  {"id":23050,"date":"2023-07-13T15:22:21","date_gmt":"2023-07-13T13:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/20133-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:22","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:22","slug":"20133-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/20133-01\/","title":{"rendered":"Erarbeitung und Umsetzung beispielhafter L\u00f6sungswege zum vorbeugenden Holzschutz an zwei national wertvollen Fachwerkh\u00e4usern des Heimatvereins Hasel\u00fcnne e. V. (einschlie\u00dflich Schadensbek\u00e4mpfung)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>An zwei aus bauhistorischer Sicht sehr wichtigen Fachhallenh\u00e4usern (Haus Klus und Tiding) im Freilichtmuseum Hasel\u00fcnne wurde an den inneren Hauptgef\u00fcgen Befall durch den Gescheckten Nagek\u00e4fer (Xestobium rufovillosum = Xr), sowie Sch\u00e4den durch andere Holzsch\u00e4dlinge festgestellt. Die f\u00fcr die Ent-wicklung des Gescheckten Nagek\u00e4fers notwendige, erh\u00f6hte Holzfeuchte resultiert aus hoher Luftfeuchtigkeit und aufsteigender Feuchtigkeit. Ein Wiederbefall durch holzzerst\u00f6rende Insekten kann nur dann mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert werden, wenn Holzfeuchten mit bauphysikalisch sinnvollen Ma\u00dfnahmen dauerhaft auf ein erforderliches Ma\u00df reduziert werden kann.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenMa\u00dfnahmen zur Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung: Zur Beseitigung des Befalls wurde das Hei\u00dfluftverfahren ein-gesetzt, mit einer Gew\u00e4hrleistung einer Kerntemperatur von min. 55 \u00b0C f\u00fcr die Dauer von 60 min. in allen Holzbauteilen. Die zu behandelnden Geb\u00e4ude wurden einschlie\u00dflich der D\u00e4cher komplett mit w\u00e4rmed\u00e4mmender, Folie eingeh\u00fcllt. Es wurde gezielt Feuchte in die eingeblasene Hei\u00dfluft eingebracht, um strukturelle Sch\u00e4den an den Holzbauteilen durch Objektfeuchteverluste zu vermeiden. Die Daten der ein-gesetzten Temperaturf\u00fchler im Kern der H\u00f6lzer und im Luftraum, sowie von den Feuchtigkeitssensoren (RH) wurden fortlaufend zentral erfasst und aufgezeichnet. So konnte die RH innerhalb der H\u00fclle jederzeit kontrolliert und korrigiert werden. Als Erfolgskontrolle wurden Larven des (Xr) in Kontrollkl\u00f6tzen aus Eiche und Fichte in die Geb\u00e4udeh\u00fclle vor dem Heizvorgang eingebracht. Die Abt\u00f6tung der eingebrachten Organismen konnte dann \u00fcberpr\u00fcft werden.<br \/>\nVorbeugender baulicher Holzschutz und begleitende Ma\u00dfnahmen: Als Ersatz f\u00fcr die bisherige Warmluftheizung sollte der Einbau einer, in Abh\u00e4ngigkeit der relativen Luftfeuchte (RH) gesteuerten Fu\u00dfleistenheizung erfolgen. Zur Vermeidung aufsteigender Feuchte sollten die Fu\u00dfb\u00f6den einen kapillarbrechenden Aufbau erhalten. Die durchgef\u00fchrte Bek\u00e4mpfung wurde \u00fcber ein gezieltes, 2-j\u00e4hriges Monitoring mit Papierabklebungen, dem Einsatz von Licht- und Klebefallen auf einen m\u00f6glichen Rest- oder Wiederbefall hin beobachtet. Die BFH gab einen max. Schwellenwert der Holzfeuchte (14%) vor, der f\u00fcr die Larvenentwicklung ung\u00fcnstig ist. Bauphysikalische Messungen sollten die ver\u00e4nderten raumklimatischen Bedingungen erfassen. Holzfeuchte, Holzoberfl\u00e4chentemperaturen und relative Luftfeuchte wurden erfasst, eine Absch\u00e4tzung des Luftwechsels und eventuelle Feuchtelasten im Raum wurden vorgenommen. Unterst\u00fctzend wurden thermografische Untersuchungen (IR-Kamera) durchgef\u00fchrt. Die thermischen Effekte der Fu\u00dfleistenheizung wurden untersucht, um Informationen \u00fcber k\u00fcnftig anzustrebende, optimale Be-triebsbedingungen zu gewinnen. Extreme Klimasituationen wurden mit Hilfe des am IBP entwickelten hygrothermischen Raummodells rechnerisch abgesch\u00e4tzt und hinsichtlich Heizlast, Luftwechsel und zu erwartender Sorptionsfeuchte der H\u00f6lzer sowie zweidimensionaler Effekte im Balken -Aufbau betrachtet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bauphysikalische Ma\u00dfnahmen und Messtechnik: Eine Raumklimastabilisierung war infolge des hohen Luftwechsels in den H\u00e4usern Tiding, Klus und im Backhaus nur in den Wintermonaten m\u00f6glich; thermische Behaglichkeitsanforderungen sind im Freilichtmuseum als sekund\u00e4r zu betrachten. Hauptanforde-rungsgr\u00f6\u00dfe war die RH, die es zu begrenzen galt. Empfehlenswert erscheint daher der Einsatz von diversifizierten, dem jeweiligen Risiko- und Nutzungsbedarf angepassten station\u00e4ren oder mobilen Heizungssystemen. F\u00fcr einen Dauerbetrieb ist zur Energiekostenreduzierung der Einbau einer W\u00e4rmed\u00e4m-mung und einer differenzierten Sollwertsteuerung ratsam. F\u00fcr die Holzfeuchtemessung nach der Leitwertmethode ist die Kenntnis der Geschichte des Holzes von Bedeutung, da durch Farbanstriche bzw. ionenhaltigen Eintr\u00e4ge in das Holz der aktuelle Messwert stark ver\u00e4ndert werden kann. Die sorptive Messmethode ist diesbez\u00fcglich zuverl\u00e4ssiger aber auch aufwendiger, da bislang f\u00fcr jede Messstelle an einer vor-Ort-Probe die Sorptionsisotherme bestimmt werden muss. Weiterhin gibt es m\u00f6glicherweise auch Unsicherheiten hinsichtlich der Anforderungen an denjenigen Holzfeuchteschwellwert, der f\u00fcr einen Fortbestand der Fra\u00dft\u00e4tigkeit der Larven ma\u00dfgeblich ist, da unklar ist, mit welchen messtechnischen Methoden und Materialien der Wert von 14 M.-% bestimmt worden ist. Grunds\u00e4tzlich ist jedoch festzustellen, dass eine gesteuerte und \u00fcberwachte Holzkonditionierung auf physikalischem Wege zur Unterbindung von Sch\u00e4dlingsbefall beitragen kann. Dies konnte hier &#8211; trotz noch vorhandener Unzul\u00e4nglichkeiten &#8211; nachgewiesen werden.<br \/>\nBaulich konstruktive Ma\u00dfnahmen: Das Ziel, die Holzfeuchte unter 14 M.% zu senken und zu halten, sollte durch baulich konstruktive Ma\u00dfnahmen unterst\u00fctzt werden. So weit bekannt, wurden im Vorfeld keine Holzfeuchte- oder Raumklimamessungen vorgenommen, die feuchtetechnische Ausgangslage war nicht bekannt. Eine Betrachtung des Einflusses der durchgef\u00fchrten baulichen Ma\u00dfnahmen auf den Feuchte-gehalt der H\u00f6lzer war daher nicht sinnvoll m\u00f6glich und lie\u00df eine quantitative Beurteilung der Wirksamkeit der Ma\u00dfnahmen nicht zu. Dennoch ist der durchgef\u00fchrten Ver\u00e4nderung ein nicht unerheblicher Einfluss auf die Holzfeuchtigkeit zuzusprechen. F\u00fcr eine \u00dcbertragbarkeit auf andere Geb\u00e4ude ist es daher wichtig, feuchtetechnische Betrachtungen im Vorfeld durchzuf\u00fchren, um die Einflussnahme absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Als Bewertungskriterien f\u00fcr die vorbeugenden Ma\u00dfnahmen wurden die Parameter: (1) Art der Einflussnahme auf die Holzfeuchtigkeit (direkt: z.B. Heizung &#8211; indirekt: z. B. B\u00e4ume entfernen); (2) Ver\u00e4n-derungen an der Konstruktion \/ Umgebung (reversible Ma\u00dfnahme &#8211; Denkmalschutz); (3) Gr\u00f6\u00dfenordnung des Einflusses auf die Holzfeuchtigkeit als Ma\u00df f\u00fcr die Effizienz; (4) Kosten und Folgekosten der Ma\u00dfnahme; zugrunde gelegt.<br \/>\nInsekten &#8211; Monitoring: Das Insekten &#8211; Monitoring hat sich auch hier als Methode zur \u00dcberwachung eines aktiven Befalls durch Holz zerst\u00f6rende Insekten bew\u00e4hrt, dennoch sind daf\u00fcr aus wissenschaftlicher Sicht hier in Zukunft ohne gr\u00f6\u00dferen instrumentellen, zeitlichen und damit finanziellem Aufwand keine weiteren und neuen Erkenntnisse zu erwarten. In den untersuchten Geb\u00e4uden hat es sich im Vergleich zu anderen, von der BFH bearbeiteten historischen Geb\u00e4uden nie um einen massiven Befall durch Xr gehandelt. F\u00fcr das Jahr 2005 sollten die Ma\u00dfnahmen: (1) Bek\u00e4mpfung von Xr in der Kapelle und im Backhaus mittels Hei\u00dfluft, Begasung oder Holzschutzmitteln (bek\u00e4mpfend: Injektion durch Fachfirma); (2) Beobachtung der m\u00f6glichen Aktivit\u00e4t von Xr im Haus Tiding durch Versiegelung (z.B. Einhausung mit Planen, auslegen von Klebepapieren in der Einhausung) eines Gef\u00fcgeknotens, Deckenbalkens und St\u00e4nders; (3) Beobachtung der Aktivit\u00e4t des Gew\u00f6hnlichen Nagek\u00e4fers (Anobium punctatum = Ap) in der Zehntscheune und Garage, durchgef\u00fchrt werden. F\u00fcr die nachfolgenden Jahre sollte ein (Nach-) Monitoring mit wenig Aufwand und Personal fortgef\u00fchrt werden. Als weitere vorbeugende Ma\u00dfnahmen sind die Grunds\u00e4tze der Geb\u00e4udehygiene (z.B. Entr\u00fcmpelung von Dachr\u00e4umen) zu beachten<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse wurden am 24. Februar 2005 den F\u00f6rderern des Gesamtprojektes, sowie dem Heimatverein Hasel\u00fcnne vorgestellt. Bereits kurz nach Projektabschluss wurde von Seiten der Nieders\u00e4chsischen Denkmalpflege gro\u00dfes Interesse an den Projektergebnissen bekundet, Abschlussberichte mit den Ergebnissen werden zur Verf\u00fcgung gestellt.<br \/>\nNeben einer Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse \u00fcber die Datenbank Hericare des Hornemann &#8211; Institutes Hildesheim, sind Einzelver\u00f6ffentlichungen und Kurzberichte der Ergebnisse, bzw. Teilergebnisse, in Fachzeitschriften, wie Bautenschutz &#038; Bausanierung, Monumente oder Bauphysik geplant.<br \/>\nDie Vorstellung der Projektergebnisse im Rahmen eines Symposiums im Freilichtmuseums Detmold 2006 steht ebenfalls zur Disposition.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die durchgef\u00fchrten Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahmen mit einer fachkundig begleiteten Erfolgskontrolle waren erfolgreich. Das Ziel mit baulichen Ver\u00e4nderungen (Fu\u00dfbodenaufbau) und geregelter Heizung das Raumklima und damit die Holzfeuchte so zu konditionieren, das ein \u00dcberleben von Larven des Gescheckten Nagek\u00e4fers (Xr) nicht mehr m\u00f6glich ist, kann ebenfalls als gelungen bezeichnet werden und dient m\u00f6glicherweise einer langfristigen Schadensfreiheit. Die hier gemachten Erfahrungen mit verschie-denen Ma\u00dfnahmen der Raumklimakonditionierung und Messtechnik k\u00f6nnen als Ansatz f\u00fcr \u00e4hnliche Objekte betrachtet werden, m\u00fcssen jedoch f\u00fcr den jeweiligen Einzelfall modifiziert und angepasst werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens An zwei aus bauhistorischer Sicht sehr wichtigen Fachhallenh\u00e4usern (Haus Klus und Tiding) im Freilichtmuseum Hasel\u00fcnne wurde an den inneren Hauptgef\u00fcgen Befall durch den Gescheckten Nagek\u00e4fer (Xestobium rufovillosum = Xr), sowie Sch\u00e4den durch andere Holzsch\u00e4dlinge festgestellt. 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