  {"id":23053,"date":"2023-07-13T15:22:21","date_gmt":"2023-07-13T13:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20139-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:22","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:22","slug":"20139-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20139-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines umweltschonenden Verfahrens f\u00fcr das neuwertige Recycling gebrauchter Einkaufswagen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Einkaufswagen werden aus Stahldraht gefertigt, der verzinkt und chromatiert wird. Teilweise sind sie recht harten Bedingungen ausgesetzt, wenn man z. B. an Sto\u00df- und Kratzeinwirkungen beim Ineinanderschieben der Wagen in den Parkboxen denkt. Diese rauhe Behandlung bleibt f\u00fcr die Wagen nicht ohne Folgen: Mit der Zeit reibt sich die Beschichtung ab, das Material beginnt zu korrodieren und wird fleckig. Die Wagen werden unansehnlich und sind f\u00fcr das jeweilige Gesch\u00e4ft kein Aush\u00e4ngeschild mehr. Nach einer Lebensdauer von ca. sechs bis zehn Jahren werden die Einkaufswagen verschrottet und durch fabrikneue Exemplare ersetzt.<br \/>\nAls Entwicklungsziel sollte ein umweltschonendes Verfahren f\u00fcr das neuwertige Recycling gebrauchter Einkaufswagen entstehen, mit dem das energieaufwendige Einschmelzen von Schrott aus alten Einkaufswagen sowie die Deponierung daraus resultierender Prozessr\u00fcckst\u00e4nde vermieden werden kann. Gegen\u00fcber dem Neukauf von Einkaufswagen sollte das neuwertige Recycling zum halben Preis angeboten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn dem Vorhaben wurde ein Recyclingverfahren entwickelt, mit dem es gelingt, die restanhaftende Verzinkung alter Einkaufswagen zu nahezu zu 100% im Kreislauf zu fahren. Dazu wurde ein innovativer gal-vanotechnischer Prozessschritt eingef\u00fchrt und industriell erschlossen. Auf diese Weise kann die Bildung von Schlacke durch Einschmelzen restbeschichteter Einkaufswagen im Stahlwerk bzw. die Bildung von Galvanikschlamm durch das Entzinken alter Beschichtungen mit Salzs\u00e4ure vermieden werden. In einer Sandwich-Verzinkung aus recyceltem Zink mit einer Schichtdicke von ca. 10 bis 15 \u00b5m und aus frischem Zink aus einem sauren Elektrolyten, der die etwas spr\u00f6dere, recycelte Zinkschicht einebnet, wird im Schnitt eine Schichtdicke von ca. 25 bis 30 \u00b5m erreicht. F\u00fcr das Recycling der alten Zinkschicht wurden alkalische Elektrolyte durch organische Zus\u00e4tze modifiziert und Prozessparameter optimiert. Der Korrosionsschutz wird durch eine chrom(VI)-freie Blauchromatierung und ein neu entwickeltes Topcoat auf Wasserbasis vollendet.<br \/>\nUm den zu entwickelnden Verfahrensablauf zum Recycling von Einkaufswagen zu testen und die Prozessparameter zu optimieren, wurden Versuchsmuster von Filialen gro\u00dfer Einzelhandelsketten recycelt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der prim\u00e4re \u00f6kologische Effekt des Vorhabens besteht in der Energieeinsparung durch Vermeidung des Einschmelzens alter Einkaufswagen. Der Bestand an Einkaufswagen in Deutschland betr\u00e4gt ca. 20 Mio. St\u00fcck. Bei einer Lebensdauer von ca. 6 bis 10 Jahren werden j\u00e4hrlich ca. 25.000 t Stahl unter gro\u00dfem Energieverbrauch eingeschmolzen. Dazu werden ca. 2.000 MWh Energie verbraucht und ca. 600 t E-missionen des Treibhausgases CO2 erzeugt, was durch das neue Verfahren eingespart werden kann.<br \/>\nNeben der Energieeinsparung tr\u00e4gt das Einkaufswagen-Recycling dazu bei, dass im Schmelzwerk weniger umweltbelastende Stoffe (Emissionen, Schlacke) entstehen.<br \/>\nDurch die Wiederverwertung des restanhaftenden Zinks entf\u00e4llt die umweltbedenkliche Abwasserbehandlung, die beim herk\u00f6mmlichen Entzinken von Werkst\u00fccken mit Salzs\u00e4ure durch F\u00e4llungsneutralisation erforderlich ist.<br \/>\nDas wichtige technologische Vorhabensziel einer nahezu 100%-igen Kreislauff\u00fchrung des restanhaftenden Zinks wurde erreicht. In der alkalischen Neuverzinkung der Einkaufswagen werden etwa zwei Drittel des restanhaftenden Zinks direkt recycelt. Das restliche, im alkalischen Prozessbad gel\u00f6ste Zink kann in anderen alkalischen Zink- oder Zink-Eisen-Elektrolyten verwendet werden. Die Sandwich-Verzinkung aus recyceltem Zink mit einer Schichtdicke von ca. 10 bis 15 \u00b5m und aus frischem Zink aus einem sauren Elektrolyten, der die etwas spr\u00f6dere alkalische Zinkschicht einebnet, erreicht im Schnitt eine Schichtdicke von ca. 25 bis 30 \u00b5m.<br \/>\nDer Korrosionsschutz der Beschichtung erfolgt durch eine chrom(VI)-freie Chromatierung und ein Topcoat. In Salznebelkammern wurde eine Mindesthaltbarkeitsdauer von 240 Stunden gegen Wei\u00dfrost und von \u00fcber 800 Stunden gegen Rotrost erreicht. Damit \u00fcbertrifft die erreichbare Lebensdauer eines recycelten Einkaufswagens sogar die Haltbarkeit eines neu hergestellten Einkaufswagens.<br \/>\nDer \u00f6konomische Nutzen der Vorhabensergebnisse besteht darin, dass das Recycling eines alten zu einem neuwertigen Wagen etwa die H\u00e4lfte des Anschaffungspreises eines neuen Einkaufswagens kostet.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Vorhabensergebnisse werden durch folgende Ma\u00dfnahmen verbreitet:<br \/>\n\u00b7\tDas Einkaufswagen-Recycling wurde bereits vielen wichtigen Einkaufsketten vorgestellt und traf auf gro\u00dfes Interesse. Die Ketten nutzen das Verfahren ihrerseits zu Marketingzwecken im Sinne des Umweltschutzes.<br \/>\n\u00b7\tDie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Metallveredelungswerk Sulz GmbH wurde von der Deutschen Presseagentur (DPA) zu dem Entwicklungsprojekt befragt. Berichte \u00fcber das Projekt kamen im Rundfunk (u. a. im Deutschlandfunk und SWR), in ca. 300 Zeitungen und im Fernsehen (RTL, MDR, B-TV Baden-W\u00fcrttemberg).<br \/>\n\u00b7\tF\u00fcr die gro\u00dftechnische Umsetzung des Recyclingverfahrens wurde von den Gesellschaftern des Metallveredelungswerks Sulz GmbH das Metallveredelungswerk Brehna GmbH als neue Firma gegr\u00fcndet. Inzwischen sind dort ca. neue 40 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt, von denen ca. 30 dem Einkaufswagen-Recycling zuzuordnen ist.<br \/>\n\u00b7\tDie Vermarktung der Entwicklungsergebnisse erfolgt \u00fcber Vertriebspartner und soll sp\u00e4ter durch eine eigene Vertriebsfirma und eine eigene Produktmarke vorangetrieben werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In dem Entwicklungsvorhaben ist ein gleicherma\u00dfen umweltrelevantes, wie wirtschaftlich interessantes Verfahren zum Recycling von alten Einkaufswagen entstanden. Betrachtet man eine Charge alter Einkaufswagen, so k\u00f6nnen ca. 90% recycelt werden. Das Gelingen des Zinkrecyclings beruht auf zwei Faktoren. Zum einen wird auf das wieder verwendete Zink eine saure Beschichtung aus frischem Zink aufgetragen, die f\u00fcr eine ausreichende Einebnung und gute optische Eigenschaften sorgt. Zum anderen bestehen Einkaufswagen aus relativ einfachen Geometrien ohne gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen. Die optischen Anspr\u00fcche an kleinere Oberfl\u00e4chen sind etwas geringer, so dass die Geometrie der Einkaufswagen gewis-se Verunreinigungen im Elektrolyten verzeiht.<br \/>\nWeiterer Entwicklungsbedarf besteht zum einen in der Verbesserung der Korrosionsschutzwirkung von Topcoats bis hin zum angestrebten, g\u00e4nzlichen Ersatz von Chromatierungen. Zum anderen ist hinsicht-lich der Behandlung von altem Klarlack oder von Sonderausf\u00fchrungen bzw. anderen Typen von Einkaufswagen noch Entwicklungsarbeit zu leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Einkaufswagen werden aus Stahldraht gefertigt, der verzinkt und chromatiert wird. Teilweise sind sie recht harten Bedingungen ausgesetzt, wenn man z. B. an Sto\u00df- und Kratzeinwirkungen beim Ineinanderschieben der Wagen in den Parkboxen denkt. 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