. Des Weiteren war der verfahrensbedingte Gegendruck f\u00fcr die Entl\u00fcftung der Drucksandfilteranlagen bei dem System Captura nicht notwendig.<br \/>\nDurch den modularen Aufbau bzw. durch die Trennung aller Kreisl\u00e4ufe konnten z. B. auch Becken mit unterschiedlichen Temperaturen separat betrieben werden. Filter an Becken mit hoher Besucherfrequenz konnten<br \/>\ngezielt h\u00e4ufiger gesp\u00fclt werden, als Becken mit geringer Besucherfrequenz. Das galt analog f\u00fcr Becken mit umfangreicher Ausr\u00fcstung an Attraktionen, die im Vergleich zu reinen Sportbecken durch erh\u00f6hte Ausgasungen erheblich st\u00e4rker belastet waren.<br \/>\nDurch die Pilotierung im neuen Nettebad, das eine gro\u00dfe Zahl verschiedener Beckenarten vereint,  bestand die M\u00f6glichkeit, eine umfassende Aussage \u00fcber die Effektivit\u00e4t des Captura-Systems unabh\u00e4ngig vom Einsatzfall zu machen.<br \/>\nMan ging mit damaligen Kenntnisstand davon aus, dass es mit diesem System m\u00f6glich war, den Umw\u00e4lzmengenrelevanten k-Faktor, der in der DIN 19643 beschrieben war, um einen erheblichen Anteil \u00fcberschreiten zu k\u00f6nnen. In der Praxis bedeutete dies eine Umw\u00e4lzmengenreduzierung ohne Qualit\u00e4ts-verlust und ein zus\u00e4tzliches, umweltrelevantes Einsparpotenzial.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNennbelastungsermittlung<br \/>\nGem\u00e4\u00df DIN 1963 geht man davon aus, dass je Badegast 2 m\u00b3 Wasser aufbereitet werden muss. Versuche mit den Prototypanlagen des Captura lie\u00dfen vermuten, dass dieser Wert erheblich unterschritten werden konnte.<br \/>\nUm dies zu \u00fcberpr\u00fcfen, wurden w\u00e4hrend der Projektlaufzeit mehrere Belastungsproben vorgenommen. Ein \u00fcberschaubares Becken z. B. Aktivbecken, wurde w\u00e4hrend dieses Belastungstests mit einer zu definierenden Besucherzahl gezielt beaufschlagt und Proben gem\u00e4\u00df Formblatt 65.04 genommen. Die Belas-tungen wurden entsprechend den Erkenntnissen erh\u00f6ht oder reduziert.<br \/>\nDokumentation der Verbr\u00e4uche im Verh\u00e4ltnis zur Besucherzahl<br \/>\n\u00dcber den gesamten Betrachtungszeitraum wurde der Verbrauch von Strom, Wasser und W\u00e4rme t\u00e4glich ermittelt und dokumentiert. Diesem Verbrauch wurde die t\u00e4gliche Besucherzahl gegen\u00fcbergestellt. Im festgelegten Turnus wurde das Beckennutzungsverhalten eines kompletten Tages dokumentiert. Es wurde versucht, Tage mit hoher Auslastung wie auch Tage mit minimaler Auslastung zu erfassen. Als Belastungsparameter konnte der Nitratwert herangezogen werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Erwartungen wurden in allen Bereichen erreicht beziehungsweise sogar \u00fcbertroffen. Der umbaute Raum konnte um 61 % reduziert werden. Die vergleichenden Untersuchungen ergaben, dass der Energiebedarf um bis zu 48 % reduziert wurde. Das reine Sp\u00fclwasser, das zur Reinigung der Filter ben\u00f6tigt wird, wurde um bis zu 65 % reduziert. Im t\u00e4glichen Betrieb hat sich die Reduzierung um rund 50% bew\u00e4hrt, da eine gewisse Menge an Verd\u00fcnnungswasser sowieso notwendig ist. Durch das gleichm\u00e4\u00dfige Str\u00f6mungsprofil (siehe hierzu auch AZ 20587\/02) und die umlaufende Schmutzabzugsrinne ist eine 100 % Regeneration des Filtermaterials gegeben. Interessant und auch auf andere Mehrschichtfilter \u00fcbertragbar ist die Erkenntnis, dass der Austrag der koloniebildenden Einheiten zeitversetzt zum Austrag der Schwebestoffe ist. Die katalytischen, wie auch adsorptiven Eigenschaften k\u00f6nnen im Vergleich zu konventionellen Systemen sehr lange auf hohem Niveau gehalten werden. Grund hierf\u00fcr ist der komplette Austrag der beim Sp\u00fclen entstehenden Schaumr\u00fcckst\u00e4nde. Dies ist nur durch eine komplett umlaufende Schmutzabfuhrkante m\u00f6glich, da hier keine Adh\u00e4sionskr\u00e4fte wirken k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Reduzierung der Filterschichten ist bei B\u00e4dern mit einem hohen Trihalogenmethan-Bildungspotenzial nicht zu empfehlen.<br \/>\nDie Reduzierung der Umw\u00e4lzmengen von 2 m\u00b3 auf bis zu 1,25 m\u00b3 je Badegast wurde \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume erfolgreich durchgef\u00fchrt. S\u00e4mtliche Parameter der ma\u00dfgeblichen DIN 19643 wurden zu allen Zeiten eingehalten. Dies entspricht einem k-Faktor von 0,8 m -1<br \/>\nDie vergleichende Gesamtkostenbetrachtung \u00fcber 15 Jahre mit konventionellen Druckfiltern ergab eine Reduzierung der j\u00e4hrlichen Kosten um 39 %.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Mehr als 10 Artikel in Fachzeitschriften in insgesamt f\u00fcnf europ\u00e4ischen L\u00e4ndern; Vorstellung bei dem Technischen Ausschuss w\u00e4hrend des Kongresses der Gesellschaft des Deutschen Badewesens 2007 in Trier, Vorstellung bei Schwimmbadseminaren Dr.Jentsch, bei den 1. Osnabr\u00fccker B\u00e4dertagen 2008; Internetpr\u00e4senz unter www.captura.eu, vorab Vorstellung bei der Interbad 2006 und Komplettvorstellung bei der Interbad im Oktober 2008.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Untersuchungsergebnisse haben mit zu einem Umdenken in der Branche gef\u00fchrt. Das Bewusstsein f\u00fcr Energie, aber auch die Bereitschaft einer Gesamtkostenbetrachtung ist gestiegen. Es gibt inzwischen f\u00fcnf Hersteller, die \u00e4hnliche Systeme herstellen. Eine Umw\u00e4lzmengenreduzierung und damit auch eine erhebliche finanzielle Entlastung der \u00f6ffentlichen Hand ist kein Tabuthema mehr. Unter Zuhilfenahme des Abschlussberichtes konnten inzwischen mehrfach auch die Gesundheits\u00e4mter davon \u00fcberzeugt werden, in Verbindung mit dem Captura\u00ae-Filter Umw\u00e4lzmengen zu reduzieren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Unterschied zu kleinen B\u00e4dern mit nur ein oder zwei Becken bei reiner Nutzung zu sportlichen Zwecken ergeben sich in einem Freizeitbad mit einer Vielzahl von Becken unterschiedlichen Charakters erh\u00f6hte Anforderungen. 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