  {"id":22364,"date":"2023-07-13T15:21:32","date_gmt":"2023-07-13T13:21:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18846-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:33","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:33","slug":"18846-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18846-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Risssanierung (einschlie\u00dflich Naturstein- und Fugenarbeiten) am umweltgesch\u00e4digten Chor der Stadtkirche St. Marien zu Wei\u00dfenfels unter besonderer Ber\u00fccksichtigung fortdauernder Bewegungsprozesse im Untergrund"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Neben denkmalgef\u00e4hrdenden Sch\u00e4den im Dachbereich stellt sich ein bedrohliches Schadensbild im Fassadenbereich, Chorinnenraum und Fundamenten dar. \u00dcber einen langen Zeitraum haben sich vor allem im Chorbereich gravierende Risse im Mauerwerk eingestellt, welche vertikal fortlaufend von der Gr\u00fcndung \u00fcber Ma\u00dfwerkteile der Chorfenster bis zum Traufbereich zu innen und au\u00dfen sichtbaren Verformungen und Gew\u00f6lbeabrissen f\u00fchren. Durch komplexe Voruntersuchungen soll der anthropogene Umweltschaden in der falschen Baugrundverf\u00fcllung, sowie eventuell anderer Ursachen und den dadurch verursachten Bewegungen im Untergrund des Bauwerks untersucht und die Grundlage f\u00fcr die Schadensbeseitigung herbeigef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenHauptaugenmerk f\u00fcr die Voruntersuchungen war der Chorbereich. Umfassende Kartierungen des Rissbildes in fotogrammetrischen Wandabwicklungen, der Einbau eines Datenloggersystems des IDK zur Rissmessung in Langzeitbeobachtung, die Kontrolle der Bewegungsprozesse sowie weitergehende Baugrund- Feuchtigkeits- und Materialuntersuchungen werden die Grundlage f\u00fcr die Entscheidungsfindung hinsichtlich der statischen Sicherung bilden. Unter der Annahme weiterer zuk\u00fcnftiger Bewegungen aus dem Baugrund heraus sollte die Konsolidierung des Mauerwerks durch Risseschlie\u00dfung unter der Beachtung der Gelenktheorie mit kompensierbaren Stoffen und Techniken erreicht werden. Mit neu zu entwickelnden h\u00e4ndischen Methoden und bauwerksgerecht einzustellenden, Verf\u00fcllm\u00f6rteln sind gerissene Natursteinbereiche zu sichern und das Mauerwerk nachzuverfugen. Die Funktionalit\u00e4t dieser Materialien bei weitergehenden dynamischen Belastungen ist im Verlauf der Untersuchungen zu definieren und Ergebnis des Modellverfahrens. Alternative, herk\u00f6mmliche Methoden zur statischen Mauerwerkssicherung \u00fcber sich in Bewegung befindlichen Bauteilen werden im Verlauf kritisch hinterfragt, um ihre Anwendung bei \u00e4hnlich gelagerten F\u00e4llen ausgrenzen zu k\u00f6nnen. Begleitende restauratorische Analysen im Zusammenwirken mit der Abteilung Restaurierung des LfD S.-A. zu Wandmalereien im Chor dienen der optimalen Innenraumgestaltung nach erfolgten Sicherungsarbeiten am Mauerwerk.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gef\u00f6rderten Projektes wurden Sanierungsvorbereitende und baubegleitende Untersuchungen (Fotogrammetrie zur Fassadenschadens- und risserfassung, M\u00f6rtelanalyse, Erweiterte Baugrunduntersuchungen, Erweiterte Anwendung eines Datenloggersystems zur Langzeitrissmessung) durchgef\u00fchrt:<br \/>\nDie Baugrunduntersuchung ergab, dass sich die vermuteten Bewegungen infolge Fliessand und wechselndem Grundwasserstand als Ursache der Geb\u00e4uderisse nicht best\u00e4tigten bzw. nicht nachgewiesen werden konnten. Vielmehr f\u00fchrte die ungleichm\u00e4\u00dfige Ausf\u00fchrung der Fundamente und damit verbundenen unterschiedlichen Auflagerbedingungen u. a. zu Setzungen, jedoch konnte der Nachweis, ob die an der Kirche St. Marien vor Sanierungsbeginn vorhandenen Risse, sich ausschlie\u00dflich darauf begr\u00fcndeten, nicht ausreichend erbracht werden. Dies best\u00e4tigte auch der Abschlu\u00dfbericht zu den Klima-, Riss- und Materialfeuchteuntersuchungen.<br \/>\nDie Langzeitriss\u00fcberwachung mittels Einbau eines Datenloggersystems des IDK und die Auswertung der Messergebnisse bildete eine fundamentale Grundlage zur Sanierung. Im Ergebnis der Untersuchung wurde festgestellt, dass Infolge von Temperatureinfl\u00fcssen es zur Dehnung und zum Zusammenziehen der Mauerwerkes kommt, d. h. die Ver\u00e4nderung der Rissbreiten ist vordergr\u00fcndig von den jahreszeitlichen Temperaturen abh\u00e4ngig. Eine vollst\u00e4ndige Zur\u00fcckstellung der Risse in der Ausdehnung kann nicht erfolgen bei Einbau von zu hart abbindendem Fugenmaterial und wenn bei Rissverbreiterung infolge thermischer Einfl\u00fcsse loses Flankenmaterial in die Risse einrieselt.<br \/>\nDer innovative Ansatz zum Modellcharakter des Projektes liegt u.a. in der erweiterten Anwendung des vom IDK entwickelten Rissmesssystems zur Langzeitbeobachtung, die Verkn\u00fcpfung aller Untersuchungsergebnisse als Grundlage zur Schadenssanierung und die damit auch m\u00f6gliche Material- und Ausf\u00fchrungstechnikauswahl. Folgende Ergebnisse wurden diskutiert und in die Praxis innovativ umgesetzt:<br \/>\n&#8211;\tAuswahl von Materialien zur Rissschlie\u00dfung, Putzsanierung, Putzerg\u00e4nzung, Innenanstrich aus einem Materialsystem (Kalkm\u00f6rtel, traditionell aus trockengel\u00f6schtem Kalk, Kalkm\u00f6rtel unter Zusatz von K\u00e4lberhaaren, Kalkspachtel zum Ausgleich unterschiedlicher Untergr\u00fcnde, Kalkanstrich auf Putz)<br \/>\n&#8211;\tVerfugung des Natursteinmaterials, dem Sandstein in seinen Eigenschaften angepasst<br \/>\n&#8211;\tAnwendung eines DBU-Projektes zur Restaurierung und Schutz historischer Bleiglasfenster<br \/>\n&#8211;\tAnwendung einer historischen M\u00f6rtelherstellungstechnik durch Anlegen von Kalkmieten<br \/>\n&#8211;\tAuswahl \u00e4u\u00dferst kosteng\u00fcnstiger Materialien und Ausf\u00fchrungstechniken<br \/>\n&#8211;\tVerzicht auf teure Rissverankerungen und umfangreiche Verpressarbeiten<br \/>\n&#8211;\tAusschluss finanziell u. technisch aufwendiger Methoden zur Baugrund- u. Fundamentstabilisierung<br \/>\n&#8211;\tAuswahl und Einsatz von relativ weichem Fugenmaterials, verst\u00e4rkt durch nat\u00fcrliche Stoffe, die das Nachrieseln von Material in sich bewegende Fugen verhindern (K\u00e4lberhaare). Es ist davon auszugehen, dass diese Stoffe und Techniken, die zum Einsatz gelangten, die zuk\u00fcnftigen Bewegungen und weiterf\u00fchrenden dynamischen Belastungen kompensieren.<br \/>\nFakt ist, dass in \u00e4hnlichen F\u00e4llen nach M\u00f6glichkeit auf umfangreiche Verpress- und Vernadelungsarbeiten verzichtet werden sollte, da bei in Bewegung stehenden Bauwerken mit beschriebenem Schadensbild und -ursachen neben den sanierten Rissbereichen gleiche Schadensbilder erneut auftreten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Zielstellung wurde an Ausstellungstafeln zur 700-Jahrfeier der Stadtkirche St. Marien dokumentiert. Der Bericht zum Modellvorhaben wird dem Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau (IRB) \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Auswertung der Sanierungsergebnisse und der Methoden an einem \u00e4hnlich gelagerten Problem an der Moritzkirche in Halle und die Komplexuntersuchungen an der Marienkirche in Wei\u00dfenfels gestatte die innovative \u00dcberlegung und Umsetzung kosteng\u00fcnstiger und bauwerksspezifischer Sanierungstechnik und Materialauswahl, die so in Sachsen-Anhalt noch keine Anwendung fand.<br \/>\n\u00c4u\u00dferst positiv wirkte sich die Einbeziehung der Fachspezialisten z. B. auch des Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt und des Instituts f\u00fcr Diagnostik und Konservierung an Denkmalen Halle aus, die ihrerseits auch bereits gewonnenen Erfahrungen zur Problematik an anderen Bauwerken einbrachten.<br \/>\nSo wurde erstmalig in Sachsen-Anhalt zur Schlie\u00dfung von Rissen trockengel\u00f6schter Kalk gemischt mit Haarkalk eingesetzt.<br \/>\nGleichzeitig konnte der Nachweis erbracht werden, komplizierte und kostenintensive Bauwerkssanierungstechniken ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Nur so war es m\u00f6glich erhebliche Sanierungskosten auf ein Mindestniveau zu beschr\u00e4nken aber auch Folgesch\u00e4den nach der Sanierung weitestgehend ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Neben denkmalgef\u00e4hrdenden Sch\u00e4den im Dachbereich stellt sich ein bedrohliches Schadensbild im Fassadenbereich, Chorinnenraum und Fundamenten dar. \u00dcber einen langen Zeitraum haben sich vor allem im Chorbereich gravierende Risse im Mauerwerk eingestellt, welche vertikal fortlaufend von der Gr\u00fcndung \u00fcber Ma\u00dfwerkteile der Chorfenster bis zum Traufbereich zu innen und au\u00dfen sichtbaren Verformungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2425,69,53],"class_list":["post-22364","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-kulturgueter","tag-sachsen-anhalt","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"18846\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-18846.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"102.258,38","dbu_projektdatenbank_firma":"Ev. 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