  {"id":21977,"date":"2023-07-13T15:20:53","date_gmt":"2023-07-13T13:20:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18016-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:54","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:54","slug":"18016-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18016-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Entwicklung einer innovativen Methode zur Entfernung von f\u00e4rbenden Kupferverbindungen auf umweltgesch\u00e4digtem Marmor am Beispiel des Haydn-Mozart-Beethoven-Denkmals in Berlin-Tiergarten"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Wenn sich kalzithaltige Natursteine wie Marmor oder Kalkstein im Ablaufbereich von Regen- oder Tauwasser befinden, dass vorher \u00fcber Bronzeplastiken oder Kupferd\u00e4cher geflossen ist, kommt es nach einiger Zeit zu gr\u00fcnen Verf\u00e4rbungen durch wasserunl\u00f6sliche Kupfersalze. Diese Kupferverbindungen verursachen keine Struktursch\u00e4den an den Steinen, da sie meist nur in geringen Konzentrationen vorliegen. Es gibt aber F\u00e4lle, bei denen der \u00e4sthetische Gesamteindruck eines Bauwerkes oder eines Denkmales durch die Verf\u00e4rbungen gest\u00f6rt wird und es w\u00fcnschenswert w\u00e4re, die Verf\u00e4rbungen zu beseitigen. Unumg\u00e4nglich ist es, die Kupferverbindungen zu entfernen, wenn Marmorteile durch Umwelteinfl\u00fcsse strukturell so stark gesch\u00e4digt sind, dass eine Erhaltung nur noch \u00fcber eine Acrylharzvolltr\u00e4nkung m\u00f6glich ist. Im Fall des Komponistendenkmals wurde vor dem Hintergrund der geforderten Wiederaufstellung die Acrylharzvolltr\u00e4nkung empfohlen, da der Erhaltungszustand vieler Denkmalsteine auch nach einer her-k\u00f6mmlichen restauratorischen Behandlung eine Wiederaufstellung im Au\u00dfenraum nicht zugelassen h\u00e4tte.<br \/>\nDas von R. Siemering geschaffene Komponistendenkmal f\u00fcr Haydn, Mozart und Beethoven war nach starken Kriegssch\u00e4den mehrere Jahrzehnte der freien Witterung ausgesetzt mit der Folge, dass der \u00fcberwiegende Teil der ca. 150 Einzelteile aus Marmor starke Struktursch\u00e4den und Verf\u00e4rbungen durch Kupfersalze aufwies. Eine Erhaltung des Denkmales ist nur m\u00f6glich, wenn eine Volltr\u00e4nkung mit Acrylharzen vorgenommen wird. Dazu war es notwendig, ein Verfahren auszuarbeiten, mit dem die Kupfersalze aus dem Marmor entfernt werden k\u00f6nnen und dieses Verfahren an den Einzelteilen des Komponistendenkmales anzuwenden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie im Marmor gebildeten, wasserunl\u00f6sliche Kupferverbindungen &#8211; Azurit, Malachit, Brochantit &#8211; m\u00fcssen, wenn sie entfernt werden sollen, in eine wasserl\u00f6sliche Verbindung \u00fcberf\u00fchrt werden. Dies ist m\u00f6glich \u00fcber die Bildung von wasserl\u00f6slichen Kupferkomplexen. Hier gibt es eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten, von denen die Bildung von Kupfertetramminkomplexen die einfachste, preisg\u00fcnstigste und &#8211; da nach ei-ner Behandlung keine R\u00fcckst\u00e4nde in den Steinen verbleiben &#8211; die aus denkmalpflegerischer Sicht vertr\u00e4glichste Variante ist. Kupfertetramminkomplexe bilden sich, wenn die genannten Verbindungen mit Ammoniak, Ammoniumhydrogencarbonat oder Ammoniumcarbonat umgesetzt werden. Zum Entfernen der in den calcitischen Materialien angereicherten Kupfersalze ist es notwendig, diese in ein anderes Medium (z.B. in eine aufgelegte Paste oder Kompresse) zu transportieren. Wenn die Kupfersalze als wasserl\u00f6sliche Komplexe vorliegen, k\u00f6nnen Diffusion und konvektiver Transport (Transport \u00fcber Str\u00f6mungsvorg\u00e4nge) als Transportmechanismen genutzt werden.<br \/>\nZur Verfahrensentwicklung wurden Bruchst\u00fccke von strukturgesch\u00e4digtem Marmor verwendet, die durch Einstellen in oder durch Auftropfen von verd\u00fcnnten Kupfersulfatl\u00f6sungen k\u00fcnstlich mit Kupfersalzen kontaminiert wurden, verwendet. Die Eindringtiefe der Kupfersalze betrug unter allen Bedingungen nur ca. 1 mm. Bei einigen Marmorproben, die unter nat\u00fcrlichen Bedingungen \u00fcber mehrere Jahrzehnte mit Kupfersalzen angereichert wurden, wurden dagegen Eindringtiefen bis zu einem Zentimeter gemessen.<br \/>\nDie Zusammenstellung eines geeigneten Kompressen- bzw. Pastenmateriales erfolgte rein empirisch. Als Komponenten wurden Superabsorber (Hysorb C7015, BASF), Filterperlite, Kaolin, Aerosil 200, Bentonit, Kreide, Quarzsand (bis 0,5 mm Durchmesser), Laponite und Arbocel (verschiedene Qualit\u00e4ten) eingesetzt. Hauptkriterien bei der Bewertung waren die Verarbeitbarkeit, das Wasserr\u00fcckhalteverm\u00f6gen und die kapillare Saugf\u00e4higkeit. Als Komplexbildner erwies sich Ammoniumcarbonat besonders geeignet, das zweckm\u00e4\u00dfigerweise in einer Konzentration von ca. 5 Masse% eingesetzt werden kann. Entwickelt wurden eine Paste zum Aufspachteln und eine Paste zum Aufspritzen mit einer kleinen Putzmaschine.<br \/>\nDie einzelnen Arbeitsg\u00e4nge beim Entfernen der Kupferverbindungen sind: 1. Reinigung der Marmorteile und Behandlung mit einer Calciumhydroxidl\u00f6sung, um eventuell vorhandene leicht wasserl\u00f6sliche Kupfersalze zu fixieren, 2. Vorw\u00e4ssern, um alle oberfl\u00e4chennahen Poren des Marmors mit Wasser zu f\u00fcllen, 3. Auftragen der Paste mit dem Komplexbildner und Abdecken mit Folie (Standzeit ca. 1 Woche), 4. Ab-nahme der Folie und Austrocknung der Paste (ca. 1 Woche), 5. Absaugen oder Abb\u00fcrsten der Pastenreste.<br \/>\nF\u00fcr die Entfernung der f\u00e4rbenden Kupferverbindungen auf den 150 Einzelteilen des Komponistendenkmales wurde zum Aufbringen der Paste eine kleine Putzmaschine verwendet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es konnte ein einfaches und preiswertes Verfahren entwickelt werden, mit dem f\u00e4rbende Kupfersalze aus Marmor, Kalkstein und anderen calcithaltigen Gesteinsvariet\u00e4ten entfernt werden k\u00f6nnen. Das Verfahren wurde zum Entfernen der Kupferverbindungen aus ca. 140 Einzelteilen der Komponistendenkmales in Berlin erfolgreich angewendet. Bemerkenswert ist, dass die Marmorteile dabei gleichzeitig von aufliegenden, dunkle Gipskrusten befreit wurden.Bei Nachuntersuchungen der behandelten Marmorteile (REM mit EDR und Ionenchromatographie) wurden im Oberfl\u00e4chenbereich lediglich Spuren von Gips gefunden, deren Konzentration aber kleiner war als der Gipsgehalt anderer frei bewitterter Marmorteile.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Projektes wurden bisher in folgenden Publikationen und Vortr\u00e4gen vorgestellt:<br \/>\n\u00b7\tVortrag zum 12. Workshop Eurocare -EU 496 &#8211; Euromarble, 4.-6. 10.2001, Schloss Lindstedt\/PotsdamPeter Friese, Ronald Adamini, Bernd Hermoneit Verfahren zur Beseitigung von Verf\u00e4rbungen auf Marmor- oder Kalksteinoberfl\u00e4chen, die durch Kupfersalze verursacht werden Publiziert in: Proceedings 12th Workshop, Edited by Rolf Snethlage, Bayrisches Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege<br \/>\n&#8211;\tPublikationNeues Verfahren befreit von Kupfergr\u00fcn, P. Friese, B. Hermoneit und R. Adamini; Naturstein 2\/2002, S. 46-49<br \/>\n&#8211;\tVortrag zur 9. Fachtagung Natursteinsanierung in Bern, 15.-16.2.2002 (Interacryl)  Verfahren zur Beseitigung von Verf\u00e4rbungen auf Marmor- oder Kalksteinoberfl\u00e4chen, die durch Kupfersalze verursacht werden. Peter Friese, Ronald Adamini, Bernd Hermoneit<br \/>\n&#8211;\tVortrag zur Bautec 2002 in Berlin, Altbausymposium des FAS e.V., 8.2.2002 Natursteinreinigung &#8211; Anwendungsbeispiele neuartiger Pasten P. Friese, A. Protz und R. Adamini<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>F\u00fcr den Fall, dass es aus \u00e4sthetischen oder restauratorischen Gr\u00fcnden notwendig ist, Natur- oder Kunststeine mit calcitischen Anteilen von f\u00e4rbenden Kupferverbindungen zu befreien, stehen nun ein Verfahren und entsprechende Produkte zur Verf\u00fcgung, mit denen Fachleute diese Arbeiten ausf\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\nDie daf\u00fcr notwendigen Materialien k\u00f6nnen z.Z. bei der FEAD-GmbH bezogen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Wenn sich kalzithaltige Natursteine wie Marmor oder Kalkstein im Ablaufbereich von Regen- oder Tauwasser befinden, dass vorher \u00fcber Bronzeplastiken oder Kupferd\u00e4cher geflossen ist, kommt es nach einiger Zeit zu gr\u00fcnen Verf\u00e4rbungen durch wasserunl\u00f6sliche Kupfersalze. Diese Kupferverbindungen verursachen keine Struktursch\u00e4den an den Steinen, da sie meist nur in geringen Konzentrationen vorliegen. 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