  {"id":17887,"date":"2025-07-18T10:32:03","date_gmt":"2025-07-18T08:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10423-01\/"},"modified":"2025-07-18T10:32:03","modified_gmt":"2025-07-18T08:32:03","slug":"10423-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10423-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung von Entscheidungsrichtlinien und modellhaften Verfahren zum Einsatz von Fleischziegen in der Landschaftspflege"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Angesichts der zunehmenden Nutzungsaufgabe, insbesondere auf ertragsarmen, aber \u00f6kologisch wertvollen und landschaftstypischen Fl\u00e4chen und einer damit verbundenen Standortverbuschung war es Ziel des Projektes, mit der extensiven Fleischziegenhaltung ein Verfahren aufzuzeigen, das eine pflegerisch erfolgreiche und zugleich kosteng\u00fcnstige Alternative zur aufwendigen maschinengebundenen Pflege von Sukzessionsstandorten darstellt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDa eine mit Fachverstand gef\u00fchrte, tiergerechte und leistungsf\u00e4hige Fleischziegenhaltung  Voraussetzung f\u00fcr den erfolgreichen Pflegeeinsatz von Fleischziegen ist, wurde in einem ersten Arbeitsschritt das Verfahren der Fleischziegenhaltung in allen Bereichen (Produktionstechnik, Vermarktung, \u00d6konomie) analysiert. Grundlage der Untersuchungen waren zum einen 22 Betriebe mit Fleischziegenhaltung im s\u00fcddeutschen Raum, die zweimal besucht und pers\u00f6nlich befragt wurden. Zum anderen wurden Exaktdaten aus der Fleischziegenherde des Versuchsbetriebes Jungborn der Fachhochschule N\u00fcrtingen gewonnen. Aus den Erkenntnissen konnten Aussagen\/Empfehlungen f\u00fcr eine erfolgreiche Fleischziegenhaltung abgeleitet werden.<br \/>\nEin zweiter Arbeitsschritt befasste sich mit Untersuchungen zum Einsatz von Fleischziegen in der Landschaftspflege. Auch dieser Untersuchungsbereich verfolgte den Ansatz, praktische Erfahrungen von verschiedenen Standorten mit den Ergebnissen gezielter Versuche zum Pflegeeinsatz von Ziegen der Versuchsherde der Fachhochschule N\u00fcrtingen zu erg\u00e4nzen. Dabei wurden 26 mit Ziegen gepflegte Standorte bzgl. Sukzessionsgrad, Pflegeerfolg, Beweidungsart, etc. bewertet und die zust\u00e4ndigen Tierhalter zu Durchf\u00fchrungs- und F\u00f6rderma\u00dfnahmen befragt.<br \/>\nZur F\u00f6rderung der Umsetzung wurden abschlie\u00dfend Hinweise zur Realisierung von Ziegenbeweidungen in Pflegegebieten gegeben und modellhafte Verfahren zum Einsatz von Ziegen zur Landschaftspflege vorgestellt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Untersuchungen zur Fleischziegenhaltung zeigten, dass sich dieses Verfahren in der Praxis sehr flexibel in verschiedene Betriebstypen einpasst. Die aus dem s\u00fcdlichen Afrika stammende Burenziege wird am h\u00e4ufigsten gehalten. Die Rasse weist eine gute Adaptation an mitteleurop\u00e4ische Standort- und Klimaverh\u00e4ltnisse auf, \u00fcberzeugt durch fleischreiche Schlachtk\u00f6rper und ein ruhigeres Temperament als die milchbetonten Edelziegen. Es konnte jedoch eine signifikante \u00dcberlegenheit von Kreuzungsmutterziegen Bunte Deutsche EdelziegexBurenziege in der Aufzuchtleistung nachgewiesen werden. Auch die reinen milchbetonten Edelziegen zeigten als Mutterziegen ein noch respektables Leistungsniveau. Daraus folgt die Empfehlung, eine Fleischziegenherde nicht durch den Zukauf teurer Burenziegen aufzubauen, sondern auf der Grundlage milchbetonter Edelziegen, die mit Burenb\u00f6cken im Rahmen der Verdr\u00e4ngungskreuzung angepaart werden.<br \/>\nDie Laufstallhaltung im Winterhalbjahr ist die artgerechteste Aufstallung f\u00fcr Ziegen und ist auch in den meisten Betrieben zu finden. Dar\u00fcber hinaus werden verschiedene Ans\u00e4tze zur Haltungsoptimierung, wie Stallauslauf, Liegenischen, Aufzuchtkisten, etc. aufgezeigt, die in der Praxis bisher kaum verbreitet sind. W\u00e4hrend des Weideganges im Sommerhalbjahr wird dringend geraten, den Ziegen ein Witterungsschutz zu bieten, da so die vergleichsweise witterungsempfindlichen Ziegen bei anhaltend feucht-kalten Wetterlagen einen besseren Konditionszustand aufweisen.<br \/>\nDie begrenzte Nachfrage nach Ziegenlammfleisch ist ein wesentliches Hemmnis f\u00fcr den Aufbau gr\u00f6\u00dferer Fleischziegenherden. Durch verschiedene Ma\u00dfnahmen zur Absatzf\u00f6rderung (Kundeninformationen, Veranstaltungen, &#8230;) konnte unter Nutzung von Synergieeffekten (Tierhalter-Naturschutz-Gastronomie) eine nachhaltige Marktanregung erreicht werden.<br \/>\nGem\u00e4\u00df der betriebswirtschaftlichen Analyse weist die Fleischziegenhaltung bei deutlich h\u00f6heren Produktpreisen eine \u00e4hnliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit wie die Koppelschafhaltung auf.<br \/>\nDie Untersuchungen belegen, dass die Ziege an unterschiedlichsten Standorten zur Sukzessionsbek\u00e4mpfung eingesetzt werden kann. Am h\u00e4ufigsten handelt es sich um Heiden, Magerrasen und Felsfluren. W\u00e4hrend alle Laub- und Nadelgeh\u00f6lze als auch die meisten dornentragenden Pflanzen schon im ersten Pflegejahr von der Ziege effektiv verbissen und zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden, ist ein entsprechender Pflegeerfolg bei mit Schwarzdorn durchsetzten Fl\u00e4chen erst nach etwa 3 Jahren festzustellen.<br \/>\nDer Erfolg eines Pflegeeinsatzes von Ziegen ist letztlich entscheidend von den Durchf\u00fchrungsma\u00dfnahmen abh\u00e4ngig, die jedoch mit den Standortverh\u00e4ltnissen und Pflegezielen variieren. Nur durch die Auswahl geeigneter Herdengruppen (mit geringem N\u00e4hrstoffanspruch), einer angepa\u00dften Weidef\u00fchrung und Zauntechnik kann der erw\u00fcnschte Pflegeeffekt erzielt, die Konditions- und Leistungsf\u00e4higkeit der Ziegen erhalten und Aufwendungen minimiert werden.<br \/>\nVon den verschiedenen fleischziegenhaltenden Betriebstypen m\u00fcssen die Gemeinschaftshaltungen als vorbildlich herausgestellt werden. Diese vor allem im Schwarzwald etablierte Haltungform hat den Vorteil, dass die Ziegenhaltung von einer Gruppe getragen wird, damit geringe Arbeits-, Kapital- und Risikobelastungen f\u00fcr den Einzelnen bestehen und eine starke zielorientierte Motivation (Ziegen zur Erhaltung der heimischen Kulturlandschaft) bei allen Mitwirkenden vorhanden ist.<br \/>\nDie zus\u00e4tzlichen Kosten f\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer Pflegebeweidung mit Ziegen bewegen sich zwischen 650-700,- DM\/ha+Jahr bei mehrj\u00e4hrigem Pflegeeinsatz &#8211; abz\u00fcglich des Futterwertes der meist pachtfreien Pflegefl\u00e4chen nur bei 500-600 DM\/ha+Jahr. Damit wird offensichtlich, dass Ziegen eine deutlich kosteng\u00fcnstigere Pflegealternative am Sukzessionsstandort darstellen als maschinengebundene Pflegeeins\u00e4tze (1500,- bis 8000,- DM\/ha+Jahr).<br \/>\nZur Realisierung von Pflegeverfahren mit Ziegen ist ein verst\u00e4rkter Kontakt und Informationsaustausch zwischen Naturschutzeinrichtungen und Ziegenhaltern dringend geboten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Vortr\u00e4ge und Publikationen; Durchf\u00fchrung von Tagungen zum Einsatz von Ziegen in der Landschaftspflege; Pr\u00e4sentation von Erkenntnissen auf Tagungen, Messen, Ausstellungen; Erarbeitung einer Wanderausstellung Ziegen-Mensch-Landschaft; Ausgabe eines Richtlinienpapiers.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Ziegen unterschiedlichste Sukzessionsstandorte effizient und kosteng\u00fcnstig pflegen k\u00f6nnen. Voraussetzung daf\u00fcr sind sachgem\u00e4\u00dfe pflege- und tierbezogene Durchf\u00fchrungsma\u00dfnahmen, eine m\u00f6glichst wettbewerbsf\u00e4hige Fleischziegenhaltung mit erfolgreicher Vermarktung unter Ausnutzung von Synergieeffekten sowie ein kontinuierlicher Kontakt zwischen Ziegenhaltern und Naturschutz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Angesichts der zunehmenden Nutzungsaufgabe, insbesondere auf ertragsarmen, aber \u00f6kologisch wertvollen und landschaftstypischen Fl\u00e4chen und einer damit verbundenen Standortverbuschung war es Ziel des Projektes, mit der extensiven Fleischziegenhaltung ein Verfahren aufzuzeigen, das eine pflegerisch erfolgreiche und zugleich kosteng\u00fcnstige Alternative zur aufwendigen maschinengebundenen Pflege von Sukzessionsstandorten darstellt. 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