  {"id":21987,"date":"2025-09-09T10:32:02","date_gmt":"2025-09-09T08:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18034-01\/"},"modified":"2025-09-09T10:32:04","modified_gmt":"2025-09-09T08:32:04","slug":"18034-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18034-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines Repellents zur Vermeidung von Verbisssch\u00e4den durch Wild sowie Nagesch\u00e4den durch M\u00e4use im Wald auf der Grundlage eines Extraktes aus Kugeldisteln"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Waldumbau ist gekennzeichnet von der Einbringung von Laubb\u00e4umen in W\u00e4lder der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris L.) oder der Gemeinen Fichte (Picea abies [L.] Karst.). Gleichzeitig sollen die W\u00e4lder naturnah und nachhaltig bewirtschaftet sowie Zertifizierungskriterien eingehalten werden. Die aus Natur- oder Kunstverj\u00fcngungen stammenden Laubb\u00e4ume sind in der Initialphase vor allem biotischen Schadfaktoren in Form von Verbiss durch Schalenwild sowie Nagesch\u00e4den durch Kurzschwanzm\u00e4use ausgesetzt. Zur Abwehr des Schalenwildes werden vorrangig Z\u00e4une gebaut oder Verbissschutzmittel angewendet. Kurzschwanzm\u00e4use werden zumeist mit Pflanzenschutzmitteln bek\u00e4mpft. Nebenwirkungen dieser Ma\u00df-nahmen sind u. a. bei der Z\u00e4unung der \u00fcberproportionale Entzug von \u00c4sungsfl\u00e4che bzw. bei der M\u00e4usebek\u00e4mpfung die Vergiftung von Nichtzielorganismen. Die Ma\u00dfnahmen sind kostenintensiv, befriedigen oft nicht in der Wirkung und sind bei zertifizierter Waldbewirtschaftung nur eingeschr\u00e4nkt anwendbar. Im vorliegenden Projekt wurde ein Repellent aus Extrakten der Samen der Gro\u00dfen Kugeldistel (Echinops spec.) umfassend und anwendungsorientiert untersucht. Die Hauptausrichtung bestand in der Vermei-dung von Nagesch\u00e4den durch Kurzschwanzm\u00e4use im Wald als naturnahe Alternative zur M\u00e4usebek\u00e4mpfung mit Rodentiziden. Weitere Anwendungsoptionen zur M\u00e4useabwehr in anderen Wirtschaftsbereichen, zur Wildabwehr und zum Saatgutschutz wurden einbezogen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs wurden Extrakte aus den Samen Gro\u00dfen Kugeldisteln (Gert Horn) hergestellt (BioService). Eine nachvollziehbare Extraktionsvorschrift f\u00fcr eine sp\u00e4tere Herstellung und eine Nachweismethode per HPLC wurden erarbeitet (BioService). Die Formulierung der repellenten Extrakte sollte deren Wasserl\u00f6slichkeit und Haftf\u00e4higkeit modifizieren (LIVOS). Die Extrakte und Formulierungen wurden in Labor-, Gehege- und Freilandversuchen an Erd- und Feldm\u00e4usen getestet. Parallel erfolgten F\u00fctterungs- und Cafeteria-Versuche an Rehwild (BBA, TU Dresden). Zur Beurteilung der Naturvertr\u00e4glichkeit sind Phytotoxizit\u00e4tstests durchgef\u00fchrt worden (TU Dresden). Die Applikationstechnologie Spritzen wurde erprobt (LI-VOS). Zur \u00d6konomie des Einsatzes erfolgten Berechnungen (TU Dresden). Weitere Anwendungs- und Analyseoptionen (Saatgutschutz) oder Bewitterungssimulation (BBA bzw. TU Dresden) wurden erschlossen. Es erfolgte eine toxikologische Grundbewertung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aus den Samen der Gro\u00dfen Kugeldistel (Echinops spec.) wird ein Hei\u00dfwasserextrakt gewonnen. Dieses Extrakt hat eine repellente Wirkung auf die Zielorganismen, ohne dass diese davon Schaden nehmen. Das Hei\u00dfwasserextrakt kann in w\u00e4ssriger L\u00f6sung oder in einer Formulierung auf die zu sch\u00fctzenden Pflanzenteile aufgetragen werden. Erforderlichenfalls ist es auch spritzf\u00e4hig. F\u00fcr die Qualit\u00e4tskontrolle werden Verfahren zur Analytik der Extrakte, der Formulierung und auch der behandelten Rindenoberfl\u00e4chen zur Verf\u00fcgung gestellt. Weiterhin stehen Auswertungen zur Toxikologie, zur Anwendungstechnologie und zur Wirtschaftlichkeit zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nIm Ergebnis werden als wichtigste Positionen vorgelegt:<br \/>\n1.\tGrundaussagen zum Anbau und zur Ernte der Gro\u00dfen Kugeldistel sowie zur Aufbereitung des Ausgangsmaterials zur Herstellung des Repellents [Spezielle Untersuchungen dazu waren Gegenstand eines gesonderten Projektes, das von der Fachagentur f\u00fcr Nachwachsende Rohstoffe gef\u00f6rdert und von Herrn Horn (Projektpartner im vorliegenden Projekt) geleitet wurde.],<br \/>\n2.\teine Extraktionsvorschrift f\u00fcr eine Hei\u00dfwasserextraktion zur qualit\u00e4tsgerechten Produktion des Repellents,<br \/>\n3.\teine Analytik zur Qualit\u00e4ts\u00fcberpr\u00fcfung des Repellets auf der Basis einer HPLC,<br \/>\n4.\teine Formulierung, die prinzipiell geeignet ist und die repellente Wirkung des Extraktes erh\u00f6ht, aber leider unter Witterungseinfluss noch nicht die ausreichende Stabilit\u00e4t gegen Austrag des Extraktes aufweist,<br \/>\n5.\tmehrere nachvollziehbare Verfahren zur Pr\u00fcfung von repellenten Wirkungen gegen\u00fcber M\u00e4usen in Labor-, Gehege- und Freilandversuchen,<br \/>\n6.\tder Nachweis der repellenten Wirkung von Echinops-Hei\u00dfwasserextrakten einschlie\u00dflich der Formulierung a) gegen\u00fcber Kurzschwanzm\u00e4usen zur Abwehr von Nagesch\u00e4den und b) gegen\u00fcber Langschwanzm\u00e4usen zum Schutz von Saatgut sowie c) gegen\u00fcber Rehwild als Verbissschutz,<br \/>\n7.\teine Grundcharakteristik zur Toxizit\u00e4t mit dem Ergebnis, dass der Extrakt und das formulierte Pr\u00e4parat keiner Einstufung als giftige oder gesundheitssch\u00e4dliche Stoffe unterliegen sowie<br \/>\n8.\tGrundlagen und \u00f6konomische Betrachtungen, die zeigen, dass das Repellent gegen\u00fcber vorhandenen Verfahren konkurrenzf\u00e4hig ist.<br \/>\nAbweichungen zum Projektantrag ergaben sich in negativer Richtung explizit hinsichtlich der Translokation der Repellentien innerhalb der Pflanze. Aufgrund der Tatsache, dass die repellente Wirkung nicht allein den als Wirksubstanzen vermuteten Alkaloiden zugeordnet werden konnte, sondern nur der komplexen Wirkung des gesamten Extraktes, er\u00fcbrigten sich entsprechende Studien zur Translokation, da eine Aufnahme und Verlagerung des gesamten Extraktes innerhalb der Pflanze ausgeschlossen werden kann. Abweichungen in positiver Richtung sind durch zus\u00e4tzliche Leistungen hinsichtlich der Abwehr von Langschwanzm\u00e4usen an Saatgut einschlie\u00dflich der diesbez\u00fcglichen Untersuchungsmethodik sowie, der k\u00fcnstlichen Bewitterung einschlie\u00dflich der entsprechenden Analysemethodik ausgewiesen. Diese Leistungen sind im Gesamtkontext der Untersuchungen notwendig oder sehr sinnvolle Erg\u00e4nzungen gewesen. Sie substituieren die ehemals geplanten, aber nicht vollzogenen Aufgaben nicht nur, sondern erm\u00f6glichten, auch durch geschickten und sparsamen Einsatz von Ressourcen, eine Erweiterung des ur-spr\u00fcnglichen Untersuchungsansatzes bis hin zu weiteren Anwendungsoptionen des Repellents z. B. im Obstbau oder im Saatgutschutz.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse wurden als Referate und Poster auf insgesamt f\u00fcnf teilweise internationalen Tagungen vorgestellt. Aus den Ergebnissen wurden bis zum Projektabschluss mehr als zehn Ver\u00f6ffentlichungen vorgenommen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit dem Projekt wurde eine echte naturnahe Alternative zu derzeitigen Verfahren der Schadensabwehr bei Kurzschwanzm\u00e4usen er\u00f6ffnet und vertieft. Gleichzeitig wurden weitere aussichtsreiche Anwendungsgebiete recherchiert. Eine tats\u00e4chliche \u00dcberf\u00fchrung in die Praxis mit entsprechenden Anpassungsuntersuchungen und dem, trotz des naturnahen Ansatzes, offensichtlich unvermeidbaren Zulassungsverfahren als Pflanzenschutzmittel stehen noch aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Waldumbau ist gekennzeichnet von der Einbringung von Laubb\u00e4umen in W\u00e4lder der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris L.) oder der Gemeinen Fichte (Picea abies [L.] Karst.). Gleichzeitig sollen die W\u00e4lder naturnah und nachhaltig bewirtschaftet sowie Zertifizierungskriterien eingehalten werden. 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