  {"id":19564,"date":"2024-11-27T10:32:54","date_gmt":"2024-11-27T09:32:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08039-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:32:56","modified_gmt":"2024-11-27T09:32:56","slug":"08039-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08039-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Holz: Entwicklung von Pr\u00fcf- und Bewertungsverfahren f\u00fcr biologisch basierten Materialschutz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Standardisierbare Labortests werden erarbeitet, welche die Bewertung geeigneter Pflanzeninhaltsstoffe als umweltfreundliche Schutzma\u00dfnahme zur Kontrolle des Hausbockk\u00e4fers erm\u00f6glichen. Nat\u00fcrliche Pr\u00e4parate, die den K\u00e4fer anlockende Duftsignale aus dem Holz maskieren k\u00f6nnen, sollen f\u00fcr den Holzschutz verf\u00fcgbar gemacht werden. Bei aktuellen Schutzmitteln wird zur Zeit nur deren Biozidwirkung auf frisch geschl\u00fcpfte K\u00e4ferlarven getestet; verhaltenssteuernde und auf diese Weise abwehrende Verfahren k\u00f6nnen in Ermangelung geeigneter und anerkannter Pr\u00fcfvorschriften nicht eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGrundz\u00fcge des Verhaltens, das Hausbockk\u00e4fer bei der Suche von bisher nicht befallenem Nadelholz und der Partnersuche zeigen, wurden in einer Tischarena (1700 mm x 500 mm x 100 mm) mit Einzeltieren untersucht. Die Arena war durch eine Bodenheizung auf 30 \u00b0C erw\u00e4rmt. Die Testzeiten betrugen jeweils 30 Minuten. Randbedingungen wie K\u00e4feralter, Haltung der K\u00e4fer vor dem Test (auf ihrem Schlupfholz, einem frischen Kiefernholz oder in einer Petrischale), sowie die gleichzeitige Anwesenheit des potentiellen Partners am K\u00f6derholz oder an einer Gipsattrappe wurden hinsichtlich der Attraktivit\u00e4t verschiedener Holzarten \u00fcberpr\u00fcft. Neben der Wirkung von m\u00e4nnlichen K\u00e4fern auf unbegattete Weibchen wurde auch die des synthetischen Lockstoffs der M\u00e4nnchen, (3R)-3-Hydroxy-2-hexanon, getestet. Tests zur Eiablage bei simultanem Angebot verschiedener Holzarten oder einer gleichgestalteten Gipsattrappe (jeweils 50 mm x 50 mm x 10 mm) erfolgten in einer kleinen Laufarena (500 mm x 500 mm x 100 mm) in einem Klimaraum bei 26 \u00b0C und 70 % r. h.<br \/>\nUntersuchungen zur Flugorientierung von m\u00e4nnlichen und weiblichen (begattet oder unbegattet) K\u00e4fern wurden in einem gro\u00dfen Glask\u00e4fig (5 m x 2 m x 2 m) bei sehr starker Beleuchtung von oben (ca. 40 000 Lx) und 30 \u00b0C durchgef\u00fchrt.<br \/>\nVon einem Industriepartner bereitgestellte Pflanzeninhaltsstoffe wurden auf verhaltenssteuernde Wirkung gegen\u00fcber Hausbockk\u00e4fern sowie m\u00f6gliche ovizide und larvizide Eigenschaften gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>M\u00e4nnliche Hausbockk\u00e4fer, die vier Tage und \u00e4lter sind, verlassen im Gegensatz zu unbegatteten Weibchen und j\u00fcngeren M\u00e4nnchen bald das Holz, aus dem sie zuvor schl\u00fcpften. Ein bisher nicht belaufenes Kiefernsplintholz hat f\u00fcr sie eine hohe Attraktivit\u00e4t. F\u00fcr unbegattete Weibchen ist dagegen weder Kiefernsplintholz noch eine geruchsneutrale Gipsattrappe attraktiv. Erst die Anwesenheit von m\u00e4nnlichen Hausbockk\u00e4fern an Kiefernholz erh\u00f6ht dessen Attraktivit\u00e4t f\u00fcr unbegattete Weibchen betr\u00e4chtlich. Sitzt das M\u00e4nnchen dagegen an Gips, f\u00fchrt dessen Anwesenheit zu keiner gesteigerten Lockwirkung. Dies gilt auch f\u00fcr den Ersatz des M\u00e4nnchens durch die synthetisierte Wirkkomponente aus seinem Sexuallockstoff. Kiefernholz zusammen mit dem k\u00fcnstlichen Lockstoff hingegen wird ebenso sehr gew\u00e4hlt wie beim Besatz mit einem K\u00e4ferm\u00e4nnchen. Dies macht deutlich, dass nur die Kombination von Geruchsstoffen aus dem Kiefernholz und dem m\u00e4nnlichen Sexualpheromon eine verhaltensstimulierende Wirkung auf unbegattete weibliche Hausbockk\u00e4fer aus\u00fcbt. Dieses geschlechtsspezifisch unterschiedliche Verhalten macht deutlich, dass die Ausbreitung der Hausbockk\u00e4fer durch die M\u00e4nnchen gesteuert wird, indem sie das geeignete Substrat ausw\u00e4hlen.<br \/>\nF\u00fcr begattete Hausbockk\u00e4ferweibchen ist die Qualit\u00e4t des Eiablageorts von untergeordneter Bedeutung; ihr Verhalten vor der Begattung stellte ja eine Kopulation nur an geeigneten Brutst\u00e4tten f\u00fcr die Larven sicher. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen verschiedenen Holzarten oder einer Gipsattrappe. Durch ein Umsetzen der Weibchen im Experiment wurden daher Eier auch an einem ungeeigneten Substrat abgelegt. Stellt man m\u00e4nnlichen K\u00e4fern unterschiedliche Holzarten sowie mit Pflanzenextrakten bestrichenes Kiefernholz oder auch Gips zur Auswahl und vergleicht die H\u00e4ufigkeit des Belaufens dieser K\u00f6der, dann wird Kiefernholz eindeutig bevorzugt. Zwar werden die anderen K\u00f6der nicht gemieden, aber nur an Kiefernholz verweilen die M\u00e4nnchen \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit.<br \/>\nIn Flugraumexperimenten konnte gezeigt werden, dass Hausbockm\u00e4nnchen auch \u00fcber etwas gr\u00f6\u00dfere Strecken Kiefernholz aufsuchen, um sich dort zu verstecken und weibliche K\u00e4fer anzulocken. Nach der Begattung pr\u00fcfen die Weibchen nur noch die unmittelbare Umgebung nach einem geeigneten Spalt f\u00fcr die Eiablage. Die Qualit\u00e4t des Substrats ist bei der Wahl von untergeordneter Bedeutung.<br \/>\nHolz kann auch durch die Behandlung mit geeigneten Pflanzenextrakten vor der Eiablage durch weibliche Hausbockk\u00e4fer gesch\u00fctzt werden. Ein Test auf Wirksamkeit wird in einer kleinen Laufarena in sechs Parallelen durchgef\u00fchrt und erstreckt sich \u00fcber vier Tage. Als strenger Test w\u00e4re das ausschlie\u00dfliche Anbieten eines behandelten Kiefernholzes, das einen Spalt f\u00fcr eine m\u00f6gliche Eiablage hat, anzusehen. Wird hieran innerhalb von vier Tagen nicht abgelegt, danach aber an einem unbehandelten Holz, so sollte von der Testsubstanz ein ausreichender Schutz ausgehen. Ein milderes Verfahren, das keine Repellenz voraussetzt, sondern nur eine reduzierte Attraktivit\u00e4t, w\u00e4re beispielsweise mit dem simultanen Angebot von drei behandelten und einem unbehandelten Kiefernholz m\u00f6glich. Wird innerhalb der Testzeit stets am unbehandelten Holz abgelegt, dann sollten der Testsubstanz auch sch\u00fctzende Eigenschaften attestiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die gewonnenen Ergebnisse wurden sowohl in den nationalen und europ\u00e4ischen Normierungsgremien als auch in Vortr\u00e4gen (Kolloquiumsvortrag Universit\u00e4t K\u00f6ln, 1998; Internationale Entomologentagung Basel, 1999; Internationale Holzschutztagung IRG Hawaii, 2000) dargestellt und in Tagungsb\u00e4nden und Jahresberichten ver\u00f6ffentlicht. Eine umfassende Publikation in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift \u00fcber die Ergebnisse dieser Untersuchung ist in Arbeit. Weiterhin werden die Befunde vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Verhalten des Hausbockk\u00e4fers, das zu einem Neubefall von Nadelholz f\u00fchrt, wurde aufgekl\u00e4rt. Es wurde festgestellt, dass alleine die m\u00e4nnlichen K\u00e4fer f\u00fcr den Neubefall eines ungesch\u00fctzten Holzes und somit f\u00fcr das Aufsuchen eines neuen Substrats f\u00fcr die Entwicklung seiner Larven verantwortlich sind. Das entsprechende Holz wird dabei \u00fcber Duftkomponenten erkannt, die sich durch geeignete Pflanzenextrakte maskieren lassen. Der vorbeugende Schutz sollte sich daher prim\u00e4r gegen die M\u00e4nnchen richten. Eine Langzeitwirkung ist jedoch erforderlich. M\u00f6glicherweise gen\u00fcgt es, eine Duftquelle in dem gef\u00e4hrdeten Raum auszubringen, die w\u00e4hrend der Flugzeit (Mai bis September) wirkt und j\u00e4hrlich erneuert wird. Eine absto\u00dfende Wirkung entsprechender Duftstoffe ist nicht unbedingt erforderlich, da auch von m\u00e4nnlichen K\u00e4fern f\u00fcr sie neutral riechende Orte wohl kaum f\u00fcr ein l\u00e4ngeres Verweilen angeflogen werden.<br \/>\nEs wird schwierig sein, eine schnelle Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung und beim Anwender von Holzschutzma\u00dfnahmen zu erzielen, dass der Holzschutz gegen das M\u00e4nnchen des Hausbockk\u00e4fers gerichtet sein sollte. Es ist schlie\u00dflich das Weibchen, welches mit seinen Eigelegen einen Neubefall ausl\u00f6st.  Daher wird auch ein Testverfahren vorgeschlagen, das ein Pr\u00fcfen der hemmenden Wirkung von Duftsubstanzen auf die Eiablage erm\u00f6glicht. Auch hier ist die langfristige Abgabe des Dufts von der Holzoberfl\u00e4che gefordert und sollte durch entsprechende k\u00fcnstliche Alterungsmethoden nachgewiesen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Standardisierbare Labortests werden erarbeitet, welche die Bewertung geeigneter Pflanzeninhaltsstoffe als umweltfreundliche Schutzma\u00dfnahme zur Kontrolle des Hausbockk\u00e4fers erm\u00f6glichen. Nat\u00fcrliche Pr\u00e4parate, die den K\u00e4fer anlockende Duftsignale aus dem Holz maskieren k\u00f6nnen, sollen f\u00fcr den Holzschutz verf\u00fcgbar gemacht werden. 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