  {"id":22792,"date":"2023-07-13T15:21:56","date_gmt":"2023-07-13T13:21:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/19486-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:59","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:59","slug":"19486-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/19486-01\/","title":{"rendered":"Feuersalamander und Reptilien als Leitarten f\u00fcr die forstliche Bewirtschaftung ausgesuchter Waldlebensr\u00e4ume am Beispiel des Ilm-Kreises, Th\u00fcringen (Voruntersuchung)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Populationen des Feuersalamanders und der Reptilienarten Kreuzotter, Schling- und Ringelnatter im Ilm-Kreis\/Th\u00fcringen haben in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten durch den Anbau gro\u00dffl\u00e4chiger, monokultureller Altersklassenw\u00e4lder dramatisch abgenommen. Im Projekt sollen verschiedene waldbauliche Ma\u00dfnahmen in ausgesuchten Lebensr\u00e4umen in ihren Auswirkungen auf die Populationen untersucht werden, mit dem Ziel, die Populationen zu erhalten, zu unterst\u00fctzen und die Ausbreitung der Arten zu f\u00f6rdern. Diese Ma\u00dfnahmen sollen in die Th\u00fcringer Waldbaustrategie einflie\u00dfen. Das Projekt wird von intensiver Informations- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit begleitet. In der Voruntersuchung werden die Lebensr\u00e4ume ausgesucht, die Populationen durch \u00f6kologische Parameter charakterisiert, die Hiebsma\u00dfnahmen konkretisiert und durchgef\u00fchrt, sowie ein Konzept zur \u00d6ffentlichkeits- und Informationsarbeit entwickelt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Arbeiten im Rahmen der Vorphase werden im mittleren Th\u00fcringer Wald und westlichen Th\u00fcringer Schiefergebirge durchgef\u00fchrt. In 3 ausgesuchten Bacht\u00e4lern mit Feuersalamandervorkommen und in 2-3 Ger\u00f6llhalden (Winterquartier der Schlangenarten, Sommerlebensraum der adulten Feuersalamander) wird die Frequenz der Alttiere, die Anzahl und Entwicklung der Jungtiere und der Reproduktionserfolg bestimmt sowie chemische und mikroklimatische Faktoren gemessen. Zeitparallel werden die Hiebs-ma\u00dfnahmen in 30-50 m breiten S\u00e4umen an den B\u00e4che und in einem Umkreis von 50 m um die Ger\u00f6llhalden pr\u00e4zisiert und im Winterhalbjahr durchgef\u00fchrt. In einem Beispielgebiet wird ein Verbundsystem f\u00fcr die Vernetzung der meist isolierten Populationen entwickelt, in einem weiteren Teilgebiet bisher noch unbekannte Populationen aufgenommen und ihre Lebensraumanspr\u00fcche charakterisiert. In Zusammenarbeit mit der regionalen und \u00fcberregionalen Presse, mit den Fremdenverkehrb\u00fcros und der Forstverwaltung wird ein Konzept zur Weiterbildungs- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit entwickelt. Alle Ma\u00dfnahmen werden in enger Kooperation und in st\u00e4ndigem Kontakt mit den Mitarbeiter der Forst- und Naturschutzbeh\u00f6rden durchgef\u00fchrt. Diese enge Zusammenarbeit schafft die Voraussetzung daf\u00fcr, die bisher unbeantworteten Fragen nach den Umbauma\u00dfnahmen naturfremder in naturnahe Wald\u00f6kosysteme anhand der Leitfunktion der Arten zu kl\u00e4ren und gleichzeitig \u00f6konomisch tragf\u00e4hige Kompromisse zu finden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Naturraum Mittelgebirge im Ilm-Kreis wurden die Feuersalamander- und Reptilienpopulationen in drei Quellb\u00e4chen und drei Felshalden untersucht. Die Rate der erfolgreichen Reproduktion der Feuersalamanderpopulationen in den Quellb\u00e4chen betrug 40, 0 und 100 %. Je kolkreicher ein Quellbach ist und je ausdauernder er Wasser f\u00fchrt, desto h\u00f6her ist der Anteil metamorphorisierter Jungsalamander. Niedrige Werte der n\u00e4chtlichen Luftfeuchtigkeit in krautarmen, \u00fcberstockten Fichten-Reinbest\u00e4nden schr\u00e4nken die Nutzung dieser Waldbest\u00e4nde durch erwachsene Feuersalamander ein. In den Felshalden bestehen Winterquartiere, Fr\u00fchjahrs- und Herbstsonnpl\u00e4tze sowie Sommerlebensr\u00e4ume von Feuersalamander, Kreuzotter, Waldeidechse und Blindschleiche. Die Arten werden durch das spezielle Mikroklima auf und in freigestellten Halden gef\u00f6rdert. In den Fichten-Reinbest\u00e4nden aller Lebensr\u00e4ume wurden unterschiedlich intensive Hiebsma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt, mit dem Ziel, durch eine Entwicklung naturn\u00e4herer Waldbest\u00e4nde die Lebensraumbedingungen (Mikroklima, Nahrung) f\u00fcr die Arten zu verbessern.<br \/>\nIn einem 12-18 km2 gro\u00dfen Gebiet im Mittleren Th\u00fcringer Wald, in dem noch individuenreichere Populationen von Kreuzotter, Ringelnatter, Waldeidechse und Blindschleiche vorkommen, wurde das Rahmenkonzept f\u00fcr ein geplantes Biotopverbundsystem entwickelt. In der Hauptphase des Projekts sollen Wanderwege zwischen Populationen freigestellt und Teilhabitate etabliert werden, indem l\u00fcckige Waldstrukturen an Felsen, Felshalden, skelettreichen H\u00e4ngen, Waldwegr\u00e4ndern, Steinbr\u00fcchen, Jagdschneisen, Zwergstrauchheiden und Standgew\u00e4sserr\u00e4ndern entwickelt werden, die momentan noch mit unterschiedlich alten und bestockten Fichtenw\u00e4ldern bewachsen sind.<br \/>\nIn einem Teilgebiet des Mittleren Th\u00fcringer Waldes wurden die Lebensr\u00e4ume von Feuersalamander und Reptilienarten analysiert. Larvengemeinschaften des Feuersalamanders wurden vor allem in tiefgelegenen (420-550 m \u00fc. NN), morphologisch, bis auf das Fehlen von Starktotholz, naturnahen Quellb\u00e4chen gefunden, in deren Auen kraut- und strauchreiche Mischw\u00e4lder mit einem hohen Anteil an Laubb\u00e4umen wachsen. Adulte Salamander nutzen bevorzugt die l\u00fcckigen W\u00e4lder auf n\u00e4hrstoffarmen, trockenen bis durchschnittlich feuchten Standorten. Von den vier nachgewiesenen Reptilienarten Waldeidechse, Blindschleiche, Ringelnatter und Kreuzotter ist nur die Kreuzotter im Gebiet sehr selten. Die Waldeidechse besiedelt nahezu alle offenen und halboffenen, von Wald umgebenen Lebensr\u00e4ume bis in die Gipfelregionen. \u00c4hnliche Habitatanspr\u00fcche zeigt die Blindschleiche, allerdings wird sie ab 750 m \u00fc. NN deutlich seltener. Die individuenreichen Ringelnatterpopulationen leben vor allem in den Wiesensysteme der breiteren Flie\u00dfgew\u00e4ssert\u00e4ler (400-650 m). In Biotopen \u00fcber 750 m fehlt sie. Sehr individuenarme Kreuzottervorkommen wurden bisher nur in Zwergstrauchheiden unter l\u00fcckigen Kiefernmischw\u00e4ldern auf Sandboden und in halboffenen Felshalden gefunden. Aus den Lebensraumanspr\u00fcchen der Arten werden Empfehlungen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige waldbauliche Nutzung des Gebietes abgeleitet, in deren Mittelpunkt die F\u00f6rderung von Laubb\u00e4umen und die Entwicklung l\u00fcckiger Waldstrukturen steht.<br \/>\nAlle Projektziele wurden erreicht, wenn auch mit deutlich h\u00f6herem Arbeitsaufwand, als geplant. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kooperationspartnern ist produktiv, pragmatisch und findet mittlerweile in einer erfreulich entspannten Arbeitsatmosph\u00e4re statt. Konflikte werden angesprochen und Kompromisse gefunden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Aufgrund des gro\u00dfen Interesses an dem Vorhaben im Ilm-Kreis und in Th\u00fcringen wurden schon in der Vorphase die Ziele und Inhalte des Projekts in \u00fcber 15 Vortr\u00e4gen und Exkursionen den Mitarbeitern der Forst-, der Naturschutzverwaltung, des ehrenamtlichen Naturschutzes, der Tagespresse und auf einer wissenschaftlichen Tagung vorgestellt.<br \/>\nAuch die Ergebnisse der Vorphase werden in einem Vortrag vor Mitarbeitern der Forst- und Naturschutzverwaltung sowie des ehrenamtlichen Naturschutzes (Nov.\/Dez. 2003), auf einer Tagung im November 2003 \u00fcber den Naturschutz im Naturpark Th\u00fcringer Wald (mit Ver\u00f6ffentlichung), sowie in Naturschutz und Landschaftspflege in Th\u00fcringen ver\u00f6ffentlicht werden.<br \/>\nEffizienzkontrollen \u00fcber die Auswirkungen der Hiebsma\u00dfnahmen werden im Jahr 2003 fortgef\u00fchrt, wie auch die Voruntersuchungen, Planungen und Vorarbeiten f\u00fcr das Biotopverbundsystem. Diese Untersuchungen werden teils vom Umweltamt des Landratsamtes im Ilm-Kreis finanziert, teils auf ehrenamtlicher Basis weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Vorgehensweise hat sich bew\u00e4hrt, \u00c4nderungen in der Zielsetzung sind deshalb nicht n\u00f6tig. Aber das Erreichen der Projektziele der Vorphase hat sich als deutlich arbeitsaufwendiger erwiesen, als geplant. Da dieses Resultat der Voruntersuchung in der Kalkulation der Hauptphase ber\u00fccksichtigt wurde, verfolgt das Hauptprojekt realistisch zu erreichende Ziele.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Populationen des Feuersalamanders und der Reptilienarten Kreuzotter, Schling- und Ringelnatter im Ilm-Kreis\/Th\u00fcringen haben in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten durch den Anbau gro\u00dffl\u00e4chiger, monokultureller Altersklassenw\u00e4lder dramatisch abgenommen. 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