  {"id":21710,"date":"2024-12-01T10:32:34","date_gmt":"2024-12-01T09:32:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17379-01\/"},"modified":"2024-12-01T10:32:35","modified_gmt":"2024-12-01T09:32:35","slug":"17379-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17379-01\/","title":{"rendered":"Produktion und Zertifizierung herkunftsgesicherter Straucharten &#8211; Ein modellhafter L\u00f6sungsansatz zur Erhaltung der Biodiversit\u00e4t einheimischer Geh\u00f6lze in Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei Pflanzma\u00dfnahmen in der freien Landschaft werden \u00fcberwiegend Geh\u00f6lze fremder bzw. unbekannter Herk\u00fcnfte verwendet. Die \u00fcberregional erzeugte Baumschulware wird in sehr gro\u00dfen St\u00fcckzahlen fl\u00e4chendeckend in ganz Deutschland verbreitet. Dies hat erhebliche Konsequenzen f\u00fcr die genetische Vielfalt der einheimischen Geh\u00f6lzflora. Im Rahmen des Projekts werden in enger Zusammenarbeit zwischen Universit\u00e4t, Fachbeh\u00f6rden und Baumschulbetrieben f\u00fcr Brandenburg modellhaft fachliche Grundlagen und ein darauf basierendes \u00f6konomisch tragf\u00e4higes Konzept f\u00fcr die Produktion und Zertifizierung herkunftsgesicherter Geh\u00f6lze entwickelt und erprobt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAm Beispiel einer Modellregion im westlichen Teil Brandenburgs erfolgte die Entwicklung von Kriterien f\u00fcr die Identifikation geeigneter Erntebest\u00e4nde, deren modellhafte Inventarisierung im Gel\u00e4nde sowie der Aufbau eines Erntekatasters in Form von Datenbanken und Karten (Programme MS Access und ESRI Arc GIS).<br \/>\nBegleitend wurde die genetische Differenzierung (Methode: RAPD\/PCR) der vier in Brandenburg indigenen Wildrosenarten Rosa canina, Rosa inodora, Rosa sherardii und Rosa subcollina gepr\u00fcft, um daraus Empfehlungen f\u00fcr die Einteilung von Herkunftsgebieten abzuleiten. Die Auswertung der genetischen Untersuchungen erfolgte in Form von Clusterdiagrammen, die \u00c4hnlichkeitsma\u00dfe und die Clusteranalysen wurden mit dem Programm NTSYSpc durchgef\u00fchrt. Weitere Kriterien f\u00fcr die Abgrenzung von Herkunftsgebieten waren Indigenat und Verbreitung der Sippen sowie deren Gef\u00e4hrdung.<br \/>\nGleichzeitig erfolgt die Saatguternte, An- und Aufzucht gebietsheimischer Geh\u00f6lze durch die Projektpartner und der Aufbau von Netzwerken zwischen Produzenten und Abnehmern.<br \/>\nUm die langfristige Existenz des Vorhabens auf privatwirtschaftlicher Ebene zu gew\u00e4hrleisten, wurde ein Zertifizierungskonzept erarbeitet. Dieses fand Eingang in das pro agro Qualit\u00e4tsprogramm f\u00fcr gebietsheimische Geh\u00f6lze. Es steht allen Baumschule Deutschlands und der EU offen.<br \/>\nZwischenergebnisse wurden in regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Arbeitskreisen mit Vertretern von Verb\u00e4nden, Beh\u00f6rden und Baumschulen abgestimmt, um die gefundenen L\u00f6sungsans\u00e4tze auf ihre Praktikabilit\u00e4t zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es wurde ein standardisiertes Verfahren zur Identifizierung und Kartierung gebietsheimischer Erntebest\u00e4nde entwickelt und erprobt. Nach diesem Verfahren wurden im Land Brandenburg 70 Geh\u00f6lzbest\u00e4nde in der Region Havelland\/Nauener Platte\/Hoher Fl\u00e4ming kartiert. Gleichzeitig wurde mit der Landesforstanstalt Eberswalde ein gemeinsames Ernteregister f\u00fcr das Land Brandenburg eingerichtet, das zuk\u00fcnftig von allen Baumschulen in Brandenburg genutzt werden kann. Im Herbst 2001 und 2002 fand erstmals die Beerntung in den erfassten Best\u00e4nden statt. 20 Strauchsippen (incl. Hybriden) wurden in die Beerntung einbezogen. Die ersten Jungpflanzen kamen im Herbst 2003 auf den Markt.<br \/>\nMit Hilfe der genetischen Untersuchungen ist es gelungen, die genetische Differenzierung f\u00fcr die regionalsippenreiche Geh\u00f6lzgattung Rosa nachzuweisen. Die in ganz Brandenburg fl\u00e4chendeckend verbreitete Rosa canina wies in Brandenburg eine geringe genetische Differenzierung auf. Herk\u00fcnfte aus S\u00fcdeuropa hingegen konnten deutlich von den brandenburgischen Herk\u00fcnften unterschieden werden. Bei der selteneren R. inodora konnten deutlich zwei Herkunftsgruppen (Nord- und S\u00fcdbrandenburg) unterschieden werden. Am deutlichsten war die genetische Differenzierung bei den beprobten Herk\u00fcnften von R. sherardii und R. subcollina ausgepr\u00e4gt. Hier lie\u00dfen sich die einzelnen Herkunftsregionen deutlich populationsgenetisch differenzieren. Aus den Ergebnissen der genetischen Untersuchungen wurden Empfehlungen zur Abgrenzung von Herkunftsgebieten f\u00fcr Brandenburg abgeleitet. Es wurde ein dreistufiges r\u00e4umliches Konzept f\u00fcr die in Brandenburg indigenen Geh\u00f6lzarten entwickelt.<br \/>\nAus den Kriterien f\u00fcr die Auswahl von Erntebest\u00e4nden, Saatguternte und Geh\u00f6lzproduktion wurde ein Zertifizierungssystem zur Herkunftssicherung entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem Verband zur F\u00f6rderung des l\u00e4ndlichen Raums e. V. pro agro wurde ein Qualit\u00e4tsprogramm erarbeitet, in dem die besonderen Qualit\u00e4tsanforderungen an gebietsheimische Geh\u00f6lze (u. a. Herkunftsgebiete, Anforderungen an Saatguternte, Geh\u00f6lzaufzucht, Vermarktung) sowie die Pr\u00fcfbestimmungen festgelegt sind. Der Verband pro agro \u00fcbernimmt hierbei die \u00dcberwachung des Qualit\u00e4tsprogramms sowie die Verleihung des Qualit\u00e4tssiegels. Die Teilnahme an dem Qualit\u00e4tsprogramm steht allen Baumschulen der EU offen, allerdings sollen Saatguternte und Geh\u00f6lzaufzucht im gleichen Herkunftsgebiet stattfinden.<br \/>\nZur einheitlichen Vermarktung und Interessensvertretung gebietsheimischer Geh\u00f6lze wurde ein F\u00f6rderverein f\u00fcr gebietsheimische Geh\u00f6lze in Brandenburg gegr\u00fcndet. Derzeit sind sechs Baumschulen Mitglied, die gebietsheimische Geh\u00f6lze produzieren.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Wesentlicher Bestandteil des Projektes waren regelm\u00e4\u00dfige Arbeitskreistreffen mit Baumschulen, Beh\u00f6rden und betroffenen Institutionen. Die Pr\u00e4sentation der Ergebnisse erfolgte in Form mehrerer Fachpublikationen sowie durch Vortr\u00e4ge und Posterpr\u00e4sentationen auf Tagungen, bei Beh\u00f6rden und Baumschulvertretern. Im August 2004 fand eine gemeinsame Informationsveranstaltung mit pro agro zur Pr\u00e4sentation des Qualit\u00e4tsprogramms gebietsheimische Geh\u00f6lze statt. In der Schriftenreihe Neobiota wurde ein Band zum Thema Perspektiven f\u00fcr die Verwendung gebietseigener Geh\u00f6lze herausgegeben. Eine Liste der bei Kompensationsma\u00dfnahmen in der freien Landschaft zu verwendenden Geh\u00f6lze wurde gemeinsam mit dem Landesministerium ver\u00f6ffentlicht. Gemeinsam mit dem F\u00f6rderverein wurde eine webseite (www.gebietsheimische-gehoelze.de) sowie eine Informationsbrosch\u00fcre entwickelt, die das aktuelle Angebot an gebietsheimischen Geh\u00f6lzen, Tipps f\u00fcr die Ausschreibung sowie die wichtigsten An-sprechpartner nennen. Ein Erlass des brandenburgischen Umweltministeriums, der die Verwendung gebietsheimischer Geh\u00f6lze f\u00fcr Ma\u00dfnahmen in der freien Natur vorschreibt, wurde inhaltlich begleitet und konnte im August 2004 verabschiedet werden. Dieser Erlass stellt f\u00fcr die produzierenden Baumschulen eine wichtige administrative Unterst\u00fctzung bei der Vermarktung gebietsheimischer Geh\u00f6lze dar.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Anzucht und Zertifizierung gebietsheimischer Geh\u00f6lze in Brandenburgischen Baumschulen wurde durch das Vorhaben initiiert und konnte durch die regelm\u00e4\u00dfige Abstimmung der Ergebnisse in interdisziplin\u00e4ren Arbeitskreisen erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden. Dies m\u00fcndete zum einen in der Erarbeitung fachlicher Grundlagen auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen, aber auch in der praktischen Verankerung der Ergebnisse in administrativen und privatwirtschaftlichen Regelungen (z. B. Erlass, Qualit\u00e4tsprogramm pro agro, Gr\u00fcndung eines F\u00f6rdervereins). F\u00fcr regionale Baumschulen konnte durch die Produktion gebietsheimischer Geh\u00f6lze ein neues Marktsegment erschlossen werden. Der Zugang zum Qualit\u00e4tsprogramm ist allen Baumschulen auf dem Gebiet der EU m\u00f6glich. Interessant ist dies vor allem f\u00fcr Betriebe aus angrenzenden Bundesl\u00e4ndern. Dort gibt es bereits erste Bestrebungen, sich dem Brandenburgischen Modell anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei Pflanzma\u00dfnahmen in der freien Landschaft werden \u00fcberwiegend Geh\u00f6lze fremder bzw. unbekannter Herk\u00fcnfte verwendet. Die \u00fcberregional erzeugte Baumschulware wird in sehr gro\u00dfen St\u00fcckzahlen fl\u00e4chendeckend in ganz Deutschland verbreitet. Dies hat erhebliche Konsequenzen f\u00fcr die genetische Vielfalt der einheimischen Geh\u00f6lzflora. 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