  {"id":20021,"date":"2023-07-13T15:10:28","date_gmt":"2023-07-13T13:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/04924-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:29","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:29","slug":"04924-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/04924-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Enttr\u00fcmmerung der Frauenkirche unter dem Gesichtspunkt umweltbedingter Sch\u00e4den (Dokumentation und wissenschaftliche Begleitung)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Gegenstand des Vorhabens war die Erforschung umweltbedingter Sch\u00e4den am Bauwerk und an Tr\u00fcmmerteilen der Frauenkirche zu Dresden sowie die Erkundung von Materialeigenschaften verwendeter Baustoffe. Insbesondere sollten Erkenntnisse \u00fcber das Verhalten des Sandsteines gegen\u00fcber Umwelteinfl\u00fcssen sowie an der Schnittstelle zwischen erhaltener und neuer Bausubstanz gewonnen werden. Zielstellung war die Schaffung von Voraussetzungen f\u00fcr die Wiederverwendung einer maximalen Anzahl von Altsteinen, die Analyse von umweltbedingten Sch\u00e4den und Ableitung von Schlu\u00dffolgerungen f\u00fcr den Wiederaufbau sowie die Einsch\u00e4tzung der Tragf\u00e4higkeit des Sandsteinmauerwerks.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Bearbeitung erfolgte in vier Teilobjekten. Bei der ausf\u00fchrlichen arch\u00e4ologischen Dokumentation von ca. 1800 Funden wurden in einer zeichnerischen Komplettauswertung zu den daf\u00fcr ausgew\u00e4hlten steinernen Funden zahlreiche Eigenschaften der Steine dokumentiert. Die Reihenfolge wurde w\u00e4hrend der Bearbeitung auf die Anforderungen der Wiederaufbauplanung abgestimmt und entsprechend angepa\u00dft. Die Bearbeitung erfolgte in horizontalen Abschnitten, die der Wiederaufbauplanung laufend zur Verf\u00fcgung gestellt wurden.<br \/>\nW\u00e4hrend der Enttr\u00fcmmerung als erster arch\u00e4ologischen Bearbeitungsstufe konnten 580 Fundst\u00fccke in der kurzen zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit nicht oder nicht sicher hinsichtlich ihrer Ursprungslage im Bauwerk bestimmt werden. Dadurch wurde ihr Einsatz beim Wiederaufbau erschwert. Ihre genaue Einordnung war deshalb Ziel der zweiten arch\u00e4ologischen Bearbeitungsstufe.<br \/>\nDie Ermittlung von Kennwerten f\u00fcr Sandsteinmauerwerk umfa\u00dfte die Untersuchung des Einflusses der Patina auf das Feuchteverhalten des Kuppelmauerwerkes sowie numerische Analysen des W\u00e4rme- und Feuchteverhaltens im Kuppelmauerwerk unter Ber\u00fccksichtigung der \u00f6rtlich gegebenen Witterungsverh\u00e4ltnisse.<br \/>\nAuf der Grundlage der w\u00e4hrend und nach der Arch\u00e4ologischen Enttr\u00fcmmerung der Ruine der Frauenkirche zu Dresden durchgef\u00fchrten Schadenskartierung an den Fundst\u00fccken wurde eine Analyse und Auswertung der umweltbedingten Sch\u00e4den am Sandsteinmaterial durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zur ausf\u00fchrlichen arch\u00e4ologischen Dokumentation der ca. 1800 ausgew\u00e4hlten Funde geh\u00f6ren u. a. die orthogonale Darstellung aller Steinseiten, f\u00fcr die w\u00e4hrend der Enttr\u00fcmmerung Me\u00dfbildaufnahmen beauftragt wurden, Sichtfl\u00e4chen und deren eindeutig erkennbare Oberfl\u00e4chenbearbeitung, Haupt- und Detailma\u00dfe einschlie\u00dflich Radien, Fugen zwischen Einzelsteinen, Vierungen, mechanisch bedingte Sch\u00e4den, wie Bruchkanten, Abplatzungen und Risse, M\u00f6rtelanhaftungen, konstruktive Besonderheiten, z. B. Klammern, Dorne, D\u00fcbel, L\u00f6cher und Auskehlungen f\u00fcr Verbindungsmittel (jeweils mit Detailbema\u00dfung), als m\u00f6gliche Angriffspunkte f\u00fcr sch\u00e4digende Umwelteinfl\u00fcsse, umweltbedingte Sch\u00e4den, wie lokale Oberfl\u00e4chenverwitterung, Fugenpatinierung, Krustenbildung, Salzausbl\u00fchungen, Bewuchs mit Algen\/Flechten, Steinmetzzeichen, Inschriften und sonstige Zeichen und Beschriftungen. Somit wurde eine gute Grundlage f\u00fcr den Wiedereinbau dieser Fundst\u00fccke und den materialsparenden Umgang mit der Naturressource Sandstein sowie f\u00fcr eine Katalogisierung und Bewertung der festgestellten umweltbedingten Sch\u00e4den geschaffen.<br \/>\nMit den nunmehr zur Verf\u00fcgung stehenden Informationen aus der abgeschlossenen Enttr\u00fcmmerung und weiteren Archivalien war es m\u00f6glich, f\u00fcr jeden der zu identifizierenden 580 Funde eine Entscheidung \u00fcber die weitere Verwendung im Sinne eines optimalen Einsatzes des Fundgutes beim Wiederaufbau vorzuschlagen. Die Ergebnisse dieser zweiten arch\u00e4ologischen Bearbeitungsstufe wurden entsprechend der bisher \u00fcblichen Art und Weise dokumentiert. Zuerst erfolgte die Aktualisierung der Datenbankinhalte zu den betreffenden Fundst\u00fccken. Danach wurden die Ergebnisse in schwarz-wei\u00df-Drucke (verkleinerte Fassadenpl\u00e4ne) sowie in schwarz-wei\u00df-Kopien (Grundrisse, Schnitte und Fotos der arch\u00e4ologischen Enttr\u00fcmmerung) mit den w\u00e4hrend der Enttr\u00fcmmerung verwendeten Farben rot (Zuordnung sicher), gr\u00fcn (bereichsm\u00e4\u00dfige Zuordnung, pa\u00dft an diese Stelle) und blau (Schablone f\u00fcr Neuanfertigung) eingetragen. Die Nachidentifikation dieser Steine erleichtert die Arbeit der Wiederaufbauplaner und die Steine konnten in die Erfassung und Auswertung umweltbedingter Sch\u00e4den einbezogen werden.<br \/>\nDie Folgen klimatischer Wechselwirkungen wurden in drei Teilen erforscht: 1. Untersuchungen zur Patina und der zeitlichen Ver\u00e4nderung der Patinaschichtdicke; Untersuchung der hygrischen Gesteinseigenschaften an bruchfrischen s\u00e4chsischen Sandsteinen und solchen, deren Oberfl\u00e4che eine dichte Patina aufweist, 2. Numerische Untersuchungen zum Feuchteverhalten der Stein-M\u00f6rtel-Stein-Verbindung, Aufbereitung der Ergebnisse f\u00fcr eine m\u00f6gliche spannungsmechanische Betrachtung, 3. Auswertung der Untersuchungen. Die gefundenen Ergebnisse bilden die Grundlage f\u00fcr die Ausarbeitung eines den realen Bauwerksverh\u00e4ltnissen angepa\u00dften Versuchsprogramms. Mit Kenntnis der sich im Kuppelmauerwerk im Jahres- und Tagesgang einstellenden Temperaturverh\u00e4ltnisse kann mit Hilfe strukturmechanischer Untersuchungen die sich aus dem Temperaturverhalten des Kuppelmauerwerks ergebende Beanspruchung analysiert werden. Hierbei ist neben der geeigneten Beschreibung des last-, temperatur- und zeitabh\u00e4ngigen Materialverhaltens auch die Wahl der Randbedingungen entscheidend.<br \/>\nAus den umfangreichen Schadensaufnahmen im Zuge der Enttr\u00fcmmerung der Frauenkirche lassen sich R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Schadensursachen bzw. den Zusammenhang zwischen Schadensformen und Umwelteinfl\u00fcssen ziehen. Durch die gro\u00dfe Zahl der aufgenommenen Fundst\u00fccke sind gesicherte statistische Aussagen m\u00f6glich, die bei einer Begutachtung einzelner Sch\u00e4den nicht denkbar gewesen w\u00e4ren. Die Einwirkungen von Ozon, Schwefel- und Stickoxiden, insbesondere im Zusammenhang mit Niederschlagswasser beeinflussen das Verwitterungsverhalten von Sandsteinmaterialien und somit die Lebensdauer der daraus erschaffenen Bauwerke. In naher Zukunft ist sicherlich nicht mit einer nennenswerten Verminderung der Luft- und Regenwasserbelastung zu rechnen. Allenfalls ist von einer Umstellung von Schwefeloxid- auf Stickoxidbelastung auszugehen, was wieder neue Probleme f\u00fcr die Steinverwitterung z. B. durch S\u00e4urebildung mit sich bringt. Diese Einfl\u00fcsse und die unserer modernen Industrie- bzw. Stadtatmosph\u00e4re sollten in zuk\u00fcnftigen Untersuchungen noch st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des gef\u00f6rderten Projektvorhabens wurden entsprechend den Regeln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt f\u00fcr die Datenbank MONUFAKT des Umweltbundesamtes aufbereitet und werden dieser \u00fcbergeben, so da\u00df diese Daten der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die umfassende statistische Auswertung einer gro\u00dfen Anzahl von steinernen Funden w\u00e4hrend und nach der arch\u00e4ologischen Enttr\u00fcmmerung verbunden mit begleitenden und weiterf\u00fchrenden Materialuntersuchungen wurden wesentliche Voraussetzungen f\u00fcr die Wiederverwendung einer maximalen Anzahl von Altsteinen beim Wiederaufbau sowie f\u00fcr die Analyse von umweltbedingten Sch\u00e4den zur Schonung der Naturressource Sandstein geschaffen. Die dabei gesammelten Daten und die Erfahrungen w\u00e4hrend der Durchf\u00fchrungsphasen der einzelnen Teilobjekte k\u00f6nnen f\u00fcr die Bearbeitung anderer Objekte von erheblichem Nutzen sein. Zu diesem Zweck werden die Ergebnisse des Projektes in multimedialer Form auf elektronischen Medien publiziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Gegenstand des Vorhabens war die Erforschung umweltbedingter Sch\u00e4den am Bauwerk und an Tr\u00fcmmerteilen der Frauenkirche zu Dresden sowie die Erkundung von Materialeigenschaften verwendeter Baustoffe. Insbesondere sollten Erkenntnisse \u00fcber das Verhalten des Sandsteines gegen\u00fcber Umwelteinfl\u00fcssen sowie an der Schnittstelle zwischen erhaltener und neuer Bausubstanz gewonnen werden. 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