  {"id":22053,"date":"2023-07-13T15:21:00","date_gmt":"2023-07-13T13:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18145-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:00","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:00","slug":"18145-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18145-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Sicherung der umweltgesch\u00e4digten Chorumgangswand des Baudenkmals St. Nicolai in Zerbst unter Verwendung regionaler historischer Kalkm\u00f6rtel"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Trotz der provisorischen Sicherungsma\u00dfnahmen an der auch im gegenw\u00e4rtigen Zustand im nationalen wie im europ\u00e4ischen Ma\u00dfstab bedeutenden ehemaligen Stadtkirche St. Nicolai schreitet der Verfall an einigen Stellen der Umfassungsmauer schnell voran, und der endg\u00fcltige Verlust des Baudenkmales r\u00fcckt n\u00e4her. Ziel ist daher, insbesondere die wertvolle Chorumgangswand so zu sichern, dass durch Einsatz regionaler historischer Kalkm\u00f6rtel die sch\u00e4digenden Umwelteinfl\u00fcsse gestoppt bzw. dauerhaft von der Ruine ferngehalten werden k\u00f6nnen, ohne dass bauartfremde Materialien verwendet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenVerwendet werden sollen Sande und Kiese aus hiesigen Kiesgruben unter Hinzugabe von Ziegelsplitt, um die M\u00f6rtelzusammensetzung des urspr\u00fcnglichen Mauerm\u00f6rtels nachzuempfinden. Die ersten Untersuchungen der vorhandenen Bausubstanz zeigen, dass in der Vergangenheit die \u00fcblichen trockengel\u00f6schten Baustellenmischungen zum Einsatz kamen. Anlehnend an Erkenntnisse aus Seminarveranstaltungen mit praktischen Vorf\u00fchrungen zur M\u00f6rtelherstellung bei der Museumsziegelei Hundisburg wird ca. 1 bis 8 Wochen vor Verwendung der trockengel\u00f6schte M\u00f6rtel in Kuchenform hergestellt. Die Mengen je Herstellungsvorgang werden auf 20 m\u00b3 begrenzt. Diese Mengen sind gerade noch ausreichend, um wirtschaftlich arbeiten zu k\u00f6nnen und nicht zu gro\u00df, um flexibel genug auf neue Erkenntnisse bei der Verwendung des M\u00f6rtels durch \u00c4nderung der Zusammensetzung reagieren zu k\u00f6nnen. Die notwendigerweise abzutragenden Bereiche werden zeitlich so abgestimmt, dass an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig gearbeitet werden kann. Insbesondere bei kalter und regnerischer Jahreszeit wird so Problemen des Bauablaufes durch mehrere gleichzeitig zu bearbeitende Bereiche entgegengewirkt. Der Abschluss der Mauerkrone muss so erfolgen, dass sch\u00e4digende Umwelteinfl\u00fcsse wie Wasser, Erosion, Ablagerungen, Temperatur, Frost u.a. dauerhaft ferngehalten werden k\u00f6nnen. Dazu sollen unterschiedliche Methoden, wie sie z. B. in Deutschland, \u00d6sterreich, Schweden und Schottland angewandt werden, diskutiert werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Kirchenschiff, wie auch die gesamte Kirche, wurde als Mischbau aus \u00fcberwiegend unbehauenen Feldsteinen in den Wandfl\u00e4chen, Sandstein vorrangig in den Traufgesimsen, Strebepfeilern und Fenstergew\u00e4nden sowie Ziegel als F\u00fcllmaterial in ungeordneter Zugabe verwendet. Die Reparaturma\u00dfnahmen, f\u00fcr die der beschriebene M\u00f6rtel verwendet wurde, waren notwendig, um die verheerenden Mauerwerksverschiebungen und -sch\u00e4digungen beheben zu k\u00f6nnen. Trotz Substanzverlust bei der Sanierung in Teilbereichen konnten weite Bereiche des historischen Mauerwerks, der Fassadenputze &#8211; insbesondere auch durch die Beauftragung der Wandwerk GbR zur Restaurierung der Putze durch Hinterspritzung und Anb\u00f6schung &#8211; sowie der Farbreste der Innenseite der W\u00e4nde erhalten werden.<br \/>\nDurch die Entscheidung, statt der Verwendung heute gebr\u00e4uchlicher konfektionierter Materialien den historischen M\u00f6rtel des Baus zu analysieren und in trockengel\u00f6schter Ausf\u00fchrung wieder zur Anwendung kommen zulassen, wurden der Zustand des Mauerwerkes an keiner Stelle ver\u00e4ndert und die &#8211; durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse entstandenen Sch\u00e4den &#8211; in schonender Art und Weise saniert und der urspr\u00fcngliche Zustand des Mauerwerkes wieder hergestellt. Folgende Ergebnisse wurden aus der augenscheinlichen und naturwissenschaftlichen Untersuchung des historischen M\u00f6rtels gewonnen.<br \/>\nv\tEs handelt sich um einen bindemittelreichen reinen Kalkm\u00f6rtel.<br \/>\nv\tDie Sieblinie des Sandzuschlages liegt bei 0,125 &#8211; 32 mm, wobei ein au\u00dfergew\u00f6hnlich gro\u00dfer Anteil auf die Fraktion zwischen 8 und 16 mm f\u00e4llt.<br \/>\nv\tAugenscheinlich konnte Ziegelsplitzuschlag von ca. 0,5 bis 25mm festgestellt werden.<br \/>\nv\tDer M\u00f6rtel weist eine hohe Anzahl von Kalkspatzen auf, die eine Gr\u00f6\u00dfe bis zu 3 cm erreichen.<br \/>\nv\tUm zahlreiche silikatische Zuschl\u00e4ge sind S\u00e4ume von Kalciumsilikathydraten vorhanden, die h\u00f6chstwahrscheinlich durch die hohen Temperaturen beim L\u00f6schen des Kalk-Sand-Gemenges entstanden sind, indem die R\u00e4nder des Zuschlages abgel\u00f6st werden.<br \/>\nv\tDer M\u00f6rtel weist einen hohen Gipsgehalt auf, der auch augenscheinlich feststellbar ist.<br \/>\nDie Analysenergebnisse verweisen auf die historische Verwendung eines M\u00f6rtels, der im trockengel\u00f6schten Verfahren hergestellt wurde. Mit diesem, nun auch im Rahmen dieses Projektes wieder verwendeten Verfahren l\u00e4sst sich ein hoher Bindemittelreichtum des M\u00f6rtels einstellen, da dieser deutlich weniger Neigung zur Schwindung zeigt. Die hohe Sieblinienfraktion des Sandes zwischen 8 und 16 mm wurde gew\u00e4hlt, um der gro\u00dfen Anzahl von Zwickeln des Feldsteinmauerwerks durch optimalere Verf\u00fcllung einen entsprechenden Halt zu geben. Der hohe Anteil an Kalkspatzen im M\u00f6rtel erm\u00f6glichte ein h\u00f6heres Wasserr\u00fcckhalteverm\u00f6gen w\u00e4hrend der Vermauerung und trug so zu einer besseren Karbonatisierung des M\u00f6rtels bei. Leider wurde durch die hohe Luftverschmutzung im letzten Jahrhundert das feste Kalkgebinde des M\u00f6rtels in weniger festen und h\u00f6her l\u00f6slichen Gips umgewandelt. Die dadurch vor allem oberfl\u00e4chig entstehende starre, feste Kruste weist eine h\u00f6here H\u00e4rte auf als ges\u00fcndere M\u00f6rtelgef\u00fcge. Daraus entstehen auf Grund auseinander wachsender physikalischer Eigenschaften Gef\u00fcgeabrisse.<br \/>\nDie Sanierung sowie die Analyse des Mauerwerkes haben gezeigt, dass bei Ruinenmauerwerk dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung die inzwischen bekannten Probleme der Verwendung heutiger Zementm\u00f6rtel durch den Einsatz historischer, hier trockengel\u00f6schter M\u00f6rtel weitgehend ausgeschlossen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die o.g. Kooperationspartner Wandwerk GbR und die Hochschule Magdeburg &#8211; Stendal waren st\u00e4ndige Begleiter der Ma\u00dfnahme. Die Zuarbeiten (Dokumentation M\u00f6rtelherstellung sowie Diplomarbeit zum Thema) sind dokumentiert. Durch mehrere ausf\u00fchrliche, auch mit Fotos versehene Zeitungsartikel sowie das gro\u00dfe Bauschild wurde die regionale Bev\u00f6lkerung auf die F\u00f6rderma\u00dfnahme aufmerksam gemacht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Verwendung historischer, auf das Bauwerk zugeschnittener M\u00f6rtel hat einen erheblichen Einfluss auf Aussehen, Standsicherheit und Dauerhaftigkeit des Geb\u00e4udes und wirkt sich meistens positiv aus.<br \/>\nDie bedenkenlose Verwendung heutiger vorkonfektionierter M\u00f6rtel birgt vor allem dann hohe Risiken, wenn &#8211; wie im vorliegenden Fall &#8211; besondere \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse auf das Bauwerk einwirken wie:<br \/>\nv\tTemperaturschwankungen bei ungesch\u00fctzten langen Mauern,<br \/>\nv\tSanierung statischer Sch\u00e4den nur in Teilbereichen,<br \/>\nv\tWitterungseinfl\u00fcsse (Wind, Regen, Schnee, Tauwasser und Frost) auf ungesch\u00fctzte Ruinenmauern.<br \/>\nAllerdings kommt dem Schutz der Krone als Wandabschluss (die Mauerkrone bei St. Nicolai ist 1,55 m breit), eine besondere Bedeutung zu. Diesem Fakt ist eine weitere DBU-F\u00f6rderma\u00dfnahme gewidmet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Trotz der provisorischen Sicherungsma\u00dfnahmen an der auch im gegenw\u00e4rtigen Zustand im nationalen wie im europ\u00e4ischen Ma\u00dfstab bedeutenden ehemaligen Stadtkirche St. Nicolai schreitet der Verfall an einigen Stellen der Umfassungsmauer schnell voran, und der endg\u00fcltige Verlust des Baudenkmales r\u00fcckt n\u00e4her. 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