{"id":21988,"date":"2023-07-13T15:20:53","date_gmt":"2023-07-13T13:20:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18035-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:55","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:55","slug":"18035-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18035-01\/","title":{"rendered":"Netzwerk ECOCAMPING Baden-W\u00fcrttemberg"},"content":{"rendered":"
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n
Campingtourismus ist ein wichtiger Bestandteil des Tourismussektors in Deutschland und Europa. Durch die Einrichtung und Betreuung eines Netzwerks ECOCAMPING Baden-W\u00fcrttemberg sollten folgende Ziele erreicht werden:
\n–\tEinf\u00fchrung eines Umweltmanagementsystems nach EMAS-II auf 19 Campingpl\u00e4tzen zur Reduzierung von Umweltbelastungen auf und durch die Campingpl\u00e4tze (Reduzierung des Frischwasserverbrauchs, Einsatz nicht-regenerativer Energien, Abfallaufkommen, Verkehrsaufkommen, Fl\u00e4chenversiegelung …)
\n–\tVerbesserung der Umweltqualit\u00e4t der Campingpl\u00e4tze und Sensibilisierung der Campingbranche
\n–\tWeiterentwicklung der ECOCAMPING-Methodik und Ausweitung des Netzwerks auf Bundesebene als Sanfter Einstieg f\u00fcr Campingpl\u00e4tze in EMAS II.<\/p>\n
Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZum Aufbau einer Netzwerkstruktur in Baden-W\u00fcrttemberg wurden zwei Arbeitsgruppen mit insgesamt 19 Campingpl\u00e4tzen gegr\u00fcndet. Entsprechend der ECOCAMPING-Methodik f\u00fchrten die Campingpl\u00e4tze ein Umweltmanagement ein, das sich an der EG-\u00d6koaudit-Verordnung (EMAS II) orientiert. Die Methodik: 10 Workshops pro Arbeitsgruppe zu allen umweltrelevanten Aspekten, individuelle Beratungen f\u00fcr die Umweltpr\u00fcfung, die Festlegung der Umweltziele, der Umweltpolitik und des Umweltprogramms sowie die Erarbeitung einer Umwelterkl\u00e4rung. Von allen Campingpl\u00e4tzen wurden die umweltrelevanten Kennzahlen f\u00fcr die Jahre 1999 bis 2001 erhoben. Zur Unterst\u00fctzung der Teilnehmer sowie aller an Umweltmanagement interessierter Campingpl\u00e4tze in Deutschland wurde ein Leitfaden und ein Software-Programm entwickelt. Workshops und Beratungen waren zeitlich optimal aufeinander abgestimmt, um den Transfer des gelernten Wissens zu gew\u00e4hrleisten. Um die Ausweitung des Projekts auf andere Regionen zu erm\u00f6glichen, wurden zwei Mitarbeiter der Bodensee-Stiftung zu ECOCAMPING-Beratern qualifiziert. Durch eine breite \u00d6ffentlichkeitsarbeit und direkte Kontakte wurden die wesentlichen Akteure in der Campingwirtschaft in Deutschland auf das Projekt aufmerksam gemacht. Insbesondere konnte die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Campingunternehmer sowie verschiedenen Landesverb\u00e4nden intensiviert werden. Mit der deutschen Umwelt-Dachmarke Viabono wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen. Allerdings wurde wegen Viabono auf die Entwicklung eines eigenst\u00e4ndigen Umweltzeichens f\u00fcr Campingpl\u00e4tze verzichtet. Die Ausweitung des Projekts konnte bereits w\u00e4hrend der Laufzeit erreicht werden, indem im Februar 2002 eine neue Arbeitsgruppe in Bayern mit 16 Campingpl\u00e4tze gestartet wurde. Die Meinungen der G\u00e4ste \u00fcber das Thema Umweltschutz auf Campingpl\u00e4tzen wurden in zwei G\u00e4stebefragungen in den Jahren 2001 und 2002 auf einem Teil der beteiligten Campingpl\u00e4tzen ermittelt.<\/p>\n
Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n
Durch das Projekt konnten auf den beteiligten Campingpl\u00e4tzen viele umweltentlastende Ma\u00dfnahmen realisiert werden. Die Bandbreite reicht von sehr kleinen Ma\u00dfnahmen wie dem Aufh\u00e4ngen mehrsprachiger Aufkleber zur richtigen Abfallsortierung bis hin zu gro\u00dfen und investitionsstarken Ma\u00dfnahmen wie der Installation einer Photovoltaikanlage oder dem Kauf eines Blockheizkraftwerks zur Erzeugung von Strom- und W\u00e4rme. In Bezug auf das Umweltmanagement konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden: alle 19 Campingpl\u00e4tze erf\u00fcllten die Kriterien f\u00fcr das ECOCAMPING UMWELTMANAGE-MENT. Sechs Campingpl\u00e4tze wurden erfolgreich nach der strengen EMAS-II-Verordnung gepr\u00fcft und sind mittlerweile als EMAS-Organisationen in Br\u00fcssel registriert. Durch das Projekt ist es gelungen, die gesamte deutsche und teilweise auch die europ\u00e4ische Campingbranche f\u00fcr das Thema Umweltmana-gement und EMAS zu sensibilisieren. Eine Fortsetzung des Projekts \u00fcber die Laufzeit hinaus konnte durch die Gr\u00fcndung des ECOCAMPING e. V. im April 2002 sichergestellt werden, in dem u.a. auch sechs Landesverb\u00e4nde der Campingunternehmer vertreten sind. Dieser Verein ist auch der Tr\u00e4ger des Netzwerks ECOCAMPING, dem mittlerweile bereits 47 Campingpl\u00e4tze angeh\u00f6ren.
\nStark weiterentwickelt wurde im Rahmen des Projekts zudem die Methodik. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Erstellung eines Leitfadens f\u00fcr Umweltmanagement auf Campingpl\u00e4tzen mit zugeh\u00f6riger Umweltmanagement-Software. Der Leitfaden versetzt auch Unternehmer, die nicht direkt dem Projekt angeh\u00f6ren, in die Lage, auf ihrem Campingplatz ein Umweltmanagementsystem aufzubauen.<\/p>\n
\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n
Das Projekt wurde die gesamte Laufzeit von einer intensiven \u00d6ffentlichkeitsarbeit begleitet, die auch \u00fcber die eigentliche Projektregion Baden-W\u00fcrttemberg hinausging. Kommunikationswege waren Medienmitteilungen, Messeauftritte in Br\u00fcssel, Stuttgart, M\u00fcnchen, Hannover, Berlin, Essen und D\u00fcsseldorf, Publikationen (Brosch\u00fcren, Plakate, Berichte), der Internetauftritt www.ecocamping.net, eigene Veranstaltungen (z. B. internationaler Workshops, Pr\u00e4sentationen), Vortr\u00e4ge auf externen Veranstaltungen (ADAC-Forum, Tagungen Campingverb\u00e4nde usw.) sowie eine ECOCAMPING-Ausstellung. Im Fr\u00fchjahr 2002 erhielt das Projekt den begehrten ADAC-Campingpreis 2002. Der ADAC kennzeichnet die beteiligten Campingpl\u00e4tze zudem in seinem europaweit verbreiteten Campingf\u00fchrer. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit wird \u00fcber das Projektende hinaus durch den ECOCAMPING e. V. weitergef\u00fchrt.<\/p>\n
Fazit<\/p>\n
Die Einf\u00fchrung von Umweltmanagement durch eine Kombination aus Workshops und individuellen Beratungen in Zusammenhang mit festen Arbeitsgruppen hat sich bew\u00e4hrt. Die Workshops dienen dem gezielten Informationsfluss und dem Erfahrungsaustausch. Die Durchf\u00fchrung der Workshops auf wechselnden Campingpl\u00e4tzen inklusive Platzbesichtigung steigert zus\u00e4tzlich die Motivation zur Teilnahme. Die Einbindung der regionalen Beh\u00f6rden und Medien bringt dem gastgebenden Campingplatz einen sp\u00fcrbaren Zusatznutzen an Imagesteigerung und Akzeptanz in seiner Region. W\u00e4hrend die Workshops das notwendige Grundwissen zur Einf\u00fchrung des Umweltmanagements vermitteln und der Netzwerkbildung dienen, streben die individuellen Beratungen die konkrete Umsetzung des Gelernten in jedem Betrieb an. Die Verwendung einer umfangreichen Checkliste f\u00fcr die Erstberatung hat sich bew\u00e4hrt, da hier-durch ein strukturiertes und trotzdem noch flexibles, individuelles Vorgehen m\u00f6glich ist. Besonders hilfreich war laut Umfragen bei den Unternehmern die Erstellung einer ausf\u00fchrlichen St\u00e4rken-Chancen-Analyse.
\nEbenfalls bew\u00e4hrt hat sich die Vorgehensweise bei der \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Die verwendeten Kommunikationswege und -mittel sind geeignet, die Projektinhalte einer interessierten \u00d6ffentlichkeit nahe zu bringen. Hier sollte vor allem die Intensit\u00e4t der \u00d6ffentlichkeitsarbeit weiter ausgebaut werden. Besser erschlossen werden sollten auch die Massenmedien.
\nDer Leitfaden f\u00fcr Umweltmanagement auf Campingpl\u00e4tzen hat sich bereits in seiner ersten Fassung als begleitende Information der Projektteilnehmer bew\u00e4hrt, wobei nicht wirklich gesagt werden kann, wie viele den Leitfaden tats\u00e4chlich als Hilfestellung f\u00fcr das eigene Umweltmanagement genutzt haben. Leider weniger bew\u00e4hrt hat sich die ECOCAMPING-Software, da sie von den Unternehmern nur geringf\u00fcgig genutzt wird.
\nLetztendlich sehr gut bew\u00e4hrt hat sich der akteurszentrierte Ansatz von ECOCAMPING. Im Mittelpunkt aller Aktivit\u00e4ten stehen die Unternehmer, welche durch ECOCAMPING noch besser in Kontakt zu f\u00fcr sie wichtige Gruppierungen gebracht werden: Verb\u00e4nde, Beh\u00f6rden, Politik, Naturschutzorganisationen, Me-dien. Besonders der Einbezug der lokalen Beh\u00f6rden in das Geschehen wurde von den Campingpl\u00e4tzen sehr gesch\u00e4tzt.
\nAlles in allem kann das Projekt Netzwerk ECOCAMPING als sehr erfolgreich bezeichnet werden. Dass sich ECOCAMPING auch nach der DBU-F\u00f6rderung weiter ausdehnt und das Projekt bereits in mehreren Regionen Deutschlands nachgefragt wird, ist ein zus\u00e4tzlicher Indikator f\u00fcr den Projekterfolg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"
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