  {"id":19820,"date":"2023-07-13T15:08:07","date_gmt":"2023-07-13T13:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/00893-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:08:09","modified_gmt":"2023-07-13T13:08:09","slug":"00893-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/00893-01\/","title":{"rendered":"Regenwasserentsorgung in den neuen Bundesl\u00e4ndern durch Mulden-  Rigolen-Systeme &#8211; wissenschaftliche Begleitung der Pilotanlagen und Erarbeitung eines Leitfadens"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel und Anla\u00df des Projekts ist es, f\u00fcr regenwasserseitig nur sehr l\u00fcckenhaft erschlossene Siedlungsgebiete der neuen Bundesl\u00e4nder neue Wege einer Regenwasserentsorgung (Regenwasserbewirtschaftung) aufzuzeigen, die sich einerseits an einer weitestgehenden Regenwasserversickerung orientieren und andererseits bei einem mit einer traditionellen Regenwasserkanalisation vergleichbaren Entw\u00e4sserungskomfort zur Kostend\u00e4mpfung \u00f6ffentlicher Erschlie\u00dfungsma\u00dfnahmen beitragen. Schwerpunkte der wasserwirtschaftlichen Zielstellung sind, die Flie\u00dfgew\u00e4sser zu entlasten, Hochwassersituationen vorzubeugen, Grundwasser zu erhalten, Niedrigwasserabf\u00fchrungen kleiner Flie\u00dfgew\u00e4sser zu stabilisieren sowie durch Einsatz  vernetzter Mulden-Rigolen-Systeme (MRS) Voraussetzungen f\u00fcr die Anwendung der Regenwasserversickerung auch unter weniger g\u00fcnstigen Versickerungsvoraussetzungen (Kf < 5 x 10E-6, tempor\u00e4res oberfl\u00e4chennahes Schichtenwasser) zu schaffen. Beispielhaft sind  einzelne MRS als Pilot- und Demonstrationsanlagen zu errichten und wissenschaftlich zu begleiten.\n\n\nDarstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr zwei gro\u00dffl\u00e4chige, bisher weitestgehend nicht erschlossene Siedlungsgebiete (jeweils ca. 1000 ha, 100 bis 150 Stra\u00dfenkilometer) werden umfangreiche Bestandsaufnahmen durchgef\u00fchrt. Mit der komplexen Bestandsaufnahme werden erfa\u00dft: Die feingliedrige Topographie, die Geologie (geologisches und hydrogeologisches Kartenmaterial, Bodenkartierung, open-end-Versickerungsversuche), die Vorflutverh\u00e4ltnisse, die kleinr\u00e4umigen Randbedingungen (z. B. Stra\u00dfenraumbreiten, -befestigungen, Stra\u00dfenbepflanzungen, grundst\u00fccksbezogene Besonderheiten, Fl\u00e4chennutzungs-\/B-\/V+E-Planungen, Verkehrsplanungen etc.) sowie Biotopkartierungen.\nAuf dieser Grundlage werden fl\u00e4chendeckend und stra\u00dfenzugweise m\u00f6gliche Elemente der Regenwasserbewirtschaftung (einfache Versickerungsmulden, vernetzte und nicht vernetzte MRS in dezentraler und semizentraler Anordnung, oberfl\u00e4chige\/oberfl\u00e4chennahe Ableitung, Gosse, Rinne etc., Regenwasserkanal)  zugeordnet, vom Gesamtzusammenhang her hydraulisch vordimensioniert, mittels Langzeitkontinuumsimulation nachgewiesen und einem konventionellen Kanalkonzept hinsichtlich der Auswirkungen auf den Wasser- und Naturhaushalt (Umweltvertr\u00e4glichkeitsvergleich) und der Investitionskosten gegen\u00fcbergestellt.\nIn den Untersuchungsgebieten werden einzelne MRS als Pilot- und Demonstrationsanlagen planerisch vorbereitet, bauseits realisiert sowie hinsichtlich des Betriebsverhaltens untersucht. Die bei der Erarbeitung der Regenwasserbewirtschaftungskonzeptionen sowie der Errichtung und dem Betrieb der Pilotanlagen gewonnenen Erfahrungen werden als Leitfaden im Sinne einer Planungshilfe zusammengefa\u00dft.\n\n\nErgebnisse und Diskussion\n\nMit den beiden Gesamtkonzepten wird eine verallgemeinerungsf\u00e4hige Methodik zur Entwicklung naturnaher und umweltvertr\u00e4glicher Regenwasserbewirtschaftungskonzepte f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere in sich zusammenh\u00e4ngende Siedlungsgebiete erarbeitet. Es kann nachgewiesen werden, da\u00df neben wasserwirtschaftlichen und naturr\u00e4umlichen Vorteilen, wie Erhalt der Grundwasserneubildung, Schutz von Grund- und Oberfl\u00e4chenwasser, Erhalt von Biotopen, gegen\u00fcber einer traditionellen Regenwasserableitung deutlich niedrigere Investitionskosten erforderlich sind (20 % bzw. 45 % im Falle der Beispielgebiete). In den Untersuchungsgebieten liegt der gem\u00e4\u00df Konzeption vorgesehene Anteil an dezentralen Versickerungsanlagen bei 70 % bzw. 90 % (davon Anteil MRS bei 60 % bzw. 15 %), der Anteil R-Kanal bei 30 % bzw. 10 %. MRS werden dort eingesetzt, wo die Bodenverh\u00e4ltnisse (Kf < 5 x 10-6) eine nat\u00fcrliche Versickerung nicht zulassen. Dar\u00fcber hinaus ist die Anordnung von MRS insbesondere in Bestandsgebieten von kleinr\u00e4umigen Randbedingungen, wie der verf\u00fcgbaren Stra\u00dfenraumbreite, dem Stra\u00dfenprofil sowie der Bepflanzung, abh\u00e4ngig. Die Wasserhaushaltsbilanz weist im langj\u00e4hrigen Mittel eine Versickerungsrate von durchschnittlich 60 % bzw. 86 % aus. Um die wasserwirtschaftlichen, naturr\u00e4umlichen und wirtschaftlichen Vorteile einer naturnahen Regenwasserbewirtschaftung effizient umzusetzen, ist es notwendig, diese bei der Bauleit- und Verkehrsplanung fr\u00fchzeitig zu ber\u00fccksichtigen. Dies betrifft insbesondere die Vorbereitung von neuen Erschlie\u00dfungsgebieten. Mit dem Leitfaden umweltvertr\u00e4gliche Regenwasserentsorgung werden die Beispielkonzepte verallgemeinert und eine methodische Anleitung zur Entwicklung von Regenwasserbewirtschaftungskonzepten f\u00fcr Siedlungsgebiete vorgestellt. \nIn \u00dcbereinstimmung mit den o.g. Konzeptionen wurden in der Gemeinde Sch\u00f6now zwei Demonstrationsanlagen errichtet: 1. Stra\u00dfenbegleitendes MRS Sch\u00f6nerlinder-\/Wiesenstra\u00dfe (1992, Bestandsgebiet); 2. Komplexes MRS Gewerbegebiet Sch\u00f6now (1996\/97; Erschlie\u00dfungsgebiet, ca. 40 ha). Mit den realisierten Demonstrationsanlagen kann nachgewiesen werden, da\u00df MRS sowohl in Bestands- als auch Neubaugebieten konsequent umgesetzt werden k\u00f6nnen. Neben der wasserwirtschaftlichen Zielstellung, m\u00f6glichst viel Regenwasser zu versickern, wird dar\u00fcber hinaus die M\u00f6glichkeit nachgewiesen, mittels MRS tempor\u00e4r oberfl\u00e4chennahes Schichtenwasser bewirtschaften zu k\u00f6nnen.\nDie\/Der Dimensionierung\/hydrologischer Nachweis der Anlagen erfolgt mit Hilfe einer Langzeit-Kontinuumsmulation, Simulationsprogramm MURISIM. Bauerfahrungen: Die Errichtung der unterirdischen Baugruppen (Rigole, Dr\u00e4nrohr, Vernetzung) sind im allgemeinen unproblematisch. Um die Sickerf\u00e4higkeit des Muldenoberbodens zu gew\u00e4hrleisten, wird auf die konsequente Anwendung der DIN 18035, Teil 4 (Rasentragschichten im Sportplatzbau) orientiert. Im Zuge der Projektbearbeitung wurde die Entwicklung der erforderlichen Spezialsch\u00e4chte (Anstau- und Drosselregulierung) beeinflu\u00dft. Da bei Erschlie\u00dfungsgebieten die Regenwasserbewirtschaftung vorzugsweise und weitestgehend auf den Grundst\u00fccken erfolgt, ist es f\u00fcr eine dauerhafte Umsetzung erforderlich, diese Ma\u00dfnahmen \u00fcber B-Pl\u00e4ne, Satzungen bzw. Kaufvertr\u00e4ge nachhaltig durchzusetzen. F\u00fcr das Gewerbegebiet Sch\u00f6now wird  beispielhaft eine Anleitung f\u00fcr Planung, Bau und Betrieb grundst\u00fcckseigener MRS entwickelt. Die Erfahrungen der projekt- und bauseitigen Abwicklung werden ausgewertet. Erste Erfahrungen der Pflege und Unterhaltung von MRS werden in einer(m) Leistungsbeschreibung\/-verzeichnis, das die komplexe Unterhaltung der \u00d6ffentlichen Erschlie\u00dfungsanlagen Stra\u00dfe\/Regenwasserbewirtschaftung\/Gr\u00fcnanlagen ber\u00fccksichtigt, zusammengefa\u00dft.\nProjekt\u00fcbergreifende Ergebnisse sind, da\u00df dem Beispiel der ersten Demonstrationsanlage folgend, seit 1994 in Berlin und Brandenburg das MRS in gr\u00f6\u00dferem Umfang zur Anwendung gekommen ist.\n\n\n\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation\n\nWorkshop Regenwasserbewirtschaftung statt Regenwasserentsorgung (1993), diverse Publikationen; Seminare f\u00fcr \u00f6ffentliche Beh\u00f6rden und Ingenieurb\u00fcros (1993 - 1997).\n\n\nFazit\n\nDie mit dem Projekt erzielten Ergebnisse zeigen, da\u00df mit MRS auch bei geologisch ung\u00fcnstigen Randbedingungen eine weitestgehende Regenwasserversickerung in Bestands- und Neubaugebieten m\u00f6glich ist. Im Komplex mit anderen Elementen einer umweltvertr\u00e4glichen Regenwasserbewirtschaftung k\u00f6nnen diese technisch, \u00f6kologisch und wirtschaftlich effizient umgesetzt werden.\nDar\u00fcber hinaus mu\u00df festgestellt werden, da\u00df bez\u00fcglich der Systemelemente des MRS, der Vielfalt der Kombinationsm\u00f6glichkeiten verschiedener Entw\u00e4sserungsverfahren sowie deren modelltechnischer Beschreibung sowie bestehender Probleme einer nachhaltigen Umsetzung und der Integration in die gro\u00dfr\u00e4umige wasserwirtschaftliche Rahmenplanung noch umfangreicher F &#038; E-Bedarf besteht.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel und Anla\u00df des Projekts ist es, f\u00fcr regenwasserseitig nur sehr l\u00fcckenhaft erschlossene Siedlungsgebiete der neuen Bundesl\u00e4nder neue Wege einer Regenwasserentsorgung (Regenwasserbewirtschaftung) aufzuzeigen, die sich einerseits an einer weitestgehenden Regenwasserversickerung orientieren und andererseits bei einem mit einer traditionellen Regenwasserkanalisation vergleichbaren Entw\u00e4sserungskomfort zur Kostend\u00e4mpfung \u00f6ffentlicher Erschlie\u00dfungsma\u00dfnahmen beitragen. 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