  {"id":21319,"date":"2023-07-13T15:19:49","date_gmt":"2023-07-13T13:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/16546-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:19:52","modified_gmt":"2023-07-13T13:19:52","slug":"16546-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/16546-01\/","title":{"rendered":"Konservierung und Restaurierung von Sandsteinwerkstein mit dolomitischen Bestandteilen am Beispiel der Pfarrkirche in Gehofen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Rahmen eines Modellvorhabens soll am Beispiel der Kirchturmes der Pfarrkirche Gehofen nach Auswertung der Ergebnisse und Erfahrungen des BMBF &#8211; Forschungsvorhabens von 1995\/97 an der Nebraer Kirche das Problem der Sandsteinkonservierung-\/ Restaurierung und der Einsatz von Fug- und Mauerm\u00f6rteln untersucht werden. Ziel des Modellvorhabens ist die Entwicklung und Erprobung marktg\u00e4ngiger, alltagstauglicher Konservierungs- und Restaurierungstechnologien, die bei der Sanierung einer Vielzahl historischer Geb\u00e4ude im Bereich des Nebraer Sandsteines von der Stadtkirche bis hin zur Kirchhofsmauer zum Einsatz kommen k\u00f6nnen.  Das Sandsteinmaterial ist ein regional bedeutsamer Baustoff, der sehr umfangreich an historischen Objekten in Th\u00fcringen und Sachsen Anhalt zur Anwen-dung kam.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Arbeiten in Gehofen k\u00f6nnen aufgrund der typischen Schadensbilder wie folgt vorgesehen werden:<br \/>\n\u00b7\tSchonende Entfernung schwarzer Gipskrusten, die durch Reaktionen von Luftschadstoffen mit carbonatischen Sandstein- und Fugm\u00f6rtelanteilen entstanden sind. Durch Schmutzkrusten entstandene Gef\u00fcgesch\u00e4den am unterlagernden Sandstein sind deutlich zu erkennen.<br \/>\n\u00b7\tLokale Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung der Salzbelastung (in erster Linie vermutlich Gips und Alkalinitrate sowie entsprechend Nebra Magnesiumsulfate, resultierend aus der Reaktion dolomitischer Sandstein- und M\u00f6rtelanteil mit Schwefeldioxid)<br \/>\n\u00b7\tKonservierung von m\u00fcrben, absandenden Bereichen des Sandsteins mit Steinfestiger (Anforderungen an Steinfestiger wurden im Projekt Nebra erarbeitet &#8211; s. Zielstellung)<br \/>\n\u00b7\tErg\u00e4nzung von r\u00fcckgewitterten und extrem gesch\u00e4digten Sandsteinteilen mit Restaurierm\u00f6rteln (SEM &#8211; Steinerg\u00e4nzungsm\u00f6rtel) bei Fehlstellen bis Faustgr\u00f6\u00dfe. Erprobung handels\u00fcblicher M\u00f6rtel bzw. aus handels\u00fcblichen Grundbestandteilen herstellbarer M\u00f6rtel und Vergleich mit den BMBF &#8211; Produkten<br \/>\n\u00b7\tSchlie\u00dfen gro\u00dfer Fehlstellen mit Vierungen\/ Erg\u00e4nzung von Profilen bei vollst\u00e4ndiger Zerst\u00f6rung<br \/>\n\u00b7\tNachverfugung des schadhaften Fugennetzes mit geeignetem Fugenm\u00f6rtel. Erprobung handels\u00fcblicher M\u00f6rtel bzw. aus handels\u00fcblichen Grundbestandteilen leicht herstellbarer M\u00f6rtel als Alternative zu den aufwendigen BMBF-Produkten, Anwendung der Applikationstechnik aufgrund der z. T. sehr engen Fugen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen des BMFT\/ BMBF Programms Steinzerfall\/ Steinkonservierung wurden 1995\/ 1996 in Zusammenarbeit mit dem DBU &#8211; Projekt Dolomitische M\u00f6rtel durch die RWTH Aachen M\u00f6rtel und Steinfestiger f\u00fcr Nebraer Sandstein entwickelt und an der Nebraer Kirche erprobt. Die Betreuung der Probefl\u00e4chen erfolgte durch das Institut f\u00fcr Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen &#8211; Anhalt e. V., die Langzeitstudien sind gegenw\u00e4rtig noch nicht abgeschlossen.<br \/>\nIm Oktober 2000 fand eine Objektkonferenz zum DBU &#8211; Objekt Gehofen statt, in dessen Verlauf eine Begutachtung der Probefl\u00e4chen an der Stadtkirche Nebra durchgef\u00fchrt wurde. Es sollte festgestellt werden, inwieweit eine Einbeziehung der Erkenntnisse dieses Projektes f\u00fcr das Vorhaben in Gehofen m\u00f6glich ist.<br \/>\nIn Auswertung der Probeachsen zeigte sich, dass die Spezialmischungen hinsichtlich ihrer Herstellung Nachteile aufweisen, die einen Einsatz unter Praxisbedingungen stark erschweren:<br \/>\n\u00b7\tDie Rezepturen und Herstellungsvorschriften sind relativ kompliziert und<br \/>\n\u00b7\tF\u00fcr einen Einsatz unter Baustellenbedingungen nur eingeschr\u00e4nkt einsetzbar (eingeschr\u00e4nkte Verf\u00fcgbarkeit aller Komponenten, Anfertigung der M\u00f6rtel sehr aufwendig)<br \/>\nUnter Ber\u00fccksichtigung dieser Grundlage wurden f\u00fcr das Projekt Gehofen die Entwicklungen weitergef\u00fchrt. Angestrebt wurde, Rezepturen und Technologien zur Verf\u00fcgung zu stellen, die unter Praxisbedingungen zuverl\u00e4ssig anwendbar sind. Hierbei sollten sowohl Spezialrezepturen wie auch handels\u00fcbliche M\u00f6rtel erprobt werden.<br \/>\nDurch das Institut f\u00fcr Steinkonservierung e.V. Mainz wurden Bohrkerne zu Kennwert &#8211; Bestimmungen de Steines entnommen sowie Festigungsversuche mit konfektionierten Festigungssystemen durchgef\u00fchrt. Es erfolgte eine qualitative und quantitative Salzanalyse sowie Kennwert &#8211; Bestimmung der verbauten Sandsteinvariet\u00e4ten.<br \/>\nGemeinsam mit der MFPA Weimar erfolgte die Erprobung eines mineralischen SEM f\u00fcr Nebraer Sandstein und Erstellung von Anpassungsversuchen auf der Bindemittelbasis einer Acrylatdispersion sowie mineralischer Bindemittel (Untersuchungsbericht Nr. B82\/1334-01 MFPA Weimar).<br \/>\nDie bereits vorliegenden Rezepturen wurden hinsichtlich ihrer Verarbeitungseigenschaften untersucht. Es zeigte sich, dass &#8230;zur Herstellung der M\u00f6rtel unter anwendungsnahen Bedingungen&#8230;die Einhaltung der Rezepturvorgaben nur bedingt gew\u00e4hrleistet kann&#8230;.<br \/>\nUm eine Praxistauglichkeit zu erlangen, erfolgte die Erstellung einer angepassten mineralischen M\u00f6rtelformulierung. Dies M\u00f6rtel zeichnen sich durch g\u00fcnstigere Verarbeitungseigenschaften hinsichtlich Rezepturbestandteilen und Anwendung vor Ort aus. Detaillierte Beschreibungen zu Ausgangsstoffen, Herstellung und Verarbeitung sind im o.g. Untersuchungsbericht enthalten.<br \/>\nDie Lokalisierung der Probefl\u00e4chen erfolgte im gut zug\u00e4nglichen Abschnitt des Kirchturmes (Sockelbereich) sowie in der Arkadenvorhalle. An der halle besteht eine g\u00fcnstige M\u00f6glichkeit des direkten Vergleiches von bewitterten und vor Witterungseinfl\u00fcssen gesch\u00fctzten Werksteinfl\u00e4chen.<br \/>\nAn den Probefl\u00e4chen kamen zur Bemusterung :<br \/>\n\u00b7\tReinigungsmethoden, insbesondere zur substanzschonenden Abnahme schwarzer Gipskrusten<br \/>\n\u00b7\tFestigung zur vergleichen Analyse der Eindringtiefe und Wirksamkeit<br \/>\n\u00b7\tNach den Vorgaben des IFS Mainz und der MFPA Weimar Verwendung der angepassten mineralischen und acrylatdispersionsgebundenen M\u00f6rtelsysteme als Steinersatzm\u00f6rtel<br \/>\nAuswertung<br \/>\nReinigung<br \/>\nReinigungen auf Grundlage des Niederdruckpulverstrahlverfahrens sind f\u00fcr die Anwendung am Nebraer Sandstein geeignete. Besonderes Augenmerk ist hier der Erstellung des differenzierten Reinigungsdruckes und der Auswahl des Reinigungssubstrates zu geben. Erg\u00e4nzend k\u00f6nnen Mikrostrahlreinigung und Hochdruckreiniger eingesetzt werden.<br \/>\nFestigung<br \/>\nF\u00fcr die Festigung absandender Werksteinoberfl\u00e4chen am Nebraer Sandstein stehen mit den handels\u00fcblichen Festigungsmitteln f\u00fcr Sandstein geeignete Materialien zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nProblematisch erweisen sich die schalen, welche innerhalb des Steines abrei\u00dfen \/Schalenst\u00e4rke ab ca. 1 cm). In diesen Bereichen ist die Anbindung der gro\u00dffl\u00e4chigen Schalen an das Tr\u00e4gergestein mittels Steinfestiger nicht zu gew\u00e4hrleisten.<br \/>\nSteinerg\u00e4nzungen<br \/>\nF\u00fcr Steinerg\u00e4nzungen am Nebraer Sandstein sind die detailliert an den bestand angepassten M\u00f6rtelsysteme (Weiterentwicklung der MFPA Weimar) zu empfehlen. Sie besitzen gute Verarbeitungseigenschaften und entsprechen nach gegenw\u00e4rtigem Kenntnisstand den Anforderungen f\u00fcr den Einbau am Nebraer Sandstein. Eine Langzeitpr\u00fcfung der M\u00f6rtelsysteme steht noch aus.<br \/>\nIn stark salzbelasteten Werksteinbereichen sowie bei Antragungen mit gegen Null auslaufenden Schichtst\u00e4rken ist der acrylatdispersionsgebundene Steinerg\u00e4nzungsm\u00f6rtel geeignet. Hier kann ebenfalls durch Pigmentierung eine Farbanpassung an den umgebenden Werkstein erreicht werden.<br \/>\nVerfugungen<br \/>\nVerfugungen wurden mit der Sondermischung (Hochsulfatbest\u00e4ndiger Fugenm\u00f6rtel mit HAZ &#8211; Anteilen, farblich angepasst) des Herstellers Colfirmit Rajasil durchgef\u00fchrt. Der M\u00f6rtel war unter Baustellenbedingungen gut zu verarbeiten.<br \/>\nQuelle: H. Romstedt, Restaurator: Stellungnahme zur Durchf\u00fchrung der steinkonservatorischen und -restauratorischen Ma\u00dfnahmen<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Arbeiten konnten planm\u00e4\u00dfig im Sommer 2002 abgeschlossen werden. Im Ergebnis des Modellvorhabens wurden die Au\u00dfenw\u00e4nde des Kirchturmes umfassend instandgesetzt. Eine langfristige Beobachtung und Auswertung ist Bestandteil des Vorhabens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Rahmen eines Modellvorhabens soll am Beispiel der Kirchturmes der Pfarrkirche Gehofen nach Auswertung der Ergebnisse und Erfahrungen des BMBF &#8211; Forschungsvorhabens von 1995\/97 an der Nebraer Kirche das Problem der Sandsteinkonservierung-\/ Restaurierung und der Einsatz von Fug- und Mauerm\u00f6rteln untersucht werden. 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