  {"id":22193,"date":"2023-07-13T15:21:14","date_gmt":"2023-07-13T13:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18465-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:15","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:15","slug":"18465-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18465-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Untersuchungen und Erhaltung von umweltgesch\u00e4digten Marmortumben des 17. Jahrhunderts auf dem J\u00fcdischen Friedhof K\u00f6nigstra\u00dfe in Hamburg-Altona"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Auf dem j\u00fcdischen Friedhof Hamburg-Altona, K\u00f6nigstra\u00dfe, befinden sich 53 kostbare Marmor- und mehrere Kalksteingrabmale aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es handelt sich um flach auf dem Erdboden liegende ornamentierte Grabplatten und zeltf\u00f6rmige Grabmale, bei denen aufgrund der zu beobachtenden Umweltsch\u00e4den Handlungsbedarf besteht. Restauratoren, Naturwissenschaftler und Denkmalpfleger arbeiten hier im Team zusammen. Das Vorhaben wird modellhaft an 53 Marmor- und zwei Kalk-steingrabmalen durchgef\u00fchrt. Ziele des Projektes sind:\u00b7\tBestandserfassung,<br \/>\n\u00b7\tErfassung der Schadensbilder,<br \/>\n\u00b7\tFeststellung der Schadensursachen,<br \/>\n\u00b7\tKonzeption von Restaurierungs- und Konservierungsmethoden,<br \/>\nzum langfristigen Erhalt dieses hochrangigen Kulturgutes.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem ersten Arbeitsschritt wurden eine Bestandserfassung der Grabmale anhand von fotografischer Beschreibung und Dokumentation vorgenommen. Reinigungsproben wurden als restauratorische Ma\u00dfnahmen vorgenommen. Parallel dazu wurde der Vorzustand aufgrund \u00e4lterer Fotos ausgewertet, vorhergehende Restaurierungsberichte und Literatur ausgewertet.<br \/>\nIn einem zweiten Arbeitsschritt wurden stoffkundliche Untersuchungen an den Grabmalen durchgef\u00fchrt.<br \/>\nDiese umfassen:<br \/>\n1.\tPetrographische und petrophysikalische Untersuchungen<br \/>\n2.\tBiologische und chemische Untersuchungen<br \/>\nIn einem dritten Schritt fanden (und finden zuk\u00fcnftig) begleitende Analysen des Verwitterungsverhaltens an Vergleichsobjekten (sog. Asterixen und Referenzobjekten) statt. Hierzu wurden verschiedene Marmoren der Nikolaikirche Hamburg, auf ihre Vergleichbarkeit zu den Marmoren des Friedhofes untersucht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die fotografische Dokumentation und Beschreibung der Grabmale, einschlie\u00dflich der Gegen\u00fcberstellung und Auswertung des Erhaltungszustandes von 1942 bis heute zeigt, dass in den letzten 40 Jahren eine extrem starke R\u00fcckwitterung zus\u00e4tzlich zu Kriegssch\u00e4den und Vandalismus zu verzeichnen ist.<br \/>\nF\u00fcr die Marmore sind kennzeichnend:<br \/>\n1. Multiple Schadensbilder mit extremer R\u00fcckwitterung, mit intensiven Rissmustern und ausgepr\u00e4gtem biologischen Impakt. Die verwitterungsbedingte Oberfl\u00e4chenstruk-turierung l\u00e4sst sich auf mikroskopische Vorzeichnungen zur\u00fcckf\u00fchren.<br \/>\n2. Eine deutliche Gef\u00fcgeentfestigung\/Sch\u00e4digung durch die \u00d6ffnung von Korngrenzen, Zwillingslamellen und Spaltfl\u00e4chen im Marmor, welches u.a. das Eindringen von Mikroorganismen beg\u00fcnstigt. Die Gef\u00fcgeentfestigung kann zu totalem Materialverlust f\u00fchren.<br \/>\nZur Eind\u00e4mmung der fortschreitenden Sch\u00e4digungsprozesse sollten Reinigungs-, Restaurierungs-, und Konservierungsma\u00dfnahmen zeitnah vorgenommen werden.<br \/>\nKalkstein: Die Kalksteingrabmale sind nicht entfestigt. Die unterschiedlichen Verwitterungsph\u00e4nomene sind durch den wechselnden Gehalt an Fossilien bedingt. Vergleichsmaterial: Vergleichsmaterial der Nikolaikirche aus Carrara Marmor, mit analogem Gef\u00fcgein-ventar und physikalischen\/geochemischen Eigenschaften wie die Grabmale des Friedhofes, sind zur Herstellung der Asterixe geeignet.<br \/>\nAus den geochemischen Untersuchungen der Umweltdaten l\u00e4sst sich folgern, dass chemische Verwitterungsprozesse an den Marmor- und Kalksteingr\u00e4bern auf Grund der in den letzten 20 Jahren abnehmenden Schadstoffkonzentrationen langsamer ablaufen, als in den davor liegenden ca. 100-130 Jahren, in denen eine deutlich h\u00f6here Immissionsbelastung vorlag. Durch den R\u00fcckgang der SO2 Belastung hat sich die Situation verbessert. Der SO2-Eintrag hat an Bedeutung verloren. Die ver\u00e4nderte Immissionssituation wurde qualitativ bewertet. Eine quantitative Bewertung der Immissionssituation steht noch nicht zur Verf\u00fcgung. Die Depositionsgeschwindigkeiten von Schwefeldioxid und den Stickoxiden wurden nicht erhoben. Eine Belastung mit l\u00f6slichen Salzen und eine Kontamination durch Phosphat und Oxalat konnten nicht nachgewiesen werden. Die mikrobiologischen Untersuchungen zeigen, dass alle Gesteinsoberfl\u00e4chen mit Mikroorganismen (Algen und Pilzen) bewachsen sind. Diese greifen entlang von Kristallgrenzfl\u00e4chen unterschiedlich in das Gef\u00fcge ein. F\u00e4dige Organismen wachsen direkt in die Kristalle hinein und werden noch in mehreren mm Tiefe nachgewiesen, Algen bilden L\u00f6cher, bzw. L\u00f6sungsn\u00e4pfe, in den an der Oberfl\u00e4che angeschnittenen Kristallen, aus. Durch schnelleren Wasserablauf von den zeltf\u00f6rmigen Ohalim ist die Bewuchsgeschwindigkeit und -ausbreitung geringer als auf den liegenden Grabsteinen. Der Kalkstein weist eine analoge Besiedlung wie der Marmor auf. Durch Anl\u00f6sung kommt es (insbesondere an den Ohalim) zu einem Verlust der feinen Oberfl\u00e4chenstruktur.<br \/>\nErreichte Ziele:<br \/>\nEs wurde eine detaillierte Dokumentation und Beschreibung der 55 Grabmale, sowie eine Gegen\u00fcberstellung der Erhaltungszust\u00e4nde von 1944\/54 zum heutigen Erscheinungsbild, erarbeitet. Die makroskopischen und mikroskopischen Schadensph\u00e4nomene und Ursachen wurden naturwissenschaftlich analysiert und dokumentiert. Die Schadensursachen dargestellt.<br \/>\nNicht erreichte Ziele:<br \/>\nAufgrund der tiefen Zerr\u00fcttung der Marmore bis in die Kristalle hinein, traten w\u00e4hrend der Projektarbeiten neue Fragestellungen zu Schadensph\u00e4nomenen und -ursachen auf. Anwendbare Restaurierungsvorschl\u00e4ge gibt es u. W. f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen nicht. Aus der Praxis sind wenige Beispiele, mit Ausnahme der Acrylharzvolltr\u00e4nkung bekannt. Zur Vermeidung einer Fehlrestaurierung war es unumg\u00e4nglich, die Schadensph\u00e4nomene genau zu analysieren. Daher wird an einem Restaurierungs- und Konservierungskonzept gearbeitet<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Auf der 80. Jahrestagung der deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) vom 08.09. bis 12.09.2002 in Hamburg, wurde am 10.09.2002 im Rahmen einer Fachexkursion: Modellhafte Untersuchungen auf dem j\u00fcdischen Friedhof Hamburg-Altona, das Projekt vorgestellt und diskutiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zur Erhaltung der stark gesch\u00e4digten und auch weiterhin gef\u00e4hrdeten Grabmale des J\u00fcdischen Friedhofes in Altona konnte durch die Projektarbeiten eine komplexe Zustandsbeschreibung und Schadensursachen-Feststellung erstellt werden. Diese Projektarbeiten dienen als Grundlage f\u00fcr eine nachhaltig wirkende Restaurierung und Konservierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Auf dem j\u00fcdischen Friedhof Hamburg-Altona, K\u00f6nigstra\u00dfe, befinden sich 53 kostbare Marmor- und mehrere Kalksteingrabmale aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es handelt sich um flach auf dem Erdboden liegende ornamentierte Grabplatten und zeltf\u00f6rmige Grabmale, bei denen aufgrund der zu beobachtenden Umweltsch\u00e4den Handlungsbedarf besteht. 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