  {"id":21122,"date":"2024-12-01T10:32:32","date_gmt":"2024-12-01T09:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15877-01\/"},"modified":"2024-12-01T10:32:32","modified_gmt":"2024-12-01T09:32:32","slug":"15877-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15877-01\/","title":{"rendered":"Innovativer Ansatz eines grenz\u00fcberschreitenden vorbeugenden Hochwasserschutzes durch dezentrale Ma\u00dfnahmen im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft sowie der Landwirtschaft im Einzugsgebiet der Lausitzer Nei\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die H\u00e4ufung extremer Hochwasserereignisse in den letzten Jahren gibt Anlass, \u00fcber neue Wege zu ihrer Beherrschung oder Eingrenzung nachzudenken. W\u00e4hrend sich die Ma\u00dfnahmen bisher darauf konzentrierten, die von den ablaufenden Hochwasserwellen ausgehenden Gefahren abzuwehren bzw. Sch\u00e4den in Grenzen zu halten, geht das vorliegende Projekt von dem Ansatz aus, dass ein bisher ungenutztes Potential besteht, die Abfl\u00fcsse bereits am Ort ihrer Entstehung zu reduzieren. Ausgehend von den Erfahrungen mit dezentralen Bewirtschaftungsma\u00dfnahmen in Siedlungsgebieten wurden im vorliegenden Projekt insbesondere Ma\u00dfnahmen auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen untersucht und hinsichtlich ihrer Gesamtwirkung im Einzugsgebiet der Lausitzer Nei\u00dfe simuliert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Einzugsgebiet der Lausitzer Nei\u00dfe wurde hinsichtlich der f\u00fcr die Abflussbildung relevanten Daten mit Geografischen Informationssystemen m\u00f6glichst detailliert erfasst, so dass sich die f\u00fcr eine \u00c4nderung der Abflussbildung in Frage kommenden Siedlungs- und Ackerfl\u00e4chen herausheben. Hinsichtlich der Siedlungsfl\u00e4chen wurden auf der Grundlage der Erfahrungen in anderen Projekten die realisierbaren dezentralen Versickerungs- und R\u00fcckhaltema\u00dfnahmen planerisch ermittelt und f\u00fcr die nachfolgenden Niederschlag-Abfluss-Simulationen aufbereitet. Hinsichtlich der Ackerfl\u00e4chen wurden grundlegende Untersuchungen zur Frage der Erh\u00f6hung der Versickerungs- und R\u00fcckhalteeigenschaften durchgef\u00fchrt. Besonderes Gewicht lag dabei auf der Mulchsaat-Technik. Neben der Auswertung bereits durchgef\u00fchrter Untersuchungen wurden zus\u00e4tzliche Felduntersuchungen durchgef\u00fchrt. Es folgten Niederschlag-Abfluss-Simulationen des Gesamtgebiets unter Vorgabe historischer hochwasserverursachender Niederschlagsperioden f\u00fcr den Ist-Zustand des Gebiets einerseits (unter Kalibrierung der Modellrechnung an hydraulischen Messdaten) und f\u00fcr zuk\u00fcnftige Zust\u00e4nde unter Ber\u00fccksichtigung der vorgenannten dezentralen Ma\u00dfnahmen andererseits. Die ermittelten Unterschiede wurden an den Abfluss- und Wasserstandsganglinien der simulierten Hochwasserereignissen l\u00e4ngs des Hauptgerinnes der Lausitzer Nei\u00dfe verdeutlicht. Es wurde eine verallgemeinerbare Vorgehensweise entwickelt, die auch in anderen Einzugsgebieten anwendbar ist.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts best\u00e4tigen die These, dass es sowohl im Bereich der Landwirtschaft wie der Siedlungswasserwirtschaft ein bisher ungenutztes Potential zur Hochwasserreduzierung gibt, dessen k\u00fcnftige Nutzung zur L\u00f6sung der Hochwasserprobleme beitragen kann.<br \/>\nAm Beispiel des Einzugsgebiets der Lausitzer Nei\u00dfe wurde das Potential und die Wirkung dezentraler Regenwasserbewirtschaftung in Siedlungsgebieten und konservierender Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft auf das Hochwassergeschehen untersucht.<br \/>\nIm Rahmen interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit wurden hierzu die bodenkundlichen und landwirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der Region erfasst und bewertet. Die Auswertung zahlreicher Feldversuche best\u00e4tigt und quantifiziert die erh\u00f6hte Infiltrationsf\u00e4higkeit konservierend bearbeiteter B\u00f6den im Vergleich zur konventionellen Bearbeitung. Au\u00dferdem werden Abh\u00e4ngigkeiten von der Fruchtfolge, der Jahreszeit und der Vorfeuchte festgestellt.<br \/>\nDie Projektion dieser Erkenntnisse auf den s\u00e4chsischen Teil des Einzugsgebiets der Lausitzer Nei\u00dfe mit Hilfe von Niederschlag-Abfluss-Simulationen zeigte, dass sowohl in kleinen (14 km\u00b2) als auch gro\u00dfen (450km\u00b2) Einzugsgebieten die Hochwasserabfl\u00fcsse signifikant reduziert werden. Die Wirksamkeit dieses vorbeugenden Hochwasserschutzes wurde dar\u00fcber hinaus nicht nur f\u00fcr kleine und mittlere Hochwasser, sondern auch f\u00fcr extreme Hochwasser nachgewiesen.<br \/>\nBeispielsweise ergeben die Berechnungen bezogen auf die Lausitzer Nei\u00dfe in H\u00f6he der Stadt Ostritz (Kloster St. Marienthal), dass durch eine konservierende Bodenbearbeitung allein im deutschen Teil des Einzugsgebiets die Abflussf\u00fclle des Gesamtgebiets bei ausgepr\u00e4gten Hochwasserereignissen in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 7 % reduziert werden. Dieses ist eine beachtliche Hochwasserminderung, mit der die im Bereich Ostritz geplanten Eindeichungen und der damit zusammenh\u00e4ngende Verlust an \u00dcberschwemmungsfl\u00e4che mehr als kompensiert werden kann.<br \/>\nAusgehend von den Ergebnissen der Niederschlags-Abfluss-Simulation wurde der vorbeugende Hochwasserschutz aus der Sicht der Raumordnungsplanung betrachtet. Dabei wurden einerseits die rechtlichen und verwaltungstechnischen Aspekte vorbeugender Hochwasserschutzma\u00dfnahmen in Deutschland, Tschechien und Polen dargestellt und andererseits f\u00fcr das hier untersuchte Einzugsgebiet ein raumordnerisches Umsetzungskonzept erarbeitet.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Durch den hohen Bedarf an Eingangsdaten ergab sich eine enge Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Beh\u00f6rden, Planern und Betroffenen bereits aus der Projektarbeit. Von den Landesumwelt\u00e4mtern Sachsens und Brandenburgs \u00fcber die Staatlichen Umweltfach\u00e4mter und die Umwelt\u00e4mter der St\u00e4dte G\u00f6rlitz und Zittau bis hin zu regionalen Verb\u00e4nden, Planungsb\u00fcros und Landwirten reicht die Bandbreite derer, die \u00fcber dieses Projekt informiert worden sind und ggf. mit ihren Informationen und Daten zum Gelingen beigetragen haben.<br \/>\nUm dar\u00fcber hinaus das Forschungsvorhaben einer m\u00f6glichst breiten fachlich interessierten \u00d6ffentlichkeit vorzustellen, wurde das Projekt auf Tagungen und Seminaren vorgestellt. Explizit sind in diesem Zusammenhang die Jahreskonferenz der European Geophysical Society (24.-29.4.2000), die IRMA-Fachtagung in Schwaigern (28.\/29.05.2001) sowie ein Seminar des S\u00e4chsischen Staatsministeriums f\u00fcr Umwelt und Landwirtschaft, Dresden (25.4.2001), zu nennen. Au\u00dferdem wurde das Projekt auf der 6. Internationalen Sommerakademie (16.-21.7.2000) und dem NATO Advanced Research Workshop (8.-12.11.2001) beide in St. Marienthal\/ Ostritz vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens zeigen, dass dezentrale Ma\u00dfnahmen im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft und der Landwirtschaft hochwirksame Instrumente f\u00fcr einen vorbeugenden Hoch-wasserschutz sind, die bei der Entwicklung von Hochwasserschutzkonzepten auf jeden Fall in Betracht gezogen werden sollten. Die Gr\u00f6\u00dfe des Speicherpotentials, das durch diese Ma\u00dfnahmen erschlossen werden kann, rechtfertigt den Aufwand f\u00fcr die Erarbeitung einzugsgebietsweiter Hochwasserkonzepte. Die Vorgehensweise und Ergebnisse dieses Forschungsvorhabens dokumentieren, dass mit modernen Planungsinstrumenten (GIS und N-A-Modelle) und in interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit die Grundlagen f\u00fcr nachhaltige Hochwasserschutzkonzepte durch dezentrale Ma\u00dfnahmen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die H\u00e4ufung extremer Hochwasserereignisse in den letzten Jahren gibt Anlass, \u00fcber neue Wege zu ihrer Beherrschung oder Eingrenzung nachzudenken. W\u00e4hrend sich die Ma\u00dfnahmen bisher darauf konzentrierten, die von den ablaufenden Hochwasserwellen ausgehenden Gefahren abzuwehren bzw. 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