  {"id":21259,"date":"2023-07-13T15:19:49","date_gmt":"2023-07-13T13:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/16484-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:19:50","modified_gmt":"2023-07-13T13:19:50","slug":"16484-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/16484-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines Verfahrens zur Freisetzung der heimischen Marienk\u00e4ferart Adalia bipunctata L. zur Blattlauskontrolle an Feldgem\u00fcse bis zur Praxisreife"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projekts soll in enger Verzahnung mit Praxis und Beratung ein effektives und wirtschaftliches Verfahren zur Ausbringung von Marienk\u00e4fern gegen Blattl\u00e4use an verschiedenen Kulturen im Feldgem\u00fcseanbau erarbeitet werden. Es soll in einem ersten Schritt eine Alternative zu den synthetischen Pr\u00e4paraten vor allem f\u00fcr direktvermarktende Gem\u00fcsebaubetriebe, solche, die Gem\u00fcse f\u00fcr Kindernahrung anbauen und \u00f6kologisch wirtschaftende Betriebe darstellen. Im weiteren Projektverlauf soll eine Einf\u00fchrung der N\u00fctzlinge auf breiterer Basis vorbereitet werden. Au\u00dferdem soll eine spezielle Anpassung des Verfahrens an den Kleingartenbereich erfolgen. F\u00fcr Kulturen, in denen gegen andere Sch\u00e4dlinge breit wirksame Insektizide zum Einsatz kommen, werden zusammen mit Praxis und Beratung Pflanzenschutzstrategien mit Kombinationen verschiedener biologischer Verfahren erarbeitet, die einen N\u00fctzlingseinsatz auf breiter Basis erm\u00f6glichen. Durch diesen innovativen Ansatz wird auch eine Vorbildwirkung f\u00fcr den N\u00fctzlingseinsatz im Freiland erreicht, der weitere Aktivit\u00e4ten auf diesem Gebiet anregen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm ersten Versuchsjahr erfolgt ein breites Screening in all den Kulturen, bei denen sich der N\u00fctzlingseinsatz als Alternative zu synthetischen Pr\u00e4paraten oder als einzige L\u00f6sung anbietet. Es wird mit relativ ho-hen Larvenzahlen gearbeitet, um klare Ergebnisse zu erhalten. Au\u00dferdem werden Herdbehandlungen an Pfl\u00fcckerbsen und Bohnen sowie die Regulierung des Sp\u00e4tbefalls mit Blattl\u00e4usen an Kohlarten \u00fcberpr\u00fcft.<br \/>\nIm zweiten Versuchsjahr werden weitere Versuche zur Optimierung des Verfahrens in den Kulturen durchgef\u00fchrt, in denen beim Screening gute Erfolge verzeichnet werden konnten. Hierbei wird vor allem die ausgebrachte Anzahl, ev. auch der Ausbringungs-Zeitpunkt (mehrmalig\/einmalig) variiert. Au\u00dferdem erfolgen erste Ringversuche in Praxisbetrieben und erste Tests in Kleingartenanlagen.<br \/>\nIm dritten Versuchsjahr werden gr\u00f6\u00dfere Ringversuche zur weiteren \u00dcberpr\u00fcfung des Verfahrens in enger Zusammenarbeit mit der Pflanzenschutzberatung in Praxisbetrieben und weitere Tests in Kleingartenanlagen angelegt. Es erfolgen weitere Versuche zur Optimierung des Verfahrens mit Schwerpunkt Wirkungssicherheit und Wirtschaftlichkeit in den einzelnen Kulturen in Verbindung mit betriebswirtschaftlichen Kalkulationen f\u00fcr die einzelnen Kulturen. Bei M\u00f6hren, Sellerie und Kopfkohl werden Versuche zur Optimierung der Gesamtstrategien (Kombination mit anderen biologischen Verfahren) angelegt. Aufbauend auf den Ergebnissen der Ringversuche werden Versuche zu einzelnen Fragen der Ausbreitung der Marienk\u00e4ferlarven auf der Pflanze, zur Lagerf\u00e4higkeit sowie zur Auswahl der geeigneten Transportverpackung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In einem ersten Schritt erfolgte ein Screening der f\u00fcr die Freisetzung von Adalia-Larven an potentiell geeigneten Kulturen. Schnell stellte sich heraus, dass Adalia einige, in der Literatur wenig oder gar nicht erw\u00e4hnte Probleme beim Suchverhalten auf dem Boden und bei der Fortbewegung auf den Pflanzen aufwies. Die Anzahl geeigneter Kulturen wurde dadurch stark eingeengt. Die Versuche im Freiland wurden auch an den geeigneten Kulturen durch die extrem warmen Sommer und die damit verbundenen starken Schwankungen der Blattlauspopulation in Verbindung mit einem hohen N\u00fctzlingsaufkommen stark erschwert. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt in Absprache mit der DBU auf Bek\u00e4mpfungsl\u00fccken im Gew\u00e4chshausbereich (Brechung von Populationsspitzen) und den Einsatz von adulten Tieren erweitert.<br \/>\nNach den bisherigen Ergebnissen scheint der Einsatz von Adalia-Larven im Freiland nur in wenigen Gem\u00fcsekulturen mit passender Blattoberfl\u00e4che und geeignetem Wuchshabitus als aussichtsreich und dies vermutlich v. a. als Feuerwehrma\u00dfnahme in den Befallsherden der Blattl\u00e4use. Adalia-Larven fressen die Blattlauskolonien meist nicht wirklich sauber sondern lassen einige wenige L\u00e4use zur\u00fcck. Nicht alle Kulturen tolerieren dies beim Erntegut.<br \/>\nDer Einsatz von adulten Adalia in Gew\u00e4chshauskulturen ist f\u00fcr bestimmte, momentan nicht abgedeckte Einsatzl\u00fccken durchaus interessant. Adalia hat gegen\u00fcber anderen Blattlausr\u00e4ubern den Vorteil, dass die adulten Tiere Blattlausr\u00e4uber sind und einerseits Herde bereits ausr\u00e4umen k\u00f6nnen, andererseits auch ihre Eier gezielt dort ablegen. Eine Brechung einer Befallsspitze durch Freilassung der K\u00e4fer in einer Kombinationsstrategie mit anderen N\u00fctzlingen wurde in Ringversuchen in Zusammenarbeit mit der Fachberatung getestet. Die Fachberatung w\u00fcrde es begr\u00fc\u00dfen, wenn Adalia f\u00fcr diesen Einsatzbereich der Praxis zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde.<br \/>\nDie gepr\u00fcften Einsatzm\u00f6glichkeiten sind zwar eine wertvolle Erweiterung der M\u00f6glichkeiten des biologischen Pflanzenschutzes, ergeben jedoch einen recht geringen Marktanteil im N\u00fctzlingsbereich. Daher hat die Fa. Neudorff beschlossen, Adalia nicht ins N\u00fctzlingssortiment aufzunehmen. Die Fa. Andermatt BIOCONTROL AG ist aber in Verhandlungen mit anderen m\u00f6glichen Vertriebspartnern in Deutschland.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde zweimal am Tag der offenen T\u00fcr in Hohenheim der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. In zahlreichen Diskussionen mit der Fachberatung und Praktikern wurden die Ergebnisse pr\u00e4sentiert und diskutiert. Au\u00dferdem erfolgte eine abschlie\u00dfende Verstellung der Ergebnisse an der 11. Arbeitstagung Biologische Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung vom 4.-5.12.2002 an der BBA-Braunschweig. Hieraus ging auch eine Publikation hervor.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Einsatzm\u00f6glichkeit von Adalia im Freiland ist auf sehr wenige Gem\u00fcsekulturen beschr\u00e4nkt. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind Probleme der Larven beim Suchverhalten und bei der Fortbewegung auf den Pflanzenteilen bei vielen Kulturen. Hinzu kommt noch, dass die Adalia-Larven die Blattlauskolonien meist nicht wirklich sauber fressen sondern wenige L\u00e4use zur\u00fccklassen. Der Einsatz kommt daher nur bei Kulturen in Frage, wo ein gewisser Mindestbesatz an Blattl\u00e4usen toleriert werden kann. Die meisten der vorhandenen Bek\u00e4mpfungsl\u00fccken k\u00f6nnen somit mit Adalia nicht geschlossen werden.<br \/>\nVielversprechender erscheint die Anwendung vor allem der adulten K\u00e4fer in einigen Gew\u00e4chshauskulturen bei \u00dcberhandnehmen der Blattlauspopulation in Kombination mit anderen N\u00fctzlingen. F\u00fcr diesen Bereich gibt es bisher keine zufriedenstellende L\u00f6sung und Adalia k\u00f6nnte diese Bek\u00e4mpfungsl\u00fccke f\u00fcllen. Hieran besteht auch seitens der Fachberatung Interesse.<br \/>\nAdalia wird sich also als Nischenprodukt f\u00fcr einige Bek\u00e4mpfungsl\u00fccken etablieren, aber kein sehr gro\u00dfes Marktsegment im N\u00fctzlingssektor darstellen. Eine gro\u00dffl\u00e4chige Anwendung im Freilandgem\u00fcseanbau ist nach den hier dargestellten Ergebnissen eher unwahrscheinlich. F\u00fcr die Firma Neudorff ist die-ses Marktsegment zu gering so dass von dieser Seite kein Markteintritt erfolgen wird. Die Fa. Andermatt BIOCONTROL AG ist aber in Verhandlungen mit anderen m\u00f6glichen Vertriebspartnern in Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Rahmen des Projekts soll in enger Verzahnung mit Praxis und Beratung ein effektives und wirtschaftliches Verfahren zur Ausbringung von Marienk\u00e4fern gegen Blattl\u00e4use an verschiedenen Kulturen im Feldgem\u00fcseanbau erarbeitet werden. 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