  {"id":18690,"date":"2024-11-27T10:34:06","date_gmt":"2024-11-27T09:34:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10203-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:09","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:09","slug":"10203-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10203-01\/","title":{"rendered":"Energie- und Kohlendioxidbilanzen landwirtschaftlicher Betriebe &#8211; Energetischer Bewertungsansatz landwirtschaftlicher Produktionssysteme am Beispiel der Leitbetriebe Integrierter Landbau in NRW"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Energie- und CO2-Bilanzen dienen zur Beurteilung der Effizienz der eingesetzten Energie und der klimarelevanten Effekte landwirtschaftlicher Produktionsverfahren. Durch die Analyse einzelner Betriebsebenen lassen sich betriebliche Schwachstellen in der Energieeffizienz erkennen und Ansatzpunkte f\u00fcr Systemverbesserungen aufzeigen. Bisher wurde eine derartige ganzheitliche Betriebsanalyse nur an einigen ostdeutschen Gro\u00dfbetrieben versucht. Ziel ist es mit Hilfe des sehr umfangreichen Datenmaterials der Leitbetriebe Integrierter Landbau in NRW einen Bilanzierungsansatz zu entwickeln, der praxisorientiert, nachvollziehbar und leicht auf unterschiedliche Betriebstypen anwendbar ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenBilanzen k\u00f6nnen je nach Fragestellung auf der Basis unterschiedlicher zeitlicher und r\u00e4umlicher Ebenen berechnet werden. Erster Schritt der Bilanzierung ist daher die Formulierung von Systemgrenzen, d.h. es wird eine sachliche, r\u00e4umliche und zeitliche Begrenzung f\u00fcr die aufzustellenden Bilanzen festgelegt. Grundlage der Bilanzierungen sind schon erhobene Daten aus dem vom MURL gef\u00f6rderten Projekt Leitbetriebe Integrierter Landbau in NRW (7 Betriebe \u00fcber 5 Jahre). Auf Grundlage der gewonnenen und miteinander vergleichbaren betriebsspezifischen Energie- und CO2-Bilanzen kann der Einsatz direkter und indirekter Energietr\u00e4ger auf den Ebenen des Hoftores, des Stalles und der Fl\u00e4che optimiert, sowie die Effizienz des Anbaus nachwachsender Rohstoffe aufgezeigt werden. Gleichzeitig besteht die M\u00f6glichkeit anhand des Datensatzes Indikatoren zu entwickeln und zu testen, mit deren Hilfe andere landwirtschaftliche Betriebe bewertet werden k\u00f6nnen, ohne das \u00e4hnlich umfangreiche Erhebungen durchge-f\u00fchrt werden m\u00fcssen. Die Ergebnisse dieses Projektes flie\u00dfen in die \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Kooperationsprojektes Leitbetriebe Integrierter Landbau in NRW mit ein. Zur besseren Handhabung und Nachvollziehbarkeit werden die Schritte der Bilanzberechnungen anhand einer Software\/Tabellenkalkulation dokumentiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ans\u00e4tze der Energiebilanzierungen f\u00fcr Hoftor-, Stall- und Fl\u00e4chenbilanzen wurden in das Tabellen-kalkulationsprogramm EXCEL 97 unter Windows 95 \u00fcbertragen. Durch den unterschiedlichen Umfang der einzelnen Energiefl\u00fcsse bzw. Datens\u00e4tze in den verschiedenen Bilanzebenen konnten die Eingabemasken nicht vollkommen identisch aufgebaut werden. Der prozentuale Anteil der fossilen Inputgr\u00f6\u00dfen wird ebenso wie das Verh\u00e4ltnis von Output zu Input (getrennt nach fossilem und regenerativem Input) durch Kreisdiagramme optisch dargestellt. Rote Punkte in einzelnen Zellen der Tabellenbl\u00e4tter kennzeichnen &#8220;Notizen&#8221;, die Angaben \u00fcber verwendete Rechenschritte, Quellen usw. enthalten, sofern sie nicht aus der Eingabemaske selbst ersichtlich sind. Die Bilanzierung wird dadurch bis in jedes Detail nachvollziehbar und die verwendeten Daten\/Faustzahlen\/Berechnungsformeln lassen sich problemlos aktualisieren, ohne die Eingabemaske selbst ver\u00e4ndern zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Aussagekraft einer energetischen Bilanz h\u00e4ngt in nicht unerheblichem Ma\u00df von dem Betrachtungszeitraum ab. Es bietet sich in der Landwirtschaft an, Bilanzen in j\u00e4hrlichen Abst\u00e4nden aufzustellen. Um Aussagen treffen zu k\u00f6nnen sind Betrachtungszeitr\u00e4ume von mindestens drei Jahren empfehlenswert. Als Beispiel dient die Entwicklung des Energiegewinns I und des D\u00fcngemitteleinsatzes eines Betriebes \u00fcber f\u00fcnf Bilanzjahre. Nach einer Senkung des D\u00fcngemitteleinsatzes 1992\/93 kam es gleichzeitig zu sinkenden Ertr\u00e4gen, die in den Folgejahren wieder gesteigert werden konnten bei gleichzeitig weiterer Reduktion des D\u00fcngemitteleinsatzes. Im Erntejahr 1995\/96 konnte der Energiegewinn I den Ausgangswert von 1991\/92 um rund 25 GJ\/ha \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr diese betriebliche Entwicklung liegt zum einen in der Ausgangssituation des Betriebes zu Beginn des Projektes &#8220;Leitbetriebe Integrierter Landbau in NRW&#8221;, in der die N\u00e4hrstoffversorgung der B\u00f6den des Betriebes als mittel bis hoch beschrieben werden konnte, sowie in einer st\u00e4ndigen Beratung und Fortbildung des Betriebsleiters \u00fcber den Betrachtungszeitraum hinweg. Die \u00c4nderung der Wirtschaftsweise (Steigerung des Zwischenfruchtanbaues von 32,5% der Anbaufl\u00e4che 1992 auf 53,8% im Jahr 1997; Steigerung der Mulchsaat nach Zwischenfr\u00fcchten; seit Beginn des Projektes &#8220;Leitbetriebe&#8221; 100% pfluglose Wirtschaftsweise) ist neben dem Wissensgewinn des Betriebsleiters auch auf die Teilnahme an einem Markenfleischprogramm zur\u00fcckzuf\u00fchren (Senkung des Maisanteils und Ersatz durch Getreide und Erbsen). Die betrieblichen Ver\u00e4nderungen kombiniert mit dem Wissensgewinn schlagen sich letztlich in kontinuierlich steigenden durchschnittlichen Ertr\u00e4gen bzw. Energiegewinnen und gleichzeitig sinkendem Einsatz von D\u00fcngemitteln nieder [ZERHUSEN-BLECHER, 1999].<\/p>\n<p>Die in der pflanzlichen Produktion erzielten Energiegewinne sind in erster Linie von den Ertr\u00e4gen der Haupternteprodukte abh\u00e4ngig. Werden Nebenernteprodukte geborgen, k\u00f6nnen diese eine energetische Bilanz stark positiv beeinflussen. Da der Energiegewinn die Differenz zwischen erzieltem Output und eingesetztem Input ist und der Input f\u00fcr Winterweizen (etwa 15 GJ\/ha) gegen\u00fcber dem Output (100-140 GJ\/ha) sehr gering ist, k\u00f6nnen die j\u00e4hrlichen Schwankungen im Energiegewinn zum gr\u00f6\u00dften Teil den Schwankungen im Output, dass hei\u00dft den schwankenden Kornertr\u00e4gen zugeschrieben werden. Klima und Witterung \u00fcben gro\u00dfen Einfluss auf den erzielten Ertrag (Output), aber auch auf den eingesetzten Input aus. In Jahren mit starken negativen Einfl\u00fcssen und niedrigen Ertr\u00e4gen kann der energetische Input durch den erh\u00f6hten Einsatz an Bewirtschaftungsma\u00dfnahmen und Betriebsmitteln relativ hoch sein. In Jahren mit positiven Einfl\u00fcssen k\u00f6nnen dagegen die Ertr\u00e4ge hoch und der Input niedrig sein.<\/p>\n<p>Allein durch die Strohbergung kann die energetische Bilanz eines Betriebes in nicht unerheblichen Umfang verbessert werden. Sie zieht auf Dauer jedoch auch negative \u00f6konomische und \u00f6kologische Folgen nach sich, wie einen h\u00f6heren Einsatz an D\u00fcngemitteln und in Betrieben ohne organische D\u00fcngung auch eine verschlechterte Humusbilanz.<\/p>\n<p>Durch das Einf\u00fcgen von Trendlinien werden die zum Teil erheblichen Schwankungen der Energiegewinne relativiert und die steigende Tendenz im Verlauf der Bilanzjahre deutlich. Da die Strohbergung konstant gehalten wurde, muss diese Steigerung auf die durchgef\u00fchrten Bewirtschaftungsma\u00dfnahmen und daraus resultierend im Durchschnitt der Jahre steigende Kornertr\u00e4ge zur\u00fcckgef\u00fchrt werden [ZERHUSEN-BLECHER, 2000].<\/p>\n<p>Nicht allein die Witterung kann das Ergebnis energetischer Bilanzen in der landwirtschaftlichen Produktion stark beeinflussen, sondern auch die Bodeng\u00fcte. Betrachtet man die Summe der Inputfaktoren, so ist im Durchschnitt der Bilanzjahre kaum ein Unterschied zwischen den Gruppen mit gehobener und geringerer Bodeng\u00fcte ersichtlich. Dagegen ist der Unterschied im Output mit 21,78 GJ\/ha im Durchschnitt der Jahre recht deutlich. Hieraus resultiert auch haupts\u00e4chlich die Differenz im Energiegewinn mit durchschnittlich 24,49 GJ\/ha. Bei nahezu gleichem Input l\u00e4sst sich \u00fcber den deutlich h\u00f6heren Output auch das bessere Output-Input-Verh\u00e4ltnis der Gruppe mit gehobener Bodeng\u00fcte von durchschnittlich 9,14:1 gegen\u00fcber 7,45:1 der Gruppe mit geringerer Bodeng\u00fcte erkl\u00e4ren. Die Unterschiede der Gruppen mit geringerer und gehobener Bodeng\u00fcte (h\u00f6herer Energiegewinn, h\u00f6herer Output und besseres Output-Input-Verh\u00e4ltnis der Gruppe mit gehobener Bodeng\u00fcte) k\u00f6nnen zu einem \u00fcberwiegenden Teil auf die unterschiedlichen Bodenqualit\u00e4ten zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Bei einem Vergleich von landwirtschaftlichen Betrieben in der pflanzlichen Produktion muss neben anderen Aspekten somit auch die eventuell unterschiedliche Beschaffenheit der B\u00f6den Eingang in die Schlussfolgerungen der vergleichenden Betrachtungen finden, um Fehleinsch\u00e4tzungen der Wirtschaftsweisen auf den Betrieben zu vermeiden.<\/p>\n<p>Neben dem Output ist der Input eine entscheidende Gr\u00f6\u00dfe in energetischen Bilanzen. Generell l\u00e4sst sich zwischen fossilem und regenerativem Input unterscheiden. In pflanzenbaulichen Energiebilanzen setzt sich der regenerative Input lediglich aus dem Heizwert des Saatgutes (der relativ konstant ist und wenig Einfluss auf den Gesamtinput aus\u00fcbt) und dem organischen D\u00fcnger zusammen. Der fossile Input beinhaltet neben der Prozessenergie des Saatgutes auch den Pflanzenschutz- und Minerald\u00fcngereinsatz, sowie den Einsatz von Maschinen und Kraftstoffen. Im Verlauf des Forschungsprojektes hat sich gezeigt, dass in vielen F\u00e4llen pflanzlicher Energiebilanzen der mineralische D\u00fcngemitteleinsatz den \u00fcberwiegenden Anteil am fossilen Input bestreitet, zumal wenn keine organischen D\u00fcnger Anwendung finden. Der Einsatz von Maschinen und Kraftstoffen ist eng miteinander gekoppelt und variiert in einem Betrieb mit gegebener Fruchtfolge nur geringf\u00fcgig. Der Pflanzenschutzmitteleinsatz ist mit durchschnittlich 3-5% am fossilen Input in der Bilanz eigentlich zu vernachl\u00e4ssigen. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes zeigen jedoch deutliche Unterschiede zwischen dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln innerhalb unterschiedlicher Kulturarten und Fruchtfolgen. Im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Landwirtschaft ist auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein besonderes Augenmerk zu richten, zumal ein \u00fcberdurchschnittlicher Einsatz auch monet\u00e4r nicht unerheblich ist. Allein auf das Saatgut als relativ konstante Gr\u00f6\u00dfe in der pflanzlichen Produktion und geringem Einfluss auf die Bilanzergebnisse k\u00f6nnte in der energetischen Bilanzierung verzichtet werden. Da die Erhebung und Berechnung dieser Bilanzgr\u00f6\u00dfe schnell und unproblematisch durchzuf\u00fchren ist sollte auch sie dennoch in der energetischen Bilanz enthalten sein.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse insgesamt zeigen, dass eine m\u00f6glichst detaillierte jedoch sinnvoll unterteilte Darstellung der Inputgr\u00f6\u00dfen in einer energetischen Bilanz (Unterteilung des fossilen Inputs in die Gr\u00f6\u00dfen Saatgut, Minerald\u00fcnger, Pflanzenschutzmittel, Maschinen und Kraftstoffe) schon relativ konkrete Aussagen \u00fcber Bewirtschaftungsma\u00dfnahmen zulassen kann, gegen\u00fcber einer Darstellung auf h\u00f6herer Ebene, wie beispielsweise des Gesamtinputs oder des Energiegewinns.<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Kenngr\u00f6\u00dfe der Bilanz ist die Beschreibung der Effizienz. In landwirtschaftlichen Energiebilanzen werden als Kriterien f\u00fcr die Bewertung der Effizienz der eingesetzten Energie in der Regel der Energiegewinn und die Relation von Output zu Input diskutiert. Die Ergebnisse zeigen, dass landwirtschaftliche Betriebe mit einem hohen Energiegewinn nicht gleichzeitig auch ein gutes Output-Input-Verh\u00e4ltnis erzielen m\u00fcssen, sondern den hohen Energiegewinn durch einen \u00fcberproportionalen Input erwirtschaften. Gleichzeitig gibt es Betriebe, die aufgrund ihrer Standortverh\u00e4ltnisse keine hohen E-nergiegewinne erwirtschaften k\u00f6nnen, deren Wirtschaftsweise aber durch ein gutes Verh\u00e4ltnis von Out-put zu Input best\u00e4tigt wird. Da die Hauptaufgabe der landwirtschaftlichen Produktion nach wie vor die Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit qualitativ und quantitativ hochwertigen Nahrungsmitteln ist, ist der Energiegewinn je Fl\u00e4cheneinheit in die Effizienzbetrachtungen mit aufzunehmen. Neben der Produktion von Nahrungsmitteln treten in der landwirtschaftlichen Produktion immer massiver die Aspekte von Umwelt- und Naturschutz in den Vordergrund, so dass die Erzielung hoher Ertr\u00e4ge bzw. hoher Energiegewinne nicht zu Lasten des \u00d6kosystems Acker gehen darf. Im Sinne einer zukunftsf\u00e4higen (nachhaltigen) Landwirtschaft erscheint es daher sinnvoll sowohl den Energiegewinn, als auch das Output-Input-Verh\u00e4ltnis in die Effizienzbetrachtungen einzubeziehen.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der sehr umfangreichen Datengrundlage anhand von Ackerschlagkarteien und Buchf\u00fchrungsunterlagen lassen sich f\u00fcr die pflanzliche Produktion auch r\u00fcckwirkend Energiebilanzen aufstellen. Dies ist in der Tierproduktion h\u00e4ufig nicht m\u00f6glich. Zudem beschr\u00e4nkt sich die Erhebung von Bilanzen hier oft auf die Ebene der gesamten Viehhaltung. Eine Trennung verschiedener Tierarten oder Haltungssysteme ist aufgrund der Datengrundlage in der Regel nicht m\u00f6glich. Im Gegensatz zu den Fl\u00e4chen und Schlagbilanzen der Pflanzenproduktion sind die Energiegewinne der Tierproduktion bei analoger Vorgehensweise immer negativ. Dies liegt darin begr\u00fcndet, dass die Inputgr\u00f6\u00dfen, die in die Stallbilanz einflie\u00dfen vom Tier nicht zu hundert Prozent in tierische Produkte umgewandelt werden k\u00f6nnen. Neben den erzeugten (Markt-)Produkten fallen Exkremente an, die als pflanzliche N\u00e4hrstoffe ber\u00fccksichtigt werden (mit Hilfe von Minerald\u00fcnger\u00e4quivalenten) und den Energiegewinn in der Tierhaltung positiv beeinflussen.<\/p>\n<p>Im Verlauf des Forschungsprojektes hat es sich als problematisch erwiesen, Anhaltspunkte f\u00fcr die Bewertung der Stallbilanzen einzelner Betriebe zu ermitteln, da ein Vergleich von Betrieben untereinander nur sinnvoll ist, wenn gleiche Tierarten mit gleichen Produktionssystemen verglichen werden (z.B. Mastschweinehaltung auf Spaltenb\u00f6den mit kontinuierlicher Mast). Insgesamt ist die Aussagekraft der Stallbilanzen gegen\u00fcber den Fl\u00e4chenbilanzen eher gering. Das Erkennen von Problemfeldern ist aufgrund noch fehlender Erfahrungswerte schwierig. Weiterf\u00fchrende Arbeiten k\u00f6nnten einen wichtigen Schritt zur L\u00f6sung der Probleme in der Interpretation landwirtschaftlicher Stallbilanzen beitragen.<\/p>\n<p>Obwohl die Liste der zu erfassenden Input- und Outputgr\u00f6\u00dfen im Vergleich zu den Fl\u00e4chenbilanzen deutlich verl\u00e4ngert ist, ist die Hoftorbilanz die Bilanzebene, die am ehesten erstellt werden kann. Mit dem Hoftor als Systemgrenze werden alle In- und Outputs erfasst, die das Hoftor passieren. Der Betrieb selbst wird als &#8220;Black-Box&#8221; behandelt und keiner der innerbetrieblichen Abl\u00e4ufe ber\u00fccksichtigt. Die Hoftorbilanz als oberste der drei hier aufgef\u00fchrten Bilanzebenen l\u00e4sst sich f\u00fcr alle Betriebe anhand von Buchf\u00fchrungsunterlagen aufstellen. In der Schlussbetrachtung steht und f\u00e4llt die Hoftorbilanz mit dem Output an pflanzlichen Marktprodukten. Je h\u00f6her dieser Output ist, desto eher ist die Gesamtbilanz im positiven Bereich anzusiedeln, da die positiven Bilanzen der pflanzlichen Produktion die Negativsalden der tierischen Erzeugung auffangen k\u00f6nnen. Je schlechter die Leistungen der Tierproduktion eines Betriebes sind und je h\u00f6her der Viehbesatz (GV\/ha) auf dem jeweiligen Betrieb ist, desto schwieriger wird es, eine insgesamt positive Energiebilanz durch sehr gute Leistungen in der pflanzlichen Produktion zu verwirklichen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes wurden\/werden \u00fcber landwirtschaftliche Zeitschriften und wissenschaftliche Fachliteratur verbreitet. Zudem flie\u00dfen sie in die \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Projektes Leitbetriebe Integrierter Landbau in NRW ein.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die energetische Bilanzierung landwirtschaftlicher Betriebe kann zur Beurteilung der Effizienz der eingesetzten Energie und der Absch\u00e4tzung klimarelevanter Effekte dienen. Mit Hilfe der Erhebungen aus dem Projekt Leitbetriebe Integrierter Landbau in NRW als Datengrundlage und den Kalkulationsmethodiken verschiedener Autoren f\u00fcr die einzelnen Bilanzglieder wurde ein Ansatz f\u00fcr die Energiebilanzierung land-wirtschaftlicher Produktionsverfahren entwickelt.<\/p>\n<p>Der Ansatz ber\u00fccksichtigt die Ebenen des Hoftores, des Stalles und der Fl\u00e4che. Als Datengrundlage dienen in erster Linie Buchf\u00fchrungsunterlagen und Ackerschlagkarteien. Anhand der Datenerfassungsbl\u00e4tter und der dortigen Vermerke ist der Bilanzierungsansatz nachvollziehbar und schnell zu aktualisieren. Durch die Verwendung des Tabellenkalkulationsprogramms EXCEL 07 unter Windows 95 und Daten, die auf buchf\u00fchrenden Betrieben verf\u00fcgbar sind, ist die energetische Bilanzierung mit diesem Ansatz auf den meisten landwirtschaftlichen Betrieben praktikabel. Da keine zus\u00e4tzlichen hohen Kosten z. B. f\u00fcr die Untersuchung von Bodenproben anfallen, ist der Ansatz der energetischen Bilanzierung kosteng\u00fcnstig. Mit seiner Hilfe lassen sich schnell Schwachstellen in Produktionssystemen aufzeigen, die durch weiterf\u00fchrende Untersuchungen konkretisiert bzw. f\u00fcr die L\u00f6sungsans\u00e4tze entwickelt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Generell sind anhand des vorhandenen Datenmaterials auf den landwirtschaftlichen Betrieben Bilanzen f\u00fcr den gesamten Betrieb am schnellsten und einfachsten zu erstellen. Die in diesem Forschungsprojekt durchgef\u00fchrten Berechnungen zeigen, dass mit Hilfe der entwickelten Eingabemasken unter dem Tabellenkalkulationsprogramm EXCEL97 sich Hoftorbilanzen eines Betriebes anhand von Buchf\u00fchrungsunterlagen f\u00fcr mindestens zwei Jahre innerhalb eines normalen Arbeitstages (8 h) aufstellen lassen. Sind die notwendigen Unterlagen f\u00fcr die Berechnung der Schlag- und Fl\u00e4chenbilanz vorhanden, so ist die Aufstellung der Energiebilanz f\u00fcr alle Schl\u00e4ge mit Zusammenfassung der Schl\u00e4ge f\u00fcr die jeweilige Kulturart f\u00fcr ein Bilanzjahr innerhalb eines Tages m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Aufstellung und Interpretation energetischer Bilanzen landwirtschaftlicher Produktionssysteme erscheinen nur \u00fcber mehrere Jahre betrachtet sinnvoll. Eine einj\u00e4hrige Bilanz besitzt nahezu keine Aussagekraft. Je detaillierter die Bilanz in sinnvoller Weise aufgeschl\u00fcsselt ist, desto eher k\u00f6nnen Schwachstellen und Optima in Bewirtschaftungssystemen erkannt werden. Bei der Beurteilung landwirtschaftlicher Energiebilanzen sind auch bei einer mehrj\u00e4hrigen Betrachtung immer die Einflussfaktoren<br \/>\n\t&#8211; Witterung<br \/>\n\t&#8211; Klima<br \/>\n\t&#8211; Bodenqualit\u00e4t<br \/>\n\t&#8211; geografische Lage (Standortverh\u00e4ltnisse)<br \/>\nin die Schlussfolgerungen einzubeziehen, da sie in nicht unerheblichem Ma\u00df die Ergebnisse der Bilanzen beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Damit energetische Bilanzierungen landwirtschaftlicher Produktionssysteme in der Praxis und Beratung Anwendung finden k\u00f6nnen ist zumindest eine teilweise Standardisierung der Methodik zu diskutieren [MOERSCHNER et al., 2000]. Bisher ist es aufgrund unterschiedlicher Zielsetzungen und Vorgehensweisen verschiedener Autoren kaum m\u00f6glich, vorliegende Ergebnisse energetischer Bilanzierungen miteinander zu vergleichen. Zudem fehlen in einigen Bereichen, vor allem aber in der Tierproduktion noch geeignete Rechenwerte.<\/p>\n<p>Durch die unterschiedlichsten Produktionssysteme in den tierhaltenden Betrieben dieses Projektes waren Vergleiche nur schwer m\u00f6glich, so dass Anhaltspunkte f\u00fcr eine Bewertung der aufgestellten Stallbilanzen fehlen. Weiterf\u00fchrende Arbeiten mit der Zielsetzung, Betriebe mit gleichen Produktionssystemen unter gleichen Produktionsbedingungen zu vergleichen, k\u00f6nnten einen wichtigen Beitrag zur Erarbeitung von Anhaltspunkten und Bewertungsgrundlagen in energetischen Stallbilanzen der landwirtschaftlichen Tierhaltung liefern. Vor allem in der tierischen Erzeugung besteht f\u00fcr die Aufstellung und Interpretation pra-xisnaher Energiebilanzen in Zukunft noch erheblicher Forschungsbedarf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Energie- und CO2-Bilanzen dienen zur Beurteilung der Effizienz der eingesetzten Energie und der klimarelevanten Effekte landwirtschaftlicher Produktionsverfahren. Durch die Analyse einzelner Betriebsebenen lassen sich betriebliche Schwachstellen in der Energieeffizienz erkennen und Ansatzpunkte f\u00fcr Systemverbesserungen aufzeigen. Bisher wurde eine derartige ganzheitliche Betriebsanalyse nur an einigen ostdeutschen Gro\u00dfbetrieben versucht. 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