  {"id":21037,"date":"2023-07-13T15:17:27","date_gmt":"2023-07-13T13:17:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15490-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:17:30","modified_gmt":"2023-07-13T13:17:30","slug":"15490-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15490-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung und Durchf\u00fchrung modellhafter Methoden zur Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an den wertvollen historischen Glasfenstern der Quedlinburger Nikolaikirche (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Wiederherstellung und Sicherung umweltgesch\u00e4digter historischer Glasmalereien aus den Jahren 1904 und 1908 in der Quedlinburger St. Nikolaikirche. Anlass waren die ortsbedingten intensiven Schadstoffeinwirkungen aus der Umwelt. Sie betrafen die Gl\u00e4ser und Schwarzlotmalerei der f\u00fcnf farbigen Verglasungen, aber auch die Halterungssysteme. Es drohten schwerwiegende Verluste<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Sanierung der Glasmalerei unter Begleitung eines Fachgremiums und die notwendigen naturwissenschaftlichen Untersuchungen sind in einem Zeitraum von drei Jahren vorgesehen. Durch die Einrichtung einer isothermischen Schutzverglasung nach entwickelten Modellverfahren innerhalb des gro\u00dfen Verbundprojektes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Nr. Az. 04281 und durch die Wiederherstellung der gesch\u00e4digten Glasmalereipartien unter Aufsicht eines Fachgremiums sowie mit naturwissenschaftlichen Voruntersuchungen der Bundesanstalt f\u00fcr Materialforschung und -pr\u00fcfung wird eine vollst\u00e4ndige Sanierung der Umweltsch\u00e4den erwartet. Die praktischen Ma\u00dfnahmen werden von zwei ausgebildeten Glasmalereirestauratoren durchgef\u00fchrt. Au\u00dferdem erfolgen durch die Bundesanstalt f\u00fcr Materialforschung und -pr\u00fcfung Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Glaszusammensetzung und dem Zustand der Malschicht.<br \/>\nDie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu erwartende unzureichende Abstimmung der Materialien Glas und Glasmalfarbe sowie oftmals beobachtete zu geringe Einbrenntemperaturen spielen hierbei ebenso eine Rolle wie die chemischen Best\u00e4ndigkeiten der Malfarben, die sich in dieser Zeit durch h\u00f6here B2O3-Anteile verringern. Hierzu erfolgen auch Simulationsuntersuchungen an Modellgl\u00e4sern in der Klimakammer.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen des gef\u00f6rderten DBU-Projektes wurden zwei Fenster des s\u00fcdlichen Seitenschiffes der Nikolaikirche in Quedlinburg durch die Glasrestauratorin Frau Ilona Berkei bearbeitet. Es handelt sich um die Fenster s VII und s IX. Im weiteren wurden zwei vollst\u00e4ndige Fenster des Hohen Chores der Nikolaikirche in Quedlinburg (s II und n II) sowie die Ma\u00dfwerkteile des Chorabschlussfensters (I) durch den Glasrestaurator Herrn Hans-Georg Losert bearbeitet.<br \/>\nZu den Ma\u00dfnahmen z\u00e4hlten:<br \/>\n1.\tEinbau einer Schutzverglasung aus Verbund-Sicherheitsglas mit Blei-Rautenmuster in Anlehnung an historische Verglasungen auf der Nordseite der Nikolaikirche.<br \/>\n2.\tDie Restaurierung der farbigen Glasmalerei und Einbau als Vorhangfenster.<br \/>\nZwischenschritte der Restaurierung:<br \/>\na)\t\tReinigung der bemalten Gl\u00e4ser in vier Schritten:<br \/>\n\u00b7\t2-st\u00fcndige Tr\u00e4nkung mit 70-%-igem Isopropylalkohol zum Abt\u00f6ten des festgestellten Sporenbefalls durch Aspergillus niger<br \/>\n\u00b7\tmit auf 30 \u00b0C erw\u00e4rmtes Wasser mit Sp\u00fclmittelzusatz<br \/>\n\u00b7\tmit Isopropylalkohol<br \/>\n\u00b7\tmit Aceton<br \/>\nb)\tFixierung lockerer Schwarzlotmalschichten mit Paraloid B 72 unter dem Mikroskop<br \/>\nc)\tKlebung und Erg\u00e4nzung besch\u00e4digter Gl\u00e4ser<br \/>\nd)\tRahmung in Kupfer-U-Profil<br \/>\ne)\tAnsetzen von Bleilappen<br \/>\nf)\tZus\u00e4tzliche Sicherung der unteren Felder durch eine in das Gew\u00e4nde eingelassene U-Profil-Schiene aus V4A-Stahl<br \/>\n3.\tRestaurierung der gesch\u00e4digten Ma\u00df- und Stabwerke.<br \/>\n4.\tSicherung und teilweise Erneuerung der Windeisen.<br \/>\n5.\tEinbau neuer Schwitzwasserk\u00e4sten aus Blei.<br \/>\n6.\tAnfertigung einer Dokumentation.<br \/>\nAlle Arbeiten wurden unter Mitwirkung der BAM und Kontrolle und Anleitung durch die Arbeitsstelle des CVMA, vertreten durch Herrn Dr. Drachenberg und die \u00f6rtliche Bauleitung durchgef\u00fchrt.<br \/>\nDie naturwissenschaftlichen Begleiterscheinungen zeigten, dass alle Glassorten chemisch gut best\u00e4ndig und allenfalls ein leichtes Irisieren der Oberfl\u00e4che aufweisen. Sch\u00e4den durch Zersetzungsprozesse sind nicht eingetreten, obwohl einzelne Proben in ihrer Zusammensetzung deutlich vom Mittelwert der best\u00e4ndigen 19. Jahrhundert-Gl\u00e4ser abweichen. Dagegen sind die Malschichten an einigen Stellen , insbesondere des Fensters nII erheblich angegriffen. In den Schwarzlotfragmenten deutlich gesch\u00e4digter Bereiche wurden Bleisalze (Carbonate und Sulfate) als Verwitterungsprodukte der Malschichtsubstanz nachgewiesen. Klimaschrankexperimente an Modellproben zeigten, dass alle verwendeten Malfarben bei hoher Schadstoff- und Feuchtebelastung stark korrodieren. Die den Werkst\u00e4tten Losert und Berkei empfohlenen Reinigungsbehandlungen wurden bei der Restaurierung genau befolgt. Eine Besonderheit im Bestand der Nikolaikirche waren die an einigen Stellen der S\u00fcdfenster aufgetretenen starken Korrosionssch\u00e4den an den Bleien im Bereich der Deckschienen. Infolge eingedrungener Feuchtigkeit zwischen Blei und Deckschiene sind hier elektrochemische Korrosionsprozesse durch den Kontakt der verschiedenen Metalle zustande gekommen, die man in frei liegenden Bereichen, wo eine schnellere Trocknung erfolgen kann, nicht findet. Vermutlich haben die ferner vorhandenen Kittreste auch eine Rolle gespielt. Bei der Materialkombination Blei-Kitt-Eisen muss vor engem Kontakt gewarnt werden, insbesondere wenn \u00fcber l\u00e4ngere Zeit Wasser hinzukommt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektarbeiten wurden durch Pressemitteilung ver\u00f6ffentlicht. Von der BAM liegt ein Laborbericht vor. Eine umfangreiche Publikation der naturwissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse wurde bei der Zeitschrift restauro eingereicht. Die Arbeit wird voraussichtlich im Sp\u00e4tsommer erscheinen.<br \/>\nJ\u00e4hrlich am 06.12. wurde der Gemeinde in einem Dankgottesdienst der Zwischenstand vorgestellt. Am diesj\u00e4hrigen Gottesdienst zum Namenstag werden die Endergebnisse pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die im Projektantrag aufgef\u00fchrten Arbeiten und Forschungen wurden im Verlauf der Projektarbeit behandelt und zu einem Ergebnis gebracht, das auch als variables Modell andernorts angewendet werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Wiederherstellung und Sicherung umweltgesch\u00e4digter historischer Glasmalereien aus den Jahren 1904 und 1908 in der Quedlinburger St. Nikolaikirche. Anlass waren die ortsbedingten intensiven Schadstoffeinwirkungen aus der Umwelt. Sie betrafen die Gl\u00e4ser und Schwarzlotmalerei der f\u00fcnf farbigen Verglasungen, aber auch die Halterungssysteme. 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