  {"id":20074,"date":"2024-11-27T10:34:10","date_gmt":"2024-11-27T09:34:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10628-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:13","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:13","slug":"10628-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10628-01\/","title":{"rendered":"Rohrkolbenanbau in Niedermooren &#8211; Integration von Rohstoffgewinnung, Wasserreinigung und Moorschutz zu einem nachhaltigen Nutzungskonzept"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die intensive landwirtschaftliche Nutzung von Grundwassermooren (insbesondere Ackerbau) f\u00fchrt langfristig zum Verlust des Torfk\u00f6rpers. Damit verbunden ist die Belastung von Grund- und Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern mit \u00fcbersch\u00fcssigen N\u00e4hrstoffen sowie der Atmosph\u00e4re mit klimawirksamen Gasen (Kohlendioxid, Lachgas). Mit der Kultivierung von Rohrkolben (Typha latifolia, T. angustifolia) in \u00fcberfluteten Poldern soll deshalb versucht werden, 1. die genannten Belastungen weitestgehend zu reduzieren, 2. stattdessen Torfbildungsprozesse in Gang zu setzen und damit die Funktion von Grundwassermooren als Stoffsenken im Landschaftshaushalt zu aktivieren, 3. einen Beitrag zur Reinigung von belasteten Flie\u00dfgew\u00e4ssern zu leisten, 4. Retentionsr\u00e4ume f\u00fcr \u00dcberschusswasser bereitzustellen und 5. mit einem nachwachsenden Rohstoff (geeignet zur Herstellung von D\u00e4mmmaterial im Baugewerbe) eine m\u00f6gliche Alternative f\u00fcr die Landnutzung in Niederungslandschaften bereitzustellen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn S\u00fcddeutschlands gr\u00f6\u00dftem geschlossenem Niedermoorgebiet, dem Donaumoos bei Ingolstadt, wurden 1998 drei Demonstrationsfl\u00e4chen (insges. 8 ha) angelegt und mit Rohrkolben bepflanzt. Die Fl\u00e4chen werden mit n\u00e4hrstoffbelastetem Wasser aus Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben beschickt. Es wird ein ganzj\u00e4hriger \u00dcberstau mit unterschiedlichen Wasserst\u00e4nden angestrebt. Die Fl\u00e4chen sind mit Erdd\u00e4mmen umwallt, so dass sie bei Hochwassersituationen als Retentionsbereich dienen k\u00f6nnen. Die erste Beerntung der Rohrkolbenfelder wurde im Winter 1999\/2000 durchgef\u00fchrt.Folgende Arbeitsschritte und Untersuchungsmethoden kommen zur Anwendung: a) Anlage und Stabilisierung der Rohrkolbenbest\u00e4nde: Pr\u00fcfung unterschiedlicher Etablierungsmethoden (Ansaat, Pflanzung, ungest\u00f6rte Entwicklung), Erfassung der Bestandesentwicklung \u00fcber populations\u00f6kologische Untersuchungen, Erfassung von Schadorganismen und Stechm\u00fccken. b) Industrielle Verwertbarkeit als Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von D\u00e4mmstoffen: Die Untersuchungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Erntetechnik, Verarbeitung und Vertrieb. c) Eignung eines degradierten Niedermoores f\u00fcr die Torfbildung nach Wiedervern\u00e4ssung und somit als Stoffsenke f\u00fcr Kohlenstoff und Stickstoff: Die Zersetzungsdynamik der Rohrkolbenbest\u00e4nde sowie die Freisetzung und Aufnahme der klimarelevanten Spurengase CO2, N2O und CH4 werden in Freiland und Labor erfasst (Absch\u00e4tzung des global warming effect). d) Eig-nung als Filtersystem f\u00fcr Schadstoffe und Sedimente in Gew\u00e4ssern: Erfassung der Wasserzu- und -ablaufmengen, qualitative Wasseruntersuchung, sowie Untersuchung der Abbauleistung bzw. Stofffestlegung von flach eingestauten R\u00f6hrichtfeldern.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Rohstoffproduktion und -verwertung<br \/>\nDie Etablierung von Rohrkolbenbest\u00e4nden in degradierten Niedermooren (Bestandesaufbau, Stauhaltung und Erntetechnik) bereitet aus produktionstechnischer Sicht keine Probleme.<br \/>\nDas geerntete Pflanzenmaterial konnte zum gr\u00f6\u00dften Teil zu D\u00e4mmmaterial (Sch\u00fctt- und Einblasd\u00e4mmstoff) verarbeitet werden. Nahezu die gesamte im Winter 2000\/2001 geerntete Rohstoffmenge (1.500 m3) wurde f\u00fcr diesen Zweck aufbereitet. In weiteren Produktionsschritten soll daraus ein vermarktungsf\u00e4higer Einblasd\u00e4mmstoff hergestellt werden, dem sehr gute Absatzchancen einger\u00e4umt werden.<br \/>\nWiedervern\u00e4ssung\/Wasserretention<br \/>\nDie Simulation eines niedermoortypischen Wasserregimes konnte verwirklicht werden; ebenso die permanente Wasserbeschickung. Somit wurde ein Vern\u00e4ssungssystem etabliert, das dem Modell eines macrophyte-based system with surface-flow (Flachkl\u00e4rteichverfahren mit permanentem Durchfluss) entspricht. F\u00fcr den Gesamtnaturraum Donaumoos liegt inzwischen ein wasserwirtschaftliches Konzept (Entwicklungskonzept Donaumoos 2000-2030) vor, das das R\u00fcckhaltevolumen bei Hochwasser verbessert. Dabei lieferten die Ergebnisse des DBU-Projektes wertvolle Hinweise f\u00fcr die Ausgestaltung der geplanten Retentionsbereiche. In den n\u00e4chsten Jahren werden Staur\u00e4ume f\u00fcr insgesamt 6,5 Mio. m3 Wasser geschaffen.<br \/>\nVerminderung von Stoffverlusten<br \/>\nDie Rohrkolbenfelder konnten permanent mit Wasser beschickt werden. Somit konnten Effekte, wie verst\u00e4rkte Lachgasemissionen bei fluktuierenden Wasserst\u00e4nden, vermieden werden. Unter Ber\u00fccksichtigung von Feld- und Laboruntersuchungen kann davon ausgegangen werden, dass das Ziel die Belastung von Atmosph\u00e4re und Grundwasser durch umweltrelevante Stoffe zu minimieren, erreicht werden konnte. Um den Systemwechsel von einer Kohlendioxid- und Lachgasquelle zu einer Methanquelle infolge der Wiedervern\u00e4ssung zu optimieren (d.h. die Methanemissionen zu reduzieren), muss bei zuk\u00fcnftigen Ma\u00dfnahmen das Wassermanagement modifiziert werden. Dabei ist gr\u00f6\u00dfter Wert darauf zu legen, den Sauerstoffgehalt in den vern\u00e4ssten Fl\u00e4chen so hoch zu halten, dass die Methanogenese nur in reduziertem Umfang ablaufen kann.<br \/>\nNiedermoorrenaturierung<br \/>\nEin weiteres Ziel des Projektes war die Erh\u00f6hung der Funktionsf\u00e4higkeit des gesamten Lebensraumes. Obwohl aus produktionstechnischer Sicht ein m\u00f6glichst hoher Rohstoffertrag und damit ein m\u00f6glichst geschlossener Rohrkolbenbestand angestrebt wurde, bieten die k\u00fcnstlich angelegten Rohrkolbenfelder gen\u00fcgend Raum f\u00fcr typische und seltene Arten der Feuchtgebiete. Durch die Einbeziehung von Spukzessionsfl\u00e4chen sowie durch nat\u00fcrliche und erntebedingte Fluktuationen der Bestandesdichte wird der Habitatwert der Feuchtfl\u00e4chen erh\u00f6ht. So werden sie inzwischen f\u00fcr Wasserv\u00f6gel als regional bedeutsam eingestuft. Auch andere Tiergruppen, die auf permanente Wasserfl\u00e4chen angewiesen sind (z.B. Libellen und Amphibien) finden wertvolle R\u00fcckzugsgebiete in der Agrarlandschaft.<br \/>\nReinigung belasteter Gew\u00e4sser<br \/>\nDie Funktion der Rohrkolbenfelder als Pflanzenkl\u00e4ranlagen oder N\u00e4hrstofffallen konnte nachgewiesen werden. Sowohl die anorganische als auch die organische Belastung des eingeleiteten Wassers konnte wirksam reduziert werden. Die Ergebnisse lassen jedoch erkennen, dass &#8211; falls das zuflie\u00dfende Wasser l\u00e4nger in der Fl\u00e4che verbleibt als f\u00fcr eine Denitrifikation notwendig ist &#8211; das wiedervern\u00e4sste Niedermoor von der N\u00e4hrstoffsenke zu einer N\u00e4hrstoffquelle f\u00fcr Norg, NH4-N und Phosphor wird. Au\u00dferdem sind Untergrenzen der Beaufschlagungsmenge einzuhalten, um R\u00fcckl\u00f6sungsvorg\u00e4nge aus dem Substrat zu vermeiden.<br \/>\nNachhaltige Landbewirtschaftung<br \/>\nDie Wiedervern\u00e4ssung in Form eines \u00fcberstauten Durchflusssystems ist mit einer nachhaltigen Nutzung von degradierten Niedermoorfl\u00e4chen in Einklang zu bringen. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen aber eine ganze Reihe von Aspekten des Fl\u00e4chen- und Wassermanagements beachtet werden, um die angestrebte Senkenfunktion des wiedern\u00e4ssten Systems gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen. Die Entwicklung von Leitbildern f\u00fcr die k\u00fcnftige Gestaltung von Niedermoorlandschaften konnte ma\u00dfgeblich weiterentwickelt werden. Sie fand Niederschlag bei der Konzipierung des Entwicklungskonzeptes Donaumoos 2000-2030. Das Landnutzungskonzept zum Rohrkolbenanbau steht in \u00dcbereinstimmung mit den Kernpunkten des Konzeptes: Hochwasserschutz, Torfk\u00f6rperschutz, landwirtschaftliche Nutzung sowie Arten- und Biotopschutz.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen in Fachzeitschriften und Tagespresse. Berichte in Funk und Fernsehen.<br \/>\nPr\u00e4sentation des Projektes in der Farbbrosch\u00fcre: Multitalent Rohrkolben &#8211; \u00d6kologie, Forschung, Verwertung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die intensive landwirtschaftliche Nutzung von Grundwassermooren (insbesondere Ackerbau) f\u00fchrt langfristig zum Verlust des Torfk\u00f6rpers. Damit verbunden ist die Belastung von Grund- und Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern mit \u00fcbersch\u00fcssigen N\u00e4hrstoffen sowie der Atmosph\u00e4re mit klimawirksamen Gasen (Kohlendioxid, Lachgas). 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