  {"id":22881,"date":"2023-07-13T15:22:07","date_gmt":"2023-07-13T13:22:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19660-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:22:08","modified_gmt":"2023-07-13T13:22:08","slug":"19660-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19660-01\/","title":{"rendered":"Restaurierung wertvoller umweltgesch\u00e4digter historischer Grabmale auf dem Stadtfriedhof Querfurt mit modellhafter vergleichender Konservierung mittels Kiesels\u00e4ureester und Kunstharzen (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziele des Vorhabens waren das Wiederaufgreifen der im LfD Sachsen- Anhalt durch Herrn Materna seit 1965 begonnenen Versuche zur Steinfestigung mit Kunstharzen; der Vergleich von Kunstharzen und Kiesels\u00e4ureester als Festigungsmaterial f\u00fcr Loderslebener Sandstein in einer angeschlossenen Diplomarbeit sowie die Entwicklung eines durchg\u00e4ngigen M\u00f6rtelsystems vom Festiger \u00fcber Injektionsm\u00f6rtel, Schl\u00e4mme bis Antragm\u00f6rtel speziell f\u00fcr das im Querfurter Umland verarbeitete Sandsteinmaterial. Die modellhafte Umsetzung der Erkenntnisse in einer anschlie\u00dfenden Restaurierung der genannten Grabmale hatte zum Ziel, ortsans\u00e4ssige Firmen zur Anwendung auf \u00e4hnlich problembehaftete Steinobjekte zu bef\u00e4higen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einer sehr ausf\u00fchrlichen Diplomarbeit wurden vier Kunstharze (Epoxid-, Silikon-, Polyurethan- und Acrylharz) mit einem Kiesels\u00e4ureester als Festigungsmittel f\u00fcr Loderslebener Sandstein (dem f\u00fcr die Grabmale verwendetem Steinmaterial) verglichen. Die Voraussetzung daf\u00fcr war eine genaue Analyse der f\u00fcr die Festigung relevanten Kenndaten des Gesteins. Um die dann f\u00fcr den Stein besten Materialien anwenden zu k\u00f6nnen, war eine genaue Untersuchung der Schadensursachen an den Steinen notwendig. Als Hauptgrund der Sch\u00e4digung erwies sich CaSO4 (Gips) im oberfl\u00e4chennahen Bereich. Diesen zu beseitigen bzw. deutlich zu reduzieren, erwies sich als sehr kompliziert und hat dazu gef\u00fchrt, dass der Schwerpunkt des Projektes in diese Richtung verschoben werden musste. Ohne eine Entsalzung w\u00e4ren aber alle weiteren Schritte unsinnig gewesen, da das Schadsalz in kurzer Zeit alle Restaurierungsma\u00dfnahmen wieder zerst\u00f6rt h\u00e4tte. Unter mehreren M\u00f6glichkeiten erwies sich die Wannentr\u00e4nkung als die ef-fektivste Methode und wurde demzufolge an den meisten Teilen durchgef\u00fchrt. Nach erfolgter Entsalzung war dann erst die Festigung gelockerter Gesteinspartien m\u00f6glich. Danach folgten die Arbeitsschritte mit dem zwischenzeitlich von Dr. Wendler entwickelten M\u00f6rtelsystem.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1.\tDie Diplomarbeit hat ein Kunstharz (Silikonharz, Wacker 440 von Wackerchemie) und ein KSE (Funcosil 300E von Remmers) als ebenb\u00fcrtig und gutes Festigungsmaterial f\u00fcr den Loderslebener Sandstein ermittelt. Kunstharz kann entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung durchaus neben dem fast ausschlie\u00dflich als Festigungsmaterial verwendeten KSE bestehen. Allerdings ergibt sich ein Problem mit dem als L\u00f6sungsmittel verwendeten Xylol. Es ist hochgiftig und erfordert zur Verarbeitung ein Absaugger\u00e4t, bzw. das Tragen einer Schutzmaske. Das macht den Einsatz in der Praxis schwierig, schafft eine mentale Hemmschwelle. Kunstharze haben gegen\u00fcber KSE nur eine Chance, wenn zus\u00e4tzlich zur Ebenb\u00fcrtigkeit noch ein weiterer Vorteil gegen\u00fcber KSE hinzuk\u00e4me. Das k\u00f6nnte in Folgendem liegen: bei einer sehr starken Entfestigung des Steinmaterials kommt ein Punkt, an dem KSE nicht mehr in der Lage ist, die R\u00e4ume zwischen den Quarzteilchen zu \u00fcberbr\u00fccken. Kunstharz k\u00f6nnte an dieser Stelle weiterhelfen. Durch die notwendige, aber zeitaufwendige Arbeit an der Entsalzung, verblieb keine Zeit mehr, diesen Ansatz zu verfolgen. Es k\u00f6nnte aber unserer Meinung nach ein sehr lohnendes, gesondertes Forschungsprojekt werden. Die hier vorgelegte Diplomarbeit ist eine sehr gute Grundlage daf\u00fcr.<br \/>\n2.\tNach verschiedenen Versuchen hat sich die Entsalzung im Wannenbad als effektivste Methode erwiesen, den Gips aus dem Stein zu l\u00f6sen. Dazu muss aber das Teil ausgebaut sein. Eine weitere Methode war die Entsalzung mit einem gerichteten Feuchtigkeitsstrom. Dabei l\u00f6st das Wasser, welches von einem Punkt aus st\u00e4ndig durch den Stein str\u00f6mt, den Gips und transportiert ihn in eine aufgelegte Kompresse. Eine weitere M\u00f6glichkeit bietet ein neues Kompressenmaterial (Cocoon der Firma Westox Europa). Wenn man entgegen dem Hinweis des Herstellers die Kompresse nur kurze Zeit auflegt, ergibt sich doch eine effektive M\u00f6glichkeit, da man mit mehreren Kompressen einen guten Entsalzungserfolg erzielen kann, gleichzeitig aber den Ausbau spart.<br \/>\n3.\tDas schon erw\u00e4hnte M\u00f6rtelsystem ist als Denkansatz ein hervorragendes Instrument f\u00fcr die Denkmalpflege. Im Labor funktionieren die einzelnen Elemente auch gut. In der Praxis jedoch ergaben sich beim Antragm\u00f6rtel Schwierigkeiten. Er ist in seiner Zusammensetzung so komponiert, dass man mit dem ungeschmeidigen Material komplizierte Teile nicht in einer qualit\u00e4tsvollen Weise ausf\u00fchren kann. Au\u00dferdem rei\u00dft das Material beim Aush\u00e4rten. Dieses Problem ist sicher noch zu l\u00f6sen. Dann hat man mit diesem M\u00f6rtelsystem ein Instrument zur Hand, welches geeignet ist,  dem Stein hervorragend angepasste Antragungen zu fertigen. Wir mussten im konkreten Fall auf mineralischen M\u00f6rtel ausweichen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde in der \u00f6rtlichen Presse verfolgt. In von Projektbeteiligten verfassten Artikeln wurde sowohl die Geschichte der Grabmale als auch die Zielsetzung und Vorgehensweise im DBU-Projekt dargestellt. Eine zus\u00e4tzliche Information der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Ma\u00dfnahmen erfolgte in Schauk\u00e4sten am Friedhof Querfurt bzw. am Kirchhof Lodersleben.<br \/>\nIn einem zusammenfassenden Papier sind die praktischen Arbeitsschritte in einer solchen knappen Weise zusammengefasst, dass eine ortsans\u00e4ssige Firma danach arbeiten kann, ohne das gesamte Berichtsmaterial durcharbeiten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Neben einem KSE ist auch ein Kunstharz (Silikonharz) in der Lage, dem Loderslebener Sandstein seine durch Umwelteinfl\u00fcsse gelockerte Stabilit\u00e4t zur\u00fcckzugeben.Der im Stein eingelagerte, die Sch\u00e4den verursachende Gips ist durch im Projekt ermittelte Methoden soweit zu mindern, dass er keine nennenswerten Sch\u00e4den mehr bewirken kann. Da sich die Umweltbedingungen inzwischen deutlich verbessert haben, also kein Schwefel mehr in der Luft angereichert ist, kann man davon ausgehen, dass die Steine langfristig saniert sind.Da das Projekt nicht nur die theoretischen Grundlagen lieferte, sondern in einer modellhaften Restaurie-rung diese Ergebnisse auch direkt in die Praxis umgesetzt hat, hat die Region eine Vorgabe zur Hand, mit welcher auch ortsans\u00e4ssige Firmen weitere Steinobjekte, von denen es aus den Loderslebener Steinbildhauerwerkst\u00e4tten noch viele qualit\u00e4tsvolle Arbeiten aus mehreren Jahrhunderten gibt, selbstst\u00e4ndig zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziele des Vorhabens waren das Wiederaufgreifen der im LfD Sachsen- Anhalt durch Herrn Materna seit 1965 begonnenen Versuche zur Steinfestigung mit Kunstharzen; der Vergleich von Kunstharzen und Kiesels\u00e4ureester als Festigungsmaterial f\u00fcr Loderslebener Sandstein in einer angeschlossenen Diplomarbeit sowie die Entwicklung eines durchg\u00e4ngigen M\u00f6rtelsystems vom Festiger \u00fcber Injektionsm\u00f6rtel, Schl\u00e4mme bis Antragm\u00f6rtel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2425,69,53],"class_list":["post-22881","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-kulturgueter","tag-sachsen-anhalt","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"19660\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-19660.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"44.482,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Stadt QuerfurtSt\u00e4dtisches Bauamt","dbu_projektdatenbank_strasse":"Markt 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"06268","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Querfurt","dbu_projektdatenbank_p_von":"2002-02-26 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2004-02-26 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre","dbu_projektdatenbank_telefon":"034771\/601-0","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Sachsen-Anhalt","dbu_projektdatenbank_foerderber":"96","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22881\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35884,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22881\/revisions\/35884"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22881"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}