  {"id":21637,"date":"2023-07-13T15:20:19","date_gmt":"2023-07-13T13:20:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17213-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:19","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:19","slug":"17213-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17213-01\/","title":{"rendered":"Passivhaus vs. Niedrigenergiehaus am Beispiel von Studierendenwohnh\u00e4usern auf dem Umwelt-Campus Birkenfeld &#8211; W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung bei der mechanischen Wohnungsl\u00fcftung, Auswirkungen auf Wohnverhalten, Raumluftqualit\u00e4t und Energieeffizienz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Umwelt-Campus Birkenfeld Entwicklungs- und Management GmbH hat auf dem Umwelt- Campus Birkenfeld zwei Studierendenwohnheime mit jeweils 36 Pl\u00e4tzen errichtet, die Ende 2000 fertig gestellt wurden. Es handelt sich um baugleiche Objekte, wobei ein Wohnheim als Passivhaus und das andere als Niedrigenergiehaus realisiert wurde. Durch diese Vorleistung ergab sich die M\u00f6glichkeit des Vergleichs der \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Auswirkungen der W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung bei der mechanischen Wohnungsl\u00fcftung sowie der Nutzerzufriedenheit an baugleichen Objekten unter identischen, praxisrelevanten Randbedingungen.<br \/>\nDer Untersuchung lag die Fragestellung zu Grunde, ob der Passivhausstandard in der an diesem Standort umgesetzten technologischen Variante in Energieverbrauch, Wohnkomfort und Nutzerzufriedenheit dem Niedrigenergiehausstandard vorzuziehen ist. Dabei ging es weniger um die \u00dcberpr\u00fcfung der technischen Komponenten als vielmehr um Praktikabilit\u00e4t bei der Nutzung als Studierendenwohnheim und die Zufriedenheit der Bewohner, ihr Nutzerverhalten sowie den Einfluss des Nutzerverhaltens auf den Energieverbrauch der Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEine Besonderheit des Projekts war, dass vergleichende Langzeitmessungen an baugleichen H\u00e4usern unterschiedlicher Baustandards vorgenommen wurden. Als Untersuchungsdesign wurde eine Kombination aus (messtechnischem) Vergleich von Energieverbrauch, Raumlufthygiene und Nutzerverhalten sowie darauf abgestimmter sozialwissenschaftlicher Untersuchung in Form von m\u00fcndlichen standardisierten Befragungen gew\u00e4hlt.<br \/>\nArbeitspakete:<br \/>\n1.\tMesstechnischer Vergleich<br \/>\n2.\tUntersuchung der Raumlufthygiene<br \/>\n3.\tSozialwissenschaftliche Begleitstudie<br \/>\n4.\t\u00d6kobilanzierung der Referenzobjekte\/ Vergleich von Soll- und Ist-Daten des Passivhauses<br \/>\n5.\tVerbreitung der Ergebnisse<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Passivhaus auf dem Umwelt-Campus Birkenfeld hat im Rahmen dieser Untersuchung im Hinblick auf Energieverbrauch und auch teilweise im Hinblick auf die Nutzerzufriedenheit schlechter als das Nied-rigenergiehaus abgeschnitten. Die \u00dcberpr\u00fcfung der planerischen und technischen Daten hat ergeben, dass unser Geb\u00e4ude 9902 rein rechnerisch eigentlich gar kein Passivhaus ist. Wir kommen bei der Nut-zung des Passivhaus-Projektierungs-Paketes unter der Voraussetzung einer Wohnungsnutzung (die ja gegeben ist) n\u00e4mlich auf einen zu erwartenden Energieverbrauch von 16,6 kWh\/(m2a) und erreichen somit nicht den Passivhaus-Standard. Dar\u00fcber hinausgehend verbraucht jedoch unser Geb\u00e4ude 9902 im-mer noch deutlich mehr Energie als projektiert, sogar mehr Energie als das Niedrigenergiehaus.<br \/>\nAls wesentliche Ursachen f\u00fcr den \u00fcberh\u00f6hten Energieverbrauch des Passivhauses haben sich im Rahmen dieser Untersuchung folgende Punkte heraus kristallisiert:<br \/>\n\u00b7\tLange Abwesenheitszeiten der Bewohner an Wochenenden und in Ferienzeiten (\u00ae fehlende interne W\u00e4rmegewinne)<br \/>\n\u00b7\tTrotz Aufkl\u00e4rung nicht angepasstes L\u00fcftungsverhalten (\u00ae \u00fcberproportionale L\u00fcftungsw\u00e4rmeverluste in der kalten Jahreszeit)<br \/>\nEine zus\u00e4tzliche Umweltentlastung konnte mit unserem Passivhaus auf dem Umwelt-Campus im Vergleich zum Niedrigenergiehaus nicht erreicht werden. F\u00fcr uns als Geb\u00e4udebesitzer und Vermieter bedeutet das Passivhaus bei h\u00f6heren Baukosten einen Mehraufwand an Wartung und entgegen den urspr\u00fcnglichen Erwartungen erh\u00f6hte Energiekosten und vergleichsweise unzufriedenere Bewohner als im baugleichen Niedrigenergiehaus (Zuglufterscheinungen, schlechter Luftabzug, Hellh\u00f6rigkeit, Ger\u00fcche ziehen durch die Wohnung). Auch die Installation eines Nachheizregisters kann in diesem Fall die Problematik der fehlenden internen W\u00e4rmegewinne ebenso wie des nicht angepassten L\u00fcftungsverhaltens der Bewohner nicht ausgleichen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt mit seiner Methodik und den bisher vorliegenden Ergebnissen wurde in mehrere thematisch geeignete Weiterbildungsangebote der Akademie der UCB GmbH integriert, wird auf der In-ternetseite der UCB GmbH bekannt gemacht und Besuchern bei F\u00fchrungen \u00fcber den Campus erl\u00e4utert. Eine Ver\u00f6ffentlichung im Magazin gemeinderat in der Themenausgabe Facility Management ist vorgesehen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Gegen\u00fcberstellung der beiden H\u00e4user auf dem Umwelt-Campus Birkenfeld hat gezeigt, dass die technischen Parameter eines Passivhauses ganz eng auf die Struktur der Nutzer, ihre Bed\u00fcrfnisse und Anwesenheitszeiten abgestimmt werden m\u00fcssen, damit die erforderlichen und projektierten Energieverbrauchswerte erreicht werden k\u00f6nnen. Lange Abwesenheitszeiten, trotz Aufkl\u00e4rung nicht angepasstes L\u00fcftungsverhalten sowie fehlende technische Regelungsm\u00f6glichkeiten in den einzelnen Appartements (Verbesserung des Luftabzugs) lassen die Energieverbrauchswerte des Passivhauses in die H\u00f6he schnellen und bewirken sogar eine Schlechterstellung des Passivhauses gegen\u00fcber dem Niedrigenergiehaus. Zu geringe interne W\u00e4rmegewinne bringen insbesondere in den Ferienzeiten f\u00fcr die Bewohner Zuglufterscheinungen, eine ungen\u00fcgende Erw\u00e4rmung der Appartements und damit insgesamt eine geringere Wohnzufriedenheit mit sich.<br \/>\nEine zus\u00e4tzliche Umweltentlastung konnte mit unserem Passivhaus auf dem Umwelt-Campus, dem ersten Studierendenwohnhaus in Deutschland, welches als Passivhaus zertifiziert wurde, im Vergleich zum Niedrigenergiehaus nicht erreicht werden. F\u00fcr uns als Geb\u00e4udebesitzer und Vermieter bedeutet das Passivhaus bei ca. 25% h\u00f6heren Baukosten einen Mehraufwand an Wartung und entgegen den urspr\u00fcnglichen Erwartungen erh\u00f6hte Energiekosten und vergleichsweise unzufriedenere Bewohner als im baugleichen Niedrigenergiehaus.<br \/>\nIn zuk\u00fcnftigen Bauprojekten f\u00fcr Studierende, die im Passivhausstandard realisiert werden, sollten die langen Abwesenheitszeiten der Bewohner ebenso wie die Wohnform der Wohngemeinschaft (im Gegensatz zu Familie) ber\u00fccksichtigt werden und in entsprechende technische Konzepte m\u00fcnden, beispielsweise in die Erm\u00f6glichung von Einzelraumregelungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Umwelt-Campus Birkenfeld Entwicklungs- und Management GmbH hat auf dem Umwelt- Campus Birkenfeld zwei Studierendenwohnheime mit jeweils 36 Pl\u00e4tzen errichtet, die Ende 2000 fertig gestellt wurden. 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