  {"id":21068,"date":"2023-07-13T15:19:17","date_gmt":"2023-07-13T13:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15648-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:19:17","modified_gmt":"2023-07-13T13:19:17","slug":"15648-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15648-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte konservierende in situ-Festigung insekten- und pilzgesch\u00e4digter Bauh\u00f6lzer in Burg Dinklage unter dem besonderen Gesichtspunkt der Ressourceneinsparung und Bauschuttverminderung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Fachwerk Obergeschoss der S\u00fcdwand des Herrenhauses der Burg Dinklage wiesen insbesondere die Balkenkopfe und Knaggen auf Grund des sehr dicken und starren alten Zementputzes starke Sch\u00e4den durch Pilze und Insekten (insbesondere durch den Bunten Nagek\u00e4fer Xestobium rufovillosum [De Geer]) auf, die eine Sanierung dringend erforderlich machten. Eine Sanierung mit g\u00e4ngigen Verfahren h\u00e4tte einen Ausbau von Gefachen und Decken und eine Reparatur der H\u00f6lzer bedeutet. Dieser Eingriff w\u00e4re ei-nem Teilabriss gleich gekommen.<br \/>\nEin neu entwickeltes Holzfestigungsmittel auf Kunstharzbasis sollte es erm\u00f6glichen, alle H\u00f6lzer an ihrem jetzigen Ort zu festigen und ihre Tragf\u00e4higkeit wieder herzustellen, lediglich der ohnehin stark gesch\u00e4digte Zementputz w\u00fcrde entfernt und erneuert werden. Der Anfall an Bauschutt und der Verbrauch neuer Baumaterialien w\u00fcrde erheblich reduziert werden, der Erhalt von m\u00f6glichst viel Originalsubstanz w\u00e4re m\u00f6glich.<br \/>\nZiel des Projektes war die modellhafte Festigung aller Balkenk\u00f6pfe, Knaggen und angrenzender Holzbauteile. Die Ma\u00dfnahme sollte die Tragf\u00e4higkeit des Obergeschosses wiederherstellen, ohne dass tiefgreifende Eingriffe in die historische Bausubstanz erforderlich werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach dem Einr\u00fcsten der Fassade wurde der stark gesch\u00e4digte Altputz so schonend wie m\u00f6glich entfernt und entsorgt. Die Erstellung eines verformungsgerechten Aufmasses bildete die Grundlage f\u00fcr eine genaue bautechnische Zustandsuntersuchung der Holzkonstruktion.<br \/>\nDie Ermittlung des Schadenspotentiales der verwendeten Baustoffe (Salzanalysen) waren eine weitere Grundlage zur Planung der Sanierungsma\u00dfnahmen. Auf der Basis des festgestellten Schadensumfanges und der Schadenstiefe wurde die In situ-Festigung der pilz- und insektengesch\u00e4digten Bauh\u00f6lzer sowie weitere Sanierungsma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt.<br \/>\nLaborversuche zur Festigkeits\u00fcberpr\u00fcfung und vergleichende Holzfeuchtemessungen vor Ort an gefes-tigten und ungefestigten Balkenk\u00f6pfen begleiten die Ma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Auf der Grundlage der durchgef\u00fchrten Holzzustandsuntersuchung wurde das Ausma\u00df der Sch\u00e4den zusammengestellt. Das Ergebnis zeigte, dass nicht nur die Balkenk\u00f6pfe, Knaggen und unmittelbar angren-zende Bauteile, sondern auch Teile der Schwelle, des R\u00e4hms, der St\u00e4nder und der Riegel in erheblichen Ma\u00dfen gesch\u00e4digt waren. Daraufhin wurde ein Teilbereich der Arbeiten neu definiert.<br \/>\nDie chemische Holzfestigung, als alleinige Reparaturma\u00dfnahme, wurde im St\u00e4nderbereich zugunsten einer zimmermannsm\u00e4\u00dfigen Reparatur verworfen. Diese Ma\u00dfnahme wurde aus Gr\u00fcnden der Sicherheit und der Denkmalpflege festgelegt, alle anderen Teile wurden chemisch gefestigt. Die wesentlichen Projektziele, die Sanierung der Geb\u00e4udewand im bewohnten Zustand, die Erhaltung al-ler angrenzenden Bauteile und die Vermeidung von Bauschutt konnten dennoch erreicht werden. Die Arbeitsabl\u00e4ufe an den Holzoberfl\u00e4chen:<br \/>\n&#8211;\tS\u00e4uberung der zu sanierenden Holzteile (Absaugen der Oberfl\u00e4che, Entfernen von N\u00e4geln),<br \/>\n&#8211;\tVerfestigung der gesamten Holzoberfl\u00e4che mit Aidol PII 249 bis in eine Tiefe von ca. 7mm im Streichverfahren,<br \/>\n&#8211;\tAusfugen tiefer und breiter Holzrisse mit Aidol PU (Holzersatzmasse plus Holzsp\u00e4ne);<br \/>\nsowie die Arbeiten der Holzerg\u00e4nzung und -festigung der Balkenkopfe:<br \/>\n&#8211;\tReinigung der Balkenk\u00f6pfe,<br \/>\n&#8211;\tEinbringen von 4 Edelstahlstangen (\u00c6 18mm) je Balkenkopf zur Erh\u00f6hung der Biegezugfestigkeit,<br \/>\n&#8211;\tEinschalung der Balkenk\u00f6pfe,<br \/>\n&#8211;\tAuff\u00fcllen von Aidol PU Holzersatzmasse plus Holzsp\u00e4ne zur Wiederherstellung der urspr\u00fcnglichen Form,<br \/>\n&#8211;\tVerfestigung der Balkenk\u00f6pfe durch Injektion von Aidol PU Holzersatzmasse in Bohrl\u00f6cher im Verpressverfahren,<br \/>\n&#8211;\tVerschluss der Bohrl\u00f6cher mit Holzd\u00fcbeln,<br \/>\n&#8211;\tAbnahme der Schalung nach Aush\u00e4rtung,<br \/>\n&#8211;\tFormgebende Oberfl\u00e4chenbearbeitung,<br \/>\n&#8211;\tBeschichtung der neuen Balkenk\u00f6pfe mit Aidol HK &#8211; Lasur;<br \/>\nund die separate Behandlung der Schwellbalken, St\u00e4ndern, Knaggen und Riegel mit<br \/>\n&#8211;\tReinigung der Oberfl\u00e4chen,<br \/>\n&#8211;\tVerfestigung im Streichverfahren und durch Injektion mit Aidol PU Holzerg\u00e4nzungsmasse,<br \/>\n&#8211;\tFormgebende Oberfl\u00e4chenbearbeitung,<br \/>\n&#8211;\tBeschichtung mit Aidol HK &#8211; Lasur;<br \/>\nhaben sich an der Vielzahl der zu behandelnden H\u00f6lzer bew\u00e4hrt und k\u00f6nnen als Standartverfahren f\u00fcr \u00e4hnliche Problemf\u00e4lle herangezogen werden.<br \/>\nDurch die Einschalung von Bauteilen und das Auff\u00fcllen mit Holzersatzmasse wird eine allerdings eine k\u00fcnstliche Oberfl\u00e4che erzeugt, die sich von der Oberfl\u00e4chenstruktur der nat\u00fcrlich gebliebenen H\u00f6lzer stark unterscheidet.<br \/>\nBegleitend wurden vom Labor f\u00fcr Holztechnik in Hildesheim prismatische Pr\u00fcfk\u00f6rper gefestigter und un-gefestigter H\u00f6lzer im Dreipunktbiegeversuch nach DIN 52 186 untersucht. Die statistische Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass im Fall der unbehandelten Proben die Sch\u00e4digungen einen Abfall der mittleren H\u00f6chstlast von 49% bewirkte. Im Fall der behandelten Proben ergab sich ein Verh\u00e4ltnis von 43%. Damit lie\u00df sich ein Einfluss der chemischen Festigung auf die mittlere H\u00f6chstlast f\u00fcr den durchgef\u00fchrten Dreipunkt-Biegeversuch hier nicht belegen. Die erreichbaren Holzfestigkeiten mit diesem Verfahren m\u00fcssen an anderen Objekten weiter untersucht werden, um abschlie\u00dfende Aussagen treffen zu k\u00f6nnen.Vergleichende Untersuchungen des Holzfeuchtehaushaltes an einem ungefestigten und einem gefestigten Balkenkopf \u00fcber einen Zeitrahmen von 2 Jahren zeigten keine wesentlichen Unterschiede, die mittleren Holzfeuchten lagen bei beiden, frei bewitterten Balkenk\u00f6pfen in weiten Teiles des Jahres unter 20% Holzfeuchte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Eine Ver\u00f6ffentlichung der Projektarbeit und der Projektergebnisse wird bis 06\/2003 in einer geeigneten Fachzeitschrift eingereicht werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Holzfestigung gesch\u00e4digter H\u00f6lzer in eingebautem Zustand durch die hier eingesetzte Holzersatzmasse kann f\u00fcr denkmalgesch\u00fctzte Objekte die Chance bieten, m\u00f6glichst viel Originalsubstanz, einschlie\u00dflich Ausfachungen, Putze, etc. in situ zu erhalten. Die Ausf\u00fchrung der Arbeiten durch darin erfahrene Fachleute ist Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg der Festigungsma\u00dfnahmen. Zu Bedenken ist stets das Einbringen eines Kunststoffes in die Geb\u00e4ude sowie die ver\u00e4nderte Oberfl\u00e4chenstruktur. Die Einbezie-hung von Tragwerkplanern in die Ma\u00dfnahme erscheint grunds\u00e4tzlich ratsam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Fachwerk Obergeschoss der S\u00fcdwand des Herrenhauses der Burg Dinklage wiesen insbesondere die Balkenkopfe und Knaggen auf Grund des sehr dicken und starren alten Zementputzes starke Sch\u00e4den durch Pilze und Insekten (insbesondere durch den Bunten Nagek\u00e4fer Xestobium rufovillosum [De Geer]) auf, die eine Sanierung dringend erforderlich machten. 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