  {"id":18192,"date":"2024-11-27T10:34:28","date_gmt":"2024-11-27T09:34:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/13025-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:31","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:31","slug":"13025-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/13025-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Biotechnologie: Er\u00f6ffnung eines gesellschaftlichen Diskurses \u00fcber kritische Fragen der Entwicklung und Nutzung von Biotechnologien"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Biotechnologie ist w\u00e4hrend der 80er Jahre \u00fcber den Bereich der Grundlagenforschung hinausgewachsen, sie ist heute Gegenstand staatlicher F\u00f6rderungspolitik und industrieller Verwertungsinteressen. Die Biotechnologie stand aber auch von Anfang an im Brennpunkt der \u00f6ffentlichen Kritik. Auf ihre Entwicklung und Nutzung richten sich hohe Erwartungen, zugleich werden aber auch von vielen Menschen inh\u00e4rente Gefahrenpotenziale gesehen und ethische Bedenken vorgetragen, ohne dass entsprechende Foren zur Verf\u00fcgung st\u00e4nden. Das von der Forschungsst\u00e4tte der evangelischen Studiengemeinschaft in Kooperation mit der Evangelischen Akademie der Pfalz durchgef\u00fchrte Projekt zielt auf die Er\u00f6ffnung eines gesellschaftlichen Diskurses \u00fcber kritische Fragen der Entwicklung und Nutzung von Biotechnologie. Das Vorhaben ist auf die BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck zugeschnitten und auf 34 Monate angelegt. F\u00fcr die wissenschaftliche Begleitung ist die Forschungsst\u00e4tte der evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg zust\u00e4ndig, f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der \u00f6ffentlichen Veranstaltungen die Evangelische Akademie der Pfalz in Speyer. In Konsultationen und \u00f6ffentlichen Veranstaltungen bieten die Kooperationspartner ein Forum, auf dem die beteiligten und betroffenen Gruppen ihre unterschiedlichen Interessen und Positionen, \u00dcberzeugungen und Bewertungen offen legen und begr\u00fcnden sowie pr\u00fcfen und bewerten k\u00f6nnen. In einem verstetigten Gespr\u00e4chszusammenhang soll zu einer differenzierteren Urteilsbildung in einzelnen Konfliktfeldern beigetragen und zu selbsttragenden Folgeaktivit\u00e4ten angeregt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm eine sachgerechte und problemorientierte Diskussion der mit der Entwicklung und Anwendung moderner Biotechnologien und Gentechnik verbundenen Chancen und Risiken zu erm\u00f6glichen und zu unterst\u00fctzen, wurde der Projektarbeit ein integratives Diskurskonzept zugrundegelegt, das den wissenschaftlichen und \u00f6ffentlichen Diskurs sowie die Arbeit mit Multiplikatoren verkn\u00fcpft. Auf diese Weise wurde es den Experten erm\u00f6glicht, die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Zielsetzungen ihrer Arbeit und die verwendeten Methoden zu informieren und zu einer sachlichen Aufkl\u00e4rung beizutragen, zugleich bot sich der \u00d6ffentlichkeit die M\u00f6glichkeit, ihre Bedenken und Vorbehalte vorzutragen und die den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Zielsetzungen zugrundeliegenden Priorit\u00e4ten zu hinterfragen. Dieses Diskurskonzept, das darauf zielt, Dissense zu pr\u00e4zisieren, Konsensbereiche zu identifizieren und nicht erkannte Konsenschancen zu Tage zu f\u00f6rdern, wurde in der BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck exemplarisch durchgef\u00fchrt.<br \/>\n&#8211;\tWissenschaftlicher Diskurs:<br \/>\nIn den Arbeitskreisen, in denen Repr\u00e4sentanten aus Forschungsinstituten und Wirtschaftsunternehmen sowie Vertreter aus Verb\u00e4nden und gesellschaftlichen Gruppen teilnahmen, wurden solche Forschungsrichtungen und Anwendungsbeispiele im Kontext der modernen Biotechnologie und Gentechnik zum Gespr\u00e4chsgegenstand gemacht, die in der wissenschaftlichen und \u00f6ffentlichen Diskussion kontrovers behandelt werden.<br \/>\n&#8211; \u00d6ffentlicher Diskurs:<br \/>\nDie im interdisziplin\u00e4ren Gespr\u00e4ch herausgearbeiteten Fragestellungen und Positionen wurden in \u00f6ffentlichen Tagungen zur Diskussion gestellt. Durch die Verbindung von wissenschaftlichem und \u00f6ffentlichem Diskurs wurde sichergestellt, dass Themenfelder und Fragestellungen zu einem fr\u00fchen Zeitpunkt in den \u00f6ffentlichen Diskurs eingespeist wurden, dass die wirklich relevanten Aspekte der Themen zum Gegenstand der Veranstaltung gemacht wurden, usw.<br \/>\n&#8211; Arbeit mit Multiplikatoren:<br \/>\nDer wissenschaftliche und \u00f6ffentliche Diskurs wurde durch die begleitende Arbeit mit Multiplikatoren unterst\u00fctzt. Besonderes Augenmerk wurde auf die Multiplikatorengruppen Lehrer und Pfarrer gerichtet. Die Arbeit mit Multiplikatoren wurde durch die im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen und \u00f6ffentlichen Diskurs erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen qualifiziert und bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In den wissenschaftlichen Arbeitsgruppen wurden verschiedene Fallbeispiele und Themenfelder im Kontext moderner Biotechnologie und Gentechnik behandelt. Verlauf und Ergebnis dieser Urteilsbildungsprozesse haben insbesondere zu den folgenden Einsichten gef\u00fchrt:<br \/>\n1.\tDas von Bender\/Platzer\/Sinemus entwickelte und den Urteilsbildungsprozessen zugrundegelegte Strukturmodell ethischer Urteilsbildung im Kontext moderner Technologien erf\u00e4hrt eine Erweiterung um eine vorg\u00e4ngige Ebene: Wahrnehmungsweisen und Verstehenshorizonte. Auf dieser Ebene wird im Vorfeld des konkreten Problems eine gemeinsame Verst\u00e4ndigung \u00fcber die vorausgehenden erkenntnis- und handlungsleitenden Orientierungen im vortheoretischen bzw. vor- oder au\u00dferrationalen Bereich &#8211; hiermit sind sinnliche Wahrnehmungsweisen, Gef\u00fchlsbezogenheiten, Ideale, Tr\u00e4ume, usw. bezeichnet &#8211; und im theoretischen bzw. rationalen Bereich &#8211; hierunter fallen Abstraktionsweise, Methodenwahl, Erkenntnismodell, Wissenschaftsideal, usw. &#8211; angestrebt. Auf diese Weise kann der Komplexit\u00e4t der Situationen bzw. Kontexte sowie der Uneindeutigkeit der relevanten Begriffe und moralischen Intuitionen Rechnung getragen werden.<br \/>\n2.\tDie allgemeinen Erkenntnisse betreffen zum anderen die Zielsetzungen, die mit diskursiven Prozessen verfolgt werden. Im Diskurs geht es um grunds\u00e4tzliche Fragen mit normativen Gehalten. Sie sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Suchprozesses. Diskurse m\u00fcssen interdisziplin\u00e4r organisiert sein, d.h. sie sollen Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaftler, aber auch politisch Verantwortliche, Betroffene und Laien. Sie m\u00fcssen in der Weise organisiert und geleitet werden, dass die unterschiedlichen Kompetenzen, Interessen, Erfahrungen und Positionen gleichberechtigt eingebracht werden k\u00f6nnen. Die Ergebnisse werden vermutlich keine umfassenden Konsense sein, oft auch keine Minimalkonsense, eher Kataloge von Dissensen und Konsensinseln, die Ausgangspunkt f\u00fcr moralisch begr\u00fcndetes Urteilen, Entscheiden und Handeln sein k\u00f6nnen.<br \/>\nnsgesamt kann es nicht um Probleml\u00f6sung durch eindeutige Kl\u00e4rung moralisch-ethischer Richtigkeit gehen, sondern um die gemeinsame Auseinandersetzung mit den ethischen Problematiken im konkreten Bezug auf situative Bedingungen. Die Ethik wird im Prozess der Problembew\u00e4ltigung dazu aufgefordert, die lebensweltliche Konkretheit ihrer Diskurse und damit Fragen einer Beziehungsethik zu ihrem eigenen Programm zu machen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation des Projektes erfolgt durch Vortr\u00e4ge, Beratungen und Ver\u00f6ffentlichungen, wie z.B.:<br \/>\nPlatzer, K.: Ethische Urteilsbildung und Gentechnik: Erfahrungen mit f\u00e4cher\u00fcbergreifenden Lehrerfortbildungen. In: Frey, H.D.: Landesbiologentag Gentechnik und Ethik in der Diskussion, T\u00fcbingen, 1998, S. 61-68.<br \/>\nH\u00f6rner, V.\/Platzer, K.: Die W\u00fcrde des Menschen ist (un)antastbar? Bioethik in der Diskussion, Reihe: Speyrer Texte H. 4, Speyer, 1999.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das integrative Diskurskonzept, das den wissenschaftlichen und \u00f6ffentlichen Diskurs sowie die Arbeit mit Multiplikatoren verbindet, hat sich bew\u00e4hrt. Themenfelder und Fallbeispiele, die in zuk\u00fcnftigen Vorhaben dieses Zuschnitts bearbeitet werden sollten, betreffen im Bereich der Gr\u00fcnen Gentechnik die Themen Functional Food und Novel Food. Im Bereich der Roten Gentechnik sollte das im Rahmen dieses Projekts bearbeitete Themenfeld Stammzellforschung weiter verfolgt werden. Der Fokus der Arbeit sollte nicht auf der Statusdiskussion, sondern auf den ethischen Implikationen und gesellschaftlichen Folgewirkungen liegen, die mit der Forschung an humanen Stammzellen verbunden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Biotechnologie ist w\u00e4hrend der 80er Jahre \u00fcber den Bereich der Grundlagenforschung hinausgewachsen, sie ist heute Gegenstand staatlicher F\u00f6rderungspolitik und industrieller Verwertungsinteressen. Die Biotechnologie stand aber auch von Anfang an im Brennpunkt der \u00f6ffentlichen Kritik. 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