  {"id":22083,"date":"2023-07-13T15:21:03","date_gmt":"2023-07-13T13:21:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18211-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:04","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:04","slug":"18211-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18211-01\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4ventive Konservierung und modellhafte Restaurierung der umweltgesch\u00e4digten r\u00f6mischen Grabanlage in Nehren (Rheinland-Pfalz)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die einzigartigen r\u00f6mischen Wandmalereien in der Grabkammer waren extremen Verwitterungsmechanismen durch eindringende Feuchtigkeit und Klimaschwankungen ausgesetzt. Durch die wechselnden Feuchtigkeiten konnten zirkulierende Salzl\u00f6sungen und biogene Ablagerungen die Malerei zerst\u00f6ren. Ziel des Projektes war die genauste Erforschung der klimatischen Einflussgr\u00f6\u00dfen und die Einrichtung eines konstanten Klimas zur pr\u00e4ventiven und nachhaltigen Konservierung. Dar\u00fcber hinaus sollten weitere Schadensursachen aufgedeckt und bek\u00e4mpft werden. Die angewendeten Konservierungsma\u00dfnahmen sollten mit dem angestrebten Klimakonzept konform gehen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenVoruntersuchung:<br \/>\nRestauratorische Voruntersuchung der Malereien und des Umfeldes, Bestands- und Zustandsaufnahme, Planerstellung aus entzerrten Einzelfotografien der Malerei, Klimamessungen Innen und Au\u00dfen (rF,C) und Oberfl\u00e4chentemperatur an der Malerei, ph\u00e4nomenologische Untersuchung zu Feuchteerscheinungen mit Kartierung, Analyse der Salze und Krusten, Analyse der biogenen Ablagerungen, Schadensmechanismen wurden mit FT-IR-Spektroskopie, R\u00f6ntgendiffraktometrie, Ionenchromatografie, elektrischer Leitf\u00e4higkeit, REM, D\u00fcnnschliffmikroskopie untersucht, in der Grabkammer wurden endoskopische Untersuchungen, UV-Licht- und IR-Lichtuntersuchungen durchgef\u00fchrt, es wurde ein geologisches Gutachten zu den wasserf\u00fchrenden Bodenschichten erstellt, das Fundament untersucht und zeichnerisch aufgenommen.<br \/>\nMa\u00dfnahmen &#8211; pr\u00e4ventiv:<br \/>\nEinbau einer Drainage entlang der Nord-West-Wand der Grabkammer, Reparatur des Daches, Einbau eines hohen Bordsteins entlang der Stra\u00dfe oberhalb der Gr\u00e4ber, Reparatur des Cellaablaufs, Einbau einer dichten Stahlt\u00fcr in die Grabkammer, Einbau eines geregelten L\u00fcftungssystems &#8211; Stromversorgung \u00fcber Photovoltaikanlage.<br \/>\nMa\u00dfnahmen &#8211; klassisch:<br \/>\nChemische Salzreduzierung mit Kompressen und mechanische mit Feinschleifger\u00e4ten, Entfernung der biogenen Ablagerungen chemisch und mechanisch, Festigung der Malschicht und Putzschichten mit Kiesels\u00e4ureesterdispersion, Erg\u00e4nzung der Putzfehlstellen mit selbst entwickeltem M\u00f6rtel auf der Basis von nat\u00fcrlich hydraulischem Kalk, Quarzzuschl\u00e4gen, Marmormehl und Perlite, Reduzierung der Kalksinterkrusten chemisch mit Ionenaustauschern und mechanisch mit Feinschleifger\u00e4ten.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit Methoden der restauratorischen Befunduntersuchung konnte eine sehr feudale Ausstattung der Grabkammer nachgewiesen werden. Neben der freskal abgebundenen Kalkmalerei war das Grab mit einem mindestens zweifarbigen Steinfu\u00dfboden belegt und der eingestellte Sarkophag mit einer Marmorverkleidung geschm\u00fcckt. Dar\u00fcber hinaus konnte das Ausmalungsschema der Grabkammer rekonstruiert werden. Die Analyse der Schadensursachen erbrachte wesentliche Erkenntnisse. Es konnte nachgewiesen werden, dass die hohe eindringende Feuchtigkeit die Hauptschadensursache f\u00fcr den Verfall der Wandmalereien darstellt. Die verschiedenen Wege des eindringenden Wassers konnten aufgedeckt werden. Erstaunlicherweise sind die immensen Feuchtigkeiten nicht \u00fcber den Boden der Grabkammer eingedrungen sondern \u00fcber die W\u00e4nde und die Tonnendecke. Daneben wirkt sich Kondensfeuchtigkeit sch\u00e4digend auf das Materialgef\u00fcge aus. Die Analyse der Salze und Krusten erbrachte die Erkenntnis, dass die dicken grauen Kalksinterkrusten im Laufe des jahrhunderte dauernden Verfalls der Grabanlage entstanden sind, w\u00e4hrend die dicken Gipsablagerungen erst in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Durch den Aufbau der Grabtempel in den 1970er Jahren und den verwendeten Tra\u00dfzement wurden Calcium und Natriumsulfate unter hoher Feuchtigkeitseinwirkung herausgel\u00f6st und setzten sich an den Oberfl\u00e4chen der Grabkammer ab. Ob die verwendeten D\u00fcngemittel in den umliegenden Weinbergen ebenfalls Salze geliefert haben, konnte nicht eindeutig bewiesen werden. Die Feuchtigkeit in der Grabkammer war derartig hoch, dass sich die Algenart Navicula, die normalerweise in flie\u00dfenden Gew\u00e4ssern w\u00e4chst an den Grabkammerw\u00e4nden nachweisen lie\u00df. Die Reinigungserfolge der Algenentfernung wurden mit Infrarotaufnahmen dokumentiert. F\u00fcr diese Dokumentation wurden analoge und digitale Aufnahmetechniken getestet und gegen\u00fcber gestellt. Es konnte aufgezeigt werden, dass mit den heutigen digitalen Aufnahmemethoden einfacher und preisg\u00fcnstiger sehr gute Ergebnisse in der praktischen Anwendung auf der Baustelle erzielt werden k\u00f6nnen. Im Rahmen der Einrichtung eines stabilen Klimas in der Grabkammer wurde interdisziplin\u00e4r mit dem Fachbereich Versorgungstechnik der Fachhochschule K\u00f6ln zusammengearbeitet. Im Zuge von Luftstr\u00f6mungsmessungen konnte zun\u00e4chst die Menge des erforderlichen Luftwechsels errechnet werden und anhand von Klimasimulationen Prognosen f\u00fcr eine gesteuerte L\u00fcftung erarbeitet werden. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde ein Regelsystem erarbeitet, welches mit einer Photovoltaikanlage betrieben wird. Das Regelsystem misst die relative Feuchte und Temperatur Au\u00dfen und Innen, errechnet die absoluten Feuchtewerte und vergleicht die Daten miteinander. Sobald die absolute Feuchte Au\u00dfen geringer ist als die Absolute Feuchte im Innenraum springt das L\u00fcf-tungssystem an und saugt die feuchtere Luft aus der Kammer heraus, die trockenere Luft str\u00f6mt nach. Auf diese Weise soll langfristig das Klima in der Grabkammer stabil gehalten werden. Eingebettet in das angestrebte Klimakonzept sind die klassischen Konservierungsarbeiten durchgef\u00fchrt worden. F\u00fcr die Erg\u00e4nzung der Putzfehlstellen ist eine spezielle M\u00f6rtelmischung konzipiert worden. Das Bindemittel besteht aus nat\u00fcrlich hydraulischem Kalk und die Zuschl\u00e4ge aus Quarzsanden, Marmormehl und Perliten. Die Perlite weisen eine sehr gro\u00dfe innere Oberfl\u00e4che mit einem gro\u00dfen Porenvolumen auf. Die noch vorhandenen Salze aus dem originalen M\u00f6rtel haben in dem Erg\u00e4nzungsputz die M\u00f6glichkeit auszukristallisie-ren und wandern auf diese Weise vom Original in die Erg\u00e4nzung. Der Umgang mit den dicken Krustenschichten auf der Wandmalereioberfl\u00e4che stellte eine besondere Schwierigkeit dar, da die Krustenschichten chemisch betrachtet die gleiche Zusammensetzung aufweisen wie die originale Malerei. Aus diesem Grund musste eine schonende aber wirkungsvolle Methode entwickelt werden. Die Ergebnisse der Versuchsreihen erbrachten eine Kombination aus einer mechanischen und chemischen Anwendung. Zun\u00e4chst wurden die dicksten Krustenschichten mit Feinschleifger\u00e4ten und unterschiedlichen Aufs\u00e4tzen ged\u00fcnnt und anschlie\u00dfend wurde der verbleibende graue Schleier mit Ionenaustauschern reduziert. Bei dieser Methode wird die originale Sinterschicht der freskal abgebundenen Malerei nicht entfernt, sondern nur die dar\u00fcber liegenden grauen Kalksinterschichten reduziert. Sobald die grauen Krustenschichten transparent werden, ist die Reduzierung abgeschlossen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Informationsplakate vor Ort<br \/>\nRiedl, Nicole, R\u00f6mische Grabanlage in Nehren \/ Mosel, in: Restauro &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Kunsttechniken, Restaurierung und Museumsfragen, 2, 2004, S. 92-97<br \/>\nPr\u00e4sentation der Zwischenergebnisse am 10.09.2005 vor dem Minister f\u00fcr Kunst, Kultur und Forschung von Rheinland-Pfalz, Dr. Z\u00f6llner<br \/>\nInternetpr\u00e4senz auf den Seiten der Fachhochschule K\u00f6ln, Forschungsprojekte<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Klimatisch bedingte Schadensursachen an hochwertigen Kunstobjekten k\u00f6nnen nur durch sehr detaillierte Untersuchungen \u00fcber einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren und unter Anwendung verschiedenster Methoden aufgedeckt werden. Die pr\u00e4ventiven Konservierungsma\u00dfnahmen sind zwingende Voraussetzung f\u00fcr eine nachhaltige Bewahrung und m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig gewartet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die einzigartigen r\u00f6mischen Wandmalereien in der Grabkammer waren extremen Verwitterungsmechanismen durch eindringende Feuchtigkeit und Klimaschwankungen ausgesetzt. Durch die wechselnden Feuchtigkeiten konnten zirkulierende Salzl\u00f6sungen und biogene Ablagerungen die Malerei zerst\u00f6ren. Ziel des Projektes war die genauste Erforschung der klimatischen Einflussgr\u00f6\u00dfen und die Einrichtung eines konstanten Klimas zur pr\u00e4ventiven und nachhaltigen Konservierung. 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